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    <title>new filmkritik für lange texte</title>
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    <pubDate>Sun, 21 Mar 2010 01:14:02 GMT</pubDate>
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      <title>Danièle Huillet – Erinnerungen, Begegnungen</title>
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      <description>&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-01.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;NICHT VERS&amp;Ouml;HNT (1965)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;&lt;b&gt;Jean-Marie Straub&lt;/b&gt; &amp;#8211; Dani&amp;egrave;le und ich sind uns im November 1954 in Paris begegnet &amp;#8211; wir erinnern uns gut daran, weil das der Beginn der algerischen Revolution war. Ich war mehrmals per Autostop nach Paris gekommen, um Filme zu sehen, die es bei uns nicht gab, LOS OLVIDADOS von Bu&amp;ntilde;uel, THE QUIET MAN von Ford, THE RIVER von Renoir, LE JOURNAL D'UN CUR&amp;Eacute; DE CAMPAGNE von Bresson. [ ... ] In Strasbourg und in Nancy habe ich je ein Jahr Literatur studiert. Aber in Paris habe ich gar nichts gemacht, ich bin ein wenig an die Sorbonne und ins Lyc&amp;eacute;e Voltaire gegangen, in die Vorbereitungsklasse f&amp;uuml;r das IDHEC, wo ich Dani&amp;egrave;le begegnet bin. Ich kam vom Filmfestival in Venedig zur&amp;uuml;ck und berichtete dar&amp;uuml;ber f&amp;uuml;r Zeitungen, die es damals gab.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Wie haben Sie die Leute der &lt;/i&gt;Cahiers du cin&amp;eacute;ma&lt;i&gt; kennengelernt?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In der Cin&amp;eacute;math&amp;egrave;que, Avenue de Messine. Ich habe sie in meinen Filmclub in Metz eingeladen: Truffaut, Doniol und Bazin, der zweimal gekommen ist, um FARREBIQUE und LE JOURNAL D'UN CUR&amp;Eacute; DE CAMPAGNE vorzustellen. Ich habe Godard, Rohmer und vor allem Rivette kennengelernt. Bei dessen erstem Kurzfilm, LE COUP DU BERGER, habe ich ein wenig mitgearbeitet &amp;#8211; ich habe einen Dolly die Treppen in Chabrols Haus hochgetragen, und mich im Abspann als &amp;#8222;Regieassistent&amp;#8220; wiedergefunden. Mit Chabrol habe ich mich &amp;uuml;ber Witzeleien gut verstanden. Einmal habe ich spa&amp;szlig;eshalber so dahingesagt: &amp;#8222;Die Zeit und der Raum &amp;#8211; das ist dasselbe f&amp;uuml;r jemanden, der Filme macht&amp;#8220; &amp;#8211; und Chabrol hat geantwortet: &amp;#8222;Voil&amp;agrave;, da ist einer, der eine gro&amp;szlig;e Zukunft hat!&amp;#8220; [&lt;i&gt;Lachen&lt;/i&gt;] ... Bevor ich mich zum Weggehen entschlossen habe, 1958, hatte ich einen Brief von Rivette in der Tasche, in dem er mich freundlich aufforderte, ihm bei PARIS NOUS APPARTIENT zu assistieren. Ich habe ihm geantwortet: &amp;#8222;Ich bin in Deutschland, wenn ich wiederk&amp;auml;me, w&amp;uuml;rde ich im Gef&amp;auml;ngnis landen. Ich werde nicht da sein.&amp;#8220; Ich bin weggegangen, weil ich algerische Freunde hatte, und als die erste Granate explodiert ist in Algerien 1954, dachte ich, da&amp;szlig; die Algerier recht h&amp;auml;tten. Und dann hatte ich franz&amp;ouml;sische Bekannte, die von dort mit h&amp;auml;ngenden K&amp;ouml;pfen wiederkehrten und schwiegen, und &amp;uuml;ber die man sechs Monate sp&amp;auml;ter erfuhr, da&amp;szlig; sie bei Folterungen mitmachen mu&amp;szlig;ten &amp;#8211; oder auch nicht mitmachten ... Au&amp;szlig;erdem, wenn ich nicht aus Frankreich weggegangen w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte Dani&amp;egrave;le sich von mir abgewandt. Ich hatte keine Wahl &amp;#8211; erstmal der &amp;Uuml;berzeugung wegen, dann der Liebe wegen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Und f&amp;uuml;r Sie, wann ist f&amp;uuml;r Sie der Wunsch entstanden, Filme zu machen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Dani&amp;egrave;le Huillet&lt;/b&gt; &amp;#8211; Ich, ich wollte Dokumentarfilme in Afrika machen. Ich h&amp;auml;tte also nicht ihm begegnen sollen, sondern Jean Rouch [&lt;i&gt;Lachen&lt;/i&gt;] ... Also habe ich mich am IDHEC eingeschrieben, weil ich wu&amp;szlig;te, da&amp;szlig; man, wenn man nicht zu einer gewissen Kaste von Filmleuten geh&amp;ouml;rte, beim IDHEC Zeit gewinnen konnte. Die Periode, wo man einfach so beim Kinofilm einsteigen konnte, war vorbei. Aber bei der Bewerbung mu&amp;szlig;te man einen Film von Yves All&amp;eacute;gret, MAN&amp;Egrave;GES, analysieren: ich habe ein Blatt abgegeben, auf das ich ganz einfach geschrieben habe, ob man uns ver&amp;auml;ppeln wolle &amp;#8211; zu verlangen, &amp;uuml;ber einen solchen Film zu schreiben. Ich liebte Filme wie LOS OLVIDADOS oder DAS LEBEN DER FRAU OHARU. Das war doch etwas ganz anderes.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Hat Dani&amp;egrave;le Sie zum Filmemachen bewogen &amp;#8211; wer war der Motor bei Ihnen als Paar?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Jean-Marie Straub&lt;/b&gt; &amp;#8211; Ohne Dani&amp;egrave;le h&amp;auml;tte ich nie einen Film gemacht, ich bin zu faul dazu. Ich w&amp;auml;re auf der Strecke geblieben, weil man ganz allein einem derartigen System nicht widerstehen kann. Wie Leterrier in UN CONDAMN&amp;Eacute; &amp;Agrave; MORT S'EST &amp;Eacute;CHAPP&amp;Eacute; sagt: &amp;#8222;Zu zweit ist es leichter.&amp;#8220; [ ... ]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Aus einem Interview mit Fr&amp;eacute;d&amp;eacute;ric Bonnaud, Serge Kaganski und Dominique Marchais.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Les Inrockuptibles&lt;/i&gt;, No 91, Paris, 12.-18.2.1997&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/umiliati_01.jpg" width="333" height="222" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Dreharbeiten zu UMILIATI (2003)&lt;br /&gt;&amp;#10;(c) Marion Befve &lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/jcoute_1.jpg" width="333" height="222" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Dreharbeiten zu QUEI LORO INCONTRI (2005)&lt;br /&gt;&amp;#10;(c) Giulio Bursi&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/huillet_libe.jpg" width="333" height="444" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Eine sonnenhafte Utopie&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;FILMFESTIVAL BERLIN, 1987&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Saal ist voll. Die Mehrzahl der Leute, die sich da dr&amp;auml;ngen, haben den TOD DES EMPEDOKLES gar nicht bis zu seinem tragischen Ende verfolgt, sind aber dennoch gekommen - gewi&amp;szlig; deshalb, um ihre Ablehnung kundzutun: So ein Film wie dieser, ein &amp;#8222;Anti-Film&amp;#8220;, ein &amp;#8222;Feind des Kinos&amp;#8220;, hatte im offiziellen Wettbewerb nichts zu suchen; wir befinden uns in Berlin, und die Mauer trennt die Stadt noch in zwei Teile.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In Wahrheit ist man gekommen, um zu schauen, wie die beiden so sind. Jean-Marie redet. Die wenigen Fragen, manchmal disqualifiziert durch ein nicht anzufechtendes &amp;#8222;Uninteressant&amp;#8220;, werden zur Abflugpiste f&amp;uuml;r seine Rede, die ebenso durchdringend ist. An seiner Seite, unglaublich sch&amp;ouml;n, majest&amp;auml;tisch, ist Dani&amp;egrave;le, die all diese neugierigen und gespannten, manchmal feindseligen Gesichter ohne Verachtung ins Auge fa&amp;szlig;t.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Lange habe ich gedacht, da&amp;szlig; die Kunst, das Kino, eine Angelegenheit der Einsamkeit seien. Lange habe ich von den Filmen von Straub gesprochen. Aber mit der Zeit, mit den Jahren der Arbeit, habe ich gesehen, da&amp;szlig; sie zu zweit waren und da&amp;szlig; das ihre St&amp;auml;rke war. Sie taten sich zusammen, um der Welt zu widerstehen. Diese absolute Autonomie, die mit jedem Film dichter und kompromi&amp;szlig;loser wurde, erschien mir allein unlebbar, ich beneidete sie darum, obschon ich wu&amp;szlig;te, welchen Preis sie daf&amp;uuml;r zahlten. Aber es trug mich, das Kino DER Straubs.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Sie wei&amp;szlig;, da&amp;szlig; er im Begriff ist, zu weit zu gehen, genau dorthin geht, wo er hin will. Er denkt, also &amp;uuml;bertreibt er, sie hei&amp;szlig;t es gut, ohne etwas anderes beizuf&amp;uuml;gen als da und dort einen fehlenden Eigennamen, ein genaues Datum, einen Teil eines Zitats. Um die beiden herum die Darsteller, sich ihrer Sache sicher, &amp;uuml;berzeugt (zu Recht), an einem flammenden, erdhaften Werk teilgenommen zu haben, das sie alle &amp;uuml;bersteigt. Das ist der Krieg. Das massive Schweigen von D ist die conditio sine qua non f&amp;uuml;r das Abheben des Gedankens, die Entfaltung des Vortrags.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Er redet immer, er&amp;ouml;ffnet, &amp;uuml;berbordet in seinem untadeligen Deutsch mit Pariser Akzent. Und auch wenn sie kein Wort sagt, so ist sie doch ganz da, h&amp;ouml;rbar, wie wenn sie mit ihrer Stummheit die notwendigen Exzesse des vorw&amp;auml;rtsdr&amp;auml;ngenden Wortes sch&amp;uuml;tzte. Dieses ges&amp;auml;ttigte Wissen &amp;uuml;ber den Film, das gesagt und nochmal gesagt werden mu&amp;szlig;, das ist in ihr, das unterst&amp;uuml;tzt und ermutigt sie mit ihrem sanften und ein wenig m&amp;uuml;den Blick &amp;#8211; m&amp;uuml;de deswegen, weil man sich immer noch herumschlagen mu&amp;szlig; (es ist so lang her, da&amp;szlig; ...).&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Oft lieben sich K&amp;uuml;nstler, stehen Seite an Seite, bewundern und stimulieren sich; was aber einzigartig bleibt, ist das tolle Projekt, gemeinsame Sache zu machen. Das Kino, das doch ein so g&amp;uuml;nstiges Klima schafft f&amp;uuml;r die Aufreizung des Ego, f&amp;uuml;r die Beziehungen von Unterwerfung und Domination, liefert uns wohl Beispiele f&amp;uuml;r sch&amp;ouml;pferische Bruderschaften, welche die Konflikte und Rivalit&amp;auml;ten im Geheimnis der Blutsbande verd&amp;uuml;nnen - die Straubs aber er&amp;ouml;ffneten eine mehr sonnenhafte Utopie. Das Risiko, der Eigensinn, immer neu gesetzt und fester gebunden, wurden f&amp;uuml;r uns ein R&amp;uuml;ckhalt; und wir wu&amp;szlig;ten, wie es sich mit der duellierenden Wesensart dieses Sterns verhielt.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Jetzt ber&amp;uuml;hrt er das Wesentliche, er greift an, er will an gewisse L&amp;ouml;sungen erinnern, die man ein bi&amp;szlig;chen zu schnell weggelegt hat: die Natur, die um Gnade bittet, die Utopie, die Diktatur des Proletariats. Und obschon jedermann wei&amp;szlig;, da&amp;szlig; das wunderbare Projekt, das er beschw&amp;ouml;rt, nicht das ist, was man, f&amp;uuml;r einige Monate noch, auf der anderen Seite der Mauer verrotten sieht, so emp&amp;ouml;rt man sich doch; alles ist recht, um nicht zu denken.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;D wei&amp;szlig;, was die Leute so furchtbar aufbringt: es ist die Hypothese einer die Welt betreffenden &amp;Auml;nderung. Diejenige, die der Film uns, einen Augenblick lang, notwendig und w&amp;uuml;nschenswert hat erscheinen lassen. Sie schaut sich die erstarrten Professionellen an, die vom Geschehen, in dem sich Denken und Kino vereinigen, &amp;uuml;berfordert sind. Ihn blickt sie kaum an, das ist nicht n&amp;ouml;tig: sie sind ein Leib.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Nicht um Komplizenschaft ging es, nicht um Solidarit&amp;auml;t. Nie werden die Jahre der Zusammenarbeit, des Kampfes in Gesten und &amp;Auml;u&amp;szlig;erungen von Gef&amp;uuml;hlen &amp;ouml;ffentlich inszeniert. Nein, die stetige Zwiesprache wird gen&amp;auml;hrt von gegenseitigem Respekt, auch von gewahrter Distanz. Man siezt sich. F&amp;uuml;hlbar existent ist die Verschmelzung nur in den Filmen, den Werken, die sich aneinanderreihen; sie ist die Urmaterie der Arbeit und hat nur mit dem Sozialen, dem Beweis zu tun.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;LE FRESNOY, 2001&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Viel sp&amp;auml;ter, Jahre sp&amp;auml;ter, etliche Filme sp&amp;auml;ter. Keine Mauer mehr in Berlin, kein real existierender Sozialismus. Die beiden haben in Le Fresnoy Zuflucht gefunden. Sie beenden den Schnitt ihres Films OPERAI, CONTADINI. Kleine Gruppen von ver&amp;auml;ngstigt schweigenden Studenten sind gekommen, um die Arbeit zu beobachten, als w&amp;auml;re das ein Zeremoniell. Der Film ist fast beendet, und die beiden K&amp;uuml;nstler &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen ein letztes Mal das Ganze in seiner Kontinuit&amp;auml;t, Rolle nach Rolle, auf einem sch&amp;ouml;nen 35mm-Schneidetisch. Die Sch&amp;uuml;ler haben noch nie Objekte dieser Art gesehen. Sie &amp;#8211; so wie er &amp;#8211; will mit der AVID-Digitalapparatur nichts zu tun haben. Sie verweigert sich dem. Die Gewalt des Virtuellen wird weder auf sie noch auf ihr Kino Zugriff erhalten. Sie brauchen die Materie, das Gewicht der Dinge, den Filmstreifen, die Erde.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Er spricht nicht mehr. Jetzt ist sie der Mittelpunkt. Sie ist es, die handhabt, bef&amp;uuml;hlt, ber&amp;uuml;hrt; im Halbdunkel nimmt man ihre wei&amp;szlig;en, t&amp;auml;tigen Handschuhe und sein Profil wahr, das sich vom sanften Licht des Films, von den vorbeiziehenden Bildern abhebt. Das Publikum h&amp;auml;lt respektvolle Distanz und w&amp;uuml;rde aufh&amp;ouml;ren zu atmen, wenn das m&amp;ouml;glich w&amp;auml;re. Es ist noch n&amp;ouml;tig zu schleifen, zu feilen, das wei&amp;szlig; er; aber wenn ein Schnitt sich aufdr&amp;auml;ngt, wenn ein Bild noch im schwarzen Samtkorb des Galgens h&amp;auml;ngen sollte, zieht er vor, das nicht zu sehen. Sie ist es, die sich damit befa&amp;szlig;t, wie eine Parze es t&amp;auml;te, ohne Unsicherheit, w&amp;auml;hrend er rausgeht, um auf dem sonnenbeschienenen Gang eine Zigarette zu rauchen. &amp;#8222;Denken Sie wirklich, da&amp;szlig; ...&amp;#8220; Ja, sie glaubt es, sie wei&amp;szlig; es in der Dunkelheit: der Film mu&amp;szlig; gewetzt und gesch&amp;auml;rft werden wie ein Messer.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Wind. Fabrik. Kamera. Furche. Bewegung. K&amp;ouml;rper. Proletariat. Pflug. Landschaft. Widerstand. Schnitt. Strecke. Schwenk. Felsen. Wolken. Feld. Sonne. Akkord. Stra&amp;szlig;e. Kader. Zwei. Pflugschar. Bewegung 2. Trauer. Erde. Film.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ist die Rolle &amp;uuml;berpr&amp;uuml;ft und perfekt, verschwindet sie f&amp;uuml;r einen Moment, verl&amp;auml;&amp;szlig;t die dunkle Fabrik. Auf dem Gang begegnen sie sich, sie beruhigt ihn. Dann kommt sie zur&amp;uuml;ck, tr&amp;auml;gt schwer am Gewicht der neuen Rolle und an den Jahren des Anspruchs, dem Gewicht der Kunst. Sie ist die Achse. Sie installiert sich wieder am Tisch, ordnet die Haare (die schon etwas grau sind), entschuldigt sich wegen der Langsamkeit des Vorgangs, obschon niemand etwas gesagt hat. Man w&amp;uuml;rde es nie wagen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Einige sind verschwunden. &amp;#8222;Sie k&amp;ouml;nnen zur&amp;uuml;ckkommen.&amp;#8220; Er kommt rein, kehrt in die Fabrik und zum Geruch der Arbeit zur&amp;uuml;ck, setzt sich, bis zur n&amp;auml;chsten Zigarette, an ihre Seite, gerade so lange, da&amp;szlig; einen Augenblick lang ein fl&amp;uuml;chtiges, aber sehr konkretes Bild des amour fou sich &amp;uuml;ber OPERAI, CONTADINI legt, und sich auf ewig all jenen einpr&amp;auml;gt, die anwesend waren, dort, ganz im Hintergrund, im Finstern.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vincent Dieutre &amp;#8211; &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Eure Worte, sch&amp;ouml;ne Worte&lt;/b&gt;&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/huillet_costa.jpg" width="333" height="317" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le, Jean-Marie,&lt;br /&gt;&amp;#10;Unsere Begegnungen werden unser Leben f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chsten drei&amp;szlig;ig Jahre versch&amp;ouml;nern. Was uns betrifft, so nehmen wir einen gro&amp;szlig;en Schluck Jugend und kr&amp;auml;ftigen uns, um Euch wiederzubegegnen. Wir h&amp;ouml;ren hier nicht auf mit der Arbeit. Das ganze Viertel beteiligt sich daran, trotz der Schwierigkeiten, trotz des Zuviels an Polizei und Sozialarbeitern und des Zuwenigs an Geld. Tagt&amp;auml;glich, jede Minute lernen wir neue Worte, Eure Worte, sch&amp;ouml;ne Worte, nur f&amp;uuml;r uns, sie passen uns wie ein Pyjama aus feiner Seide. Wir h&amp;auml;tten Euch gerne hunderttausend Filme und ein Blumenbankett f&amp;uuml;r drei Groschen offeriert. Aber vor allem trinken wir ein kleines Glas Grog und denken an Euch. &lt;br /&gt;&amp;#10;Pedro, Vanda&lt;br /&gt;&amp;#10;P.S.: Schnall Deine Gurte an, Dani&amp;egrave;le !&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Pedro Costa &amp;#8211; &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/ondejaz_02.jpg" width="333" height="241" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/ondejaz_01.jpg" width="333" height="250" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;Pedro Costa: O&amp;Ugrave; G&amp;Icirc;T VOTRE SOURIRE ENFOUI? (2001)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Nha cretcheu&lt;/i&gt;, my love,&lt;br /&gt;&amp;#10;being together again will make our lives beautiful&lt;br /&gt;&amp;#10;for another thirty years.&lt;br /&gt;&amp;#10;As for me, I will come back full of love and strength.&lt;br /&gt;&amp;#10;I wish I could give you a hundred thousand cigarettes,&lt;br /&gt;&amp;#10;a dozen of those fancy dresses,&lt;br /&gt;&amp;#10;a car, the little lava house you've always dreamed of,&lt;br /&gt;&amp;#10;a three-penny bouquet.&lt;br /&gt;&amp;#10;But above all else,&lt;br /&gt;&amp;#10;drink a good bottle of wine,&lt;br /&gt;&amp;#10;and think of me.&lt;br /&gt;&amp;#10;Here it's all work.&lt;br /&gt;&amp;#10;We're over a hundred now.&lt;br /&gt;&amp;#10;Did my letter arrive safely?&lt;br /&gt;&amp;#10;I still don't have anything from your hand.&lt;br /&gt;&amp;#10;Maybe I will soon ...&lt;br /&gt;&amp;#10;I&amp;#8217;m waiting.&lt;br /&gt;&amp;#10;Every day, every minute,&lt;br /&gt;&amp;#10;I learn beautiful new words for you and me alone,&lt;br /&gt;&amp;#10;made to fit us both, like fine silk pajamas.&lt;br /&gt;&amp;#10;Wouldn&amp;#8217;t you like that?&lt;br /&gt;&amp;#10;I can only send you one letter a month.&lt;br /&gt;&amp;#10;Still nothing from you.&lt;br /&gt;&amp;#10;Maybe some other time ...&lt;br /&gt;&amp;#10;Sometimes I'm afraid of building these walls.&lt;br /&gt;&amp;#10;Me, with a pick and cement,&lt;br /&gt;&amp;#10;and you, with your silence ...&lt;br /&gt;&amp;#10;A pit so deep, it swallows you up.&lt;br /&gt;&amp;#10;It hurts to see these horrors&lt;br /&gt;&amp;#10;that I don&amp;#8217;t want to see.&lt;br /&gt;&amp;#10;Your lovely hair skips through my fingers&lt;br /&gt;&amp;#10;like dry grass.&lt;br /&gt;&amp;#10;Often, I feel weak and think&lt;br /&gt;&amp;#10;I&amp;#8217;m going to forget you.&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Venturas Brief, gedacht f&amp;uuml;r Lento.&lt;/i&gt; F&amp;uuml;nfte Fassung&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/collossal_youth_01.jpg" width="333" height="250" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Pedro Costa: JUVENTUDE EM MARCHA / COLOSSAL YOUTH (2006)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Mail from a friend (Jean-Pierre Gorin)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;-------- Original-Nachricht --------&lt;br /&gt;&amp;#10;Datum: Tue, 17 Oct 2006 23:34:06 -0700 (PDT)&lt;br /&gt;&amp;#10;Von: ***&lt;br /&gt;&amp;#10;An: discussion list regarding jean-luc godard's work &amp;lt;godard@lists.topfive.com&amp;gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;Betreff: [Godard] Danielle Huillet's Funeral...&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dear all,&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;I got a striking e-mail today, which i read with tears in my eyes, from a friend of mine who had the opportunity to attend Huillet's funeral. It so aptly and delicately depicts the funeral (and Straub/Huillet) that i think you will be interested.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;The first film she directed with Jean Marie Straub made me a filmmaker. This was 1965, I was twenty-two. I walked into a theater that played &lt;i&gt;Nicht vers&amp;ouml;hnt oder Es hilft nur Gewalt wo Gewalt herrscht.&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Not Reconciled or Only Violence Helps Where Violence Reigns&lt;/i&gt;). How could i resist then a title that encompassed so absolutely my music? I went through the film not understanding anything about it, but by the end of it something strange had happened: I who did not know a word of German was persuaded that somehow I now understood it with absolute clarity. I came out the theater wanting to be involved in a medium that could perform such close up magic. And still to this day what happened to me as I watched &lt;i&gt;Nicht Vers&amp;ouml;hnt&lt;/i&gt; is the best definition I know of what a political film is or should be. There are a few people in my life whose existence alone protects me somehow. Danielle was one of them.&lt;br /&gt;&amp;#10;The fact that such a raging love for craft, such a raging love for life was alive protected me ...&lt;br /&gt;&amp;#10;She made an extraordinary couple with Jean Marie, cantankerous, obsessed with work, opened every day more to the simplest beauties of the world because they never could stop being enraged at what fouled it ... you took one look at the way they moved in relation to each other and understood their choreography;you heard one of their exchange and caught the music of it: never two people spelled the word love with more clarity; never two people gave me more the sense that exigency could be joy ...&lt;br /&gt;&amp;#10;And now I am left fearing for Jean-Marie's life ... I could imagine her surviving him, but not him surviving her ...&lt;br /&gt;&amp;#10;Like all funerals It had of course this Proustian devastating feeling of Le Temps Retrouve. A hundred folks were there with "la gueule de circonstance." JLG and Anne Marie ... others you don't know that punctuated Danielle's life. A smattering of young faces pushed the day away from despair and into hope. It is the graceful duty of youth. Jean Marie was there (there had been rumors he wouldn't be) with his eternal cigar, dressed as non funeral as one could be. Her face was left visible, its stern, tender beauty framed by a small vista cut in the closed casket. A Byzantine icon. The wind and the sound of the traffic outside of the cemetery ate away at the words that were quoted before she got carried to the grave. I heard a text in German and the words "I will not name the name of the one whose name is stronger than love itself ..." We file by the grave, dropped roses in this shaft so deep and so dark that we measured for the first time how irremediably gone she was. Jean Marie seated on the next tombstone looked on. A funeral attendant handed him a bouquet of roses. He walked to the grave, threw it in. An amazing yell of rage at death and its works came out of him and he ran, ran away amidst the graves, howling in pain with friends in pursuit. They brought him back. He witnessed the closing of the grave, his body half bent as if he had been hit in the stomach by the force of a blow, and he raised his left fist in the proud hopeful salute of the Popular Front strikers of France, the Republican fighters of Spain and the Communists of Germany when the stone finally slided tight.&lt;br /&gt;&amp;#10;JLG, Anne Marie and I walked arms in arms in the shaded alley for awhile. I was left alone finally, walking for the rest of the afternoon and the night that followed before I grabbed a flight back to the States.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ]&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;&amp;#8222;H&amp;ouml;r auf zu husten!&amp;#8220;&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;1982/1983 wohnten die Straubs mehrfach f&amp;uuml;r ein paar Wochen bei mir in Berlin, West-Berlin, als sie ihren Film KLASSENVERH&amp;Auml;LTNISSE  vorbereiteten. Ich hatte gefragt, ob ich nicht auch mitspielen k&amp;ouml;nnte und durfte die Rolle des Delamarche &amp;uuml;bernehmen. Der Film sollte zun&amp;auml;chst in Berlin gedreht werden und ich sah mir mit den beiden ein paar Motive an, sp&amp;auml;ter wurden die Dreharbeiten nach Hamburg und Umgebung verlegt, in Berlin wurde aber geprobt. Viel auch in meiner Wohnung, und ich bekam einen Einblick in die Arbeitsweise der Straubs.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei den Proben sa&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le fast immer auf dem Boden. Sie sah und h&amp;ouml;rte sehr aufmerksam zu und machte sich in ihrem Skript Notizen. Sie merkte sich und notierte Sprechpausen und Betonungen, Gesten und Blicke. Abends schrieb sie auf einer Reiseschreibmaschine die Seiten des Skripts ab und f&amp;uuml;gte hinzu, was bei der Probe festgehalten worden war.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le leitete die gesamte Produktion, sie war f&amp;uuml;r die Drehplanung ebenso zust&amp;auml;ndig wie f&amp;uuml;r die Requisiten. Der Film kostete etwa eine Million Mark, aber es gab kein B&amp;uuml;ro, alles war in den Papieren von Dani&amp;egrave;le festgehalten. Sp&amp;auml;ter schrieb sie mir, ich solle die Pudelm&amp;uuml;tze nicht vergessen, wir hatten festgelegt, ich werde die bei einer bestimmten Szene tragen. Zweimal schrieb sie mir von dieser M&amp;uuml;tze.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es lag offensichtlich beiden nicht viel daran, eine Wahl zu treffen. Die Darsteller wurden nicht aufwendig ausgesucht und auch die Schaupl&amp;auml;tze und Requisiten nicht.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es kam ihnen nicht darauf an, die besonders geeigneten Darsteller zu finden, eher der Eignung der Darsteller zu entsprechen. Auch der Eignung eines Schauplatzes oder Gegenstandes. Das lange und sorgf&amp;auml;ltige Proben diente wohl dazu, diese Eignungen festzustellen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei dieser Arbeit wurde mir nochmals deutlich, da&amp;szlig; die Straubs stets einiges sehr genau festlegen und anderes &amp;uuml;berhaupt nicht. Einiges &amp;uuml;berlassen sie ganz dem Selbstlauf. Was aber beschlossen ist, das muss genau so durchgef&amp;uuml;hrt werden.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es f&amp;auml;llt schon deshalb schwer, etwas &amp;uuml;ber die Straubs zu schreiben, weil beide die Genauigkeit so sehr liebten. Ein Zitat aus einem Film oder auch nur einem Zeitungs-Artikel vor 30 Jahren wurde immer bis aufs Wort wiedergegeben. Und Straub erz&amp;auml;hlte von einer Reise Anfang der Sechziger Jahre, die er ohne Dani&amp;egrave;le machen mu&amp;szlig;te, weil es nicht gen&amp;uuml;gend Geld gab. Dieses Ungl&amp;uuml;ck lag 20 Jahre zur&amp;uuml;ck, aber er wu&amp;szlig;te die Daten und auch die Reiseziele noch ganz genau.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich habe erlebt, da&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le Jean-Marie korrigiert hat, aber kaum je umgekehrt. Einmal hat sie &amp;#8222;auch&amp;#8220; statt &amp;#8222;Hauch&amp;#8220; gesagt, und Jean-Marie hat sie darauf hingewiesen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wenn wir abends Musik h&amp;ouml;rten, setzte sich Dani&amp;egrave;le oft dazu, hatte aber dabei immer etwas zu tun. Sie machte eine Handarbeit, stopfte Socken oder ein Hemd. Ein paar Jahre zuvor, in Rom, hatte ich bemerkt da&amp;szlig; die Straubs nie au&amp;szlig;er Haus a&amp;szlig;en und auch gro&amp;szlig;e Strecken zu Fu&amp;szlig; gingen um das Fahrgeld zu sparen. Jetzt a&amp;szlig;en wir oft abends in der Pizzeria und Dani&amp;egrave;le bezahlte.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Sie erlaubte Jean-Marie zehn Zigaretten am Tag, sie sagte, sie habe nichts dagegen, da&amp;szlig; er vom Rauchen sterbe. Da&amp;szlig; er aber im Kino huste, das st&amp;ouml;re sie.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wir sahen uns Godards PASSION an, in dem Michel Piccoli st&amp;auml;ndig h&amp;uuml;stelt, einen Lutscher im Mund, er hat wohl gerade das Rauchen aufgegeben. In diesem Film ist &amp;#8222;Polen&amp;#8220; ein neues Jerusalem. An dem Film hatte Dani&amp;egrave;le allerhand auszusetzen, meinte aber, es sei vielleicht doch Godards bester. Sp&amp;auml;ter, als wieder in der Wohnung waren, hustete Jean-Marie und Dani&amp;egrave;le schrie: &amp;#8222;H&amp;ouml;r auf zu husten&amp;#8220;. Das hatte sie schon oft gesagt. Jetzt f&amp;uuml;gte sie hinzu: &amp;#8222;Sonst gehe ich nach Polen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Harun Farocki &amp;#8211; &lt;i&gt;Der Standard&lt;/i&gt;, 17. Oktober 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Notiz&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Dienstag bekam ich ein kurzes Mail, Dani&amp;egrave;le Huillet sei gestorben. Vor etwa einem Jahr hatte ich mit Jean-Marie telefoniert, er sagte mir, Dani&amp;egrave;le sei k&amp;uuml;rzlich, ganz gegen ihre Grunds&amp;auml;tze, beim Arzt gewesen, der habe eine Herzschw&amp;auml;che bei ihr festgestellt.&lt;br /&gt;&amp;#10;Jetzt, nach der Todesnachricht, rief ich gemeinsame Freunde an und erfuhr, da&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le in den letzten Monaten oft Schmerzen gehabt und wohl auch mit ihrem Tod gerechnet habe.&lt;br /&gt;&amp;#10;In der &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt; stand gestern, sie sei an Krebs gestorben, weil sie selbst aber offensichtlich ihre Krankengeschichte f&amp;uuml;r sich behalten wollte, will ich dem nicht nachgehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;Es war Lara die mich darauf brachte, nach Paris zur Beerdigung zu fliegen. Sie sagte, ihr habe es viel bedeutet, dass auch entfernte Bekannte zur Beerdigung von Ursula gekommen seien, selbst wenn sie kein Wort mit denen habe sprechen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&amp;#10;Claus Philipp von der Zeitung &lt;i&gt;Der Standard&lt;/i&gt; bat mich um ein paar Zeilen. Und ich sagte zu, in der vagen Empfindung, ich m&amp;uuml;&amp;szlig;te mich zur Freundschaft mit Dani&amp;egrave;le &amp;ouml;ffentlich bekennen. In meinem kleinen Erinnerungstext schrieb ich, Dani&amp;egrave;le habe mir, als ich eine Rolle in dem Film KLASSENVERH&amp;Auml;LTNISSE spielte, zweimal geschrieben, ich solle zum Drehtermin die Pudelm&amp;uuml;tze, die ich in einer Szene tragen sollte, nicht vergessen.&lt;br /&gt;&amp;#10;In St. Ouen, einem Vorort von Paris, f&amp;uuml;hrt eine kleine Stra&amp;szlig;e von der Hauptstra&amp;szlig;e zum Friedhof. Darauf sind Autowerkst&amp;auml;tten und Grabsteinl&amp;auml;den, ich kaufte eine Rose. Damit ging ich in ein Caf&amp;eacute; um die Ecke. Eine tief dekolletierte Frau fragte, ob die Blume f&amp;uuml;r sie sei. Ich sagte nein, f&amp;uuml;r die Toten. Ich benutzte wohl den Plural um zu sagen: nicht f&amp;uuml;r das Diesseits, Toten-Blume.&lt;br /&gt;&amp;#10;Als ich auf die Toilette ging, fiel mir meine Pudelm&amp;uuml;tze &amp;#8211; die allerdings keine Bommel hat, im Gegensatz zu der damaligen Kost&amp;uuml;mm&amp;uuml;tze &amp;#8211; ins Waschbecken. Dani&amp;egrave;le hatte damals geschrieben &amp;#8222;Puddelm&amp;uuml;tze&amp;#8220;, beide Male, und ich kann mich an sonst keinen Fehler erinnern, den sie je gemacht h&amp;auml;tte. Das h&amp;auml;tte ich schreiben k&amp;ouml;nnen in dem Nachruftext und wohl auch wollen.&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Eingang zum Friedhof sammelten wir uns, kleine Gruppen bildeten sich, viele, die einander lange nicht gesehen hatten, trafen sich nun wieder. Viele hatten ein verweintes Gesicht. Schlie&amp;szlig;lich waren wir etwa 200, die da warteten und sich in kleinen Gr&amp;uuml;ppchen unterhielten.&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Marie war auf einmal da, er sah abwesend aus. Er trug eine Kordhose, ein Hemd, das nicht in die Hose gesteckt war und ein Sakko. Er hatte ein kaltes Zigarillo im Mundwinkel. Er benahm sich so, wie ich ihn oft auf Podien gesehen habe, er ging auf und ab, f&amp;uuml;r sich, benutzte den sozusagen &amp;ouml;ffentlichen Raum, als sei er dort f&amp;uuml;r sich. Er gr&amp;uuml;&amp;szlig;te gelegentlich abwesend.&lt;br /&gt;&amp;#10;Wir folgten &amp;uuml;ber eine Platanenallee dem Bestattungswagen. Der hielt, und der Sarg wurde herausgeholt und auf zwei B&amp;ouml;cke gestellt. Der Mann vom Bestattungs-Unternehmen bat uns, n&amp;auml;her zu treten,  Familien-Mitglieder w&amp;uuml;rden jetzt Texte verlesen.&lt;br /&gt;&amp;#10;Zun&amp;auml;chst kamen zwei Frauen, eine las franz&amp;ouml;sisch aus einem Buch einen sch&amp;ouml;nen Text &amp;uuml;ber die Fl&amp;uuml;chtigkeit des Ich. Von meinen Bekannten wu&amp;szlig;te keiner, um welchen Text es sich handelt, es scheint eine Tagebuch-Aufzeichnung aus dem Zweiten Weltkrieg zu sein.&lt;br /&gt;&amp;#10;Danach las Peter Kammerer ein St&amp;uuml;ck aus H&amp;ouml;lderlins &lt;i&gt;Hyperion&lt;/i&gt;. Und Adriano Apr&amp;agrave; hielt eine kleine Stegreifrede, in der er sagte, Italien habe sich den Straubs gegen&amp;uuml;ber  schlecht benommen, anders die vielen Freunde.&lt;br /&gt;&amp;#10;Eine Klappe im Sarg wurde ge&amp;ouml;ffnet, wir wurden aufgefordert am Sarg vorbei zu gehen. Dani&amp;egrave;le sah sehr fremd f&amp;uuml;r mich aus. W&amp;auml;chsern. Es war ersch&amp;uuml;tternd, jetzt wieder etwas von der wirklichen Person zu sehen und von ihrem Sterben.&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Sarg wurde &amp;uuml;ber das steinerne Gr&amp;auml;berfeld zu der Gruft getragen, in der Dani&amp;egrave;les Mutter liegt. Der Sarg wurde hinab gelassen, die Trauerg&amp;auml;ste gingen vorbei und warfen Blumen darauf. Jean-Marie sa&amp;szlig; dabei auf einem Nebengrab, immer noch das Zigarillo im Mund. Der Bestatter gab schlie&amp;szlig;lich ihm einen Strau&amp;szlig;. Jean-Marie stand auf und lie&amp;szlig; die Blumen fallen. Er stie&amp;szlig; einen Klagelaut aus, ein lang gezogenes A. Dabei lief er fort. Ein paar Freunde folgten ihm. Sp&amp;auml;ter sah ich ihn wieder auf dem Grab sitzen, Godard sa&amp;szlig; neben ihm und redete tr&amp;ouml;stend auf ihn ein.&lt;br /&gt;&amp;#10;Wir fragten herum, niemand wu&amp;szlig;te, ob eine gemeinsame Feier irgendwo vorgesehen war.&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich selbst habe Jean-Marie nicht angesprochen und auch nicht f&amp;ouml;rmlich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t. Es schien ihm nicht daran gelegen zu sein. Einmal haben wir uns stumm mit Blicken gegr&amp;uuml;&amp;szlig;t.&lt;br /&gt;&amp;#10;In dem Caf&amp;eacute; mit der Frau, die Dani&amp;egrave;les Blumen haben wollte, nahmen viele ein Glas zu sich, etwa 30, 40 sa&amp;szlig;en und standen auf dem B&amp;uuml;rgersteig. Es war ein warmer trockener 13. Oktober. In Gespr&amp;auml;chen h&amp;ouml;rte ich die verschiedensten Versionen. Dani&amp;egrave;le habe Straub die eigene Krankheit verschwiegen, um ihn nicht zu belasten. Oder, wenn man sie gefragt habe, warum sie sich nicht behandeln lassen wolle, habe sie gesagt: Dazu habe ich keine Zeit, ich habe Wichtigeres zu tun.&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Marie kam auch in dieses Caf&amp;eacute;. Eine Freundin erz&amp;auml;hlte mir, er habe auf die Frage, ob er &amp;uuml;berhaupt kochen k&amp;ouml;nne, gesagt: sehr gut sogar, er habe als Pfadfinder sogar eine Koch-Auszeichnung gewonnen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Harun Farocki &amp;#8211; 14.10.06 &amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Wiener Erinnerungen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei der Viennale (wo QUEI LORO INCONTRI gezeigt wurde, und als &amp;#8222;&amp;Uuml;berraschungsfilm&amp;#8220; SICILIA!) hingen in den Festivalkinos Plakate mit diesen beiden Texten &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Fr&amp;uuml;cht und auf der Erde gepr&amp;uuml;fet und ein Gesetz ist,&lt;br /&gt;&amp;#10;Da&amp;szlig; alles hineingeht, Schlangen gleich,&lt;br /&gt;&amp;#10;Prophetisch, tr&amp;auml;umend auf&lt;br /&gt;&amp;#10;Den H&amp;uuml;geln des Himmels. Und vieles&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie auf den Schultern eine&lt;br /&gt;&amp;#10;Last von Scheitern ist&lt;br /&gt;&amp;#10;Zu behalten. Aber b&amp;ouml;s sind&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Pfade. N&amp;auml;mlich unrecht&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie Rosse, gehn die gefangenen&lt;br /&gt;&amp;#10;Element und alten&lt;br /&gt;&amp;#10;Gesetze der Erd. Und immer&lt;br /&gt;&amp;#10;Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht. Vieles aber ist&lt;br /&gt;&amp;#10;Zu behalten. Und Not die Treue.&lt;br /&gt;&amp;#10;Vorw&amp;auml;rts aber und r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts wollen wir&lt;br /&gt;&amp;#10;Nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf schwankem Kahne der See.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Friedrich H&amp;ouml;lderlin&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Mnemosyne&lt;/i&gt;. Dritte Fassung, erste Strophe (1806)&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/bach_01.jpg" width="333" height="259" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;CHRONIK DER ANNA MAGDALENA BACH (1967)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&amp;#10;Gesetzt, wir h&amp;auml;tten als Menschen produziert: Jeder von uns h&amp;auml;tte in seiner Produktion sich selbst und den andren doppelt bejaht. Ich h&amp;auml;tte 1) in meiner Produktion meine Individualit&amp;auml;t, ihre Eigent&amp;uuml;mlichkeit vergegenst&amp;auml;ndlicht und daher sowohl w&amp;auml;hrend der T&amp;auml;tigkeit eine individuelle Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung genossen, als im Anschauen des Gegenstandes die individuelle Freude, meine Pers&amp;ouml;nlichkeit als gegenst&amp;auml;ndliche, sinnlich anschaubare und darum &amp;uuml;ber allen Zweifel erhabene Macht zu wissen. 2) In deinem Genu&amp;szlig; oder deinem Gebrauch meines Produkts h&amp;auml;tte ich unmittelbar den Genu&amp;szlig;, sowohl des Bewu&amp;szlig;tseins, in meiner Arbeit ein menschliches Bed&amp;uuml;rfnis befriedigt, als das menschliche Wesen vergegenst&amp;auml;ndlicht und daher dem Bed&amp;uuml;rfnis eines andren menschlichen Wesens seinen entsprechenden Gegenstand verschafft zu haben, 3) f&amp;uuml;r dich der Mittler zwischen dir und der Gattung gewesen zu sein, also von dir selbst als eine Erg&amp;auml;nzung deines eignen Wesens und als ein notwendiger Teil deiner selbst gewu&amp;szlig;t und empfunden zu werden, also sowohl in deinem Denken wie in deiner Liebe mich best&amp;auml;tigt zu wissen, 4) in meiner individuellen Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung unmittelbar deine Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung geschaffen zu haben, also in meiner individuellen T&amp;auml;tigkeit unmittelbar mein wahres, mein menschliches, mein Gemeinwesen best&amp;auml;tigt und verwirklicht zu haben.&lt;br /&gt;&amp;#10;Unsere Produktionen w&amp;auml;ren ebensoviele Spiegel, woraus unser Wesen sich entgegen leuchtete.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Karl Marx&lt;br /&gt;&amp;#10;Aus den &lt;i&gt;Kommentaren&lt;/i&gt; zu James Mills &amp;#8222;Elements of Political Economy&amp;#8220; [1821] (1844, &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt; EB I, S. 462)&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Kunst im Freien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le Huillet ist am 9. Oktober 2006 gestorben.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Freund in der Schweiz hat die Empfindung zu beschreiben versucht, die diese Nachricht in ihm ausgel&amp;ouml;st hat: es sei, sagt er, eine Stelle in ihm ber&amp;uuml;hrt worden, die ihm unbekannt gewesen sei. Ein Ernst und eine Feierlichkeit h&amp;auml;tten sich, unmittelbar und im Nachhinein, mit dieser Nachricht verbunden, wie wenn es gelte, sich zu erheben und eine Pr&amp;auml;senz, ein Vor&amp;uuml;bergehen zu gr&amp;uuml;&amp;szlig;en und zu ehren &amp;#8211; jetzt oder nie, jetzt f&amp;uuml;r immer. Etwas, das tiefer gehe als Anerkennung, Sympathie oder Bewunderung sei angesprochen worden &amp;#8211; fast ein Instinkt. Er frage sich, welcher Ausdruck dieser seltsamen, weil seltenen und dennoch intimen Wahrnehmung angemessen sein k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht war es so, da&amp;szlig; es zu Dani&amp;egrave;le Huillet eine &amp;#8222;famili&amp;auml;re N&amp;auml;he&amp;#8220; im engeren Sinne kaum geben konnte. Es kam ja auf etwas anderes an &amp;#8211; auf einen anderen Zusammenhang, die gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere, sich erst bildende Familie ... Durch ihre lebenslange, symbiotische Zusammenarbeit mit Jean-Marie Straub war jede Kontaktnahme oder Begegnung auf das Werk, die Filme, oder vielmehr: auf die Auseinandersetzung, das Politisch-Sensuelle hingelenkt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das &amp;#8222;Politisch-Sensuelle&amp;#8220; &amp;#8211; das war f&amp;uuml;r sie doch der Alltag, das Leben selbst; vielleicht am sch&amp;ouml;nsten festgehalten in der letzten und l&amp;auml;ngsten &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=aGDbXcNtaRM"&gt;&amp;#8222;Bagatelle&amp;#8220;&lt;/a&gt; in Pedro Costas 6 BAGATELAS (2001), die drau&amp;szlig;en, im Freien, in h&amp;auml;uslicher Umgebung spielt ... W&amp;auml;hrend Jean-Marie Straub redet und argumentiert, h&amp;auml;ngt Dani&amp;egrave;le Huillet W&amp;auml;sche auf und macht N&amp;auml;harbeiten &amp;#8211; h&amp;ouml;rt aber &amp;auml;u&amp;szlig;erst aufmerksam zu, kommentiert und erg&amp;auml;nzt Straubs Rede, initiiert auch mal einen Disput. Reales Donnergrollen ist unter Straubs Ausf&amp;uuml;hrungen zu h&amp;ouml;ren und leitet &amp;uuml;ber zum wie leichthin nachgesetzten Wortegrollen, ob denn die W&amp;auml;sche nicht schon trocken sei und von der Leine genommen werden k&amp;ouml;nnte ... Doch die W&amp;auml;sche bleibt h&amp;auml;ngen, Wind und Wetter, also der Welt ausgesetzt.&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/bagatelas_02.jpg" width="333" height="252" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;Dazu m&amp;ouml;chte ich eine Stelle aus einem Frieda Grafe-Text von 1997 in Beziehung setzen, in dem es um eigene Widerst&amp;auml;nde, dann jedoch vor allem um das &amp;#8222;subtile Spiel&amp;#8220; von Wort und Licht, die Kunst im Freien, das Huillet-Straubsche Naturtheater geht. &amp;#8222;Die Sprache l&amp;ouml;st sich vom Bedeuteten, vom Informieren, sie erhebt sich in die L&amp;uuml;fte, sagt Gilles Deleuze von H&amp;ouml;lderlins Versen im EMPEDOKLES der Straubs, w&amp;auml;hrend, wovon sie redet, unter der Erde verschwindet. In ihrem Licht scheint die Landschaft, die Natur Verborgenes preiszugeben und was die Vergangenheit in ihr abgelagert hat. Dabei ist nicht die Metrik entscheidend, sondern was in dem Klopfen und H&amp;auml;mmern der Sprache sich ausdr&amp;uuml;ckt. Es vereint sich mit den Elementen, mit den G&amp;ouml;ttern H&amp;ouml;lderlins und denen Paveses, die bes&amp;auml;nftigt werden wollen, und sie halten Einzug in die Bilder.&amp;#8220; (&amp;#8222;Patrioten im Niemandsland&amp;#8220;, in: Frieda Grafe, &lt;i&gt;Geraffte Zeit&lt;/i&gt;, Berlin 2005, S. 88/9.)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Sprache, die Arbeit mit ihr: das ist zweifellos Jean-Marie Straubs Zust&amp;auml;ndigkeit; der Ton, die T&amp;ouml;ne aber die von Dani&amp;egrave;le Huillet. Wie w&amp;auml;re denn &amp;#8211; in diesem Naturtheater &amp;#8211; das eine vom andern zu trennen?&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Johannes Beringer&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Nicht vers&amp;ouml;hnt &amp;#8211; Eine Befreiung&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le Huillets Tod ist f&amp;uuml;r mich ein sehr gro&amp;szlig;er Verlust. Auch wenn wir uns seit Ende der sechziger Jahre nur selten trafen, fand ich immer Kraft in der Gewi&amp;szlig;heit, da&amp;szlig; sie und Jean-Marie da waren, da&amp;szlig; beide unerm&amp;uuml;dlich, unbeirrbar, unbestechlich ihre einzigartigen Filme machten.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le hat mit Jean-Marie zusammengearbeitet, und das so sch&amp;ouml;pferisch, da&amp;szlig; man beim Zusehen gl&amp;uuml;cklich wurde. Harmonisch war die Zusammenarbeit nicht, Gott sei Dank, weil der Streit beim Schaffen die Sache viel weiter treibt. Sie waren sich einig, worauf sie hinauswollten. Ich traf Dani&amp;egrave;le und Jean-Marie zum ersten Mal, als die beiden in M&amp;uuml;nchen-Bogenhausen auf der Motivsuche f&amp;uuml;r NICHT VERS&amp;Ouml;HNT sich den Raum ansahen, in dem sp&amp;auml;ter beim Drehen Dani&amp;egrave;le als die junge Johanna F&amp;auml;hmel sagt: &amp;#8222;Der kaiserliche Narr.&amp;#8220;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-03.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;Damals haben wir &amp;uuml;ber das Filmemachen gesprochen und endlich waren da zwei, die verstanden was ich wollte und ich verstand was sie wollten. Eine Befreiung, 1964.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Peter Nestler &amp;#8211; 03.11.06&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-04.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;NICHT VERS&amp;Ouml;HNT (1965)&lt;/small&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;***&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Links zu weiteren Texten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wolfram Sch&amp;uuml;tte &amp;#8211; &lt;a href="http://www.titel-forum.de/print.php?sid=5078"&gt;Straubs Alter Ego&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Titel-Magazin&lt;/i&gt;, 11. Oktober 2006)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Peter Kammerer &amp;#8211; &lt;a href="http://www.freitag.de/2006/42/06421302.php"&gt;Entschieden unzeitgem&amp;auml;&amp;szlig;&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Freitag&lt;/i&gt;, 20. Oktober 2006)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a href="http://www.fipresci.org/undercurrent/issue_0306/huillet_intro.htm"&gt;Dani&amp;egrave;le Huillet 1936-2006. A Tribute &amp;#8211;&lt;/a&gt; Dossier des &lt;i&gt;Fipresci&lt;/i&gt;-Online-Magazins &lt;i&gt;Undercurrent&lt;/i&gt; mit Texten von Jonathan Rosenbaum, den Herausgebern der &lt;i&gt;Cahiers du cin&amp;eacute;ma&lt;/i&gt;, Adrian Martin, Chris Fujiwara und John Gianvito (3. November 2006)&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Die W&amp;uuml;rde des verg&amp;auml;nglichen Augenblicks&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Als der neue Film von Dani&amp;egrave;le Huillet und Jean-Marie Straub vor einigen Wochen im Wettbewerb von Venedig lief, schrieb die &lt;i&gt;FAZ&lt;/i&gt;: &amp;#8222;Das Kino verdankt den Straubs und ihrer Widerborstigkeit eine Menge, aber in einem Wettbewerb verfl&amp;uuml;chtigt sich jede Provokation ins St&amp;uuml;hleklappen derer, die das Kino vor der Zeit verlassen.&amp;#8220; Das ist ein Satz aus der Kulturbetriebsh&amp;ouml;lle, einer Welt, in der keine mehr Zeit ist, sich auf irgendetwas wirklich einzulassen. Hinzu kommt, da&amp;szlig; rund um das Kino ein seliges Vergessen seiner Geschichte herrscht. JENE IHRE BEGEGNUNGEN ist eine wunderbare Gelegenheit, Regisseure kennen zu lernen, die, tief verwurzelt in der Filmgeschichte, richtungweisende Konsequenzen aus ihr ziehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;JENE IHRE BEGEGNUNGEN blickt weit zur&amp;uuml;ck, vor die Zeitrechnung, zu Ungeheuern, D&amp;auml;monen, G&amp;ouml;ttern, von denen die Welt erf&amp;uuml;llt war. Es liegt dem Film ein Buch &amp;uuml;ber Mythologie zugrunde: Cesare Paveses &lt;i&gt;Gespr&amp;auml;che mit Leuko&lt;/i&gt; aus dem Jahr 1947. Buch wie Film handeln von der Abl&amp;ouml;sung einer G&amp;ouml;ttergeneration durch eine andere. Soeben sind die archaischen, blutd&amp;uuml;rstigen Titanen von Zeus und seinen Olympiern besiegt worden, denen anthropomorphe Z&amp;uuml;ge eigen sind. So kommt im Mythos Zeitgeschichte zum Ausdruck, zivilisatorischer Fortschritt: Im antiken Griechenland wird der Mensch, wird die von ihm errichtete Ordnung m&amp;auml;chtiger gegen&amp;uuml;ber den Kr&amp;auml;ften des Chaos und der Natur.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Verlauf von JENE IHRE BEGEGNUNGEN macht deutlich, da&amp;szlig; schon in der Antike die gro&amp;szlig;e Zeit der G&amp;ouml;tter vor&amp;uuml;ber ist. Da&amp;szlig; diese erfunden sind, Darstellungen, haben Menschen l&amp;auml;ngst erkannt. Da&amp;szlig; sie trotzdem nicht vom Mythos lassen wollen, ist keine Glaubensfrage. Mythen sind Erz&amp;auml;hlungen, Bilder, in denen G&amp;ouml;tter &amp;auml;u&amp;szlig;ere und innere Naturkr&amp;auml;fte verk&amp;ouml;rpern; so erscheint Allt&amp;auml;gliches als au&amp;szlig;erordentlich, als verbunden mit dem Unsterblichen, Ewigen. Mit Aufkl&amp;auml;rung und Moderne ist eine Gefahr verbunden: Wo Wissenschaftssprache bestimmend wird, die aus hochget&amp;uuml;rmten Gedankengeb&amp;auml;uden kommt, verliert sich das menschliche Bewu&amp;szlig;tsein wom&amp;ouml;glich in logisch verallgemeinernden Formeln. Der Blick f&amp;uuml;r die F&amp;uuml;lle und den Wert der Einzelheiten kommt abhanden. Alle in JENE IHRE BEGEGNUNGEN auftretenden Figuren sind G&amp;ouml;tter, bis auf Hesiod, den Dichter. Er erz&amp;auml;hlt von seinen Verletzungen und Zweifeln: Die t&amp;auml;gliche Plackerei fresse einen auf, und alles sei dem Sterben und dem Vergessen ausgeliefert &amp;#8211; wie k&amp;ouml;nne ein Leben wertvoll sein, wenn nichts von ihm bleibt? Das ist eine Frage des Blickwinkels. Die G&amp;ouml;tter neiden den Menschen den Tod, weil durch ihn alles ein anderes Gesicht bekommt. Ewiges Leben ist eine endlose Wiederholung, Sterblichkeit macht jeden gelebten Augenblick einzigartig, unwiederholbar, kostbar. Der verzagende Hesiod tr&amp;auml;gt Jean-Marie Straubs Hut, der Regisseur ist im Bild. Der Filmemacher als Jedermann, der dringend der Erinnerung bedarf: Ist es nicht die eigent&amp;uuml;mliche Kraft der Kunst, Alltagsdingen jene Ernsthaftigkeit zu widmen, die ihnen angemessen ist, aber im t&amp;auml;glichen Umgang fast schon verboten?&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_h01.jpg" width="333" height="248" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;Was der Schriftsteller Pavese in der Poetik des Mythos suchte, das ist f&amp;uuml;r die Straubs der Film: eine Form, die es in der Moderne erm&amp;ouml;glicht, das Au&amp;szlig;erordentliche des angeblich Profanen, das Eigengewicht der Dinge sichtbar zu machen. Ohne Metaphysik, ohne Erhabenheit, ohne Trost die W&amp;uuml;rde jedes verg&amp;auml;nglichen Augenblicks.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;AUS DER GESCHICHTE DES H&amp;Ouml;RENS&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Paveses &lt;i&gt;Gespr&amp;auml;che mit Leuko&lt;/i&gt; war, als das Buch 1947 erschien, eine literarische Innovation. Es erz&amp;auml;hlt nicht Handlung, sondern ist ausschlie&amp;szlig;lich in Dialogform gefa&amp;szlig;t. Das kommt den Straubs entgegen; f&amp;uuml;r sie sind Dialoge geschriebenes Kino, aus dem sie gesprochenes Kino machen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wo es bei Pavese einen wundersch&amp;ouml;nen Flie&amp;szlig;text zu lesen gibt, da machen die Straubs Z&amp;auml;suren, veranlassen die Darsteller ihres Films, an &amp;#8222;seltsamen&amp;#8220; Satzstellen innezuhalten, Pausen zu machen. Dies steht im Kontext der &amp;Auml;sthetik Brechts, die ein Protest ist gegen die Falschheit der b&amp;uuml;rgerlichen Kultur. Wo Kino bis heute mittels theatralischer Gesten dem Zuschauer suggeriert, er k&amp;ouml;nne ins Innere der Filmfiguren hineinsehen und sei mit ihrem Seelenleben vertraut, durchkreuzen die Straubs diese Illusion. Die Sprache flie&amp;szlig;t nicht, damit deutlich bleibt, da&amp;szlig; sie aus weiter Ferne kommt, da&amp;szlig; sie weder den Sprecher noch die Regisseure direkt ausdr&amp;uuml;ckt. Die Straubs geben alten Stoffen und Texten etwas zur&amp;uuml;ck, was ihnen der Unterhaltungsbetrieb mit barbarischer Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit enteignet: ihre Fremdheit. Diese ist das Normalste von der Welt. Begegnet man einem anderen Menschen und will mit ihm wirklich ins Gespr&amp;auml;ch kommen, mu&amp;szlig; dessen Sprache erst gesucht und durchdacht werden.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;War das Sprechen in ihren ersten Filmen knochentrocken, so haben die Straubs durch die Arbeit an musikalischen Werken von Bach und Sch&amp;ouml;nberg dem Kino inzwischen einen neuen poetischen Ausdruck erschlossen. Durch die eingef&amp;uuml;gten Pausen wird Sprache rhythmisiert; S&amp;auml;tze bestehen nicht mehr aus Haupt- und Nebensachen, jedes Wort, jeder Sprachbaustein ist gleicherma&amp;szlig;en bedeutend. Zeilen sind choreografisch verkn&amp;uuml;pft, verhalten sich kontrapunktisch zueinander, so da&amp;szlig; man einen Straub-Film h&amp;ouml;ren kann, wie man einen Song h&amp;ouml;rt oder eine Symphonie. Durch diese Art des Zuh&amp;ouml;rens ist der Zuschauer umfassend in den Film einbezogen: eigene Erfahrungen, Konflikte, auch Lebensl&amp;uuml;gen sind angesprochen, in Aufruhr versetzt, sitzen deutend mit im Kino. Ganz anders als sonst, wenn keine Filmminute vergeht, ohne da&amp;szlig; Soundtrack und Effektdonner einem anordnen, wie man gef&amp;auml;lligst zu verstehen hat.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Mit der Kamera gehen die Straubs zu den Quellen unserer Kultur, der Sprache auf ihren Grund. Bevor sie zu reiner Information und zu Wissenschaft wurde, war Geschichte gesprochene Erz&amp;auml;hlung, die den Eigenheiten und Umst&amp;auml;nden von Erz&amp;auml;hlern und H&amp;ouml;rern angemessen weitergegeben werden konnte. Auch die Bibel wurde m&amp;uuml;ndlich &amp;uuml;berliefert, bevor man den Inhalt durch Schrift festlegte, ihm ihre Autorit&amp;auml;t verlieh. Den Kampf der Straubs gegen die Macht des Geschriebenen, ihre Hinwendung zum m&amp;uuml;ndlichen Erz&amp;auml;hlen sollte man nicht als medientechnische Nostalgie mi&amp;szlig;verstehen. Er entspringt ihrer Auffassung von &amp;Ouml;ffentlichkeit. Sie begreifen Film als Mittel der pers&amp;ouml;nlichen Begegnung, des &amp;ouml;ffentlichen Mitredens, statt, wie die herrschende Kultur es will, als Privatangelegenheit, die f&amp;uuml;r die Verh&amp;auml;ltnisse folgenlos bleibt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Woraus das Kino seine Sensationswerte gewinnt, Action, Gewalt, das passiert bei den Straubs au&amp;szlig;erhalb des Bildes. In ihren Filmen sieht und h&amp;ouml;rt man, wie &amp;uuml;ber alles fortw&amp;auml;hrend geredet wird. Dieses Vorgehen entspringt einem z&amp;auml;rtlichen, optimistischen Glauben an die Menschen: Nicht die gro&amp;szlig;en Ideen, Ideale, sozialen Systementw&amp;uuml;rfe als solche sind wichtig; es z&amp;auml;hlt vielmehr, wie etwas durch Menschen hindurchgeht, wie sie ihm in kleinsten, unfertigen Handlungen und Worten physische Wirklichkeit verleihen. Wer hat behauptet, da&amp;szlig; endloses Sprechen unfilmisch sei? Es ist Action! Wie wenn man mit Freunden zusammensitzt und Erfahrungen zusammentr&amp;auml;gt, enthalten Dialoge im Straub-Kino die ganze Welt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;AUS DER GESCHICHTE DES SEHENS&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es war einmal. Als bei Dreharbeiten in den 1940er-Jahren ein Kameramann einen ihm unpassend scheinenden Stein beseitigen wollte, widersprach ihm der Regisseur des Films und fragte, mit welchem Recht der Mitarbeiter glaube, die Natur verbessern zu k&amp;ouml;nnen. Das Feld sei hundert, vielleicht tausend Jahre alt; solange hat die Natur gebraucht, es so zu gestalten, wie es jetzt ist, die Felsen zu verteilen und zu f&amp;auml;rben. Der Regisseur war Roberto Rossellini. Etwas von dessen hoher Achtung gegen&amp;uuml;ber der vorhandenen Wirklichkeit findet sich bei den Straubs bewahrt.&amp;#10;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_h02.jpg" width="333" height="248" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;JENE IHRE BEGEGNUNGEN wurde in einem Waldst&amp;uuml;ck nahe dem norditalienischen Ort Buti gedreht. W&amp;auml;hrend in der zweiten Episode Demeter mit Dionysos spricht, fallen Licht und Schatten von &amp;Auml;sten und B&amp;auml;umen auf die Figuren, Wind streicht durch das Blattwerk. Ein Schauspiel, dessen langsame und leise Intensit&amp;auml;t seinesgleichen im Kino sucht. Solche Bilder verdanken sich dem Materialismus der Straubs, der es nicht erlaubt, Hilfsmittel, k&amp;uuml;nstliches Licht, Blenden und Spiegel einzusetzen, um Wirkungen zu verst&amp;auml;rken; auch wird ausschlie&amp;szlig;lich Direktton verwendet. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;So ist der Wald, Natur, nicht als beliebig verf&amp;uuml;gbares Objekt, nicht als austauschbare Hintergrundkulisse, schon gar nicht als Symbol im Bild, sondern als er selbst. Die kaum bewegte Kamera macht empf&amp;auml;nglich f&amp;uuml;r Winzigkeiten, f&amp;uuml;r langsame und lange Prozesse, die sich zwischen Mensch und Natur, Mensch und Mensch entspinnen. Die eigent&amp;uuml;mliche Sch&amp;ouml;nheit von JENE IHRE BEGEGNUNGEN entsteht dadurch, da&amp;szlig; die Dinge zu sprechen beginnen. Ein Wald, ein Sonnenstrahl, ein Feld. Was das menschliche Auge als unwesentlich ansieht, sieht die Filmkamera als etwas, das als Stoff des Wirklichen so wesentlich ist wie Menschen. Die Direktheit der Straub-Filme koexistiert mit &amp;auml;u&amp;szlig;erst kunstvollen Kameraeinstellungen, in die der Blick der Filmemacher eingeht sowie ihre Auseinandersetzungen mit Filmern und Malern. W&amp;auml;hrend des Demeter-Dionysos-Dialogs sind das Oben (der himmlische Bereich, das traditionelle Jenseits) und das Unten (der irdische Bereich, das traditionelle Diesseits) durch St&amp;auml;mme und dichtestes Blattwerk miteinander verbunden: die g&amp;ouml;ttliche Sph&amp;auml;re als durch und durch irdisches Gel&amp;auml;nde. Wie Bilder gro&amp;szlig;er Stummfilmk&amp;uuml;nstler d&amp;uuml;rfte es m&amp;ouml;glich sein, die der Straubs ohne Text in vielen Sprachen der Welt sehend zu verstehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das Denken zum Film, von Sprachtheorie gepr&amp;auml;gt, ist immer auf dem Sprung in die Abstraktion. Von dort aus l&amp;auml;&amp;szlig;t sich schlecht h&amp;ouml;ren und sehen, wie die Straubs Kinoelemente anders zusammensetzen. Auch ihre kunstvollsten Bilder sind keine Zeichen, keine Fiktionen, sondern Dokumente. JENE IHRE BEGEGNUNGEN macht nur im Wald von Buti einzufangendes Licht, nur dort zu sehende Farben, nur dort zu h&amp;ouml;rende Ger&amp;auml;usche physisch erfahrbar. Die Straubs nutzen die einzigartige M&amp;ouml;glichkeit des Kinematografen, physische Gegenwart, vergehende Zeit aufzuzeichnen und zu bewahren. Film ist die Kunst, Wirklichkeit durch sich selbst auszudr&amp;uuml;cken.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie wenig die neuesten Bildwelten sich der konkreten Realit&amp;auml;t zuwenden, wie sehr sie eine R&amp;uuml;ckkehr zum Metaphysischen und Mythischen betreiben, kann man sich ganz einfach klar machen: JENE IHRE BEGEGNUNGEN erlaubt es, in eine Welt hineinzusehen, in der man wirklich leben kann, w&amp;auml;hrend es ein immer dominanterer Zug heutiger Bilder ist, in Welten hinein sehen zu lassen, die es allein im Virtuellen, im PC, in Fantasien gibt, wo niemand leben kann.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Kleines Nachwort: Paveses Mythologie-Buch ist gegen die Idealisierung der Antike und gegen Herrschaftssprache gerichtet. In Alltagsitalienisch erz&amp;auml;hlt, arbeitet es realistisch den Anteil von Bauern, &amp;#8222;einfachen&amp;#8220; Menschen an der Geschichte heraus, der in offiziellen Darstellungen immer unter den Tisch f&amp;auml;llt. Jean-Marie Straub sagt &amp;uuml;ber die Gr&amp;uuml;nde seiner Verfilmung, ihn interessiere nicht so sehr der Mythos; sein Film sei eine Erinnerung an das utopische Potenzial, da&amp;szlig; im Vergangenen stecke, an das nicht-zerst&amp;ouml;rerische Naturverh&amp;auml;ltnis antiker Bauern. Von diesen Bauern hei&amp;szlig;t es in VON DER WOLKE ZUM WIDERSTAND (1978), dem Film, den JENE IHRE BEGEGNUNGEN fortsetzt, da&amp;szlig; sie ungeheuer grausam waren, Menschenopfer dargebracht haben. Die Straubs machen Filme, die realistischer sind als ihre Regisseure. Es gibt wirklich viele Gr&amp;uuml;nde, ihr Kino zu sch&amp;auml;tzen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Michael Girke &amp;#8211; &lt;i&gt;film-dienst&lt;/i&gt; 21/2006, 9. Oktober 2006&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/danile-2.jpg" width="333" height="235" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;____________________________&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Zusammenstellung: Klaus Volkmer&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;Uuml;bersetzungen aus dem Franz&amp;ouml;sischen: Johannes Beringer&lt;br /&gt;&amp;#10;Photos aus den Filmkopien: Gerhard Ullmann&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dank an: Johannes Beringer, Madeleine Bernstorff, Robert Bramkamp, Giulio Bursi, Pedro Costa, Vincent Dieutre, Helmut F&amp;auml;rber, Harun Farocki, J&amp;ouml;rg Frie&amp;szlig;, Enrico Ghezzi, Michael Girke, Hans Hurch, Peter Kammerer, Horst Peter Koll, Markus Nechleba, Astrid Johanna Ofner, Jean-Claude Rousseau, Wolfram Sch&amp;uuml;tte, Antonia Weisse &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; und an J.-M. Straub&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 04 Nov 2006 12:17:04 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>pburg</dc:creator>
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      <title>UMZUG</title>
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      <description>&lt;p&gt;&amp;#10;Nach knapp 2000 Tagen bei antville und blogger machen wir ab jetzt woanders weiter. Unter der neuen Adresse &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a href="http://www.newfilmkritik.de" title="http://www.newfilmkritik.de"&gt;www.newfilmkritik.de&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&amp;#10;sind alle Eintr&amp;auml;ge seit November 2001 zu finden.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Gro&amp;szlig;er Dank an antville!&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Gro&amp;szlig;er Dank an Erik Stein f&amp;uuml;r die technische Unterst&amp;uuml;tzung!&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Tue, 08 May 2007 13:10:45 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>filmkritik</dc:creator>
      <dc:date>2007-05-08T13:10:45Z</dc:date>
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      <title>comment</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/#1625309</link>
      <description>Ich finde Deinen Text in die richtige Richtung weisend. Ich habe nur st&amp;auml;rker noch den Eindruck, dass man sich diesem Vorwurf des "unpolitischen" ganz entziehen kann, denn unsere Filme sind nicht unpolitisch. Sie stehen im Zusammenhang wahrgenommener gesellschaftlicher "Realit&amp;auml;t", spiegeln Konstellationen von Menschen, die sich in einer bestimmten historischen Zeit verhalten. Die Probleme dieser Figuren sind i n erster Linie menschliche, die aber durch gesellschaftliche Vorstellungen und Konventionen mitbestimmt sind. &lt;br /&gt;&amp;#10;Ich denke,  dass man sich nicht die Auffassung der Kritik &amp;uuml;ber das was "politisch" ist, zu eigen machen sollte, sondern vielmehr dagegensetzen k&amp;ouml;nnte, dass diejenigen, die so was fordern von einem zu engen Politikbegriff ausgehen. Das wird in deinem Text nur angedeutet, wenn du Angelas Bildungsb&amp;uuml;rger gegen Dresens Kleinb&amp;uuml;rger stellst z.B. Darin liegt aber glaube ich ein Potential, mit dem man die Kritik selbst als reaktion&amp;auml;r entlarven kann, weil sie im Grunde der Unm&amp;uuml;ndigkeit der Zuschauer das Wort redet. &lt;br /&gt;&amp;#10;Unsere Filme sind in dem Ma&amp;szlig;e politisch, finde ich zumindest, indem sie dieser Unm&amp;uuml;ndigkeit ein Interesse und ein Verhalten zu dem, was wir zeigen, gegen&amp;uuml;berstellen, das uns nicht auf eine h&amp;ouml;here Stufe stellt als den, der sich das anschaut. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Deine Ausf&amp;uuml;hrungen zu Wiseman und Loach haben mich an den Werturteilsstreit zwischen Max Weber und Gustav Schmoller erinnert. Max Weber hat damals methodisch in etwa die Position Wisemans vorweggenommen hat, n&amp;auml;mlich zu sagen, das was ich untersuchen will, ist von meinen Vorstellungen (also meinen pers&amp;ouml;nlich gefassten Werturteilen &amp;uuml;ber die Welt) abh&amp;auml;ngig, wie ich es dann aber untersuche, unterliegt der Methodik der Wissenschaften und kann nicht von vorneherein durch ein bestimmtes Untersuchungsergebnis vorher bestimmt werden, w&amp;auml;hrend Schmoller im Grunde Loach s These vertreten hat, in dem er sagte, dass es erlaubt sei, seine eigenen Vorstellungen in einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Ausdruck zu bringen. Da es im Film weder Methodik noch Objektivit&amp;auml;t (die ja &amp;uuml;brigens auch nicht in den Wissenschaften) gibt, ist das nicht so ganz &amp;uuml;bertragbar, aber auf der Basis deines Essays kann man vielleicht von einer gewissen "Ehrlichkeit" oder "Aufrichtigkeit" im Umgang mit den eigenen Sujets, Charakteren und Formen sprechen, was vielleicht auch wieder in eine gewisse "politische" Begrifflichkeit einm&amp;uuml;nden w&amp;uuml;rde, die eben formuliert, was man von Filmen erwartet und was sie lieber nicht zeigen sollten.&lt;br /&gt;&amp;#10;Stefan Kriekhaus&amp;#10;</description>
      <pubDate>Fri, 04 May 2007 11:35:21 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>stefan kriekhaus</dc:creator>
      <dc:date>2007-05-04T11:35:21Z</dc:date>
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      <title>Warum ich keine „politischen“ Filme mache.</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/</link>
      <description>&lt;p&gt;&amp;#10;von Ulrich K&amp;ouml;hler&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ken Loachs &amp;#8222;Family Life&amp;#8220; handelt nicht nur von einer schizophrenen jungen Frau, der Film selbst ist schizophren. Grandios inszeniert zerrei&amp;szlig;t es den Film zwischen dem naturalistischen Genie seines Regisseurs und dem Diktat eines politisch motivierten Drehbuchs. &lt;br /&gt;&amp;#10;Viele Szenen sind an psychologischer Tiefe und Vielschichtigkeit kaum zu &amp;uuml;berbieten &amp;#8211; in den Beratungsgespr&amp;auml;chen zwischen dem Therapeuten und der Familie etwa entstehen aus der Freiheit und Spielfreude, die Loach seinen Darstellern l&amp;auml;sst, extrem glaubw&amp;uuml;rdige Szenen. Doch leider zerst&amp;ouml;rt das Drehbuch mit seiner politischen Zielsetzung alle innerszenische Sch&amp;ouml;nheit wieder. F&amp;uuml;r Offenheit, Ambivalenz und Komplexit&amp;auml;t l&amp;auml;sst es keinen Raum. Gut und B&amp;ouml;se m&amp;uuml;ssen am Ende eindeutig verteilt werden. Auf das Ganze betrachtet, interessiert sich der Film nicht f&amp;uuml;r das individuelle Schicksal seiner Figur. Sie ist f&amp;uuml;r den Autoren ein typischer Fall, ein Platzhalter der Dramaturgie. Der gute Gespr&amp;auml;chstherapeut verliert seinen Job und die Ger&amp;auml;temediziner mit ihren Elektroschocks zerst&amp;ouml;ren die zarten Erfolge einer fortschrittlichen Therapie, die nach den sozialen Ursachen der Krankheit fragt. Das M&amp;auml;dchen wird nach einem Ausbruchsversuch eingefangen und unter Zwang in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Das letzte Bild zeigt uns einen gebrochenen, willenlosen Menschen, der zwar seinen Eltern keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird, der aber alles verloren hat, was wir als seine W&amp;uuml;rde ansehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das Problem des Films ist nicht die Glaubw&amp;uuml;rdigkeit der Geschichte - so etwas k&amp;ouml;nnte sich zugetragen haben -, es ist das schale Gef&amp;uuml;hl, einzig deshalb auf diese emotionale Butterfahrt geschickt worden zu sein, um eine Botschaft zu kaufen: Psychosen sind das Produkt repressiver Familienstrukturen und einer technokratischen Psychiatrie.&lt;br /&gt;&amp;#10;Hinter dem Naturalismus des Spiels versteckt sich vor allem diese These. Ich als Zuschauer sp&amp;uuml;re die politische Dramaturgie und f&amp;uuml;hle mich betrogen. Gerade Loachs Naturalismus verst&amp;auml;rkt dieses Gef&amp;uuml;hl noch. W&amp;auml;re der Film offen didaktisch wie ein Brechtsches Drama oder w&amp;uuml;rde er wie Bresson in &amp;#8222;L&amp;#8217;Argent&amp;#8220; seine dramaturgische Kausalkette nicht verstecken, h&amp;auml;tte ich dieses Gef&amp;uuml;hl nicht. &amp;#8222;L&amp;#8217;Argent&amp;#8220; ist sicher nicht Bressons bester Film. Die soziale Mechanik, mit der hier das kapitalistische System einen Mensch erst in die Armut und dann schrittweise von der Kleinkriminalit&amp;auml;t zum Mord treibt, ist mir zu einfach. Aber der Film versteckt seine monokausale Argumentationskette nicht hinter einer quasi dokumentarischen Fassade und t&amp;auml;uscht mich nie &amp;uuml;ber seine Absichten. Die Form ist eben auch politisch. Sie verr&amp;auml;t viel &amp;uuml;ber die Haltung des Filmemachers gegen&amp;uuml;ber Figuren und Zuschauern. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei Loach bin ich viel mehr mit der Frage nach der &amp;#8222;Wahrscheinlichkeit&amp;#8220;, nach dem Realit&amp;auml;tsgehalt des Dargestellten besch&amp;auml;ftigt als mit der Frage, wie psychische Krankheiten mit sozialen Verh&amp;auml;ltnissen zusammen h&amp;auml;ngen und was wir tun k&amp;ouml;nnen, um sie zu &amp;auml;ndern. Damit ist der Film nicht nur k&amp;uuml;nstlerisch sondern auch politisch gescheitert. Traurig zu sehen, wie der grandiose Schauspielregisseur Loach die Komplexit&amp;auml;t der Welt immer wieder einem politischen Programm opfert. Es sind die eigenen moralischen Anspr&amp;uuml;che, die ihn in diese Falle treiben. Das Schlussbild dieses Films soll die Zust&amp;auml;nde des Systems anprangern, es prangert aber vor allem den Film selbst an: die Hauptfigur ist nicht Opfer der Psychiatrie, sie ist Opfer der Instrumentalisierung durch den Film.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In meinen Augen schadet diesem Film die Vermischung politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Motive sehr, sie schadet ihm k&amp;uuml;nstlerisch und politisch. Das traurigste Konzert meines Lebens war ein Auftritt von Stefan Remmler im Cafe &amp;#8222;sch&amp;ouml;ne Aussichten&amp;#8220; in Hamburgs &amp;#8222;Planten und Blomen&amp;#8220;. 15 Jahre nachdem er mit Trio und &amp;#8222;Dadada&amp;#8220; den deutschen Schlager revolutioniert hatte, singt er &amp;#8222;Mein Freund ist Neger&amp;#8220; vor ein paar &amp;auml;lteren Damen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Alles ist politisch. Das stimmt vielleicht. Aber die Unterscheidung zwischen k&amp;uuml;nstlerischer und politischer Praxis ist sinnvoll. Politik gestaltet das Zusammenleben der Menschen. Politisches Handeln will die Gesellschaft ver&amp;auml;ndern oder vor Ver&amp;auml;nderungen bewahren. Kunst hat keine allgemeing&amp;uuml;ltig definierbare gesellschaftliche Funktion. Jeder K&amp;uuml;nstler muss die Frage f&amp;uuml;r sich selbst beantworten k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Politisches Handeln ist funktional. Ich verteile Handzettel, damit Menschen M&amp;uuml;ll trennen oder ich schmei&amp;szlig;e Bomben, um die Machtverh&amp;auml;ltnisse umzuwerfen. Instrumente politischen Handelns haben keinen Wert an sich, sie haben ihren Wert in Hinblick auf ihr Ziel. Ich kann Menschen mit Argumenten oder mit Faustschl&amp;auml;gen davon &amp;uuml;berzeugen, den Joghurtbecher in die gelbe Tonne zu werfen. Beides sind politische Instrumente. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In der Funktionalit&amp;auml;t liegt der entscheidende Unterschied zwischen politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Praxis. Kunstwerke sind nicht Mittel zum Zweck. Kunst taugt nicht zur Beruhigung des politischen Gewissens.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Gegenbeispiel zu &amp;#8222;Family Life&amp;#8220; ist &amp;#8222;Titicut Follies&amp;#8220; von Frederick Wiseman: ein Dokumentarfilm &amp;uuml;ber eine forensische Anstalt in den USA Ende der 60er Jahre. Wiseman schaut hin, verzichtet auf Offkommentare und eine Dramaturgie, die am Schicksal einer Figur aufgeh&amp;auml;ngt ist. Sein Portrait einer Institution braucht keine identifikatorische Erz&amp;auml;hlung mit Protagonisten und Antagonisten. Psychiater und Pfleger in seinem Film verhalten sich vielfach brutaler und unmenschlicher als das Personal der Anstalt in Loachs Film, und doch bleibt jeder der Protagonisten ein komplexer Mensch. Der Regisseur ist nicht mit einem vorgefertigten Erz&amp;auml;hlziel an die Arbeit gegangen - auch wenn er sicher eine Ahnung davon hatte, was ihn in dieser Anstalt erwarten w&amp;uuml;rde. Er untersucht seinen Gegenstand. Ich habe das Gef&amp;uuml;hl, diesen Ort zusammen mit dem Regisseur kennen zu lernen und nicht eine vorverdaute Lektion erteilt zu bekommen. Wiseman vertraut meiner Urteilsf&amp;auml;higkeit. Nat&amp;uuml;rlich ist auch dieser Film ein subjektiv gestaltetes Werk, in dem der Autor ausw&amp;auml;hlt, was er mir zeigt und was nicht. Aber er hat sich von dem leiten lassen, was er gefunden hat und nicht von dem, was er von vornherein beweisen wollte. Das ist die k&amp;uuml;nstlerische Logik und politische Ethik von Wisemans Film. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei ihm macht die Unterscheidung zwischen politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Praxis vielleicht keinen Sinn mehr. Vielleicht aber doch: Aus der Konsequenz und Kompromisslosigkeit, mit der Wiseman gesellschaftliche Zust&amp;auml;nde dokumentiert, entsteht auch ein k&amp;uuml;nstlerischer Film. Seine Arbeit ist aber vor allem politisch motiviert. Sie gew&amp;auml;hrt der Gesellschaft Einblicke in Institutionen, die sie geschaffen hat und gibt ihr so die M&amp;ouml;glichkeit, &amp;uuml;ber sich selbst nachzudenken und sich zu ver&amp;auml;ndern. Wenn es ein politisches Kino geben soll, dann muss es so aussehen. Wisemans Film hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das beweist allein schon der gerichtlich erzwungene Hinweis im Abspann, dass sich die Zust&amp;auml;nde in dieser Institution seitdem ge&amp;auml;ndert haben.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Beim Vergleich beider Filme stelle ich mir die Frage, ob bestimmte Themen &amp;uuml;berhaupt mit der dramaturgischen Logik des Spielfilms vereinbar sind. Die Schwemme uns&amp;auml;glicher Filme zur deutschen Geschichte in den letzten Jahren verst&amp;auml;rkt diese Zweifel.&lt;a&amp;#10;name="back1"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN1"&gt;(1)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die staatliche Kulturf&amp;ouml;rderung liebt Filme, die politische Aufkl&amp;auml;rung in Geschichten &amp;#8222;verpacken&amp;#8220;. Der B&amp;uuml;rger soll schlie&amp;szlig;lich nicht &amp;uuml;berfordert werden. Auf der Verpackung steht dann zum Beispiel: die bewegende Liebesgeschichte zwischen einem t&amp;uuml;rkischen M&amp;auml;dchen und einem Skinhead. Filmemachen als Verpackungskunst. Das ist das &amp;auml;sthetische Programm sozialdemokratisierter Kulturpolitik. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Kulturproduzenten wissen, dass sie Geld nachgeworfen kriegen f&amp;uuml;r Projekte gegen Rassismus, Nationalsozialismus, die Unterdr&amp;uuml;ckung von Minderheiten oder die Armut in fernen L&amp;auml;ndern. Politische Bildung und Kultur aus einem Topf. Ich muss mir nur die Liste gef&amp;ouml;rderter deutscher Filme anschauen oder Hakenkreuze im zeitgen&amp;ouml;ssischen Kino und Fernsehen z&amp;auml;hlen. Diese Politik &amp;uuml;berfordert die Kunst und unterfordert die Intelligenz ihrer B&amp;uuml;rger. Sie macht den K&amp;uuml;nstler unfrei und den Zuschauer unm&amp;uuml;ndig.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Sie produziert einen Berg k&amp;uuml;nstlerisch wertloser, klischeebeladener Filme, die politisch wirkungslos sind. Schlimmer noch: abgesehen davon, dass einige dieser Werke revanchistisch sind, f&amp;ouml;rdern sie gesellschaftlichen Stillstand, indem sie den sowieso schon einverstandenen B&amp;uuml;rgern das Gef&amp;uuml;hl geben Gutes zu tun, wenn sie &amp;#8222;politische&amp;#8220; Filme oder Theaterst&amp;uuml;cke konsumieren.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Marlen Haushofer schreibt &amp;uuml;ber de Sicas &amp;#8222;Fahrraddiebe&amp;#8220;: &amp;#8222;Die Tr&amp;auml;ne in Frau M&amp;uuml;llers Auge bringt keinem armen Teufel sein Fahrrad zur&amp;uuml;ck und verschafft nur Frau M&amp;uuml;ller die Illusion, ein guter Mensch zu sein. Diese Illusion ist abzulehnen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die gesellschaftlichen Ressourcen, die in so genannten politischen Filmen stecken, lassen sich effizienter einsetzen. Meistens sind die Trailer politischer als die Filme selbst. Warum machen wir dann noch die Filme? Ein gezielter Farbbeutelwurf oder ein &amp;#8222;Bild&amp;#8220;-Schlagzeile richtet sowieso mehr aus. Die Qualit&amp;auml;t eines Films wird nicht an seiner politischen Wirkung gemessen, aber ein so genannter politischer Film m&amp;uuml;sste sich daran messen lassen. Das vordergr&amp;uuml;ndige Thematisieren politischer Inhalte beruhigt vielleicht das Gewissen, politisches Handeln ist das noch lange nicht. Was ist das Politische an einem Film, der die Welt nicht ver&amp;auml;ndern kann und will? Was ist das Politische an &amp;#8222;politischer&amp;#8220; Kunst? &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Neben den Zweifeln an der Wirksamkeit darf in vielen F&amp;auml;llen auch an der Integrit&amp;auml;t des Anliegens gezweifelt werden: &amp;#8222;Politische&amp;#8220; Werke f&amp;uuml;hren h&amp;auml;ufig ein Nischendasein und erreichen so wenige Menschen, dass sie wirkungslos bleiben m&amp;uuml;ssen. Nur der Kunstmarkt h&amp;auml;lt sie am Leben. Die politischen Ziele des K&amp;uuml;nstlers geraten schnell in Widerspruch zu den Mechanismen des Marktes. &lt;br /&gt;&amp;#10;Werke, die ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Publikum erreichen, f&amp;ouml;rdern ein anderes Dilemma zu Tage: Sie vermarkten sich als politisch und subversiv, aber Erfolg und Rezeptionskonsens beweisen eher das Gegenteil und sind ein ziemlich gutes Indiz f&amp;uuml;r ihren affirmativen Charakter. Ist die Akzeptanz so gro&amp;szlig;, darf am subversiven Potential gezweifelt werden. Kunst, die nur Kunst sein will, ist h&amp;auml;ufig subversiver.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Welche Sammlungen schm&amp;uuml;cken sich mit Werken politischer K&amp;uuml;nstler wie Hans Haacke? Wie provozierend ist ein &amp;#8222;Provokationsk&amp;uuml;nstlers&amp;#8220; (Selbstbeschreibung auf seiner Website), der Wagner in Bayreuth inszenieren darf? Wie bei&amp;szlig;end kann die Kapitalismuskritik eines &amp;#8222;politischen Feelgoodmovies&amp;#8220; (Pressezitat aus der Filmwerbung) sein, wenn es den bayerischen Staatspreis, die Konsens-Lola und das Wohlwollen des gesamten politischen Spektrums gewinnt? Sind wir Oscar? &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Logik des Politischen ist verschieden von der Logik des K&amp;uuml;nstlerischen. Politik verlangt verantwortungsvolle Kompromisse, Kunst darf kompromisslos und amoralisch sein. Wer dies nicht sieht, schafft in der Regel weder k&amp;uuml;nstlerisch noch politisch Interessantes. Kunst ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist nicht ergebnisorientiert. Das ist ein wichtiger Unterschied.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Kunst, die in meinem Leben eine Rolle gespielt hat, zeichnet sich durch ihre Offenheit, durch ihre Mehrdeutigkeit, durch ihre Amoralit&amp;auml;t und ihre Weigerung aus, sich instrumentalisieren und funktionalisieren zu lassen. Wenn Kunst politisch ist, dann ist sie genau darin politisch: Sie wehrt sich dagegen (tages)politisch und gesellschaftlich verwertbar zu sein. Ihre St&amp;auml;rke liegt in ihrer Autonomie. Auch wenn diese eine Illusion sein mag - jedes Kunstwerk ist auch Produkt eines Marktes - so ist sie doch eine notwendige Utopie f&amp;uuml;r den K&amp;uuml;nstler.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es geht mir nicht darum ideologische Trennlinien zu ziehen: Hoch- vs. Trivialkultur, Kommerz vs. Kunst, U vs. E, politische Aufkl&amp;auml;rung vs. Filmkunst, Reportage vs. Literatur. Es gibt viele Beispiele im Pop, im Design, in der Architektur, im Film usw., die sich nicht am Ideal eines autonomen Kunstwerks orientieren und die dennoch wichtige Kulturg&amp;uuml;ter sind. Politische Aufkl&amp;auml;rung ist wichtig, aber die Unterscheidung verschiedener Formen kultureller Praxis ist es auch. Ein k&amp;uuml;nstlerischer Filmemacher ist kein Sozialp&amp;auml;dagoge oder Historiker (und ein kommerzieller Regisseur &amp;uuml;brigens auch nicht). Der Aufkl&amp;auml;rer muss sich fragen, ob Spielfilme, Romane und Theaterst&amp;uuml;cke wirklich geeignete Instrumente seiner Arbeit sind. W&amp;auml;hlt er diese Instrumente, ist die Politik der Formen entscheidend. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Also ja, alles kann Kunst sein: politische Aufkl&amp;auml;rung kann Kunst sein, Funktionales kann Kunst sein, Pop kann Kunst und politisch sein und Kunst kann politisch sein - aber Kunst, die politisch sein will, ist meistens weder das eine noch das andere.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Derjenige, der einer bestimmten Praxis nachgeht, sollte den Zielen seines Handelns treu bleiben. Ist er darin konsequent und erfinderisch, schafft er etwas Neues, macht es vielleicht wieder Sinn von Kunst zu reden. So ist zumindest der Sprachgebrauch. Aber wer einen Stuhl entwirft, will zun&amp;auml;chst einmal eine Sitzgelegenheit schaffen und wer die Gesellschaft ver&amp;auml;ndern will, muss politisch handeln.&lt;a&amp;#10;name="back2"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN2"&gt;(2)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Noch ein Beispiel aus der Filmgeschichte:&lt;br /&gt;&amp;#10;Mit &amp;#8222;Shoah&amp;#8220; wollte Lanzmann ein Kapitel der Geschichte vor dem Vergessen bewahren. Sein Motiv ist politisch, seine Arbeit journalistische und historische Recherche. Die Konsequenz dieser Arbeit, sein Vertrauen in die Kraft der Zeugnisse, der Verzicht auf P&amp;auml;dagogik, die Tatsache, dass er sich als Autor nicht versteckt, haben aus dieser politischen Dokumentation &amp;uuml;ber das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Verbrechen der Menschheitsgeschichte ein Kunstwerk gemacht, das das Bild des Menschen f&amp;uuml;r immer pr&amp;auml;gen wird.&lt;br /&gt;&amp;#10;Steven Spielberg hingegen hatte zu viele sich widerstreitende Absichten: k&amp;uuml;nstlerische, politp&amp;auml;dagogische und kommerzielle. Das Ergebnis ist ein Geschichtsporno, der politisch das Gegenteil von dem bewirkt, was er bewirken will. Anstatt aufzur&amp;uuml;tteln, schl&amp;auml;fert er ein, anstatt Rassismus zu bek&amp;auml;mpfen, verfestigt er Vorurteile (das Casting!). Spielberg verharmlost die Geschichte und hat wohl eine der widerw&amp;auml;rtigsten Szenen der Filmgeschichte geschaffen: eine Gaskammerszene, die gleichzeitig Porno und Betroffenheitsdokument sein will.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;K&amp;uuml;nstler sind Teil der Gesellschaft, in der sie leben. Kunst ist nicht politisch unschuldig. K&amp;uuml;nstler, die das ignorieren, sind entweder naiv oder reaktion&amp;auml;r. Aber es ist etwas anderes, von K&amp;uuml;nstlern politisches Bewusstsein zu erwarten, als zu fordern, dass sie "politische" Kunst machen. Wer sich seine k&amp;uuml;nstlerische Arbeit als eine politische sch&amp;ouml;nredet, ger&amp;auml;t leicht in unaufl&amp;ouml;sbare Widerspr&amp;uuml;che. Er bel&amp;uuml;gt sich und andere.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das zeitgen&amp;ouml;ssische Kino beutet die deutsche Geschichte aus und ist dabei bestenfalls unpolitisch, h&amp;auml;ufig reaktion&amp;auml;r. Exportweltmeister dank Hitler und der Stasi. Filbinger und S&amp;ouml;hne feiern unterst&amp;uuml;tzt von revisionistischen Eventmovies ein Revival. Und mit dem Oscar sind jetzt auch die ostdeutschen Volksmassen rehabilitiert. Der kleine Mann (der klein genug ist, den Konflikt mit seiner todkranken Exfrau f&amp;uuml;r die Promotion seines Films auszuschlachten) ist von aller Schuld rein gewaschen. Das vereinte Deutschland kann jetzt br&amp;uuml;llen: Wir waren es nicht, Hitler und Mielke sind es gewesen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Kino, das sich an der Ausschlachtung der Geschichte nicht beteiligen will, ist noch lange nicht politisch ignorant. &lt;a&amp;#10;name="back3"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN3"&gt;(3)&lt;/a&gt; Ich frage mich, warum eine Filmkritik, die sich ein politischeres Kino w&amp;uuml;nscht, nicht politischere Texte schreibt. W&amp;uuml;rde sie genauer hinschauen, w&amp;uuml;rde sie vielleicht sehen, dass auch Filme, die sich nicht als Instrument politischer Bildung verstehen, politisch sein k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Sind Andreas Dresens lustige Kleinb&amp;uuml;rger politischer als Angela Schanelecs verunsicherte und verlorene Bildungsb&amp;uuml;rger, oder besch&amp;auml;ftigt sich der Bildungsb&amp;uuml;rger lieber mit &amp;#8222;den Anderen&amp;#8220;, als sich zu fragen, was er selbst eigentlich auf dieser Welt verloren hat? Bevor die Filmkritik gr&amp;uuml;ne Punkte an politische Filme verteilt, sollte sie ihre &amp;auml;sthetischen Kriterien &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Es ist schon eine Menge Arbeit, die innere Koh&amp;auml;renz von Filmen zu untersuchen. Ich vermute, dass dadurch mehr &amp;uuml;ber die &amp;#8222;Politik&amp;#8220; eines Films zu erfahren ist, als durch das vordergr&amp;uuml;ndige Abscannen nach politischen Inhalten.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht steckt ja hinter der Kritik an uns &amp;#8222;unpolitischen&amp;#8220; Filmemachern der Vorwurf, wir entwickeln uns k&amp;uuml;nstlerisch nicht weiter, weil wir uns nicht genug in Frage stellen. Daf&amp;uuml;r h&amp;auml;tte ich mehr Verst&amp;auml;ndnis. Aber das ist eine Kritik, die konkrete Auseinandersetzung mit einzelnen Filmen verlangt. Sie ist sicher interessanter als das pauschale Reden &amp;uuml;ber Schulen, die es so nicht gibt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die &amp;#8222;Demoiselles d&amp;#8217;Avignon&amp;#8220; waren subversiv, &amp;#8222;Guernica&amp;#8220; ist ein schlechtes Bild. &lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Starship Troopers&amp;#8220; ist ein Antikriegsfilm, &amp;#8222;Saving Private Ryan&amp;#8220; reaktion&amp;auml;rer Dreck. &lt;br /&gt;&amp;#10;Madonna ist Feministin und Alice Schwarzer die Mutter der Nation. &lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Fu&amp;szlig;ballstadion voller Skins, die &amp;#8222;Go West&amp;#8220; singen, ist schwuler als Rosa von Praunheim.&lt;br /&gt;&amp;#10;Das Victoryzeichen von Josef Ackermann ist demokratiefeindlicher als die Gru&amp;szlig;botschaft von Christian Klar an die Rosa-Luxemburg-Konferenz.&lt;br /&gt;&amp;#10;Claus Peymann ist eine arme Sau.&lt;br /&gt;&amp;#10;Die gelbe Tonne ist Kunst.&lt;br /&gt;&amp;#10;________&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;small&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a name="FN1"&gt;(1)&lt;/a&gt; War der reale Hitler nicht schlimm genug? Wof&amp;uuml;r brauchen wir seine fiktiven Doppelg&amp;auml;nger? Sein Regime hat Millionen Opfer gefordert, und trotzdem setzen sich Drehbuchautoren hin und denken sich neue aus. Jeder Autor ist dramaturgischer Folterknecht, das stimmt. Aber angesichts realen Schreckens dieses Ausma&amp;szlig;es kommt es mir komisch vor, am Schreibtisch zu sitzen und mir neues Leid f&amp;uuml;r meine fiktiven oder (schlimmer noch) semi-historischen Figuren auszudenken. Um mit Godard zu argumentieren: K&amp;ouml;nnen wir zulassen, dass Spielberg Auschwitz neu aufbaut? Ein dokumentarischer Ansatz &amp;uuml;berzeugt mich da mehr. Wie immer Ausnahmen: Sokurov, Pasolini, Lubitsch... &lt;a href="#back1"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a name="FN2"&gt;(2)&lt;/a&gt; Eine so pers&amp;ouml;nliche Filmemacherin wie Angela Schanelec zu fragen, warum sie keinen Film &amp;uuml;ber den Fall der Mauer macht, ist &amp;auml;hnlich ignorant, wie Frieda Grafe zu fragen, warum sie nicht Gerichtsreportagen statt Filmkritiken schreibt. &lt;a href="#back2"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a name="FN3"&gt;(3)&lt;/a&gt; Vielleicht hilft der Blick auf die politischen Biografien von &amp;#8222;unpolitischen&amp;#8220; Minimal-K&amp;uuml;nstlern wie Richard Serra oder einer Autorin von b&amp;uuml;rgerlichen Familienromanen wie Natalia Ginzburg. &lt;a href="#back3"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sun, 22 Apr 2007 11:36:03 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2007-04-22T11:36:03Z</dc:date>
    </item>
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      <title>Nach einem Film von Mikio Naruse</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1606340/</link>
      <description>&lt;p&gt;Man kann darauf wetten, dass in einem Text &amp;uuml;ber Mikio Naruse fr&amp;uuml;her oder sp&amp;auml;ter der Name Ozu zu lesen ist. Also vollziehe ich dieses Ritual gleich zu Beginn und schreibe, nicht ohne Unbehagen: Ozu.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Sicher, beide arbeiteten f&amp;uuml;r dasselbe Studio. Sicher, in den Filmen Naruses kann man Schauspieler wiedersehen, mit denen man in den Ozu-Filmen Freundschaft geschlossen hat, in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; von 1951 etwa Setsuko Hara und Haruko Sugimura, die ihre Mutter spielt . Sicher, viele Filme Ozus und Naruses werden dem Shomingeki zugerechnet und interessieren sich f&amp;uuml;r den Alltag und die Normalit&amp;auml;t, nicht f&amp;uuml;r das Drama und den Ausnahmezustand. Aber auf &amp;auml;hnliche Weise k&amp;ouml;nnte man Filme von Hawks und Ford nebeneinander stellen und mit staunendem Zeigefinger sagen: Hier: John Wayne. Hier: Western. Insofern versperrt der Ozu-Vergleich vielleicht den Zugang zu dem, was an Naruse interessant ist und wor&amp;uuml;ber ich nach dem ersten Film der kleinen Naruse-Reihe nur mutma&amp;szlig;en kann. Jedenfalls kommt es mir vor, als m&amp;uuml;sste der Name Ozu im Zusammenhang mit Naruse in Form einer Frage formuliert werden, die etwas Ungekl&amp;auml;rtes markiert; nicht als Antwort, die seinen Filmen einen Platz zuweist.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die immer wieder benannte N&amp;auml;he zu Ozu ist nachvollziehbar, aber auch erstaunlich, denn die wenigsten Einstellungen in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; k&amp;ouml;nnte man sich in einem Film von Ozu vorstellen. Es ist eine andere, weniger rechtwinklige Geometrie, die hier am Werke ist, sowohl in den einzelnen Bildern als auch in der dramaturgischen Architektur des gesamten Films. Naruse scheint sich eher treiben zu lassen und im Verlauf eines Films st&amp;auml;rker auf die Bewegungen seiner Figuren zu reagieren. Wer Ozu im Hinterkopf hat, kann dies als nachl&amp;auml;ssig oder weniger konsistent empfinden; es zeigt aber mit gleichem Recht eine Offenheit f&amp;uuml;r all das, was trotz oder gegen einen vorher vielleicht gefassten Entschluss in die Kamera einstr&amp;ouml;men kann. So gibt es in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; zwei Einstellungen, die keiner der Figuren zuzuordnen sind, aber auch nicht unbedingt einem Erz&amp;auml;hler (Erz&amp;auml;hlerin des Films aus dem Off ist in drei wichtigen Phasen des Films Michiyo Okamoto, die ihren Mann verl&amp;auml;sst und eine Weile bei ihrer Mutter und den Geschwistern in Tokio lebt).&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In beiden Einstellungen ist jeweils eine belebte Stra&amp;szlig;e zu sehen, eine davon ist mit Sicherheit in Osaka, das die &amp;uuml;berraschend vor der Heirat zum verwandten Ehepaar geflohene Nichte mit ihrem Onkel Osaka besichtigt. Ob die andere Einstellung etwas Entsprechendes in Tokio zeigt, wei&amp;szlig; ich nicht mehr. Durch die starke Bindung der Kamera an Michiyo und die anderen Hauptfiguren ist man geneigt, auch diesen Blick einer dieser Figuren, dem Ehemann oder der Nichte zuzuschreiben. Die Kamera bewegt sich aber ganz autonom in den von der Stra&amp;szlig;e er&amp;ouml;ffneten Bildraum hinein, sie schwankt dabei sogar ein bisschen, so dass man denken k&amp;ouml;nnte, es sei eine Subjektive. In der Einstellung taucht allerdings keine der uns vertrauten Figuren auf; mein Gedanke war deshalb, dass es sich um Material aus dem Fundus des Studios handeln k&amp;ouml;nnte, um eine anonyme Stadtansicht. Aber dass diese Bilder in diesem Film sind, ver&amp;auml;ndert seine Erz&amp;auml;hlung. Ihre seltsame Unangebundenheit hebt die Erz&amp;auml;hlung aus dem Individuellen in eine jedenfalls angedeutete Allgemeinheit, die nicht die der anthropologischen Aussagen ist, sondern viel mit der japanischen Nachkriegsgesellschaft zu tun hat.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Durch das Einfache, Allt&amp;auml;gliche hindurch, an seinen R&amp;auml;ndern ist in Naruses Film ein erstaunliches Nachkriegsjapan erkennbar, das permanent in es hineinwirkt. Das ist kein &amp;#8222;gesellschaftlicher Hintergrund&amp;#8220;, das sind keine &amp;#8222;Ausfl&amp;uuml;ge ins Soziale&amp;#8220;; es scheint eher die Grundierung der gesamten Erz&amp;auml;hlung zu sein, etwas, das sie einf&amp;auml;rbt, nicht erkl&amp;auml;rt. Ich will nur ein paar Szenen beschreiben, die mir aufgefallen sind, weil sie auf die ambivalente Pr&amp;auml;senz der Amerikaner und &amp;uuml;berhaupt auf die Nachwirkung des gerade sechs Jahre zur&amp;uuml;ckliegenden Krieges hindeuten.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Eine Freundin, die Michiyo zuf&amp;auml;llig in Tokio trifft, ist mit ihrem kleinen Kind unterwegs; ihr Mann ist, wie sie erz&amp;auml;hlt, immer noch verschollen. Vielleicht helfen die Berichte &amp;uuml;ber die Vermissten im Radio, sagt sie ohne rechte &amp;Uuml;berzeugung, um im n&amp;auml;chsten Satz nachzuschieben, dass sie ihr Radio leider habe verkaufen m&amp;uuml;ssen. Wir sehen diese Frau sp&amp;auml;ter noch einmal, jetzt verkauft sie Zeitungen, und das Kind sitzt schr&amp;auml;g hinter ihr mit dem R&amp;uuml;cken zu uns gewandt, auf einem Zaun.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Mit einem Kollegen, der ihn zu einem wackligen B&amp;ouml;rsengesch&amp;auml;ft &amp;uuml;berreden will, geht Okamoto einmal nach der Arbeit in einer Kneipe trinken. (&amp;Uuml;berhaupt sind die B&amp;ouml;rsenspekulationen und die Schlangen vor dem Arbeitsamt ein &amp;ouml;konomischer Subtext, der den Film durchzieht; Geld haben - kein Geld haben.) Sp&amp;auml;ter ziehen sie zu dritt weiter in eine Art Cabaret, das in einer immens gro&amp;szlig;en Halle untergebracht ist. Es l&amp;auml;uft amerikanische Musik, und auf der B&amp;uuml;hne tanzen Frauen in einer Formation, die an 30er-Jahre US-Musicals erinnert. Auf einem runden Plateau wird eine kreisf&amp;ouml;rmig arrangierte Gruppe von T&amp;auml;nzerinnen von unter der B&amp;uuml;hne nach oben gehoben, als werde ein Stockwerk tiefer gerade ein Busby-Berkeley-Film gedreht.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- In der Gasse vor den kleinen H&amp;auml;usern in Okamotos Nachbarschaft wirft sich ungelenke Junge von Gegen&amp;uuml;ber mit zwei anderen, kleineren Jungs, einen Baseball zu.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Einzelne amerikanische Worte durchsto&amp;szlig;en das Japanische: &amp;#8222;Handkerchief&amp;#8220;, sagt Okamoto, bevor er zur Arbeit geht und sein Einstecktuch sucht. &amp;#8222;Don&amp;#8217;t know&amp;#8220; sagt einmal irgendjemand. Die Worte sind aber so in die Melodie des Japanischen eingelassen, dass sie kaum zu bemerken sind. Man wird lediglich dadurch darauf aufmerksam, weil die englischen Untertitel an diesen Stellen fehlen.&amp;#10;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;Ich stelle mir die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg in Japan als eine ma&amp;szlig;los verwirrende Zeit vor. Man muss sich ja die Ungeheuerlichkeit ins Ged&amp;auml;chtnis rufen, dass der Abwurf der Atombomben gerade so lang zur&amp;uuml;cklag wie heute der &amp;Uuml;bergang von 1999 nach 2000. Michiyo sagt einmal, dass nach der Zerst&amp;ouml;rung Tokios nur flache Geb&amp;auml;ude gebaut worden seien. Das Geld, die Spekulationen, die Orientierung auf Wiederaufbau und Reichtum, sind dem Film allerorten anzumerken; Osakas Finanzstra&amp;szlig;e wird von der Stadtf&amp;uuml;hrerin nicht ohne Stolz als &amp;#8222;Gegenst&amp;uuml;ck zur Wall Street&amp;#8220; bezeichnet. Diese Zerrissenheit zwischen Zerst&amp;ouml;rung und Wiederaufbau, zwischen Armut und Spekulation scheint mir eine Struktur zu benennen.&amp;#10;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;Am Schluss, Okamotos Frau ist immer noch in Tokio, ihr Mann in Osaka und die Trennung dauert nun schon eine ganze Weile, bricht ein Sturm los. Die Leute bringen sich in den H&amp;auml;usern in Sicherheit, auf der Tonspur ist das Pfeifen des Windes zu h&amp;ouml;ren. Am n&amp;auml;chsten Morgen bessert jemand das Dach aus. Dieser Sturm, den man als Kinozuschauer liebend gern allegorisch verstehen w&amp;uuml;rde, als Aufruhr in Michiyos Herzen, als Zuspitzung des Konflikts zwischen beiden, ist all das genau nicht. Er ist einfach nur das: ein Wind, der vor&amp;uuml;berzieht.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Volker Pantenburg&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Tue, 03 Apr 2007 20:53:52 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1606340/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2007-04-03T20:53:52Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Februar 07</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1592065/</link>
      <description>Anfang Februar, ich war zu einem Spaziergang am sp&amp;auml;ten Nachmittag aufgebrochen, es war kurz nach 5 und es wurde langsam dunkel, und beim Spazierengehen kam mir wieder das Verhalten gegen&amp;uuml;ber den Filmen in den Sinn. Das Verhalten von den vielen verschiedenen Leuten, das ganz von meinem verschiedene Verhalten und mein Verhalten dazu. Wie schwer es ist, sagte ich mir wieder, sich zu all dem stimmig zu verhalten und ob es noch richtig ist, all dies, was um die Filme herum als Verhalten geschieht, als Verhaltensaufforderungen zu durchschauen, als Verhaltensaufforderung aber, die man geradezu ignorieren sollte, um stimmig weitermachen zu k&amp;ouml;nnen; ob man aber von beabsichtigter Unaufmerksamkeit schlie&amp;szlig;lich doch, wie die anderen meinen, unbeabsichtigt unaufmerksam und daher unerheblich wird? Beim Lesen von Texten und beim H&amp;ouml;ren von Gespr&amp;auml;chen zu Filmen hatte ich in den letzten Tagen immer &amp;ouml;fter an die Sache mit dem Verhalten gedacht und die vielen Sachen, die das Verhalten ausmachen. Immer mehr Gedanken &amp;uuml;ber das stimmige und das unstimmige Verhalten und die Filme und was das mit den Leuten und mit mir macht kamen mir nun auch beim Spazierengehen in den Sinn. All dies zerrte nun schon seit Tagen in meinem Kopf herum und genervt brach ich das Spazierengehen und Nachdenken daraufhin ab. Ich ging zum Reichelt und kaufte mir ein halbes Brot. Es war Samstagnachmittag, weit nach 5 Uhr und eine Auszubildende mit einem Auszubildendenschild am Revers verkaufte mir da dieses Brot. Es war erstaunlich, wie viele Brote in den Brotregalen lagen am Samstagnachmittag weit nach 5. Das hatte ich nicht erwartet. Als ich mit dem Brot in der einen und dem Schl&amp;uuml;ssel in der anderen Hand die Treppen zu meiner Wohnung hinaufstieg, fiel mir der vor Jahren gesehene Film "Babes on Broadway" von Busby Berkeley ein, MGM 1941. In dem Film fragt Mickey Rooney July Garland, ob sie ein Lied f&amp;uuml;r ihn singen w&amp;uuml;rde. Gar nicht abgeneigt, ein Lied f&amp;uuml;r Mickey Rooney zu singen, h&amp;auml;lt sie ihn aber noch hin, die S&amp;uuml;&amp;szlig;e der Situation genie&amp;szlig;end: "How do you know I sing?", und er antwortet prompt: "You sing when you talk, and you dance when you walk, and when I look in your eyes, I see a song." Die Erinnerung an diese &amp;Uuml;berredung gefiel mir sehr und ich ging wieder hinaus auf die Stra&amp;szlig;e und machte doch einen Spaziergang und dachte weiter nach dabei.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dann war die Berlinale.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich fragte mich nachher, nach dem Text von DE, ob ich eine gute oder eine schlechte Berlinale hatte. Ich hatte keine Routine darin, diese Frage zu beantworten. Auf der Berlinale hatte ich nach einem Tag erst drei Filme gesehen und nach zehn hatte ich den Schnitt nicht gehalten. Hatte ich eine gute oder eine schlechte Berlinale? Zwischen den Filmen bin ich manchmal nach Hause&amp;nbsp;gefahren oder woanders hin, meist aber stand ich mit anderen herum und habe mich zwischen den Filmen unterhalten.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Einer Freundin hatte ich mit dem Akkreditierungstrick Zutritt verschafft zu dem SUBSTITUTE Film und sie hatte sich dar&amp;uuml;ber und sp&amp;auml;ter auch an dem Film gefreut. VP traute sich nachher nicht, ein Autogramm von Dorasso zu verlangen. Dorasso stand in unserer N&amp;auml;he und ich verlangte das Autogramm, f&amp;uuml;r SP; es war erst das zweite Mal in meinem Leben, dass ich ein Autogramm verlangte. Das erste Mal war vor ein paar Jahren im Winter im Bastard als Kimya Dawson dort spielte und ich HV gezogen hatte f&amp;uuml;r die Beschenkung in Bielefeld, HV, die Kimya Dawson Fan ist. Sp&amp;auml;ter musste ich oft an den SUBSTITUTE Film denken. Das Dispositiv des SUBSTITUTE Films ist eigentlich total fies, eine miese, marode K&amp;uuml;nstlerfantasie, eine Pygmalion-Anschafferei, ganz das Gegenteil zwar des Wortmanngemaches, aber darum ja nicht weniger fies. Doch schau mal, wie der Fu&amp;szlig;baller Dorasso sich in dem Film mittels Gegenschuss dem entgegenstellt. W&amp;auml;hrend der Berlinale machte die Nachricht die Runde, dass eine Vereinigung deutscher Filmkritiker den Wortmannfilm zum besten Dokumentarfilm des Jahres gew&amp;auml;hlt hatte.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf der Berlinale traf ich im Arsenalfoyer MG. Er sa&amp;szlig; mit einer gro&amp;szlig;en Kamera an dem runden Tresen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In der Schlange zu LOVE 'EM OR LEAVE 'EM traf ich BS und AR und AR sagte ich da im Gespr&amp;auml;ch, dass ich mich eigentlich doch nicht so recht f&amp;uuml;r Kunst interessieren kann und danach kam mir das unversch&amp;auml;mt vor ihr gegen&amp;uuml;ber, die ja K&amp;uuml;nstlerin ist.&amp;nbsp;In der Schlange standen auch AH und RS. AH fragte nach unserem Buch und nachdem ich kurz von der zweiten Auflage erz&amp;auml;hlte, berichtete er sofort vom Erfolg seines Buchs. Auch er ist ja monoman, dachte ich dann sp&amp;auml;ter. Wie BS, der auch immerfort von seinen Sachen erz&amp;auml;hlt und ein bisschen versucht, mir ein Schuldgef&amp;uuml;hl zu geben, als er mich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t und sagt, wir haben uns lange nicht gesehen. Das hat mir nicht gefallen, weil ich nicht mehr einsehe, dass man sich immerzu sieht, nur weil man die gleichen Filme anschaut. Ich glaube auch nicht, dass er das denkt, aber er denkt, ich m&amp;uuml;sse seine Arbeit mehr achten.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;W&amp;auml;hrend der Berlinale musste ich auch oft an den Film THE TRACEY FRAGMENTS denken &amp;#8211; nicht, weil er etwas Besonderes ist, sondern weil sein Splitscreengemache g&amp;auml;nzlich unelektrisierend war. Vor dem Film THE TRACEY FRAGMENTS sa&amp;szlig; ich im Kino und telefonierte mit LB und auch mit CB, aber leise und dezent. Hinter mir sa&amp;szlig; ein englischsprechender Spanier und als ich noch nicht telefonierte, telefonierte er sehr laut und ich drehte mich zu ihm, mit der Drehung bedeuten machend, dass sein lautes Telefonieren mich st&amp;ouml;re. Als ich dann selber telefonieren musste, tat ich es leise und dezent.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In einer Schlange vor dem Arsenal stand ich neben AE, HF und CH. CH trug eine Bluse in Orange und Braun und Beige, die wie Seide aussah, aber doch war sie aus Plastik, wie CH beteuerte. Jeder kann sich also diese Bluse kaufen, wenn er mag. In dem Film dann, X LOVE SCENES, f&amp;uuml;hlte ich mich nicht wohl, auch wenn ich im Abspann dieses Films genannt wurde, weil ich eine &amp;Uuml;bersetzungsarbeit f&amp;uuml;r den Film gemacht hatte. Ich stand mit AE vor dem Kino und begr&amp;uuml;ndete ihr meine Unlust an dem Film.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Im Cinemaxx-Cafe waren RK mit zwei Freunden aus Heidelberg und KW. Es war sch&amp;ouml;n, RK und KW zu sehen. KW und ich machten uns&amp;nbsp;auf, den Film PRINZESSINNENBAD von Bettina Bl&amp;uuml;mner anzuschauen. Lange Schlangen waren vor dem Kino und ich stellte mich ans Ende einer aussichtslos langen f&amp;uuml;r Leute mit schlechten Akkreditierungen. KW aber besorgte sich eine Karte bei einer Frau und schickte mich zu dieser und schon bald hatte auch ich eine. Von der ersten Reihe des gro&amp;szlig;en Kinos wirkte die Leinwand besonders gro&amp;szlig; auf uns, wir sa&amp;szlig;en ja fast unter ihr. Die eigentlich beil&amp;auml;ufig zu betrachtenden Knutschflecke der M&amp;auml;dchen wirkten von unserem Sitzen wie zu erratende Hieroglyphen. Einmal sagt eines der M&amp;auml;dchen, sie sei "jung, dynamisch und naiv". Man sieht sie in dem Film oft rauchen und durch Kreuzberg laufen. Dem Film war nicht viel dazu eingefallen, wie er von einer Sequenz zur n&amp;auml;chsten kommt und hatte Schnittbildintermezzi aus Kreuzberg, die mit moderner basslastiger Musik unterlegt waren, daf&amp;uuml;r herangezogen. KW, der erst neulich einen Herzinfarkt hatte, verlie&amp;szlig; deshalb nach einer Stunde das Kino. Sp&amp;auml;ter traf ich ihn wieder im Cinemaxxcafe und er berichtete von seinem Tischnachbarn und zeigte auf ihn, ein Musiker und Komponist, der dann erz&amp;auml;hlte, dass die Subwoofer aus der amerikanischen Kriegsforschung hervorgegangen seien. KW war gar nicht wegen der Berlinale in Berlin. Er war in der Stadt um einen Dichter zu treffen bei einem Abendessen mit einem anderen Dichter. Sp&amp;auml;ter. Vor dem Film sagte KW, dass aufgrund des Ekels die Menschen an bestimmten Wegkreuzungen ihres Lebenswegs ausweichen und der Lebensweg der Menschen, nimmt man ihn einmal als solchen, aus vielen solcher Ausweichman&amp;ouml;ver besteht; man k&amp;ouml;nne sich fragen, wie der Lebensweg der Menschen aussehen w&amp;uuml;rde, wichen sie nicht so h&amp;auml;ufig vor dem Weg aus, den der Ekel einem zu versperren scheint.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich versp&amp;uuml;rte Hunger und wollte mich aufmachen, etwas zu essen, schaute aber noch in das Programm und entdeckte den Film LES ANN&amp;Eacute;ES D&amp;Eacute;CLIC von Depardon. Depardons Vorderz&amp;auml;hne waren damals, als der Film gemacht wurde, Mitte der 1980er, noch nicht gemacht und er hatte auch wegen der nichtgemachten Z&amp;auml;hne noch etwas sehr Junges an sich. Depardon schaut w&amp;auml;hrend des Films auf die vor ihm liegenden Bilder hinunter und dann schaut er &amp;uuml;ber sie sprechend in die Kamera. Ich schrieb in mein Notizbuch: "Auf- und Niederschauen des Depardon". Magnum, sagte Depardon nach dem Film, sei da, daran zu erinnern, dass es Leute seien, die die Bilder machen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Revolverfeier war laut und voll. Wir fuhren zu viert mit dem Taxi nach Haus.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Mit UH schaute ich mir den Film von Dreyer an, der einen schwierigen d&amp;auml;nischen Namen hat, DU SKAL AERE DIN HUSTRU, was hei&amp;szlig;t: Ehret eure Frauen. UH hoffte, dass ein D&amp;auml;ne etwas zu dem Film sagen wird, weil sie das D&amp;auml;nische gerne h&amp;ouml;rt und schon bald kam ein D&amp;auml;ne vom D&amp;auml;nischen Filminstitut und f&amp;uuml;hrte den Film ein. Es gibt in dem Film eine seltsame Einstellung, etwas, was ich noch nie in einem Film von Dreyer gesehen habe. Das ist gegen Ende des Films, da hat sich der zuvor tyrannische Vater gebessert und jetzt schickt seine Tochter ihm eine Botschaft auf einem St&amp;uuml;ck Papier. Das St&amp;uuml;ck Papier hat sie in den Schnabel eines kleinen mechanischen Vogels gesteckt und jetzt hat sie den Vogel auf den Boden gesetzt und der Vogel legt nun die kurze Strecke zwischen der Tochter und dem Vater zur&amp;uuml;ck und die Kamera erfasst dieses Wegst&amp;uuml;ck in einer sehr nahen Einstellung und der Hintergrund verschwimmt dabei, denn die Kamera wird nicht langsam von der Anfangsposition zur Endposition geschwenkt, sondern die Kamera wird von der einen zur anderen Position gerissen. Wie immer ist es sch&amp;ouml;n, Ausz&amp;uuml;ge aus den zeitgen&amp;ouml;ssischen Filmkritiken auf den ausliegenden Din-A-4-Bl&amp;auml;ttern zu lesen. Ich las diese Filmkritiken in der U-Bahn und dachte an die Texte von Peter Nau. Ich hatte da den Eindruck, dass der Peter Nau mit seinem Filmkritikschreiben sich mit viel Respekt genau hineinschreibt in diese Tradition der Filmkritiken, die sp&amp;auml;ter auf den Bl&amp;auml;ttern wiederzufinden sind, die auf Retrospektiven ausliegen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich h&amp;auml;tte noch zu dem Film THE PATSY fahren k&amp;ouml;nnen. Der Film lief im Zeughaus Kino. Aber ich bin nicht mehr zu diesem Film gefahren. Ich hatte schon meine Jacke angezogen und den Schal um den Hals geschlagen und die Wohnungst&amp;uuml;r ge&amp;ouml;ffnet. Ich h&amp;auml;tte sofort los k&amp;ouml;nnen. Den Bus h&amp;auml;tte ich rechtzeitig bekommen um noch Zeit zu haben vor dem Film, um vor der gro&amp;szlig;en Eingangst&amp;uuml;r des Zeughauskinos eine Zigarette zu rauchen. Ich bin dann aber doch zuhause geblieben. Als das Telefon klingelte, wollte ich gerade etwas &amp;uuml;ber die M&amp;uuml;digkeit und die Unlust schreiben. MH war am Telefon. Ich sagte ihm, dass ich mir vor zehn Jahren auf der Berlinale gew&amp;uuml;nscht hatte, viele der Leute dort kennenzulernen und heute w&amp;uuml;nsche ich mir, so viele Leute zu kennen auf der Berlinale wie vor zehn Jahren, n&amp;auml;mlich wenige. Ich hatte &amp;uuml;berlegt, etwas in die "new filmkritik" zu schreiben oder etwas f&amp;uuml;r einen sp&amp;auml;teren Text aufzuschreiben.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;RK war inzwischen eingetroffen, w&amp;auml;hrend der Berlinale wohnte er bei mir. Er war erfreut als er am folgenden Vormittag einen Hundertwortetext von VP zu seinem Film las. Ich lag da auf dem Bauch im Bett und schrieb in den Computer hinein und h&amp;ouml;rte RKs Freude aus dem Nebenraum. Mit ihm schaute ich sp&amp;auml;ter, von Minute zu Minute dem Erz&amp;auml;hlen dieses Films zugetaner, den Film SHOTGUN STORIES. Wie in dem Film die Mutter der drei Br&amp;uuml;der im Dunkel verschwindet und noch im Weggehen halb im Licht und halb schon im Dunkel sagt, sie gehe nicht auf die Beerdigung des Vaters. Nur die plotvorantreibende Nebenfigur gefiel uns nicht. Dies ist die einzige gedankenlose Figur in dem Film, was nicht am Filmemacher liegt, denn dessen Verh&amp;auml;ltnis zum Erz&amp;auml;hlen ist stimmig, sondern an einer fehlenden Idee des Filmemachers zu dieser Figur. Dem Filmemacher ist wenig eingefallen zu dieser Figur. Diese Figur ist daf&amp;uuml;r da, die Haupftiguren von den Aktionen der anderen zu informieren und sie damit zu Gegenhandlungen zu treiben. Dass RK und mir diese Figur als gedankenlose aufgefallen war, sprach aber trotzdem f&amp;uuml;r das Geschick des Regisseurs, denn sie ist die einzige missgl&amp;uuml;ckte Erfindung des Filmemachers.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie immer war ich auf der Berlinale von den Reaktionen des Publikums auf die Filme irritiert. Ich hatte verdr&amp;auml;ngt: Das Publikum auf Filmfestivals ist das schlimmste. Dass sich die Leute auf Filmfestivals nicht benehmen k&amp;ouml;nnen, kommt wegen der unpassenden Zusammensetzung der Leute und wegen ihrer gro&amp;szlig;tuerischen Haltung den Filmen gegen&amp;uuml;ber. Ich schaute den Film YELLA von einem Sitz ganz oben im Berlinale Palast und h&amp;ouml;rte irritiert die Lacher, als Yella sagt, sie wolle in die Stadt, sich ein paar neue Klamotten kaufen. Gerade das Publikum auf einem gro&amp;szlig;en Filmfestival ist darauf aus, bemerkt zu sein, deshalb kommen immerzu, egal in was f&amp;uuml;r einem Film, aufmerksamkeitserheischende Lacher. Dumm waren auch die Gespr&amp;auml;chsfetzen der Gruppe, die sich nachher &amp;uuml;ber den klugen Film THE HALFMOON FILES erhaben f&amp;uuml;hlte.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich erinnerte mich an ein Gespr&amp;auml;ch vor der Berlinale mit einem, der sagte, ihm habe der Rohrbachartikel aus dem Spiegel aus dem Herzen gesprochen und dass er mir das schon sagen k&amp;ouml;nnen d&amp;uuml;rfe und ich erinnere mich an einen Text &amp;uuml;ber Formeln wie "aus dem Herzen sprechen" und "ich muss sagen" und "ich muss jetzt mal sagen". Mit RK sa&amp;szlig; ich in der Nacht noch zusammen und wir tranken Russian Standard und stellten uns vor, wie Rohrbach einmal ein paar N&amp;auml;chte nicht einschlafen konnte wegen der Wahrnehmung der anderen und er sich gepiesakt f&amp;uuml;hlte davon und unerheblich und dann seinem Herzen Befreiung verschaffte mit dem Schreiben des Rohrbachartikels, der einer dieser "ich muss sagen"-Texte ist. Nie ist sp&amp;auml;ter viel mehr an solchen Texten zu finden als die zu verortende Geste des Aufrufens und Sagenm&amp;uuml;ssens. Dann dachte ich wieder an die Sache mit dem Verhalten und an die Filmgeschichte. Manchmal kann man denken, die Filmgeschichte, so wie sie sich sp&amp;auml;ter darstellt, bestehe nur aus diesen Machtworten und Machttaten und nicht aus den gespeicherten Haltungen der Filme, die denen widerstreben. Sp&amp;auml;ter fielen mir die Leute ein, die in dem Film mit Mistinguette in Paris in den Zwischenhandlungen und Zwischenschnitten in die Kamera blicken. Die Filmgeschichte sind diese Leute, die in dem Mistinguettefilm in die Kamera blicken.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In dem sch&amp;ouml;nen T&amp;eacute;chin&amp;eacute;film staunte ich, wieder eine ganz unmotivierte Nacktaufnahme der Emanuelle B&amp;eacute;art zu sehen. Beim Betrachten der Bilder der sch&amp;ouml;nen Emanuelle B&amp;eacute;art wurde ich ganz gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig. Ihr K&amp;ouml;rper ist ja auch Teil der Filmgeschichte.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a href="http://youtube.com/watch?v=qMYLV3cqLKc" title="http://youtube.com/watch?v=qMYLV3cqLKc"&gt;youtube.com&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das rauhe Serielle des Hong Sang Soo.&lt;br /&gt;&amp;#10;Der l&amp;auml;ssige Freejazz des Charles Burnett.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Berlinalebeginn diesmal war nicht hysterisch. Beim Beginn einer Berlinale hatte ich mich seit ein paar Jahren immer gefragt, was das Kino mir noch ist. Tats&amp;auml;chlich war es auch diesmal so. Dann traf ich ein paar Leute, die ich lange nicht gesehen habe und freundete mich an mit der wiederholten Situation. Nachmittags kam ich zum Lesen und Einkaufen und Saubermachen, Vormittags bisweilen zum Schreiben, RK bl&amp;auml;tterte durch die Programme, an den Abenden besprachen wir die Vorkommnisse des Tages. So und mit den Alltagssachen aus dem Normalleben und den Ereignissachen vom Potsdamerplatzleben im Kopf, kamen wir auf die Idee mit dem Mount Rushmore der Filmkunst, den wir uns im Riesengebirge vorstellen konnten oder in einem noch zu schleifenden Wienerwald. W&amp;auml;re HH wirklich Kultusminister seines Landes geworden, h&amp;auml;tten wir, an diesem Abend jedenfalls, diese Idee ihm vorgetragen. Wir konnten uns aber nicht auf die vier eingemei&amp;szlig;elten Regisseure einigen. RK hatte dann aber schlie&amp;szlig;lich die Idee, das bei einem noch zu drehenden Hitchcockremake Brad Pitt am Zigarrenstummel des Jean Marie Straubs h&amp;auml;ngen werde.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Nach der  Berlinale sp&amp;uuml;rte ich Hautunreinheiten im Gesicht, rote Flecken, die sachte brannten. Schlie&amp;szlig;lich war ich doch &amp;uuml;berrascht, viele Filme auf der Berlinale gesehen zu haben. W&amp;auml;hrend der Berlinale war ich entt&amp;auml;uscht &amp;uuml;ber die Texte, die w&amp;auml;hrend der Berlinale zu den Filmen der Berlinale ver&amp;ouml;ffentlicht wurden. Vor allem das Agitatorische vieler Texte war mir zuwider. Zuwider war mir auch das guinessbuchrekordhaft Eilfertige der vielen Weblogs. In den ersten Tagen der Berlinale hatte ich auch oft mit Leuten herumgestanden, die Meinungen vor oder nach dem Film verlangten, was mir von da an zuwider war. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Nach der Berlinale gab es ein Essen in Kreuzberg. Es war endlich Geld gekommen von der Jungle World f&amp;uuml;r die Filmgespr&amp;auml;che. Wir sprachen &amp;uuml;ber das Vergangene. SR erw&amp;auml;hnte ein Buch &amp;uuml;ber Remediationen. VP machte einen Vorschlag zum Weblog, einen Monat, in dem jeden Tag jeder ein Posting machen muss. Ich wurde w&amp;auml;hrend all dem merklich still. Meinungslos sa&amp;szlig; ich da und sp&amp;uuml;rte den Impuls, mich mit der schriftlichen Formulierung von Stimmungen abzugeben. Hier sa&amp;szlig; ich mit Freunden und dachte stattdessen an den &amp;Uuml;berzeugungsterror und den Thesenkitsch und die Stimmungssache. Beim Nachlesen der Goetzblogeintr&amp;auml;ge erinnerte ich das Theorieschreiben von fr&amp;uuml;her. Doch im Begriffsbem&amp;uuml;hen ist das Narrativ dann ja doch versteckt. Hier in 2007 fing alles besser an und anders und ich frage mich, ob ich die paar Berlinaletage und deren Nachwehen so auffassen soll, dass das Weitermachen wie bisher nicht mehr geht. RK erz&amp;auml;hlte von seinen letzten Berlinaleerlebnissen und dem Wiederschauen des Guitarrenfilms von Martin Rit. Ich hatte den Film nicht noch einmal geschaut. Ich h&amp;auml;tte den Film nocheinmal schauen wollen, aber es war zu kompliziert. Ich h&amp;auml;tte mir auch die anderen Kurzfilme des Programms anschauen m&amp;uuml;ssen, um den Film mit der Guitarre wiederzusehen. Das w&amp;auml;re professionell gewesen. W&amp;auml;re ich ein professioneller Filmgucker, m&amp;uuml;sste ich mir nun sagen lassen, mein Handeln sei unprofessionell. Ich wurde krank und schlief bis in den Nachmittag. Im Traum meinte ich in der Realit&amp;auml;t in eine d&amp;eacute;j&amp;agrave;-vu-Situation hineinzugeraten. Die Situation handelte von der Wohnung von TA. In dieser Traumrealit&amp;auml;t, die ich durchlebte, schien es mir, in der leerger&amp;auml;umten Wohnung von TA stehend, dies stehend ein zweites Mal zu erleben. Es war im Traum so, als habe ich das Stehen in der Wohnung vor dem dort Stehen bereits an anderem Ort getr&amp;auml;umt; getr&amp;auml;umt, ohne zu glauben und zu verstehen, was es war. Erst durch das Erleben, welches zwar immer noch getr&amp;auml;umt war, konnte ich das zuvor vor langer unbestimmter Zeit Getr&amp;auml;umte in einen sinnhaften Bezug bringen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Michael Baute -&amp;#10;</description>
      <pubDate>Tue, 13 Mar 2007 18:08:24 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1592065/</guid>
      <dc:creator>mbaute</dc:creator>
      <dc:date>2007-03-13T18:08:24Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Berlinale 2007 – Nachträgliche Notizen</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1579802/</link>
      <description>9.-19. Februar 2007&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf der Hinfahrt, am Freitag, schneite es, auf der R&amp;uuml;ckfahrt, am Montag, waren die Stra&amp;szlig;en frei und nicht &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig befahren. Letzteres erscheint mir angemessen, ersteres weit weg. Dazwischen lagen 27 Filme, zwei davon, der deutsche Film &lt;i&gt;Jagdhunde&lt;/i&gt;, der armenische Film &lt;i&gt;Stone Time Touch&lt;/i&gt;, waren unertr&amp;auml;glich, aber sie lagen am Anfang des Festivals, der Zeitplan war unumst&amp;ouml;&amp;szlig;lich, mit der durch ein Rausgehen gewonnenen Zeit h&amp;auml;tte man nichts anzufangen gewusst. Der Zeitverlust mit diesen Filmen erschien nicht schlimmer als jener in einem unangenehmen Caf&amp;eacute;. Alle anderen Filme waren mehr als annehmbar, wie man so sagt, also: nicht entt&amp;auml;uschend oder solide oder gut oder sch&amp;ouml;n oder toll. Daf&amp;uuml;r sch&amp;auml;me ich mich ein wenig, denn viele Leute haben ja keine gute Berlinale. Weil sie in die falschen Filme gehen, gehen m&amp;uuml;ssen, weil sie zu viele andere sch&amp;ouml;ne Filme im Jahr sehen, weil sie die Betriebsamkeit, die Urteilspenetranz, die Fl&amp;uuml;chtigkeit, die Warterei, die R&amp;auml;ume nerven, weil ihnen die Vorstellung, man k&amp;ouml;nnte eine Berlinale haben, eine gute zumal, unter den obwaltenden Umst&amp;auml;nden oder prinzipiell verst&amp;auml;ndlicherweise nicht behagt. Ich war noch nicht oft da; ich sehe sonst zumeist nur in Hamburg Filme; ich hatte eine gute Berlinale. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In Hong Sang-soos &lt;i&gt;Woman on the Beach&lt;/i&gt; wiederholt sich fast alles, und das l&amp;ouml;st nichts als die ohnehin losen Bindungen, und ein Hund am Strand wechselt den Besitzer. In Yau Nai Hois &lt;i&gt;Eye in the Sky&lt;/i&gt; wiederholt sich fast alles, und das l&amp;ouml;st fast alles, und die &amp;Uuml;berwacherin mit dem Codenamen Piggy wird am Ende zum Hund nobilitiert. In Angela Schanelecs &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt; wird die anf&amp;auml;nglich vor leeren R&amp;auml;ngen angespielte Theaterszene mit einem Hund sp&amp;auml;ter von der Freundin des Sohnes dem Freund der schauspielernden Mutter nacherz&amp;auml;hlt, in G&amp;auml;nze. Die Erz&amp;auml;hlungen der m&amp;auml;nnlichen Protagonisten in &lt;i&gt;Woman on the Beach&lt;/i&gt; sind unzuverl&amp;auml;ssig, aber der Zuschauer wei&amp;szlig; zumeist um ihre L&amp;uuml;gen. Die Erz&amp;auml;hlungen der Protagonistin in Maria Speths &lt;i&gt;Madonnen&lt;/i&gt; sind unzuverl&amp;auml;ssig, und der Zuschauer erf&amp;auml;hrt oft erst sp&amp;auml;ter, dass sie L&amp;uuml;gen waren. In Arthur Penns &lt;i&gt;Night Moves&lt;/i&gt; ist vieles unzuverl&amp;auml;ssig, aber wenig gelogen, der Detektiv Harry Moseby stellt einfach nur keine oder die falschen Fragen. Der Film enth&amp;auml;lt einige ber&amp;uuml;hmte S&amp;auml;tze, &amp;uuml;ber Rohmer und Farbe und andere Noir-Detektive und tote Kennedys usw. Und einen pessimistischen &amp;uuml;ber ein Footballspiel, der nat&amp;uuml;rlich immer allegorisch verstanden wird. In der vierten Staffel der gro&amp;szlig;artigen amerikanischen institutionsanalytischen Baltimore-Polizei-Politik-Community-Drogenhandel-Fernsehserie &lt;i&gt;The Wire&lt;/i&gt; sagt der fr&amp;uuml;here Polizist Roland Pryzbylewski, der nun als Lehrer an einer Public Middle School arbeitet, diesen Satz, nur geringf&amp;uuml;gig modifiziert, nachdem ihm von seiner Frau, von der er gerade keineswegs herausgefunden hat, dass sie ihn betr&amp;uuml;gt, die Frage von Harry Mosebys Frau, die Frage nach dem siegenden Team gestellt wurde. Es liegt wenig Zitathaftes in diesem Dialog , der damit endet, dass sie, auf den Bildschirm schauend, sagt: "See, somebody is winning." In Kazuhiro Sodas &lt;i&gt;Campaign&lt;/i&gt; gewinnt der Kandidat Yamauchi Kazuhiko seine Wahl, aber wie ein Sieg will einem das nicht erscheinen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In Fredrick Wisemans &lt;i&gt;State Legislature&lt;/i&gt; wird in einem Ausschuss einmal ein Mann geh&amp;ouml;rt, der sich gegen die staatliche Pr&amp;uuml;fung und Anerkennung von Bauunternehmern ausspricht. Einem Mitglied des Ausschusses scheint dieses Engagement verd&amp;auml;chtig oder unlauter oder zumindest fragw&amp;uuml;rdig motiviert zu sein. Er fragt den Mann, der ein kleines rundes Pflaster im Gesicht tr&amp;auml;gt, wie er zur staatlichen Pr&amp;uuml;fung bei anderen Berufen stehe, der Mann soll auf die Nennung des Berufes nur mit "yes" (f&amp;uuml;r eine staatliche Pr&amp;uuml;fung) oder "no" (dagegen) antworten. Er nennt dem Mann Berufe, dutzende, in einer willk&amp;uuml;rlichen Reihenfolge. Der Mann will manchmal antworten, da kenne er sich nicht aus, das k&amp;ouml;nne er nicht beurteilen. Der Abgeordnete aber l&amp;auml;sst nur "yes" &amp;amp; "no" gelten. Der Befragte erfindet sich eine Ausweichkategorie, "U. L.", ich habe leider verpasst, was dieses K&amp;uuml;rzel bedeuten sollte. "I count that as a no," sagt der Abgeordnete, wenn der Mann "U. L." sagt. Meistens sagt der Mann ohnehin "no", manchmal z&amp;ouml;gert er; bei Anw&amp;auml;lten z. B. sagt er "yes" und wird deshalb nach der Aufz&amp;auml;hlung ungef&amp;auml;hr drei&amp;szlig;ig weiterer Berufe eines Widerspruchs &amp;uuml;berf&amp;uuml;hrt, da er bei einer Profession, die er mit dem Anwaltsstand vergleicht, "no" antwortet. Es gibt immer einen richtigen und einen falschen Liberalismus. Die Auseinandersetzung darum zeigt dieser phantastische Film. Was "referentialisieren" hei&amp;szlig;en mag, kann man in ihm lernen. Und vieles andere mehr. Im Nachhinein h&amp;auml;tte ich die Liste, die Befragung gerne mitgeschrieben. In &lt;i&gt;Campaign&lt;/i&gt; verf&amp;auml;ngt sich jede M&amp;ouml;glichkeit, jede Notwendigkeit einer solchen Referentialisierung in der Taktung des Wahlkampfes. Der Kandidat soll schreien, seinen Namen zumeist, soll sich verbeugen, soll alle H&amp;auml;nde sch&amp;uuml;tteln, Ma&amp;szlig;regelung, Ersch&amp;ouml;pfung. Es ist nicht direkt eine &amp;#8211; oder eben direkt keine &amp;#8211; Politik, die der Film zeigt. Vielleicht eine Politikvermeidung auf dem Weg zur Politik und an ihr vorbei. Vielleicht das Revers der Politik, die Wiseman zeigt. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht ist Pascale Ferrans &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; das Revers von Jacques Rivettes &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt;. In &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; ist die sanfte Entkleidung, die der Film bis zu den Schuhen langsam an &amp;amp; mit seinem Paar vornimmt, auch eine filmische Entkleidung der literarischen Vorlage, die Neugier der beiden aufeinander ist auch die Neugier auf die M&amp;ouml;glichkeit dieser filmischen Entkleidung, die recht eigentlich eine Bekleidung ist &amp;#8211; mit Blumen z. B., mit gestes justes. In Jacques Rivettes &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt; ist filmischer Materialismus Literarizit&amp;auml;t oder andersherum, und der Vorhang, der die erste Szene so heftig schlie&amp;szlig;t wie sp&amp;auml;ter manches Wort, manche Geste, geste &amp;amp; mot juste, ist diesmal kein Theatervorhang. In beiden Filmen gibt es eine dezente Determination durch die Zwischentitel, die zugleich eine sch&amp;ouml;ne Diskretion ist. In &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt; schneiden sie ein Zeitma&amp;szlig; in den Film, mit &amp;amp; in dem man mitunter jedes Zeitma&amp;szlig; verliert (was in dem Film selbst am Ende eine nicht unwesentliche Rolle spielt). Man glaubt mitunter, dass die Interpunktion der Zwischentitel, ihre schlie&amp;szlig;enden Gedankenstriche in die Szenen als &amp;Ouml;ffnung hineinragen, im Film sicht- &amp;amp; h&amp;ouml;rbar werden. (Das erinnerte mich daran, dass meine deutsche Rowohlt-Ausgabe der &lt;i&gt;Com&amp;eacute;die humaine&lt;/i&gt; dieses alte s hat, das aussieht wie ein umgedrehtes J; der Text liest sich dadurch f&amp;uuml;r mich immer, als lispele er.) &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In Nanouk Leopolds &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; setzt die Musikanlage des alten Mannes, der in einem Brief seiner Familie ank&amp;uuml;ndigt, sterben zu wollen, immer f&amp;uuml;r einen Moment aus, aber er st&amp;ouml;rt sich nicht daran. Er kenne die Musik schlie&amp;szlig;lich, sagt er. Der alte oder alternde Mann in Angela Schanelecs &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt;, Alex, sagt, er m&amp;ouml;chte im Alter nur noch mit Menschen zu tun haben, die er kennt. In &lt;i&gt;Shotgun Stories&lt;/i&gt; funktioniert in dem Van, in dem einer der drei Br&amp;uuml;der Son, Boy und Kid, Boy, lebt, der Kassettenrekorder nicht richtig, die Kassette geht nur gelegentlich an. Boy versucht den Rekorder vergeblich zu reparieren. Die Kassette nimmt er nicht raus. Sonst habe er ja gar keine Musik mehr, sagt er. F&amp;uuml;r den Film geht sie mitunter im richtigen Moment an. Ein Haus in &lt;i&gt;Shotgun Stories&lt;/i&gt; hat die Nummer 11802. Eines der von Rudolph Schindler entworfenen H&amp;auml;user in Heinz Emigholz&amp;#8217; &lt;i&gt;Schindlers H&amp;auml;user&lt;/i&gt; hat die Nummer 11832, was ich mir wegen der Telefonauskunft und der entsprechenden Werbung merken musste. Das Haus mit der Nummer 11802 steht in Arkansas, Schindlers H&amp;auml;user in und bei Los Angeles. Die Anlage in &lt;i&gt;Wolfsberge&lt;/i&gt;n funktioniert nach einem Schlag mit der Handfl&amp;auml;che wieder, ihr Besitzer ist da schon tot oder fast tot. In &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt; bringt der von Devid Striesow gespielte Risikokapitalist Yella ein Repertoire an &amp;ouml;konomisierbaren Codes und Gesten bei und stellt im Auto fest, dass sie nicht liest, nur vorgibt zu lesen, stattdessen lauscht, weil sich ihre Augen nicht entsprechend bewegen. Einer der Anw&amp;auml;lte einer Gegenseite in &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt;, sein Schauspieler, ist in Hal Hartleys &lt;i&gt;Fay Grim&lt;/i&gt; ein franz&amp;ouml;sischer Agent &amp;#8211; oder &amp;auml;hnliches. In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; sieht man die Tochter des sich trennenden Paares den Brief ihres sterben wollenden Gro&amp;szlig;vaters lesen, in Gro&amp;szlig;aufnahme. Den Augenbewegungen zu Folge wird sie bis zum Schnitt das erste Drittel gelesen haben. An welcher Stelle des Briefes, der recht kunstvoll l&amp;auml;ngst gefaltet und dementsprechend in einem langen schmalen Umschlag geschickt wurde, der Gro&amp;szlig;vater seine Ank&amp;uuml;ndigung macht, wei&amp;szlig; ich nicht. In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; scheint die nun ohne St&amp;ouml;rung laufende Bildtonmusik im Haus des Gro&amp;szlig;vaters einmal extradiegetisch, raum&amp;uuml;bergreifend zu werden. In &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt; denkt man das bei der Mondscheinsonate im Motel auch mitunter. &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; beginnt mit einer recht langen statischen Aufnahme eines Waldes, in dem das Licht wechselt. &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; beginnt mit der statischen Aufnahme eines breiten Waldweges, der wie ein Tunnel ohne Licht am Ende wirkt. Thomas Arslans &lt;i&gt;Ferien&lt;/i&gt; beginnt mit einer statischen Aufnahme eines engen Waldweges, der wie ein Tunnel wirkt, der sich zu einer hellen Lichtung &amp;ouml;ffnet. Die &amp;Ouml;ffnung bei &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; findet mit einer langsamen Bewegung der Kamera, fast mit einem Panoramablick statt. Bei Arslan &amp;ouml;ffnet sich wenig. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; wird W&amp;auml;sche aufgeh&amp;auml;ngt, von einem Zahnarzt, der kein Familienmitglied ist (und der eine Patientin anschreit, weil sie ihn angelogen hat: auf seine Frage, wie das flossing laufe, habe sie geantwortet gut, worauf er sie anschreit, das sei gelogen, er k&amp;ouml;nne an den Resten zwischen den Z&amp;auml;hnen das von ihr in den letzten drei Monaten Gegessene erkennen, er sei schlie&amp;szlig;lich Zahnarzt, wobei ich sehr lachen muss, worauf mich eine Frau fragt, was denn "to floss" hei&amp;szlig;e, worauf ich antworte "die Zahnzwischenr&amp;auml;ume mit Zahnseide reinigen", worauf ich anschlie&amp;szlig;end den ganzen Film &amp;uuml;berlege, ob es daf&amp;uuml;r nicht ein Verb gibt, geben m&amp;uuml;sste. Lachen hat mich in anderen Filmen in Berlin oft gest&amp;ouml;rt). Der Zahnarzt ist der Freund oder Mann der Tochter oder Exfrau des Sterbenwollenden, die einmal in einem Roman von John le Carr&amp;eacute; liest. In &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt; durchschaut man manches Familienverh&amp;auml;ltnis auch nicht gleich und ich versuche mich zu erinnern, wie das in Tschechows M&amp;ouml;we ist, obwohl das f&amp;uuml;r den Film keine Rolle spielt, au&amp;szlig;er man m&amp;ouml;chte denken, dass die Freundin des Sohnes ihn mit dem Freund seiner Mutter, dem Schriftsteller betrogen hat. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In Thomas Arslans &lt;i&gt;Ferien&lt;/i&gt; liest der Freund oder Mann der Tochter in einem Roman von John le Carr&amp;eacute;, der Freund oder Mann der Mutter h&amp;auml;ngt W&amp;auml;sche auf, die Mutter der Mutter stirbt. In Charles Burnetts &lt;i&gt;Killer of Sheep&lt;/i&gt; h&amp;auml;ngt ein M&amp;auml;dchen, die Tochter von Stan, dem Killer of Sheep, in einem wei&amp;szlig;en Kleid wei&amp;szlig;e W&amp;auml;sche auf. Ein Schnitt. Ein Junge, eine wei&amp;szlig;e Mauer, ein schwarzes Loch, der Junge krabbelt heraus, zwei kleine Jungs folgen, dann wieder zwei gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere. Es bedeutet nichts weiter, aber ist doch eine Prozedur, ein Ereignis. Nach einem weiteren Schnitt sieht man, dass die wei&amp;szlig;e Mauer durch eine Ecke von der wei&amp;szlig;en W&amp;auml;sche getrennt ist. In &lt;i&gt;Killer of Sheep&lt;/i&gt; spielen die Kinder in Watts h&amp;auml;ufig im Schutt. In Aur&amp;eacute;lien Gerbaults &lt;i&gt;Tout refleurit&lt;/i&gt; steht Pedro Costa abends oder nachts im Schutt, der einst Fontainhas war, reimaginiert, vielmehr re-agiert die Topographie, seine Wege, ahmt seine Schritte mit dem Laut "Tak, Tak, Tak" nach. In &lt;i&gt;Killer of Sheep&lt;/i&gt; h&amp;ouml;rt man nur das Allern&amp;ouml;tigste, aber es ist keine Armut. In &lt;i&gt;Ferien&lt;/i&gt;, in &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt;, in &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt; h&amp;ouml;rt man den Wind, und ich wunderte mich in den Gespr&amp;auml;chen danach, wie ich mich schon bei &lt;i&gt;Sommer 04&lt;/i&gt; gewundert hatte, dass jetzt alle &amp;uuml;ber den Wind reden zu wollen schienen. In &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt; schl&amp;auml;gt der Ton mitunter um, wird der einen, diesseitigen Erz&amp;auml;hlung entwendet und der jenseitigen zugeschlagen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; gibt es, wenn ich das richtig gesehen habe, genau eine Kamerabewegung, einen dezenten Schwenk, am Ende im Wald. In &lt;i&gt;Ferien&lt;/i&gt; gibt es genau eine Kamerabewegung, eine Fahrt, die eine Fahrt auf einem Moped zeigt. Zu dieser Fahrt, die mich an eine Mopedfahrt in Apichatpong Weerasethakuls &lt;i&gt;Sud pralad&lt;/i&gt; denken lie&amp;szlig; und die nach ungef&amp;auml;hr zwanzig Minuten stattfindet, laufen die Opening Credits, was mich ebenfalls an &lt;i&gt;Sud pralad&lt;/i&gt; erinnerte. Einer der beiden sich spielerisch, z&amp;auml;rtlich, bestimmt &amp;amp; unbestimmt umwerbenden Protagonisten in &lt;i&gt;Sud pralad&lt;/i&gt;, Tong, kann nicht lesen. In Arthur Penns &lt;i&gt;The Left Handed Gun&lt;/i&gt; werden homo- &amp;amp; heterosexuelle, Vater- &amp;amp; Mutter-Begehrenskonstellationen nicht gerade unbestimmt, z&amp;auml;rtlich &amp;amp; spielerisch entfaltet. "I lost Tom, I lost Charlie, I can&amp;#8217;t read," res&amp;uuml;miert der von Paul Newman gespielte William Bonney, der wegen einer Unterweisung, einer ihm am Anfang vorgelesenen Korintherbriefstelle zum &lt;i&gt;Kid&lt;/i&gt; zu werden schien, gegen Ende des Films. In Fred Poulets &amp;amp; Vikash Dhorasoos &lt;i&gt;Substitute&lt;/i&gt; artikulieren sich die Begehren auch nach einer anf&amp;auml;nglichen Unterweisung und einer (dem Film vorg&amp;auml;ngigen) Schriftszene, aber anders, unsch&amp;auml;rfer, von der m&amp;ouml;glichen oder wahrscheinlichen Verfehlung von Super-8-Bildern und Tonaufzeichnungen, vom Schuss des einen und Gegenschuss des anderen gekennzeichnet. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; verliebt sich der Mann einer Tochter des Sterbenwollenden in deren Schwester, die sehr h&amp;auml;ufig weint (was mich an eine Seinfeld-Folge denken l&amp;auml;sst, in der die Understudy von Bette Midler f&amp;uuml;r &lt;i&gt;Rochelle, Rochelle &amp;#8211; The Musical&lt;/i&gt; bei jeder Kleinigkeit anf&amp;auml;ngt zu weinen, nur dann nicht, als sie die Nachricht vom Tod ihrer Gro&amp;szlig;mutter erh&amp;auml;lt). Die Schwester und ihr Schwager kommen zusammen, worauf dessen Frau, die eine Aff&amp;auml;re hat mit ihrem Ex, der manchmal sein Bett nicht verlassen kann oder will, auch sehr lange das Bett nicht verlassen kann. In &lt;i&gt;Ferien&lt;/i&gt; versucht der John le Carr&amp;eacute; lesende Journalist die Schwester seiner ihn betr&amp;uuml;genden Frau zu k&amp;uuml;ssen. Seine Frau wirft ihrer Mutter vor, sie schlafe nur immerzu. Der jugendliche Halbbruder der Frau sitzt einmal mit Freunden an einer Motocrossstrecke. In Martin Rits &lt;i&gt;La le&amp;ccedil;on de guitare&lt;/i&gt; sieht man kurz einen Fernseher, auf dem ein Motocrossrennen l&amp;auml;uft. In &lt;i&gt;Stranger than Fiction&lt;/i&gt;, den ich am Sonntag noch in Berlin gesehen habe, bringt sich der von Will Ferrell gespielte Steuerfahnder Harold Crick das Gitarrespielen selbst bei, seine Gitarre ist nicht "dans le premier prix", seine Interpretation des Songs &lt;i&gt;Whole Wide World&lt;/i&gt; von Wreckless Eric ist nicht so sch&amp;ouml;n wie die von Serge Gainsbourgs Lied &lt;i&gt;Elaeudanla Te&amp;iuml;t&amp;eacute;&amp;iuml;a&lt;/i&gt;, das Serge Riaboukine in &lt;i&gt;La le&amp;ccedil;on de guitare&lt;/i&gt; lernt und am Ende spielt. Aber sch&amp;ouml;n ist sie doch, und die von Maggie Gyllenhaal gespielte B&amp;auml;ckerin Ana Pascal, der Harold Crick zuvor "flours" gebracht hat (I brought you flours, sagt er zweimal; Blumen bringt doch jeder, lassen ihn die deutschen Untertitel erg&amp;auml;nzen), ist angemessen ber&amp;uuml;hrt. Man denkt, &lt;i&gt;Stranger than Fiction&lt;/i&gt;, in dem Harold Crick an einer Erz&amp;auml;hlerinnenstimme im Kopf merkt, dass er eine literarische Figur ist, einen Literaturprofessor konsultiert, der ihm wegen der zitierten Phrase "little did he know" Glauben schenkt und mit dessen Hilfe Harold Crick sich dann aufmacht, seine Autorin zu treffen, um sein Schicksal, seinen unausweichlichen Tod, das Ende des Romans zu &amp;auml;ndern, in dem Harold Crick eine Strichliste f&amp;uuml;hrt, um die Bernhard-Frage "Ist es eine Kom&amp;ouml;die? Ist es eine Trag&amp;ouml;die?" zu entscheiden und in dem &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssigerweise alle Figuren Nachnamen von Mathematikern &amp;amp; Naturwissenschaftlern tragen, m&amp;uuml;sse wild und abgr&amp;uuml;ndig sein. Er ist aber sehr brav. Diese Bravheit hat mir am Sonntagabend recht gut gefallen. Aber Will Ferrells Zug zur deadpan-Mimik st&amp;ouml;rte mich. Die Exaltiertheiten in &lt;i&gt;Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby&lt;/i&gt;, in dem die S&amp;ouml;hne des von ihm gespielten NASCAR-Fahrers Walker und Texas Ranger hei&amp;szlig;en, oder in einer Folge der amerikanischen College-Fernsehserie &lt;i&gt;Undeclared, &lt;/i&gt; in der er f&amp;uuml;r Studenten, auf Speed, gegen Bezahlung, Flaubert-Hausarbeiten schreibt, standen ihm weitaus besser.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Montag, nach meiner R&amp;uuml;ckkehr, habe ich mir, auf dem Weg zum Metropolis, zu Altmans &lt;i&gt;California Split, &lt;/i&gt;meinen blauen Fachbesucherbadge in die Tasche gesteckt. Das stimmt nat&amp;uuml;rlich nicht. Ich habe ihn vielmehr auf dem Ess- &amp;amp; Schreibtisch liegen sehen und mir kurz vorgestellt, dass mir dies passieren, dass ich ihn vor dem Verlassen der Wohnung in die rechte Manteltasche schieben k&amp;ouml;nnte. Es ist nicht geschehen, es wurde mit dem Gedanken auch unwahrscheinlich. Der Badge liegt dort l&amp;auml;ngst nicht mehr, &lt;i&gt;California Split&lt;/i&gt; war toll. Gegen Ende des Films, vor der gro&amp;szlig;en Gl&amp;uuml;cksstr&amp;auml;hne seines Partners, bei der Ankunft in Reno, nicht in Vegas, denn da geht es nie hin, das w&amp;auml;re f&amp;uuml;r den Film auch zu gro&amp;szlig; gewesen, ist der von Elliot Gould gespielte Spieler so &amp;uuml;berm&amp;uuml;tig, dass er kurz den Song aus dem Off mitsingt. Vielleicht war es aber auch Bildtonmusik, das wei&amp;szlig; man bei dem Film manchmal nicht genau.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Daniel Eschk&amp;ouml;tter -&amp;#10;</description>
      <pubDate>Fri, 23 Feb 2007 16:14:14 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>filmkritik</dc:creator>
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      <title>Dezember 06, Januar 07</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1568271/</link>
      <description>Im Januar hatte ich einen Burberryschal gefunden an einem Dienstag in der Nacht nach dem Reden mit L, S, V, S nach den drei Filmen im Arthousekino. Zwei Tage danach oder einen Tag danach wusch ich den Schal mit Shampoo in meiner Sp&amp;uuml;le. Den schwarzen Schal hatte ich gleich mitgewaschen, den Schal, den ich in Wien gefunden hatte Anfang des letzten Jahres, als ich in Wien war wegen der Ausstellung und bei den Kiffern gewohnt hatte, die Schie&amp;szlig;spiele in der Nacht an ihren Computern spielten und kifften. Zwischen den Jahren hatte ich das Buch von Fichte gelesen, &lt;i&gt;Die zweite Schuld,&lt;/i&gt; und im Januar die Westwingfolgen der vierten und f&amp;uuml;nften Staffel (USA 2002-04) geschaut. S hatte mir eine Spindel mit DVDs gegeben, da waren die Folgen drauf. Nach dem Gespr&amp;auml;ch im Arthousekino waren wir mit dem Taxi nach Hause gefahren, zuerst war L ausgestiegen an der Mohrenstra&amp;szlig;e, dann S und V am Mehringdamm und dann ich an der Kolonnen, Ecke Naumann. Am anderen Tag hatte ich D gefragt, was er Silvester gemacht hatte. D war zuhause gewesen an Silvester und hatte zwei Filme geschaut, einen von Frank Capra und einen von Alfred Hitchcock. Ich kannte den Film von Capra, es war der mit dem &lt;i&gt;Shangri La&lt;/i&gt;, Lost Horizons (USA 1937), und erz&amp;auml;hlte von dem Text von Kracauer dazu und vom Caprahasstext von Manny Farber.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Silvester war uns kurz eine Gruppe franz&amp;ouml;sischer Jugendlicher begegnet. Das war in Kreuzberg im Club 39. Im Bateau Ivre danach war eine Antisilvesterfeier und wir beeilten uns, davon weg zu kommen, h&amp;ouml;rten aber beim Wegkommen noch den Chanson von Gainsbourg, &lt;i&gt;Elaeudanla Te&amp;iuml;t&amp;eacute;&amp;iuml;a,&lt;/i&gt; der uns viel bedeutet hatte im letzten Jahr, weil es dieser Chanson ist, den die Hauptfigur in dem Film von Martin Rit, La le&amp;ccedil;on de guitare (F 2006), auf der Gitarre spielen lernt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter schaute ich eine Westwingfolge als  L mich anrief, er wollte ins Kino gehen mit mir. Schon wieder?, hatte ich ihn gefragt, und gemeint, mein Tag habe bisher noch nicht viel Sinn gemacht und L hatte gemeint, dass ich dem Kino wohl nicht mehr zutraue, meinem Tag Sinn zu verleihen. Er verstehe diese Position aber. L hatte mir die Newsonplatte geschenkt, die ich zuerst zwischen den Jahren auf der R&amp;uuml;ckfahrt von Bielefeld geh&amp;ouml;rt hatte. Das war in dem Wagen der Friseurin und Buddhistin, die uns von der Welt erz&amp;auml;hlt hatte. Es war l&amp;auml;ssig auf einem Autobahnparkplatz an ihr Auto gelehnt zu stehen und langsam den Rauch der Zigarette in die kalte Nacht zu blasen. Es war wie Kino. Der andere Mitfahrer war ein junger Nerd, der in Paderborn Computer studiert und zum Chaos Computer Club Treffen nach Berlin fuhr.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter hatte ich in den Historien Shakespeares gelesen und wieder ein paar Tage sp&amp;auml;ter in der Filmkritik vom Februar 1972. Dieses Filmkritikheft hatte V mir geschenkt. Es war das Heft, das mir fehlte. Ich las den Text von Nettelbeck, &lt;i&gt;The Flesh of the Orchid.&lt;/i&gt; Etwas war darin, was mir nicht mehr gefiel am Rechthaben. Ein paar Seiten neben dem Text war ein Praunheimbild aus New York, das Praunheim zeigte mit dicken Eiern in engen Jeans. Ein paar Tage sp&amp;auml;ter am Abend guckte ich den Film Cisco Pike (USA 1972) mit Kristoffersen und Karen Black und Gene Hackman und Harry Dean Stanton. Ich dr&amp;uuml;ckte auf Pause und ging in die K&amp;uuml;che. Am Nachmittag hatte ich mir 6 Eier gekauft, nun kochte ich am Abend, w&amp;auml;hrend der Film Cisco Pike in einem Standbild auf mein Weiterschauen wartete, 2 Eier. Ich hatte dann beim Weiterschauen die kochenden Eier vergessen, doch dann fielen sie mir wieder ein und ich ging in die K&amp;uuml;che. Das Wasser war verdampft und die Eier hartgekocht. Eines von ihnen a&amp;szlig; ich dann, w&amp;auml;hrend ich den Film Cisco Pike weiterschaute, mit Salz. Auf dem Boden im Zimmer lagen Stapel mit Sachen. Zeitschriften, B&amp;uuml;cher, Videocassetten, DVDs, ausgerissene Zeitungsartikel, Kopien, CDs, leere und volle Hefter, ein Staubtuch. In diesen Tagen war ich oft an diesen Stapeln vorbeigegangen und sie gefielen mir immer besser. Auf dem Cover einer Ausgabe der &amp;ouml;sterreichischen Zeitschrift Ray sieht man ein Videostandbild aus dem Film Badlands (USA 1973), man erkennt die Bildzeilen, weil es unvorteilhaft vergr&amp;ouml;&amp;szlig;ert wurde. Da ist Martin Sheen zu sehen vor einem Auto. Ich wollte, ich hatte mir vorgenommen, ich beabsichtigte, Sachen &amp;uuml;ber das Sehen der Serie West Wing aufzuschreiben. In der Fernsehserie West Wing ist Martin Sheen 25 Jahre nach Badlands der Pr&amp;auml;sident der Vereinigten Staaten von Amerika. Immer ist viel zu tun, nie wenig. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter bei einer Geburtstagsfeier in Kreuzberg dachte ich, dass die Filmsachen und die Sachen, die man zu Filmen macht, doch nicht nur ums Verf&amp;uuml;gbarmachen f&amp;uuml;r die eigenen Kontexte und deren betriebige Identit&amp;auml;tspolitik gehen sollte. Ein paar Tage zuvor hatte ich mit S und V bei S gesessen und dies dauernde Verf&amp;uuml;gen &amp;uuml;ber die Filme noch halbherzig verteidigt gegen die Meinung von S und V. Bei einem Essen in einer Gastst&amp;auml;tte ein paar Tage sp&amp;auml;ter teilte ich mir dann mit M beim Kroaten in der N&amp;auml;he der alten Akademie der K&amp;uuml;nste einen Grillteller f&amp;uuml;r zwei Personen. In der Nacht nach dem Essen konnte ich nicht schlafen, was an dem vielen Fleisch lag. Ich hatte viel geraucht beim Essen und Reden mit M und zugleich auch &amp;uuml;ber die Idee des Rauchenaufh&amp;ouml;rens mit M gesprochen, ein Widerspruch, der mir erst jetzt beim Aufschreiben auff&amp;auml;llt. Als ich einige Tage sp&amp;auml;ter Ferien (D 2007) von Thomas Arslan sah, hatte ich wieder daran gedacht, mit dem Rauchen aufzuh&amp;ouml;ren. Das Rauchenaufh&amp;ouml;ren, dachte ich, w&amp;auml;re sicher interessant, aber es kommt mir doch auch wie ein Verrat am Rauchen vor. Ich hatte mit S, das war am Freitag, als wir von L losmussten nach der ersten Redaktion des Arthousetextes und auf den Bus zum Arsenal warteten, &amp;uuml;ber das Essen geredet. S isst jetzt besser, aber auch teurer. Viele reden nun &amp;uuml;ber das Essen, auch im Fernsehen. Ich erinnere mich nun an die Aufl&amp;ouml;sung des Buchladens in der Hagelberger Stra&amp;szlig;e. Da sagte der m&amp;uuml;rrische Mann, der den Laden aufl&amp;ouml;ste, die Leute, die fr&amp;uuml;her lasen, w&amp;uuml;rden heute nur noch essen und trinken und ficken. Es ist &amp;uuml;bertrieben, es so zu sagen, hatte ich damals gedacht, und soviel Wahres ist auch nicht dran, dass man es so sagen m&amp;uuml;sste.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Den Film Le Doulos (F 1962) von Jean Pierre Melville hatte ich an einem anderen Abend gesehen, vieles aus dem Film hatte ich aber in vierfacher Geschwindigkeit gesehen, weil ich der Erz&amp;auml;hlung beim Betrachten m&amp;uuml;de wurde. Ich hatte nicht gewusst, dass Melville ein K&amp;uuml;nstlername ist, den sich Melville gegeben hatte nach dem amerikanischen Schriftsteller Herman Melville. Auch den Film Orph&amp;eacute;e (F 1950) von Jean Cocteau hatte ich gesehen, auch ihn zu gro&amp;szlig;en Teilen in vierfacher Geschwindigkeit. Es ist interessant und von eigener Sch&amp;ouml;nheit, Filme in vierfacher Geschwindigkeit zu sehen, das einzelne Bild schwebt bisweilen dabei. H hatte dies Geschwindigkeitsbetrachten einmal als Analysemethode empfohlen, man sieht, sagte H, beim schnellen Vorlauf die Bauweise der Filme und nicht deren Ereignismomente. Im Kino Arsenal, in normaler Projektionsgeschwindigkeit, hatte ich dann ein paar Tage sp&amp;auml;ter den Film The Last Movie (USA 1971) von Dennis Hopper gesehen. Nachher standen wir eine Weile im Foyer. Das Lied in dem Film mit der Zeile Freedom's just another word for nothing left to loose, von Kristofferson, dachte ich da, veranschaulicht das mit den Momenten und der Bauweise sehr sch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter, nach der Arbeit, war noch etwas Zeit bevor das Kino wieder anfing, ich a&amp;szlig; eine Currywurst und eine Pommes bei Curry36 am Mehringdamm. Vorher entlieh ich in der AGB die DVD mit von Stroheims Foolish Wives (USA 1922). Ich erinnere mich, diesen Film noch bei den Eltern einmal im WDR gesehen zu haben. Ich erinnere mich an die Videoabteilung der Stadtbibliothek in Bielefeld und die Videocassetten mit den Godardfilmen, die R aus der Schweiz besorgt hatte. Ein Schweizer hatte damals die ersten beiden Folgen der Histoire(s) (F 1988ff.) aus dem Fernsehen aufgenommen und mit viel M&amp;uuml;he gelangten sie dann nach Nordrheinwestfalen. Einen Bericht dar&amp;uuml;ber schreiben, wie es war, ein Video aufzutreiben und in die H&amp;auml;nde zu bekommen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter hatte ich mir zwei B&amp;uuml;cher mit Filmkritiken von Gunter Groll ausgeliehen, &lt;i&gt;Magie des Films, Kritische Notizen &amp;uuml;ber Film, Zeit und Welt&lt;/i&gt; von 1953 und &lt;i&gt;Lichter und Schatten. Filme in dieser Zeit&lt;/i&gt; von 1956. Es gibt diese Idee, dass sich Namen als Aufforderungen ihnen nachzugehen erst beim zweiten Mal aktualisieren. Es ist wichtig, die Sache mit dem zweimaligen Auftauchen eines Namens zu behalten: Taucht etwas zweimal auf, ist es als Hinweis wahrzunehmen, dem nachzugehen ist, wenn die Zeit f&amp;uuml;r ihn da ist. Gunter Groll ist ein Filmkritiker aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Gunter Groll ist einer, dessen Name mir zweimal begegnet war in der letzten Zeit. Das erste Mal las ich den Namen in einer Liste von Michael Althen, das war letztes Jahr. Das zweite Mal las ich den Namen in dem Text aus der &lt;i&gt;Geschichte Des Deutschen Films&lt;/i&gt; von Jacobsen, Kaes und Prinzler. Das war vor ein paar Tagen. Den Text hatte Fritz G&amp;ouml;ttler geschrieben, &amp;uuml;ber das Kino der 1950er Jahre der BRD, und der Text waberte und franste zum Schluss immer mehr. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In den n&amp;auml;chsten Tagen summte ich ab und an ein Lied, &lt;i&gt;Hey, Hey, I Saved the World Today,&lt;/i&gt; ein Lied der Band Eurythmics. Ich schaute nach bei Wikipedia, es ist von 1999. Ich h&amp;ouml;rte es in einer Folge der Serie The Sopranos. T hatte mir die zweite Staffel dieser Serie (USA 2000) ausgeliehen. Das Lied kommt am Ende einer Folge aus dieser Staffel vor. Das ist die Folge, in der Tonys Schwester Richie Aprile erschie&amp;szlig;t und Tony die Leiche entsorgen l&amp;auml;sst und seine Schwester zum Greyhoundbus bringt, dass sie aus der Geschichte verschwinden kann. Da ist dieses Lied wie eine Tonf&amp;uuml;hrung zu den Gedanken und Gef&amp;uuml;hlen des Tony Soprano, der von dem, was er tat und erlebte, nichts preisgeben darf, auch seiner Ehefrau nicht, zu der er nach den vielen Aufregungen der Folge in der Nacht zur&amp;uuml;ckgekehrt war. Dieses sch&amp;ouml;ne Popmusikst&amp;uuml;ck ist aber nicht im Raum des Erz&amp;auml;hlten zu h&amp;ouml;ren. Es ist sehr sch&amp;ouml;n, dieses Lied in dieser Folge der Serie zu h&amp;ouml;ren, weil es die Ersch&amp;ouml;pfung des Gl&amp;uuml;cklichen zum Inhalt hat und ausdr&amp;uuml;ckt; ich bedauerte aber, dass die Figuren in der Serienfolge es nicht auch zu h&amp;ouml;ren bekommen. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Tage sp&amp;auml;ter hatte ich den deutschen Film Der Tiger von Eschnapur (BRD 1959) von Fritz Lang auf DVD geschaut. Wochenlang hatte die Box mit den Langfilmen auf dem Aktenschrank neben der T&amp;uuml;r im Arbeitszimmer gelegen. K hatte, das erinnerte ich beim Schauen des Films, in der Tageszeitung taz einen Artikel geschrieben &amp;uuml;ber das Herauskommen der DVD. Ich wollte den Artikel wiederlesen, wenn ich die beiden Filme gesehen habe. Am Ende von Der Tiger von Eschnapur, der mir von Minute zu Minute immer besser gefiel als etwas ganz Fremdes, wird der Film Das Indische Grabmal (BRD 1959) annonciert in drei Texttafeln. Auf den Texttafeln zu lesen steht, dass die Fortsetzung der Geschichte von Der Tiger von Eschnapur und deren schlie&amp;szlig;licher Ausgang in dem Film Das Indische Grabmal zu sehen ist. Die Schrift der Texttafeln erscheint vor dem Hintergrund einer verzierten Holztafel und sie ist in fettleuchtendem Gelb. Immer gr&amp;ouml;&amp;szlig;er werden die Buchstaben, sie gehen den Zuschauer richtiggehend an:&lt;br /&gt;&amp;#10;Die wunderbare Rettung der Liebenden&lt;br /&gt;&amp;#10;sehen Sie in der Fortsetzung des Films&lt;br /&gt;&amp;#10;DAS INDISCHE GRABMAL&lt;br /&gt;&amp;#10;noch spannender&lt;br /&gt;&amp;#10;noch gewaltiger&lt;br /&gt;&amp;#10;noch grandioser&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;- Michael Baute -&amp;#10;</description>
      <pubDate>Wed, 07 Feb 2007 12:09:06 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>mbaute</dc:creator>
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    <item>
      <title>All In The Present Must Be Transformed – Wieso eigentlich?</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1532237/</link>
      <description>&lt;p&gt;In der Kunst / Kino-Entwicklung, von der hier k&amp;uuml;rzlich im Zusammenhang mit dem neuen Weerasethakul-Film die Rede war, ist die New Yorker Gladstone Gallery ein Global Player. Sie vertritt neben einer Reihe von Bildenden K&amp;uuml;nstlern, darunter Rosemarie Trockel, Thomas Hirschhorn, Gregor Schneider, Kai Althoff, auch die Kino-K&amp;uuml;nstler Bruce Conner, Sharon Lockhart und Matthew Barney. Conners Found Footage-Filme sind zwischen 1958 (&amp;#8222;A Movie&amp;#8220;) und 1982 (&amp;#8222;America is Waiting&amp;#8220;) entstanden, seitdem hat er sich eher aufs Zeichnen verlegt und nur noch vereinzelt mit Film gearbeitet. In New York sah ich vor Jahren eine Ausstellung Schwarz-Wei&amp;szlig; Bl&amp;auml;ttern, die  ein bisschen an Raoul Tranchirers Abenteuer erinnerten. Auf der Viennale 2005 lief ein Film, der Filmmaterial von 1967 neu aufbereitet: &amp;#8222;Luke&amp;#8220;, ein Besuch am Set von &amp;#8222;Cool Hand Luke&amp;#8220; mit Paul Newman und Dennis Hopper. Sharon Lockharts Filmstudien zu Darstellung, Schauspiel und kinematographischer Dauer kann man h&amp;auml;ufiger in Berlin sehen, der neu gegr&amp;uuml;ndete Verleih &amp;#8222;arsenal experimental&amp;#8220; hat einige von ihnen im Programm. &amp;#8222;Pineflat&amp;#8220;,eine 140-min&amp;uuml;tige Slow-Motion-Resemantisierung von Techniken des strukturellen Films, war eine der Oasen bei der letzten Berlinale.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Kunst und Kino. Schnittpunkte, Zwischenraum, Austausch: In den Begriffen ist eine strukturelle Gegen&amp;uuml;berstellung mitgedacht, an der man zweifeln kann. Bildende Kunst und Kino so voneinander abzugrenzen, dass sich ihre Bewegungsvektoren schneiden k&amp;ouml;nnen oder einzelne Arbeiten in &amp;#8222;Zwischenr&amp;auml;umen&amp;#8220; interagieren, ist eher ein wackliges gedankliches Modell als eine gesicherte Diagnose. Immerhin, um vom Status Quo der Auff&amp;uuml;hrungsorte auszugehen, sind aber Kino und Museum auch weiterhin verschiedene institutionelle R&amp;auml;ume, und diese R&amp;auml;ume gehorchen unterschiedlichen Gesetzen der Produktion, Distribution und Rezeption. Da w&amp;auml;re zuallererst Rekonstruktionsarbeit zu leisten.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht ist der Begriff &amp;#8222;Verhandlung&amp;#8220; geeignet, das Mit- und Gegeneinander, die Verwischungen und Vermischungen, die meist begr&amp;uuml;&amp;szlig;te Interaktion zwischen Kunst und Kino zu bezeichnen. Denn damit ist weniger ein habermassches kommunikatives Aushandeln gemeint, sondern vor allem das knallharte Ringen um Produktionsgelder und Aufmerksamkeit. Wo von Verhandlungen die Rede ist, da sind feindliche &amp;Uuml;bernahmen mitgedacht, B&amp;ouml;rsennotierungen und Spekulationen, ein Spiel mit Verknappung und Nachfrage (w&amp;auml;hrend &amp;#8222;Weltkino&amp;#8220; via DVD und Filesharing immer leichter zug&amp;auml;nglich wird, ist der Zugriff auf &amp;#8222;Installationen&amp;#8220; u.&amp;auml;. weiterhin schwierig; cf. pirate cinema). Was die derzeitige Konjunktur und die von ihr beg&amp;uuml;nstigte Absorption filmgeschichtlicher Positionen bedeuten, scheint mir noch unklar.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein paar Ereignisse im Jahr 2006; Akteure, die aus ungleichen Positionen, mit unterschiedlichen Motiven und verschieden hohen Eins&amp;auml;tzen am Kunst/Kino-Tisch mitverhandeln: The Art of Projection (Stan Douglas et al. curated by Friedrich Christian Flick) &amp;#8211; Ausstellung im Hamburger Bahnhof, Filmreihe + Symposion im Arsenal-Kino. Barney/Beuys (Guggenheim). Jean-Luc Godard (Centre Pompidou) &amp;#8211; Ausstellung und Retrospektive mit 140 Filmen. Le Mouvement des Images (Centre Pompidou). Agn&amp;egrave;s Varda (Fondation Cartier). Kino wie noch nie (Farocki/Ehmann; Generali Foundation). arsenal experimental (verleih, freunde der deutschen kinemathek), &amp;#8222;forum expanded&amp;#8220;, Kunst-Beiboot des Berlinale-Forums, Matthew Barney als Mitglied der Jury bei der Berlinale 2006. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Hab ich grad Matthew Barney gesagt? Im Babylon-Mitte, das seit ein paar Monaten ziemlich aufdreht (Kinderwagen-Kino, Around the World in 14 Films incl. Anmoderation durch lokale Prominenz, Kunst und Kino, Nachwuchsfestival, Konzerte), kann man zurzeit Sonntag nachmittags Beuys und Barney-Filme in gemeinsamen Programmen sehen. Ausstellung und Filmprogramme verdanken sich dem Modell der Elefantenhochzeit (&amp;#8222;Zwei Heroen der Gegenwartskunst&amp;#8220;; DB artmag) und sind ein sch&amp;ouml;nes Beispiel f&amp;uuml;r kurzschl&amp;uuml;ssige Analogiebildung. Wenn Beuys bei der Aktion &amp;#8222;Celtic&amp;#8220; 1971 eine langwierige Fu&amp;szlig;waschung vollzieht, dann ist es nicht verboten, an Barneys und Bj&amp;ouml;rks Reinigungsrituale auf dem Hochzeits-Walfangschiff in &amp;#8222;Drawing Restraint 9&amp;#8220; (2005)* zu denken. Es bleibt aber das offensichtliche festzuhalten: Es sind andere F&amp;uuml;&amp;szlig;e, es ist anderes Wasser, es ist ein anderer Zeitpunkt, kurz: es hat nicht viel miteinander zu tun.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In &amp;#8222;De Lama Lamina&amp;#8220;, dem ersten Filmprojekt nach Fertigstellung des Cremaster-Zyklus, f&amp;uuml;gt Barney seinem globalen Schwellk&amp;ouml;rper-Projekt den Kontinent S&amp;uuml;damerika hinzu. Das konkreteste Bild bekommt man, wenn man sich den Film als Dokumentation einer ethnografisch hochgepitchten Love-Parade vorstellt, die durch den Barneyschen Idiosynkrasie-Fleischwolf gedreht wurde. &amp;#8220;I was in the mood to make a more overtly political work as a reflection of my confusion with the current political landscape.&amp;#8221; (Barney)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Um einen dunkel dr&amp;auml;uenden Monstertruck herum marschieren brasilianische T&amp;auml;nzer und Trommler. Es ist der Carnaval do Bahia im nordbrasilianischen Salvador; Arto Lindsay spielt mit Band hoch auf dem schwarzen Wagen, w&amp;auml;hrend sich Gef&amp;auml;hrt und Entourage langsam durch die Stra&amp;szlig;en schieben. Vor den gro&amp;szlig;en Bagger - &amp;#8222;Drei Meter hohe Reifen!&amp;#8220; (Barney) &amp;#8211; ist ein entwurzelter Baum gespannt, auf dem eine langhaarige Aktivistin herumkraxelt und kleinere Arbeiten verrichtet. Das Eigentliche jedoch spielt sich unten im Bauch des monstr&amp;ouml;sen Gef&amp;auml;hrts ab, da, wo die Maschine m&amp;auml;chtig rumpelt. In einer horizontal knapp &amp;uuml;ber der Fahrbahndecke schwebenden ergonomisch geformten Schale liegt ein dreckverkrusteter Nackedei. Seinen Penis, so reimen wir uns im Laufe des Films zusammen, haben wir schon im Vorspann wie einen unheimlich anschwellenden Blutegel in den Bildrahmen hineinwachsen sehen. Dieser Penis ist der Protagonist des Films.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Mund- und Nasengegend des Nackten ist durch einen Schnabel gekennzeichnet, aus dem Hintern, der immer wieder vorteilhaft durch die gespreizten Beine hindurch ins Bild gesetzt wird, w&amp;auml;chst ihm eine dicke Zwiebel. Es k&amp;ouml;nnte allerdings auch eine keimende Kartoffel sein &amp;#8211; die semantischen Implikationen w&amp;auml;ren dann selbstverst&amp;auml;ndlich andere. Jedenfalls schmiert dieser Erdmann die unmittelbar &amp;uuml;ber ihm in permanenter Rotation befindliche Antriebswelle des wuchtigen Nutzfahrzeugs zun&amp;auml;chst mit Fett - &amp;#8222;Beuys!&amp;#8220; (Nancy Spector) - ein und l&amp;auml;sst dann immer neue Wattef&amp;auml;den um sie herum wickeln. Das ergibt eine glitschige Masse, wie an einer T&amp;ouml;pferscheibe immer rund gestrichen, im Umfang stetig wachsend. Die Aktivistin vorne auf dem Baum hat &amp;uuml;brigens auch mit solchen Wattef&amp;auml;den zu tun, es geh&amp;ouml;rt zu Barneys Allmachtskosmologie, dass die Dinge auf untergr&amp;uuml;ndigen Wegen miteinander kommunizieren. (Das universale Raunen ist Barneys Vatersprache.)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz darauf hinweisen, dass der Erdmann, bevor er mit seinem talgigen Tagwerk begann, ein kleines, vertrocknetes &amp;Auml;ffchen im Arm hielt, das er z&amp;auml;rtlich durch die Haare und &amp;uuml;ber das mumifizierte Gesichtchen streichelte. Dieses &amp;Auml;ffchen ist jetzt n&amp;auml;mlich pl&amp;ouml;tzlich wieder da, aber irritierenderweise streichelt der Erdmann das Tier jetzt nicht mehr, sondern zerquetscht es mit einigen gezielten Bewegungen, so dass ihm das eher fl&amp;uuml;ssige als feste Exkrement entgegenspritzt. Auch diese Masse wird nun noch auf die inzwischen auf K&amp;ouml;rperumfang angeschwollene Antriebswelle aufgebracht. Jetzt ist soweit alles vorbereitet, und der Erdmann stemmt sich von seinem bequemen Platz hoch, um seinen Penis in direkten Kontakt mit der rotierenden Stange zu bringen. Das Organ dankt es ihm durch allm&amp;auml;hliche Gr&amp;ouml;&amp;szlig;enzunahme. Barney beschreibt das folgenderma&amp;szlig;en: &amp;#8222;Later, the Greenman has an interaction with an endangered golden lion tamarin monkey (a doll), whose shit, which is crucial to the production of certain antibiotics, is used to lubricate the driveshaft the Greenman masturbates on. It's quite explicit&amp;#8220;.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dieser masturbatorische H&amp;ouml;hepunkt ist auf eher undeutliche Weise damit verbunden, dass eine Reihe von klinisch wei&amp;szlig;en Instrumenten, die wie Zangen und sonstige Werkzeuge aussehen, aus einer milchigen Masse herausgedr&amp;uuml;ckt wird. Mit diesem Geburtakt endet der Film nach knapp einer Stunde.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;De Lama Lamina&amp;#8220; liegt konsequent auf der Linie solcher auch im Cremaster-Zyklus reichlich vorhandenen rein m&amp;auml;nnlichen Geburtsphantasien, hinter denen der Good Old K&amp;uuml;nstlermythos im popkulturell aufgepimpten Ma&amp;szlig;anzug daherkommt. Dicke-Eier-Kunst in bestechender Formvollendung. W&amp;auml;re es nicht so uns&amp;auml;glich langweilig, k&amp;ouml;nnte das teuerste Hochzeitsvideo ever, das Barney / Bj&amp;ouml;rk im Anschluss drehten, das mit den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten S&amp;auml;ugetieren der Welt, beinah wie ein Fortschritt wirken. There she blows. Hei&amp;szlig;e Luft.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;small&gt;* Zu &amp;#8222;Drawing Restraint 9&amp;#8220; auch weiterhin das vorausschauende Standardwerk: Rembert H&amp;uuml;ser: Wale malen, in: Dirk Baecker / Rembert H&amp;uuml;ser / Georg Stanitzek: Gelegenheit. Diebe. 3x Deutsche Motive, Bielefeld: Haux 1991, S. 101-166. Dort auch Hinweise auf Walverwandschaften zwischen Matthew Barney und Frank Schirrmacher.&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Volker Pantenburg&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sun, 17 Dec 2006 09:44:27 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1532237/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2006-12-17T09:44:27Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Straub / Huillet / Pavese (II)</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1473886/</link>
      <description>&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli-1-02.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;&lt;b&gt;Allegro moderato&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Text im Presseheft des franz&amp;ouml;sischen Verleihs &lt;i&gt;Pierre Grise Distribution&lt;/i&gt; &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Warum ?  Weil :&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Mythos ist nicht etwas Willk&amp;uuml;rliches, sondern eine Pflanzst&amp;auml;tte der Symbole, ihm ist ein eigener Kern an Bedeutungen vorbehalten, der durch nichts anderes wiedergegeben werden k&amp;ouml;nnte. Wenn wir einen Eigennamen, eine Geste, ein mythisches Wunder wiederholen, dr&amp;uuml;cken wir in einer halben Zeile, in wenigen Silben, einen zusammengesetzten und komprimierten Sachverhalt aus, das Mark der Realit&amp;auml;t, das einen ganzen Organismus der Leidenschaft, der menschlichen Befindlichkeit belebt und n&amp;auml;hrt &amp;#8211; einen ganzen begrifflichen Zusammenhang.&lt;br /&gt;&amp;#10;Und wenn dieser Name, diese Geste uns seit der Kindheit, seit der Schule, vertraut sind &amp;#8211; umso besser. Die Unruhe ist wahrhaftiger und sch&amp;auml;rfer, wenn sie eine vertraute Sache zersetzt. Wir wissen, da&amp;szlig; die sicherste &amp;#8211; und die schnellste &amp;#8211; Art sich in Erstaunen zu versetzen ist, einen selben Gegenstand starr anzuschauen. Eines sch&amp;ouml;nen Tages &amp;#8211; o Wunder &amp;#8211; wird uns dieser Gegenstand erscheinen, als h&amp;auml;tten wir ihn noch nie zuvor gesehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;&amp;#8222;Du sahest den Olivenbaum an, den Olivenbaum auf dem Weg, den du seit Jahren jeden Tag gegangen bist, und dann kommt der Tag,&lt;br /&gt;&amp;#10;Wo der Verdru&amp;szlig; dich verl&amp;auml;&amp;szlig;t,&lt;br /&gt;&amp;#10;Und du siehst den alten Stamm z&amp;auml;rtlich an,&lt;br /&gt;&amp;#10;So als ob er ein wiedergefundener Freund w&amp;auml;re und dir ganz genau das einzige Wort sagte,&lt;br /&gt;&amp;#10;Das dein Herz erwartete.&amp;#8220;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie ?  Mit :&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; Darstellern (4 Frauen und 6 M&amp;auml;nner), die ein Jahr lang mit ihrem Text gelebt haben, ihn gez&amp;auml;hmt haben, ihn f&amp;uuml;hlbar und sinnlich gemacht haben.&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; Renato Berta an der Kamera &amp;#8211; eine alte Freundschaft, seit OTHON in Rom, 1969.&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; Jean-Pierre Duret, ein guter Komplize, der f&amp;uuml;r uns beim Ton die Nachfolge von Louis Hochet &amp;uuml;bernommen hat, seit SICILIA!&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wo ?&lt;br /&gt;&amp;#10;An einem Ort, dem Monte Pisano, einsam gelegen zwischen dem Meer, Pisa und den Apuanischen Alpen, noch derart, da&amp;szlig;:&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;&amp;#8222;Ein Nichts gen&amp;uuml;gt, und das Gel&amp;auml;nde wird wieder das gleiche wie damals, als diese Dinge geschahen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Es gen&amp;uuml;gt ein H&amp;uuml;gel, ein Gipfel, ein Abhang.&lt;br /&gt;&amp;#10;Da&amp;szlig; es ein einsamer Ort ist und da&amp;szlig; deine Augen hinaufsteigend im Himmel anhalten werden.&lt;br /&gt;&amp;#10;Das unglaubliche Hervorstechen der Dinge in der Luft&lt;br /&gt;&amp;#10;r&amp;uuml;hrt heute noch ans Herz. Ich f&amp;uuml;r mich glaube,&lt;br /&gt;&amp;#10;da&amp;szlig; ein Baum, ein Fels, die sich gegen den Himmel abzeichnen,&lt;br /&gt;&amp;#10;G&amp;ouml;tter waren von Anbeginn an.&amp;#8220;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dani&amp;egrave;le Huillet &amp;amp; Jean-Marie Straub&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli-1-03.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Furioso con fuoco&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Text der Erkl&amp;auml;rung, die Jean-Marie Straub am 6. September 2006 bei der Pressekonferenz in Venedig von der Schauspielerin Giovanna Daddi verlesen lie&amp;szlig;. (Wegen gesundheitlicher Probleme, so hatte Festivalleiter Marco M&amp;uuml;ller vorher erkl&amp;auml;rt, waren Jean-Marie Straub &amp;amp; Dani&amp;egrave;le Huillet nicht nach Venedig gekommen.). W&amp;auml;hrend der Lesung wurde die Abfolge des Textes der in Kopien auch in die Pressef&amp;auml;cher gelegten zwei Briefe (drei Seiten / &lt;a href="http://filmkritik.blogspot.com/2006_09_01_filmkritik_archive.html#115856919656423853"&gt;Faksimiles&lt;/a&gt;  ) ge&amp;auml;ndert. Die &amp;Uuml;bersetzung folgt der Reihenfolge der Lesung &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Das ist zu fr&amp;uuml;h gekommen f&amp;uuml;r unseren Tod, aber zu sp&amp;auml;t f&amp;uuml;r unser Leben.&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf jeden Fall danke ich Marco M&amp;uuml;ller f&amp;uuml;r seinen Mut. Aber was erwarte ich mir davon? Nichts. Wirklich nichts? Doch, eine kleine Rache. Eine Rache &amp;#8222;gegen die Intrigen des Hofes&amp;#8220;, wie es in &lt;u&gt;La Carrozza d&amp;#8217;oro&lt;/u&gt; hei&amp;szlig;t. Gegen all dieses Gesindel.&lt;br /&gt;&amp;#10;Warum Pavese? Weil Pavese geschrieben hat:&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Kommunist ist nicht, wer will. Wir sind zu unwissend in diesem Land. Man br&amp;auml;uchte Kommunisten, die nicht unwissend w&amp;auml;ren, die den Namen nicht verd&amp;uuml;rben.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Und auch:&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Wenn einstmals ein Feuer gen&amp;uuml;gte, um Regen zu machen, darauf einen Landstreicher zu verbrennen, um eine Ernte zu retten &amp;#8211; wieviele H&amp;auml;user von Herren mu&amp;szlig; man in Brand stecken, wieviele umbringen auf Stra&amp;szlig;en und Pl&amp;auml;tzen, bevor die Welt sich zum Gerechten wendet und wir das Unsere sagen k&amp;ouml;nnen?&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Pavese l&amp;auml;&amp;szlig;t den Bastard sagen: &amp;#8222;Vorgestern bin ich unterhalb der Mora vorbeigekommen. Die Pinie am Zaun ist nicht mehr da ...&amp;#8220; Nuto antwortet: &amp;#8222;Der Verwalter hat sie f&amp;auml;llen lassen, Nicoletto. Der Unwissende ... Er hat sie f&amp;auml;llen lassen, weil die Zerlumpten im Schatten stehen blieben und bettelten. Verstehst du?&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Nochmals Nuto, an einer anderen Stelle:&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Bei dem Leben, das er f&amp;uuml;hrt ... ich kann ihn nicht Trottel hei&amp;szlig;en ... Wenn es n&amp;uuml;tzte ...&lt;br /&gt;&amp;#10;Erst mu&amp;szlig; die Regierung das Geld verbrennen und den, der es verteidigt ...&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Alles Gute !&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Marie Straub&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;u&gt;&lt;strike&gt;VIERTER&lt;/strike&gt; DRITTER AKT&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich war&lt;br /&gt;&amp;#10;1. 1954 als Journalist bei der Mostra di Venezia und habe mich entschieden, &amp;uuml;ber drei Filme zu schreiben: SANSHO DAYU, EL RIO Y LA MUERTE und REAR WINDOW. &lt;u&gt;Keine Preise!&lt;/u&gt; &lt;br /&gt;&amp;#10;2. 1963 bei der Mostra (im Kurzfilm-Wettbewerb) mit meinem ersten Film MACHORKA-MUFF (1962). &lt;u&gt;Kein Preis&lt;/u&gt;. &lt;br /&gt;&amp;#10;3. 1966 bei der Mostra mit NICHT VERS&amp;Ouml;HNT (1965). Die Vorf&amp;uuml;hrung wurde von &lt;u&gt;Godard&lt;/u&gt; bezahlt.&lt;br /&gt;&amp;#10;4. [1967] bei der Mostra mit der CHRONIK DER ANNA MAGDALENA BACH.&lt;br /&gt;&amp;#10;5. in Venedig f&amp;uuml;r eine Retrospektive (1975 ??) (gewollt von &lt;u&gt;Gambetti&lt;/u&gt;)  aller unserer Filme bis einschlie&amp;szlig;lich MOSES UND ARON (1974).&lt;br /&gt;&amp;#10;6. bei der MOSTRA D&amp;#8217;ARTE CINEMATOGRAFICA &lt;strike&gt;mit&lt;/strike&gt; &lt;u&gt;Quei loro incontri&lt;/u&gt; &amp;#8211; f&amp;uuml;r einen BR&amp;Uuml;LLENDEN L&amp;ouml;wen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Au&amp;szlig;erdem k&amp;ouml;nnte ich nicht auf einem &lt;u&gt;Festival&lt;/u&gt; feiern, wo es so viele staatliche und private Polizei auf der Suche nach Terroristen gibt &amp;#8211; der Terrorist bin &lt;u&gt;ich&lt;/u&gt;, und mit einem Satz von Franco Fortini will ich Euch sagen: Solange es den amerikanischen, imperialistischen Kapitalismus gibt, wird es nie genug Terroristen auf der Welt geben.&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Marie Straub&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli-2-02.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Cadenza&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Reuters&amp;#8220;-Meldung, hunderttausend- oder millionenmal im Netz verbreitet und auf Papier gedruckt &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;&lt;i&gt;Cryptic film baffles Venice festival&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;VENICE (Reuters) &amp;#8211; The Venice film festival has a reputation for screening obscure auteur movies. But Daniele Huillet and Jean-Marie Straub's QUEI LORO INCONTRI, or THE MEETING, must rank among the most baffling films ever shown in the prestigious festival's main competition.&lt;br /&gt;&amp;#10;The picture is divided in five parts, each featuring two people delivering philosophical dialogues between classic Greek characters. The conversations about humanity are those of the &amp;#8222;Dialogues with Leuco&amp;#8220; by Italian writer Cesare Pavese, and in the film they are interspersed with long silences. Nothing happens. The characters stand still in a wood or on a hill and in the opening chapter are mostly seen from the back. Apart from their voices, the only other noise is that of birds singing and water streams trickling.&lt;br /&gt;&amp;#10;At a media screening this week, film critics started walking out barely 10 minutes into the one-hour movie, although it did win applause by a group of fans.&lt;br /&gt;&amp;#10;The French-born filmmakers directed another movie on the same work by Pavese 27 years ago. Now both in their 70s, they could not come to Venice because of health problems. Straub however sent a message, almost as cryptic as his work.&lt;br /&gt;&amp;#10;He thanked festival director Marco Muller for his &amp;#8222;courage&amp;#8220; in picking THE MEETING for the competition, noting that his previous films had never won in Venice. Then he added, apparently referring to the tight security on the Lido:&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;I would not be able to celebrate in a festival where there are so much public and private police looking for a terrorist. I am that terrorist. As long as American imperialistic capitalism exists, there won't be enough terrorists in the world. All the best, Jean-Marie.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Asked about the meaning of the film, a member of the mostly non-professional cast told Reuters: &amp;#8222;You should ask the directors, I am not a cinema expert. But these are dialogues about how the world goes.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;The film was panned at a popular public notice board on the Lido where ordinary movie-goers scribble their views.&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Please tell us: is this a mega joke?&amp;#8220; one asked. Another advised the directors: &amp;#8222;If you were traumatised as a child, you should go and see a psychiatrist.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Silvia Aloisi&lt;/i&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;&lt;i&gt;Wettbewerb?&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;8.9.06&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Lieber Klaus,&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;was soll ich Dir schreiben &amp;uuml;ber Straub-Huillet auf der Biennale in Venedig? In QUEI LORO INCONTRI begegnen sich G&amp;ouml;tter und Menschen. Sind solche Begegnungen in Venedig m&amp;ouml;glich oder nachvollziehbar? Was soll dieser Film im Wettbewerb? Doch wohl bezeugen, da&amp;szlig; man die Trennung der Welt in Kommerz und Kunst, in Filmindustrie und Filmhandwerk radikal in Frage stellen will. Ein Akt des Widerstands gegen die Ausb&amp;uuml;rgerung ins Filmkunstghetto.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich war nicht in Venedig, aber die Anwesenheit der Darsteller aus Buti mu&amp;szlig; ein Politikum gewesen sein inmitten einer Schau, die mit den Filmen die K&amp;ouml;rper vermarktet. Es mu&amp;szlig; f&amp;uuml;r sie sch&amp;ouml;n gewesen sein, ihren Film am Lido zusammen mit vielen Menschen zu sehen, die sich f&amp;uuml;r solche Filme interessieren. Trotz eines Publikums, das wenig mit so einer Auff&amp;uuml;hrung anfangen kann. Aber die Straubs arbeiten nicht f&amp;uuml;r &amp;#8222;das Publikum&amp;#8220;.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein erster Blick auf die Presse zeigt, da&amp;szlig; nur Zeitungen wie &amp;#8222;Il Manifesto&amp;#8220; und &amp;#8222;L&amp;#8217;Unit&amp;agrave;&amp;#8220; vom Film gesprochen, also mit den Augen ihrer Kritiker (Roberto &lt;a href="http://www.ilmanifesto.it/Quotidiano-archivio/08-Settembre-2006/art60.html"&gt;Silvestri&lt;/a&gt; und Enrico &lt;a href="http://www.ilventodelcinema.it/home.html"&gt;Ghezzi&lt;/a&gt;) den Film gesehen haben. In der Berichterstattung der gro&amp;szlig;en Zeitungen wie &amp;#8222;Repubblica&amp;#8220;, &amp;#8222;La Stampa&amp;#8220;, &amp;#8222;Corriere della Sera&amp;#8220; usw. gab es am 8.9. keine Filmkritik, sondern nur h&amp;ouml;flich korrekte, d.h. leicht emp&amp;ouml;rte Kommentare zum Brief, den Straub-Huillet in Venedig verlesen lie&amp;szlig;en. [...]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Abend des 7. September konnte man im Fernsehen [auf &lt;i&gt;RAI Tre&lt;/i&gt;] in der popul&amp;auml;ren Sendung &amp;#8222;Blob&amp;#8220;, die den Fernsehm&amp;uuml;ll des Vortags kritisch und witzig zusammenfegt, einen leidenschaftlichen Appell von Enrico Ghezzi f&amp;uuml;r Straub-Huillet, f&amp;uuml;r den Film und den heute wieder unverstandenen Text von Cesare Pavese sehen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Herzlich,&lt;br /&gt;&amp;#10;Peter&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;&lt;i&gt;Au&amp;szlig;erhalb der Zeit &amp;#8211; Straub &amp;amp; Lynch&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Sonntag, dem 10. September, konnte man auf &lt;i&gt;RAI Tre&lt;/i&gt; in dem von Enrico Ghezzi redaktionell betreuten Nachtprogramm &lt;a href="http://www.raitre.rai.it/R3_popup_articolofoglia/0,6844,43%5E1507,00.html"&gt;&amp;#8222;Fuori Orario&amp;#8220;&lt;/a&gt; von 0.25 Uhr bis 5.35 Uhr am n&amp;auml;chsten Morgen dies hier alles am St&amp;uuml;ck sehen &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;LA NUBE, LA RESISTENZA: QUEL LORO INCONTRO&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;QUEI LORO INCONTRI &amp;#8211; primavisioneTV / (Italia / Francia 2006, 68&amp;#8217;)&lt;br /&gt;&amp;#10;di Dani&amp;egrave;le Huillet e Jean-Marie Straub.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;QUEI LORO INCONTRI (VERSIONE TEATRALE) &amp;#8211; primavisioneTV / (Italia 2006, 68&amp;#8217;)&lt;br /&gt;&amp;#10;di Romano Guelfi. Ripresa dello spettacolo teatrale di Dani&amp;egrave;le Huillet e Jean-Marie Straub, realizzata al teatro di Buti, dove la coppia di registi ha messo in scena il testo di Pavese da cui successivamente hanno tratto il film QUEI LORO INCONTRI.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;J&amp;#8217;ECOUTE! &amp;#8211; primavisioneTV / (Italia 2006, 60&amp;#8217;)&lt;br /&gt;&amp;#10;di Giulio Bursi. Immagini dal set di QUEI LORO INCONTRI di Huillet / Straub.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;STRADE PERDUTE (Lost Highway, USA / Francia 1996, 128&amp;#8217;)&lt;br /&gt;&amp;#10;di David Lynch.&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli-3-04.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Finale?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Kommentar und Spekulationen von Tag &lt;a href="http://kinoslang.blogspot.com/2006/09/full-english-translation-of-straubs.html"&gt;Gallagher&lt;/a&gt; zu Hintergr&amp;uuml;nden der Jury-Entscheidung f&amp;uuml;r den BR&amp;Uuml;LLENDEN L&amp;ouml;wen.&lt;br /&gt;&amp;#10;Weitere &lt;a href="http://daily.greencine.com/archives/002463.html"&gt;Beitr&amp;auml;ge&lt;/a&gt;  dazu.&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Kommentar zum Schriftlichen bei Straub/Huillet von Andy &lt;a href="http://kinoslang.blogspot.com/2006/09/i-do-it-because-some-of-younger-people.html"&gt;Rector.&lt;/a&gt;  Dazu &amp;#8211; als Reminiszenz &amp;#8211; &lt;a href="http://www.net4image.com/magazine/entretiens/straub/cezanne.htm"&gt;dies&lt;/a&gt; zur Ablehnung einer Co-Produktions-Anfrage f&amp;uuml;r den zweiten C&amp;Eacute;ZANNE-Film der Straubs von &lt;i&gt;arte France&lt;/i&gt; &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;La forme, d'abord: &amp;eacute;crit sur une vieille machine &amp;agrave; &amp;eacute;crire [...] Bref, on lit lentement, avec effort, et c'est n'est pas du tout agr&amp;eacute;able. Ils n'ont pas d'ordinateur?&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Nein, sie haben keinen Computer. Aber ist es nicht irgendwie wunderbar, wie sogar in einem solch negativen Kommentar &amp;#8211; &amp;#8222;Man liest langsam, mit Anstrengung, und das ist &amp;uuml;berhaupt nicht angenehm&amp;#8220; &amp;#8211; sich ein Aspekt der Straub-Arbeit in nuce wiederfindet, und wie auch dies &amp;#8211; wenn man es nur w&amp;uuml;&amp;szlig;te, oder wollte &amp;#8211; als durchaus positiv gelesen werden k&amp;ouml;nnte?&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8222;Kunst ist sch&amp;ouml;n. Macht aber viel Arbeit!&amp;#8220; (Karl Valentin)&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;&lt;i&gt;Spektrum der Kritik &amp;#8211; Von der Kloake zum Mythos&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[...] Noch entt&amp;auml;uschender der Wettbewerbsbeitrag der franz&amp;ouml;sischen Kino-Avantgardisten Huillet und Straub. Da schwafeln minutenlang unansehnliche, schlecht gekleidete Paare, die wohl einer Art Halbg&amp;ouml;tterkaste angeh&amp;ouml;ren, &amp;uuml;ber die Probleme der gew&amp;ouml;hnlichen Sterblichen. Ihr Blutvergie&amp;szlig;en, ihre Fragilit&amp;auml;t und Unwissenheit. Dazu gibt es einige Naturaufnahmen mit sinnentleerten Kameraschwenks.&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein w&amp;uuml;rdiger Beitrag zum Genre des Schei&amp;szlig;films also: pr&amp;auml;tenti&amp;ouml;s, gewollt langweilig und konstruiert. Was hier als intellektuell anspruchsvoll verkauft wird, ist nichts anderes als humanistisches Bildungs-Gepose, das selbst auf einer staatlich gef&amp;ouml;rderten Theaterb&amp;uuml;hne nur erm&amp;uuml;den w&amp;uuml;rde. Wenn das Avantgarde sein soll, dann lieber Omas altes Erz&amp;auml;hlkino. Fast parallel lief &amp;uuml;brigens auf dem TV-Sender &lt;i&gt;RAI Uno&lt;/i&gt; die WM-Final-Revanche Frankreich gegen Italien. Da steckten schon in den ersten 30 Minuten mehr Dramatik, mehr Spielwitz und mehr starke Charaktere als in Huillet-Straubs sperrigem Dialogst&amp;uuml;ck. H&amp;auml;tte man irgendwie ahnen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Matthias Schmidt&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;stern.de&amp;#8220;, 7. September 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[...] Ein &amp;auml;lteres Paar steht mit dem R&amp;uuml;cken zur Kamera in der toskanischen Landschaft und deklamiert einen Dialog von Cesare Pavese. Manchmal wechselt die Einstellung, und man sieht sie einzeln, manchmal wenden sie sich sogar leicht zur Seite. Das ist der erste von f&amp;uuml;nf Dialogen, und er dauert eine knappe Viertelstunde. Das Kino verdankt den Straubs und ihrer Widerborstigkeit eine Menge, aber in einem Wettbewerb verfl&amp;uuml;chtigt sich jede Provokation ins St&amp;uuml;hleklappen derer, die das Kino vor der Zeit verlassen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Michael Althen&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;Frankfurter Allgemeine Zeitung&amp;#8220;, 8. September 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[Straubs] neuer Film besteht aus Schauspielern, die mit dem R&amp;uuml;cken zur starr montierten Kamera in freier Natur stehen und einen Text von Cesare Pavese eigentlich nicht lesen, sondern m&amp;ouml;glichst tonlos herunterleiern. Nichts Neues vom Grammatiklehrer Straub also. Pavese, so viel darf man sagen, h&amp;auml;tte den Film geha&amp;szlig;t. Den meisten Kritikern ging es nicht anders, und so verschmolz das ununterbrochene rhythmische St&amp;uuml;hleklappern mit den Rhythmus der tonlosen Stimmen. Wer drin blieb, tat das, so mein Eindruck, mit derselben Haltung, mit der man eine Messe besucht: Bei wenigen Inbrunst und inniger Glaube, bei einigen der Versuch sich meditativ zu leeren, beim Rest eine Mischung aus Pflicht&amp;uuml;bung und der Sehnsucht nach einem ruhigen Pol inmitten des Festivalhurrikan, nach der M&amp;ouml;glichkeit, einmal an alles zu denken, au&amp;szlig;er an Kino. Wenn das der Sinn des Kinos ist ...&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Sinn des L&amp;ouml;wen f&amp;uuml;rs Lebenswerk liegt daher wohl eher in politischer Solidarit&amp;auml;t. [...]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;R&amp;uuml;diger Suchsland&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;artechock.de&amp;#8220;, 10. September 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[...] Wenn ein glanzloses Programm auch noch beschwert wird von Altmeistern, die Dauerkarten besitzen, kann man sich fragen, ob denn diese selber damit gl&amp;uuml;cklich sind. Jean-Marie Straub, der mit der szenischen Deklamation von Paveses &amp;#8222;Dialoghi con Leuc&amp;ograve;&amp;#8220; exakt in den Stil seiner letzten Teilnahme an einem gro&amp;szlig;en Festival, dem Berlinale-Beitrag DER TOD DES EMPEDOKLES vor zwanzig Jahren, zur&amp;uuml;ckfiel, gefiel es gar nicht am Lido. Das Statement, das er teils handgeschrieben, teils in alter Maschinenschrift kopieren und verteilen lie&amp;szlig;, ist ein trauriges Manifest. [...]&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Daniel Kothenschulte&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;Frankfurter Rundschau&amp;#8220;, 11. September 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[...] Die weiteren Preise bergen gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere &amp;Uuml;berraschungen. Einen Speziall&amp;ouml;wen etwa vergab die Jury unter Vorsitz Catherine Deneuves an Jean-Marie Straub und Dani&amp;egrave;le Huillet f&amp;uuml;r ihr spr&amp;ouml;des Filmessay QUEI LORO INCONTRI. Und das, obschon noch am Freitag in den Pressef&amp;auml;chern ein handgeschriebener, kopierter Zettel lag, auf dem Straub &amp;#8211; weder er noch seine Gef&amp;auml;hrtin Huillet waren zur Pressekonferenz und zur Premiere des Filmes angereist &amp;#8211; klagte: &amp;#8222;Im &amp;uuml;brigen kann ich im Rahmen eines Festivals, auf dem soviel &amp;ouml;ffentliche und private Polizei ist, die nach einem Terroristen suchen, nichts feiern &amp;#8211; ich bin der Terrorist, und ich sage Euch, indem ich Franco Fortini paraphrasiere: Solange es den imperialistischen amerikanischen Kapitalismus gibt, kann es auf der Welt nicht genug Terroristen geben.&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;Gut, da&amp;szlig; Straubs und Huillets Filme sich auf einer anderen Ebene bewegen als solche verbitterten Botschaften, gut, da&amp;szlig; die k&amp;uuml;nstlerische Radikalit&amp;auml;t der beiden vielschichtiger ist als der politische Kommentar &amp;#8211; und umso besser, da&amp;szlig; die Jury eines gro&amp;szlig;en A-Festivals dies anzuerkennen imstande ist. Es ist ein guter Schritt nicht nur f&amp;uuml;r QUEI LORO INCONTRI  und dessen Reflexion &amp;uuml;ber das Fortbestehen des Mythos in der Gegenwart, es ist auch eine klare Positionierung: Die Jury feiert mit ihrer Entscheidung die Vielfalt dessen, was Kino sein kann. Das Spr&amp;ouml;de, Theoretische wird nicht gerade noch am Rand geduldet, sondern anerkannt, ein Film, der sich als Denkaufgabe statt als Herzenssache, als Reflexion statt als Emotion, als Essay statt als Aktion begreift, wird geehrt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Cristina Nord&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;die tageszeitung&amp;#8220;, 11. September 2006&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli-4-01.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;&lt;b&gt;Die M&amp;uuml;hsal der Worte&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wenn G&amp;ouml;tter Konversation machen, das m&amp;uuml;&amp;szlig;te eigentlich pr&amp;auml;chtiger Kinostoff sein, auf den H&amp;uuml;geln &amp;uuml;ber den St&amp;auml;dten der Menschen, von oben herab reflektierend &amp;uuml;ber deren Sorgen und Macken. Und dazwischen immer wieder Klagen &amp;uuml;ber die eigene Unsterblichkeit, gegen die dann die Sterblichkeit der Menschen, ihr Bem&amp;uuml;hen um Erinnerung, Vorausschau, Geschichte pl&amp;ouml;tzlich gar nicht so schlecht wegkommt: &amp;#8222;&amp;Uuml;berall wo sie M&amp;uuml;hsal und Worte anwenden&amp;#8220;, sagt zum Beispiel Dionysos zu Demeter in einem der Dialoge, &amp;#8222;wird ein Rhythmus, ein Sinn, ein Zustand der Ruhe geboren...&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Man k&amp;ouml;nnte meinen, es sei auch die Arbeit von Jean-Marie Straub und Dani&amp;egrave;le Huillet mit diesem Satz beschrieben. Und als k&amp;ouml;nnte ein Film von ihnen in einem gro&amp;szlig;en Wettbewerb jenen Ruheraum schaffen, der hier beschworen wird &amp;#8211; so hat es sich offenbar auch Marco M&amp;uuml;ller gew&amp;uuml;nscht, der Festivalleiter in Venedig, als er QUEI LORO INCONTRI ausw&amp;auml;hlte. Und die Bereitschaft seiner Zuschauer zur Konzentration &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzte. Schlimmer noch als solches Desinteresse aber sind wom&amp;ouml;glich all jene Versuche, den Straubs pflichtschuldig ihre filmhistorische Wichtigkeit zu attestieren &amp;#8211; aber sie dann doch aus dem Wettbewerb wieder hinauszukomplimentieren.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;An diesem Samstag und Sonntag wird QUEI LORO INCONTRI im M&amp;uuml;nchner Filmmuseum seine deutsche Erstauff&amp;uuml;hrung haben &amp;#8211; wo Straub/Huillet seit langem eine Heimat gefunden haben. Der neue Film ist wie eine R&amp;uuml;ckkehr &amp;#8211; 1978 hatten sie DALLA NUBE ALLA RESISTENZA gemacht, nach Texten von Pavese, unter anderem sechs der &amp;#8222;Dialoge mit Leuc&amp;ograve;&amp;#8220;. F&amp;uuml;nf weitere dieser Dialoge sind nun im neuen Film &amp;#8211; und dazu eine ersch&amp;uuml;tternde Ahnung davon, was sich im Vierteljahrhundert dazwischen ver&amp;auml;ndert hat. Fast unbeschwert wirkt heute, wie man damals, in den Siebzigern von Aufbruch und Anarchie handeln konnte. Nun scheinen die G&amp;ouml;tter- und Menschenwesen, die da miteinander ins Gespr&amp;auml;ch kommen wollen &amp;#8211; auch Hesiod ist unter ihnen &amp;#8211;, ratlos zwischen den Felsen und B&amp;auml;umen zu erstarren.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Mythos ist eine Sprache, sagt Pavese &amp;#8211; kurz bevor Barthes das zur Parole des Strukturalismus machte. Die &amp;#8222;Dialoge mit Leuc&amp;ograve;&amp;#8220; sind in den Jahren nach Ende des Weltkriegs entstanden. Was wie eine Flucht in die Antike, wie Eskapismus aussieht, ist in Wahrheit hochaktuell. Dieses Buch &amp;#8211; und die beiden Filme von Straub/Huillet &amp;#8211; handeln vom Tod, von der Zerst&amp;ouml;rung der K&amp;ouml;rper, von der Frage, wie das Erz&amp;auml;hlen mit den menschlichen Bed&amp;uuml;rfnissen zusammengebracht werden kann. Mit dem Widerstand ist der Kampf gegen den Faschismus gemeint, aber auch jene Resistenz, die die Materie allen Gedanken entgegensetzen mu&amp;szlig;. 1950 hat Pavese seinem Leben selbst ein Ende gesetzt, seine letzten S&amp;auml;tze vorn in seine Ausgabe der &amp;#8222;Dialoge&amp;#8220; geschrieben. &amp;#8222;Du gibst den Dingen eigene Namen&amp;#8220;, sagt Hesiod zu Mnemosyne, &amp;#8222;die sie anders machen, unerh&amp;ouml;rt und doch lieb und vertraut wie eine Stimme, die seit langem schwieg. Oder wie das j&amp;auml;he Sich-Erblicken in einem Spiegel von Wasser, der uns sagen l&amp;auml;&amp;szlig;t: Wer ist dieser Mensch?&amp;#8220;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Fritz G&amp;ouml;ttler&lt;/i&gt; &amp;#8211; &amp;#8222;S&amp;uuml;ddeutsche Zeitung&amp;#8220;, 9. September 2006&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;____________________________&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Zusammenstellung: Klaus Volkmer&lt;br /&gt;&amp;#10;Photos aus der Filmkopie: Gerhard Ullmann&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dank an: Enrico Ghezzi, Romano Guelfi, Peter Kammerer, Petra Maier-Schoen, Markus Nechleba, Andy Rector, Giovanna Runggaldier.&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 16 Sep 2006 09:42:01 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1473886/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2006-09-16T09:42:01Z</dc:date>
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      <title>Straub / Huillet / Pavese (I)</title>
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      <description>&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli001a.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;&amp;#10;QUEI LORO INCONTRI (JENE IHRE BEGEGNUNGEN)&lt;br /&gt;&amp;#10;2005&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;DALLA NUBE ALLA RESISTENZA (VON DER WOLKE ZUM WIDERSTAND)&lt;br /&gt;&amp;#10;1978&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;QUEI LORO INCONTRI (JENE IHRE BEGEGNUNGEN) &amp;#8211; Italien / Frankreich 2005 &amp;#8211; R+B: Dani&amp;egrave;le Huillet &amp;amp; Jean-Marie Straub, nach &amp;#8222;Dialoghi con Leuc&amp;ograve;&amp;#8220; von Cesare Pavese &amp;#8211; K: Renato Berta, Jean-Paul Toraille, Marion Befve &amp;#8211; T: Jean-Pierre Duret, Dimitri Haulet, Jean-Pierre Laforce &amp;#8211; D: Angela Nugara, Vittorio Vigneri, Grazia Orsi, Romano Guelfi, Angela Durantini, Enrico Achilli, Giovanna Daddi, Dario Marconcini, Andrea Bacci, Andrea Balducci &amp;#8211; 68 min&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;DALLA NUBE ALLA RESISTENZA (VON DER WOLKE ZUM WIDERSTAND) &amp;#8211; Italien / BRD 1978 &amp;#8211; R+B: Dani&amp;egrave;le Huillet &amp;amp; Jean-Marie Straub, nach &amp;#8222;Dialoghi con Leuc&amp;ograve;&amp;#8220; und &amp;#8222;La luna e i fal&amp;ograve;&amp;#8220; von Cesare Pavese &amp;#8211; K: Saverio Diamanti, Gianni Canfarelli &amp;#8211; T: Louis Hochet, Georges Vaglio &amp;#8211; D: Olimpia Carlisi, Guido Lombardi, Gino Felici, Lori Pelosini, Walter Pardini, Ennio Lauricella, Andrea Bacci, Lori Cavallini, Francesco Ragusa, Florangelo Pucci, Dolando Bernardini, Andrea Filippi; Mauro Monni, Carmelo Lacorte, Luigi Giordanello, Mario di Mattia, Paolo Cinnani &amp;#8211; 105 min&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Die Sehnsucht der G&amp;ouml;tter&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein zweites Mal nehmen Dani&amp;egrave;le Huillet &amp;amp; Jean-Marie Straub die 1947 erschienenen &amp;#8222;Gespr&amp;auml;che mit Leuko&amp;#8220; von Cesare Pavese zur Grundlage eines Films. In DALLA NUBE ALLA RESISTENZA [1978] bildeten sechs dieser Dialoge zwischen Figuren aus der griechischen Antike und Mythologie den ersten Teil des Films. QUEI LORO INCONTRI [2005] besteht aus den letzten f&amp;uuml;nf des Buches.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Revolution bedeutet, sehr alten und vergessenen Dingen ihren Platz zur&amp;uuml;ckzugeben &amp;#8211; diesen Satz von Charles P&amp;eacute;guy h&amp;auml;lt Jean-Marie Straub immer wieder bereit, wenn es um die Zukunft der Gesellschaft geht, genauso wie Walter Benjamins Ausspruch von der Revolution als dem &amp;#8222;Tigersprung ins Vergangene&amp;#8220;: &amp;#8222;Das ist auch die Idee von Pavese mit seinen mythologischen Dialogen, er wollte seine Genossen sp&amp;uuml;ren lassen, da&amp;szlig; die Flucht in die Zukunft nicht ausreicht.&amp;#8220; In Zeiten des Staatskommunismus wurden derartige &amp;Auml;u&amp;szlig;erungen stets als h&amp;auml;retisch und reaktion&amp;auml;r bek&amp;auml;mpft.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Man sollte beachten, da&amp;szlig; nicht von der Wiedereinsetzung einer Vergangenheit die Rede ist, sondern von Vergangenem, von sehr alten oder vergessenen Dingen. Die G&amp;ouml;tter und g&amp;ouml;ttlichen Wesen, Erz&amp;auml;hlungen einer vergangenen agrarischen Gesellschaftsform, die in den Dialogen auftreten, sind gewi&amp;szlig; ambivalent. Sie sind Formulierungen &amp;#8211; Personifizierungen &amp;#8211; von Macht und sie werden bis heute, verweltlicht, technisiert, von den realen politischen und gesellschaftlichen Kr&amp;auml;ften besetzt und instrumentalisiert. Andererseits verk&amp;ouml;rpern sie Geist und Moral. Und damit auch die ethische Empfindung gegen&amp;uuml;ber der Welt des Sinnlichen und Menschlichen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;QUEI LORO INCONTRI ist vielleicht der traurigste Film der Straubs, weil er aus der Perspektive der G&amp;ouml;tter von den bedauernswerten Menschen im allgemeinen spricht und keine individuelle Geschichte erz&amp;auml;hlt. Er ist aber vielleicht auch derjenige, der die &amp;#8222;ethische Gewalt&amp;#8220; (Franco Fortini) ihrer Filme am sanftesten zum Ausdruck bringt. Es ist ersch&amp;uuml;tternd, wie diese G&amp;ouml;tter von Sehnsucht und Trauer zugleich ergriffen werden, wenn sie von den erb&amp;auml;rmlichen und dennoch beneidenswerten Menschen sprechen. Sie sehnen sich nach deren Sterblichkeit, die, weil sie vom ewigen Schicksal befreit, &amp;#8222;alles unvermutet und Entdeckung&amp;#8220; werden l&amp;auml;&amp;szlig;t. Sie bewundern sie f&amp;uuml;r ihre F&amp;auml;higkeit zu benennen, denn &amp;uuml;berall, &amp;#8222;wo sie M&amp;uuml;hsal und Worte aufwenden, wird ein Rhythmus, ein Sinn, eine Ruhe geboren.&amp;#8220; Wie sch&amp;ouml;n mu&amp;szlig; es sein, &amp;#8222;sich selbst zu gestalten, auf diese Art der Laune nach.&amp;#8220; Sie sehen aber auch, da&amp;szlig; die Menschen elend, gemein und berechnend sind, da&amp;szlig; sie ihre Geschichten immer mit Blut erz&amp;auml;hlen, den Wert ihrer Existenz nicht erkennen und sich an der Welt vers&amp;uuml;ndigen. Unverst&amp;auml;ndnis und Zorn kommt dann auf, aber es sind ihr Wohlwollen, ihr Wille, den Menschen zu helfen, und zugleich ihre Ohnmacht, die best&amp;uuml;rzend sind. Nein, nicht ein Gott wird die Menschheit retten. Eine g&amp;ouml;ttliche Erz&amp;auml;hlung allenfalls, die die Menschen lehrt, &amp;#8222;da&amp;szlig; der Tod auch f&amp;uuml;r sie neu ist. Ihnen diese Erz&amp;auml;hlung geben. Sie ein Schicksal lehren, das sich mit dem unsren verflicht&amp;#8220;.&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_04.jpg" width="333" height="244" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;Man mu&amp;szlig; sehen, wie die Darsteller, die G&amp;ouml;tter und Menschen in den Einstellungen des Films verflochten sind mit ihrer Umgebung, der Natur, den B&amp;auml;umen, &amp;Auml;sten, den Bl&amp;auml;ttern im Wind, den Felsen, mit Licht, Farben und Schatten und den Ger&amp;auml;uschen, mit dem Sinn dessen, wovon sie sprechen. Wie sie mit festen Stimmen und pr&amp;auml;ziser Diktion diesem Sinn eine eindringliche, rhythmisierte Form geben, die sich in den lebendigen, ruhigen Raum einf&amp;uuml;gt. Physischer Geist, sinnliches Denken (im wirklichen Sinne, weder symbolistisch noch metaphorisch). Die Menschen sind den G&amp;ouml;ttern, auch den Ungeheuern und Mischwesen, und der Natur verwandt.&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/dallanube-01.jpg" width="340" height="255" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;In DALLA NUBE ALLA RESISTENZA sind die G&amp;ouml;tter gleichwohl M&amp;auml;chte, die die Menschen verf&amp;uuml;hren und die es zu bek&amp;auml;mpfen gilt wie die faschistischen Ideologien und die gegenw&amp;auml;rtigen Technokratien. Die offene, noch nicht zur Faust geschlossene Hand des Jungen am Ende des Dialogs mit seinem Vater vor den Opferfeuern ist ein erstes Zeichen des Widerstandes. &amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/dallanube-02-hand.jpg" width="340" height="246" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;Der zweite Teil des Films &amp;#8211; ein St&amp;uuml;ck aus Paveses Roman &amp;#8222;Der Mond und die Feuer&amp;#8220; [1950] &amp;#8211; erinnert in den Gespr&amp;auml;chen zwischen dem aus dem amerikanischen Exil zur&amp;uuml;ckgekehrten &amp;#8222;Bastard&amp;#8220; und den Dagebliebenen die Zeit der Resistenza gegen den Faschismus: Erz&amp;auml;hlungen, die von der Unsicherheit zeugen, was Widerstand ist. Er m&amp;uuml;&amp;szlig;te beginnen, fortdauern, wo dieselbe Verachtung und dieselben Verh&amp;auml;ltnisse fortdauern. Er endet aber dort, wo Armut und Zwang nur die Selbstzerst&amp;ouml;rung als Alternative &amp;uuml;briglassen. Dazwischen gibt es wenig Klarheit. Und doch bezeugt jeder Straub-Film aufs Neue: genau so und jetzt m&amp;uuml;&amp;szlig;te und k&amp;ouml;nnte ein ganz anderes, neues Leben beginnen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In den W&amp;auml;ldern um das toskanische Buti &amp;#8211; damals entdeckt, inzwischen Zentrum der Proben, Theaterauff&amp;uuml;hrungen und Dreharbeiten geworden &amp;#8211;, inszenierten die Straubs dann, in zweien ihrer Filme nach Elio Vittorini (OPERAI, CONTADINI [2001] und UMILIATI [2003]), die Zerst&amp;ouml;rung der Gemeinschaft und des utopischen Gedankens, die Dem&amp;uuml;tigung der Menschen durch die (gleichgesinnten) Menschen. Dort ist das letzte Zeichen, das in der &amp;auml;u&amp;szlig;ersten Verlassenheit &amp;uuml;brigbleibt, die sprachlos geballte Faust.&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/umiliati_02.jpg" width="333" height="244" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;So gottverlassen und elend wie in QUEI LORO INCONTRI erschien unsere Gegenwart noch nie. Aber gegen Ende hei&amp;szlig;t es: &amp;#8222;Ein Nichts gen&amp;uuml;gt, und das Gel&amp;auml;nde wird wieder das gleiche wie damals, als diese Dinge geschahen. Es gen&amp;uuml;gt ein H&amp;uuml;gel, ein Gipfel, ein Abhang. Da&amp;szlig; es ein einsamer Ort ist und da&amp;szlig; deine Augen hinaufsteigend im Himmel anhalten werden.&amp;#8220; Die letzte Einstellung des Films &amp;#8211; ein Schwenk, hinaufsteigend in den Himmel &amp;#8211; deutete die Geschichte als die einer endg&amp;uuml;ltigen Entfremdung zwischen Menschen und G&amp;ouml;ttern, h&amp;auml;tte es zuvor nicht eben jene Dialoge gegeben: sie ist wie das Erwachen aus einem lebendigsten Traum, eine R&amp;uuml;ckkehr in die eigene, einsame Wahrnehmung eines Trostlosen, in die hineinragt die ungeheuerliche Erinnerung an &amp;#8222;jene ihre&amp;#8220; &amp;#8211; unsere verlorengegangenen &amp;#8211; &amp;#8222;Begegnungen&amp;#8220;. Nicht nur den Fabelwesen, auch den G&amp;ouml;ttern begegnen wir nur noch in Tr&amp;auml;umen &amp;#8211; oder in den Filmen von Dani&amp;egrave;le Huillet &amp;amp; Jean-Marie Straub.&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Markus Nechleba&lt;/i&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_jaeger.jpg" width="333" height="243" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Diamonds in the Head&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ausz&amp;uuml;ge aus einem Gespr&amp;auml;ch [2002] zwischen Mark Peranson und &lt;a href="http://kinoslang.blogspot.com/2006/08/seminar-at-film-school-of-tokyo-12-14_28.html"&gt;Pedro Costa&lt;/a&gt; (&amp;#8222;Cinema Scope&amp;#8220; 27, Summer 2006, S. 6-15) &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Pedro Costa&lt;/i&gt;: I was very, very stoned seeing SHE WORE A YELLOW RIBBON, and that was a very strange experience. Now there's a quality in certain movies that are like diamonds in my head at that time. The Straub movie FROM THE CLOUD TO THE RESISTANCE is another one, they are in very sharp colours. I've never taken LSD, but I expect the effect is somewhat the same: they are very sharp, the yellows and the greens. [S. 10]&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/straubcosta.jpg" width="333" height="333" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&amp;#10;Jean-Marie Straub, Pedro Costa, Dani&amp;egrave;le Huillet&lt;br /&gt;&amp;#10;(c) Richard Dumas, 2001&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Mark Peranson&lt;/i&gt;: Does Straub still want all of his films to be destroyed after his death?&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Pedro Costa&lt;/i&gt;: It depends on his mood. I don't think so. They're the only filmmakers in the world who consider every shot that they have done as  something done with pride and honour. Not even Godard can say that.  And there is no second in one movie of theirs that they'd change.  Straub told me his final testament that he wants on his grave, a  quote from &amp;#8222;Hyperion&amp;#8220; by H&amp;ouml;lderlin, which has something to do with  going into oblivion, but leaving a very strong trace in the world.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Mark Peranson&lt;/i&gt;: Which is an odd thing for a materialist to say.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Pedro Costa&lt;/i&gt;: Well, he said a very nice thing to me about that. Once he was teaching a film course in Germany, and he was talking about MOSES AND ARON, and he said &amp;#8222;God&amp;#8220; three or four times in the lecture, and he saw some students were smiling, almost laughing. And he told them, &amp;#8222;Why are you laughing? If you laugh when you hear the word God, then you&amp;#8217;ll never make a film.&amp;#8220; And that proves to me that to be a materialist, you have to be a mystic in the beginning &amp;#8230; or in the end. [S. 15]&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Testament&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Marie Straubs &amp;#8222;Testament&amp;#8220;, von ihm mehrfach &amp;ouml;ffentlich rezitiert, z.B. bei der &lt;a href="http://theater.kein.org/node/147"&gt;Diskussion&lt;/a&gt; anl&amp;auml;&amp;szlig;lich der kombinierten Straub/Huillet &amp;amp; Ford-Retrospektive bei der Viennale 2004 ist folgende Passage aus  H&amp;ouml;lderlins &amp;#8222;Der Tod des Empedokles&amp;#8220; (II/4) &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ] und schon &amp;#8211; o Luft,&lt;br /&gt;&amp;#10;Luft, die den Neugeborenen umf&amp;auml;ngt,&lt;br /&gt;&amp;#10;wenn droben er die neuen Pfade wandelt,&lt;br /&gt;&amp;#10;dich ahnd' ich, wie der Schiffer, wenn er nah&lt;br /&gt;&amp;#10;dem Bl&amp;uuml;thenwald der Mutterinsel k&amp;ouml;mmt,&lt;br /&gt;&amp;#10;schon athmet liebender die Brust ihm auf&lt;br /&gt;&amp;#10;und sein gealtert Angesicht verkl&amp;auml;rt&lt;br /&gt;&amp;#10;Erinnerung der ersten Wonne wieder!&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ]&amp;#10;&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/empedokles-testament.jpg" width="333" height="231" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&amp;#10;Aus dem handschriftlichen Drehbuch von Jean-Marie Straub [1984] zu DER TOD DES EMPEDOKLES.&amp;#10;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Cineasti italiani&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Straub sagt selber nichts zum neuen Film &amp;#8211; er und Dani&amp;egrave;le Huillet werden auch nicht in Venedig anwesend sein. Der offizielle Text im venezianischen Presse-Dossier ist ein Auszug aus einem Interview von 2001 &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Commento del regista / Director&amp;#8217;s note&lt;br /&gt;&amp;#10;La definizione &amp;laquo;cineasti italiani&amp;raquo; c&amp;#8217;&amp;egrave; stata data non solo per i film cha abbiamo girato in lingua italiana o per quelli per cui abbiamo rifatto un missaggio e un commento italiano, come ad esempio &lt;i&gt;Troppo presto, troppo tardi&lt;/i&gt;, e che dunque sono diventati film italiani. Ci sono stati anche dei nostri film girati in Italia, in lingua francese, come &lt;i&gt;Othon&lt;/i&gt; o in lingua tedesca come La morte di Empedocle o cantati in tedesco come &lt;i&gt;Mos&amp;egrave; e Aronne&lt;/i&gt;. Tutti film italiani perch&amp;eacute; dovevano le loro immagini all&amp;#8217;Italia. Le immagini di pi&amp;ugrave; di met&amp;agrave; dei nostri film mostrano l&amp;#8217;Italia. Film italiani a tutti gli effetti anche se non sono riconosciuti ufficialmente perch&amp;eacute; parlati in una lingua diversa. C&amp;#8217;&amp;egrave; una legge fascista per la difesa della lingua che lo stabilisce.&lt;br /&gt;&amp;#10;(da &lt;i&gt;Straub-Huillet Cineasti Italiani.&lt;/i&gt;  Intervista a cura di Adriano Apr&amp;agrave; e Piero Spila, in: Piero Spila, &lt;i&gt;Il cinema di Jean-Marie Straub e Dani&amp;egrave;le Huillet. &amp;laquo;Quando il verde della terra di nuovo briller&amp;agrave;&amp;raquo;&lt;/i&gt;, Bulzoni Editore, Roma 2001, p. 21-32, hier: 21)&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Die neue Welt&lt;/b&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;Das franz&amp;ouml;sische &lt;a href="http://pierregrise.com/distribution/Ces-rencontres-avec-eux"&gt;Pressematerial zum Film&lt;/a&gt; besteht nur aus einem Auzug aus einer Pavese-Biographie, der von Paveses letzten Tagen vor seinem Selbstmord erz&amp;auml;hlt; und diesen drei Text-Fragmenten aus Dialogen des Films &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;L&amp;#8217;incroyable relief des choses dans l&amp;#8217;air&lt;br /&gt;&amp;#10;APR&amp;Egrave;S LE D&amp;Eacute;LUGE&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; tu verras que le monde nouveau aura quelque chose de divin ...&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es gen&amp;uuml;gt ein H&amp;uuml;gel, ein Gipfel, ein Abhang. Da&amp;szlig; es ein einsamer Ort ist und da&amp;szlig; deine Augen hinaufsteigend im Himmel anhalten werden.Das unglaubliche Hervorstechen der Dinge in der Luft r&amp;uuml;hrt heute noch ans Herz. Ich f&amp;uuml;r mich glaube, da&amp;szlig; ein Baum, ein Fels, die sich gegen den Himmel abzeichnen, G&amp;ouml;tter waren von Anbeginn an.&lt;br /&gt;&amp;#10;NACH DER SINTFLUT&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; Du wirst sehen, die neue Welt wird etwas G&amp;ouml;ttliches haben in ihren hinf&amp;auml;lligsten Sterblichen.&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Zwiesprachen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;[ ... ] Mit Pavese haben Jean-Marie Straub und Dani&amp;egrave;le Huillet einen Autor gefunden, der gleichzeitig politisches Geschehen sehr nah vefolgte und nicht einen Moment bereit war, dr&amp;auml;ngender Tagesfragen wegen sich als Dichter beirren zu lassen und die Kunst zu verkaufen. Schon bald nach Kriegsende schrieb er, als Kommunist, mutig gegen alle linken Hysteriker &amp;#8211; wie 1975 Pasolini, der ohne R&amp;uuml;cksicht auf Parteilininien sich f&amp;uuml;r Aldo Moro aussprach. Als Pavese sich 1950, 42j&amp;auml;hrig, das Leben nahm, suchte man nach eindeutigen Erkl&amp;auml;rungen vergeblich. Es gab auch private Gr&amp;uuml;nde, Frauen. Seine Abschiedsworte schrieb er auf die wei&amp;szlig;en Seiten vorn in eine Ausgabe seiner &amp;#8222;Dialoge mit Leuko&amp;#8220;. Leuko, aus der griechischen Sage, war eine Gef&amp;auml;hrtin der Kirke. Sechs von diesen Dialogen sind im Film.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Man kann vorsichtig sagen, da&amp;szlig; Paveses Selbstmord so politisch war wie der Majakowskis. Es gibt f&amp;uuml;r Dichter keine M&amp;ouml;glichkeit des Paktes mit der institutionalisierten Politik. Paveses Geschichtsbegriff, wie er aus seinen Drehb&amp;uuml;chern abzulesen ist, ist unvereinbar mit der triumphierenden Rechthaberei, die zur Sprache der politischen Parteien geh&amp;ouml;rt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;DALLA NUBE ALLA RESISTENZA ist ein Film von Zweiteilung organisiert. Er macht einen Kontext aus St&amp;uuml;cken von zwei B&amp;uuml;chern von Pavese, aber so, da&amp;szlig; nach dem zweiten Drittel mit einem Vorspann nochmal ein Anfang ist. Ein fr&amp;uuml;herer Paveseroman, &amp;#8222;Der Mond und die Feuer&amp;#8220;: Ein Antifaschist kommt nach dem Krieg zur&amp;uuml;ck aus Amerika in den Ort im Piemont, in dem er als Findelkind aufwuchs. Die Ver&amp;auml;nderungen, zu denen alles bereit schien, haben nicht stattgefunden. &amp;Uuml;ber den Kadavern des Faschismus, die die Erde unerwartet freigibt, brechen, be&amp;auml;ngstigend, die alten Antagonisten sich Bahn.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Film, das sind Orte im Piemont und Laien, die Dialogstellen aufsagen aus dem Roman oder sogar vorlesen. Sie funktionieren wie Masken im antiken Theater. Sie verk&amp;ouml;rpern nicht Figuren, sondern leihen der Sprache ihren K&amp;ouml;rper. Ihre M&amp;uuml;hen mit den Texten, die zu richtigen K&amp;auml;mpfen ausarten, stellen, gesprochen, Literatur da. Was an ihr geschrieben ist. Das Paradox variiert Mallarm&amp;eacute;s Verr&amp;auml;umlichung von Poesie. Es ist unpers&amp;ouml;nlich gemachte Erfindung, die dennoch auf unerh&amp;ouml;rte Weise mit diesen Leuten und den realen Orten, die sie durchwandern, verbunden ist. Wodurch der Film hinausgeht &amp;uuml;ber die Erinnerung an die blutige Zeit der Resistenza.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die &amp;#8222;Dialoge mit Leuko&amp;#8220; fu&amp;szlig;en auf griechischen Fabelfiguren, und auch, wenn man als Kind nicht Schwabs &amp;#8222;Sagen des klassischen Altertums&amp;#8220; verschlungen hat, die Situationen kommen einem vor wie fernes Vertrautes. Immer sind es Gespr&amp;auml;che zu zweit, Rede und Gegenrede, unaufgehoben, in einem nat&amp;uuml;rlichen Dekor, der wie getrennt bleibt von den Figuren. Im monologischen Erz&amp;auml;hlkino ist alles auf den handelnden Menschen ausgerichtet. Hier zerstreut sich mit den Blicken der Sprechenden die alte fiktive Einheit von Person, Ort und Zeit.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Dialoge haben einen Angelpunkt, eine Achse gemeinsam. Immer geht es um den Unterschied, um eine Trennungslinie, deren Willk&amp;uuml;rlichkeit einem nicht weniger gewaltt&amp;auml;tig vorkommt als die Willk&amp;uuml;r und Barbarei, der sie ein Ende setzen soll. Herakles t&amp;ouml;tet den grausamen Lytherses, damit es mit den Menschenopfern, die die Erde befruchten sollen, endlich ein Ende hat. Als ob ein letztes Opfer passieren m&amp;uuml;&amp;szlig;te, um eine neue Ordnung zu gr&amp;uuml;nden. Danach gen&amp;uuml;gen dann stellvertretend Tieropfer. Im letzten Dialog, f&amp;uuml;r zwei arme Hirten, die H&amp;uuml;ter der Herden anderer, ist es nur noch ein Ritual mit Milch und Honig. Im zweiten Teil des Films wird erz&amp;auml;hlt, wie von den Partisanen eine Spionin liquidiert wurde. Man begn&amp;uuml;gte sich nicht damit, sie zu t&amp;ouml;ten. Sie wurde verbrannt. Zum Zeichen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;L&amp;eacute;vi-Strauss sagt, da&amp;szlig; die Sprache nicht nach und nach entstand. Da&amp;szlig; sie ein Einbruch war, eine Mutation. Der Sprung von der Natur in die Kultur geschah ganz pl&amp;ouml;tzlich. Die Benennung distanzierte, sie verdr&amp;auml;ngte die Herrschaft der Dinge. Als symbolische Ordnung, die ihren Teil gesellschaftlicher Gewalt kanalisiert, ist auch die Kunst ein System, ein Gesetzeskodex. Auch im Unterschied zu anderen stellt sie, wo sie lebendig ist, den Untergrund von Chaos und Ungeformtheit mit dar, auf dem sie ruht.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ein Ochsenkarren zieht im dritten Dialog den blinden Teiresias und Odysseus, der es noch nicht ist, durch eine offene Landschaft &amp;uuml;ber einen Weg, der wie eine Metapher f&amp;uuml;r Schicksal ist. Der kleinste Erdbuckel, der l&amp;auml;cherlichste Kieselstein hat seine Resonanz in den Stimmen der beiden Sprecher. Nur eines m&amp;ouml;chte im Grunde Odysseus wissen von dem blinden Alten, der so viel vom Leben gesehen hat, er m&amp;ouml;chte den Unterschied der Unterschiede beschrieben haben, der, scheint es, alle Ungleichheit generiert: Wie waren die sechs Jahre, in denen Teiresias als Frau gelebt hat. Der Alte kann dar&amp;uuml;ber nichts sagen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Im Kino sind Bilder nicht alles. Der Schwarzfilm, der deren zwanghaften Ablauf unterbricht, bewirkt, da&amp;szlig; man bemerkt, was man im allgemeinen nur unbewu&amp;szlig;t erf&amp;auml;hrt, da&amp;szlig; Rhythmus, vor aller Abblidung, ein elementares Gestaltungsmittel des Kinos ist, das einen aus den Angeln hebt. Auf einer Stelle Schwarzfilm zwitschert ein Vogel. Er zwitschert weiter, sagt man sich, erinnernd, da&amp;szlig; die Bilder vorher ihn &amp;uuml;berdeckten.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der Film, zerlegt in seine Komponenten, f&amp;uuml;gt sich anders zusammen zu Zeichen, die, auch wenn sie nur Bild von Bildern sind, in ihren L&amp;uuml;cken, da wo ihre Teile aufeinandersto&amp;szlig;en, wilde T&amp;ouml;ne erzeugen. Ein Vorschlag zur Transkribierung des Titels: Wolke mit Trugbild &amp;uuml;bersetzen und f&amp;uuml;r Widerstand b&amp;ouml;te sich an Granit.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Mischungen, die Monstren erzeugen, sind im Kino nicht nur erlaubt, sie sind, wenn man es recht bedenkt, sein Gesetz. Solche Zwitter zu produzieren hat vor ihm kaum eine Kunst geschafft. Vor allem seitdem die Leinwand redet, wimmelt es von Chim&amp;auml;ren und Kentauren und Werw&amp;ouml;lfen. Sogar G&amp;ouml;tter wandeln zuweilen wieder unter den Menschen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;i&gt;Frieda Grafe&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;(&amp;#8222;S&amp;uuml;ddeutsche Zeitung&amp;#8220;, 30. Mai 1979. Wieder abgedruckt im gerade erschienenen Band 9 von Frieda Grafes &amp;#8222;Ausgew&amp;auml;hlten Schriften&amp;#8220;, hg. von Enno Patalas: &amp;#8222;Film f&amp;uuml;r Film&amp;#8220;. Verlag Brinkmann &amp;amp; Bose, Berlin 2006, S. 179-182)&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;b&gt;Weiteres zu Trugbild und Granit&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Unverzichtbar sind nach wie vor einige Hefte der alten &amp;#8222;Filmkritik&amp;#8220; &amp;#8211; April 1979, mit einer Materialsammlung von Manfred Blank; November 1980, mit Filmbeschreibung, -texten und -photos; Dezember 1980, mit weiteren Texten zum Film, von Franco Fortini, J&amp;eacute;r&amp;ocirc;me Prieur u.a., sowie dem Filmentwurf &amp;#8222;Zwei Schwestern&amp;#8220; von Cesare Pavese.&amp;#10;&lt;p&gt;&amp;#10;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&amp;#10;&amp;#10;____________________________&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Zusammenstellung: Klaus Volkmer&lt;br /&gt;&amp;#10;Photos aus der Filmkopie: Gerhard Ullmann&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dank an: Erich Brinkmann, Bernard Eisenschitz, Helmut F&amp;auml;rber, Markus Nechleba, Mark Peranson, Dietmar Schings &amp;#8211;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&amp;#8211; und an D.H. &amp;amp; J.-M.S.&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Fri, 01 Sep 2006 09:52:19 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>pburg</dc:creator>
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      <title>Abendstern</title>
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      <description>(anl&amp;auml;&amp;szlig;lich der Demy-Retrospektive der Viennale und des &amp;Ouml;sterreichischen Filmmuseum)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;von Olaf M&amp;ouml;ller&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;"L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" (1973) ist die b&amp;ecirc;te noir im Oeuvre Jacques Demys: der Film, den selbst eifrige J&amp;uuml;nger des Meisters wild aus dem Gesamtwerk 'raus und weg zu ignorieren versuchen, man besch&amp;auml;ftigt sich einfach nicht wirklich mit ihm, obwohl/gerade weil er Demys Totalfiasko war: f&amp;uuml;nf Jahre lang bekam er kein Projekt mehr ins Gleis gestellt, erst ein Angebot aus Japan, die Adaption eines shojo manga, gab ihm erneut die Gelegenheit, Regie bei einem Film zu f&amp;uuml;hren, doch wenig nur, was weiters kam, reicht an die Gewaltigkeit, den Reichtum fr&amp;uuml;herer Zeiten, Filme heran. So sagt man, mal explizit und mal zwischen den Zeilen. Da&amp;szlig; "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" nun etwa in der Mitte des Demy-Oeuvres steht - sieben Langfilme entstanden davor; es folgten sechs weitere, incl. des Fernsehspiels "La Naissance du jour" sowie der Kollaboration mit seinem Lehrmeister Paul Grimault, "La Table tournante" (auch so eine Rezeptionsleerstelle) -, verleiht dem Ganzen eine zusatzliche Dramatik: der Nadir als Ri&amp;szlig;, der den Traum beendet, die Realit&amp;auml;t beginnt, und damit der Niedergang, so zumindest geht das ja in der gew&amp;ouml;hnlichen Vorstellung von Realismus.&lt;br /&gt;&amp;#10;Wobei man sich dann doch irgendwann fragt, warum dieser Film denn nun so derartig extreme Reaktionen hervorruft - selbst der wenig geliebte "Parking" wird selten nur &amp;auml;hnlich fies angefeindet wie "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" -, vor allem, wo sich, was ja auch oft vermerkt wird, der Film in seltener Konkretheit mit einem Kernthema Demys beschaftigt: der Vaterschaft -- als Mutterschaft. Bei Demy sind die Grenzen flie&amp;szlig;end, alle. Was wohl das Problem war wie ist: wenn sich Traum und Wirklichkeit so unbedingt, inniglich tief durchdringen wie hier, und die Sehnsucht, Lust Zw&amp;auml;nge sprengen, droht der Ordnung h&amp;ouml;chste Gefahr. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;In der wundersch&amp;ouml;nen, gro&amp;szlig;formatigen wie pop-bunten (von Joao Botelho mitgestalteten) Publikation der Cinemateca Portuguesa, entstanden anl&amp;auml;&amp;szlig;lich einer Demy-Retrospektive im Dezember '83, wird "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" exakt einmal erw&amp;auml;hnt: als Ausnahme, mit Untert&amp;ouml;nen des Monstr&amp;ouml;sen; das ist die &amp;uuml;bliche Beschaftigungsweise mit diesem Werk.&lt;br /&gt;&amp;#10;Jean-Pierre Berthome, der erste S&amp;auml;nger des Demy'schen Genies, in "Jacques Demy. Les Racines du r&amp;ecirc;ve", besch&amp;auml;ftigt sich grad pflichtbewu&amp;szlig;t mit "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune", dabei mehr mit dem, was der Film - per Drehbuch, Erz&amp;auml;hlungen Demys - hatte werden sollen, als mit dem, was er ist, um ihn am Ende achselzuckend als verzeihlichen Fehlschlag mit wahrscheinlich weitreichenden Folgen abzuhaken. Camille Taboulay, in ihrem weniger rigoros werkeabarbeitenden, mehr Themen-, Bilder-, wie Esprit-getriebenen "Le Cinema enchant&amp;eacute; de Jacques Demy", erw&amp;auml;hnt den Film kursorisch, ohne ihn genauer, interessierter zu bedenken; alldieweil ihre Demy-Chronologie klar darlegt, da&amp;szlig; die lange Pause zwischen "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" und "Lady Oscar" blo&amp;szlig; bedingt mit ersterens Fehlschlag zusammenhangt: 1975 etwa blies Demy die geplanten Dreharbeiten zu "Une chambre en ville" ab wegen un&amp;uuml;berbr&amp;uuml;ckbarer Differenzen mit seinen Darstellern, 1977, scheint's, bot sich eine M&amp;ouml;glichkeit, das unrealisiert gebliebene Projekt "Kobi" produziert zu bekommen, doch da waren wohl schon die Arbeiten zu "Lady Oscar" im Gange.&lt;br /&gt;&amp;#10;Die, scheint's, einzige monographische Ver&amp;ouml;ffentlichung, die "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" gleichberechtigt-solidarisch innerhalb des Demy-Oeuvres pr&amp;auml;sentiert, ist die liebevolle Hommage-Brosch&amp;uuml;re "Demy 2000", die anl&amp;auml;&amp;szlig;lich einer Deutschland-weit pr&amp;auml;sentierten Retrospektive im Herbst/Winter 2000 erschien: Jedem Werk des Programms, ob lang ob kurz, haupt- oder nebens&amp;auml;chlich, ward eine Doppelseite zugeteilt, links Text, rechts ein signifikantes Photo -- so gibt's nichts Unwichtiges im Wesenhaften, allein Grade des Widerspr&amp;uuml;chlichen, Eigensinnigen; es ist auch die einzige Demy gewidmete Publikation, die sich liebevoll-freundlich dieses Films annimmt, seine Besonderheiten andeutet.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Abwatschung von "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" basiert im allgemeinen auf der Annahme, da&amp;szlig; der Film anders sein sollte: man behandelt ihn wie einen Auss&amp;auml;tzigen, weil seine Gestalt nicht dem entspricht, was man sich erwartet: man beckmessert also, wie's gewerbe&amp;uuml;blich ist, wenn sich wer in's Reich des Genres begibt und es nicht ganz offensichtlich auf den Kopf stellt. &lt;br /&gt;&amp;#10;Im Gegensatz zu Demys designierten Hauptwerken ist - per Berthome, der die Genese des Films skizziert - "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" weder ein langgehegtes Projekt noch ist er in irgendeiner Weise direkt, etwa durch eine Figur, mit seinem Kosmos verbunden: er steht g&amp;auml;nzlich allein da -- es war halt eine Augenblicks-Geschichte, eine Eingebung, inspiriert durch Vardas Schwangerschaft 1972 (15.10.: * Mathieu Demy); zudem war es ein designiert kommerzielles Unterfangen: der Film sollte - auch - Demys Bef&amp;auml;higung zum de Brocka'en demonstrieren, im langen Lauf, um Demys Schaffen zu deklischeisieren; und schlie&amp;szlig;lich: es war, in all dem, eine Gef&amp;auml;lligkeit f&amp;uuml;r Marcello Mastroianni (und damit Catherine Deneuve), der zu jener Zeit versuchte, seine Karriere nach Frankreich auszuweiten und deshalb nach einem Projekt f&amp;uuml;r ein weiteres Publikum suchte. Der Film konnte denn auch ungewohnt rasch realisiert werden: Ob der Kombination Deneuve-Mastroianni fand sich gleich ein Produzent, der schnell einen italienischen Co-Produzenten 'ranschaffte, gedreht wurde im Fr&amp;uuml;hjahr '73, im September des Jahres startete der Film in Frankreich.&lt;br /&gt;&amp;#10;(Dabei sollte man vielleicht noch folgendes Bedenken: "The Pied Piper" war damals in Frankreich noch nicht gestartet, dort war also "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" Demys erster Film post "Peau d'ane". Das verschob wahrscheinlich die Rezeption: ohne die Erfahrung von "The Pied Piper" - der Alb nach dem Traum; D&amp;auml;monen, wo Feen flatterten - Dunkelheit und Gottesferne, Menschen Angst, Hybris und Bestrafung - wirkt "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" anders, weniger dem&amp;uuml;tig, bed&amp;auml;chtig, beseelt, sehnend).&lt;br /&gt;&amp;#10;Berthome spekuliert schlie&amp;szlig;lich dar&amp;uuml;ber, fast entschuldigend, da&amp;szlig; der Film Demy wohl auch nicht allzu nahe, wirklich wichtig, wesentlich gewesen sei, da er sehr viele Kompromisse einging, auf die er sich ansonsten sicher nie eingelassen h&amp;auml;tte: Das urspr&amp;uuml;ngliche Drehbuch wurde wohl in vielen Teilen entsch&amp;auml;rft, zeit-, sozialkritische Spitzen wurden stumpf-, oft g&amp;auml;nzlich abgeschliffenen, so da&amp;szlig; aus einer rasanten Satire, einer Screwball Comedy a la francaise etwas...: anderes wurde, mittenmang Mireille Mathieu an der Quetschkommode. Da&amp;szlig; ihre Gegenwart aus dem Film herausf&amp;auml;llt, sie, gef&amp;uuml;hlt, nicht in das Konzept, den Kosmos pa&amp;szlig;t, der angeblich f&amp;uuml;r sie passender gemacht worden war - incl. gewisser Umdichtungen des Lieds 'Mon Paris' -, ist bezeichnend. Will sagen, fragen: Waren die &amp;Auml;nderungen im Drehbuch wirklich Kompromisse?&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Vielleicht sollte man "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" gar nicht als Farce, Satire, was auch immer f&amp;uuml;r eine Unterkategorie von forcierter Kom&amp;ouml;die betrachten, sondern als ein klassisches Kleinb&amp;uuml;rgermelodram - ein shomingeki -, dessen Personage mit ungew&amp;ouml;hnlicheren Umst&amp;auml;nden zu Rande kommen mu&amp;szlig;. Oder auch: Wie immer bei Demy geht es um die Wirklichkeit der Sehnsucht im innersten Selbst der Realit&amp;auml;t.&lt;br /&gt;&amp;#10;"L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" ist - bei aller Spinnertheit, allen Volkstheatersurrealispelchen - vor allem: gem&amp;uuml;tlich, gem&amp;uuml;tsvoll, gem&amp;auml;chlich, entspricht damit, wenn auch idealisiert - in einem Film der Ideale und W&amp;uuml;nsche - der kleinen Welt, in der er spielt, die der Kleinb&amp;uuml;rger des Montparnasse, der Str&amp;auml;&amp;szlig;chen und Ecken zwischen der avenue du Maine und der rue de la Gaite, wo Demy den Film drehte, wo sich das H&amp;uuml;rchen und die Gem&amp;uuml;seh&amp;auml;ndlerin im Frisiersalon treffen und tratschen: der Welt zwischen dem Modischen, nach dem man sich sehnt, und all den kleinen Kompromissen und Klimmz&amp;uuml;gen, die man in Kauf nimmt und macht, um dieses ferne fremde Jetzt mit dem eigenen Grad(-So) irgendwie zusammenzukriegen, da sind dann die Stoffe etwas gr&amp;ouml;ber und die Muster etwas steiler und die Farbpaletten etwas greller und die eigene aufget&amp;uuml;llerte Gegenwart wirkt ab und an etwas befremdlich neben dem schraddeligen K&amp;uuml;chentisch. Und alle Ecken sind &amp;uuml;berhaupt auch, ja, ein bi&amp;szlig;chen voller, man h&amp;auml;ngt an den Dingen, daran, wie sie sind, wie's ist: und am Ende ist's eigentlich auch gut, da&amp;szlig; man sich immer ein wenig strecken mu&amp;szlig;, so bleibt man bed&amp;auml;chtig. Demy liebt diese Welt - wie so viele andere: denn er liebt die Welt, das Leben -, und er gibt ihr all den Raum zum Werden, den's braucht: so wird wenig verdichtet und viel gedehnt.&lt;br /&gt;&amp;#10;Und so bekommt der double take bei Demy eine ganz wirr brechtianische cum krypto-cicero'ide Drehung: Es geht, ganz materiell, um den Zeitraum zwischen dem Erkennen des Witzes durch den Zuschauer und der Erkenntnis ihrer Lage durch die Filmfigur.&lt;br /&gt;&amp;#10;Es bricht keine (nun gut, nur ganz kurz...) laute Hysterie aus, als Marco, der Fahrlehrer, erf&amp;auml;hrt, da&amp;szlig; er im vierten Monat schwanger ist, ob von Irene, der Besitzerin des Frisiersalons, seiner Gattin, wei&amp;szlig; man nicht: man staunt viel mehr und bestaunt ihn, und wundert sich, und macht sich bei all dem eher mal n&amp;uuml;tzlich als da&amp;szlig; man dumm rumsteht. Sein Gyn&amp;auml;kologe meint, da&amp;szlig; waren eben die Umwelteinfl&amp;uuml;sse, da sind die Hormone gekippt, da passiert so was dann halt, was irgendwie auch nach Unbefleckter Empfangis durch Umweltverschmutzung klingt. Marco wird zur Sensation gemacht, da drau&amp;szlig;en in der modernen Welt, da sorgt der Onkel Gyn&amp;auml;kologe f&amp;uuml;r, w&amp;auml;hrend man sich daheim mehr damit besch&amp;auml;ftigt, wie's weiter gehen soll, worauf es eigentlich immer nur eine Antwort gibt, n&amp;auml;mlich, So halt.&lt;br /&gt;&amp;#10;Marco ist auch nicht allein mit seinem Kinderwunsch, alle m&amp;ouml;glichen Manner, darunter kr&amp;auml;ftig-derbe Burschen, finden sich pl&amp;ouml;tzlich schwanger wieder: ein Bauarbeiter greift sich ahnungserf&amp;uuml;llt an den Bauch und la&amp;szlig;t sich selig l&amp;auml;chelnd langsam nieder.&lt;br /&gt;&amp;#10;Am Ende erweist sich Marcos Schwangerschaft, wirklichkeitsgem&amp;auml;&amp;szlig; wie melancholisch, als Illusion: Hat er von Kindern aus seinem Leib getr&amp;auml;umt, sich nach der konkreten Erfahrung des Gebarens gesehnt, warum glaubt ein Mann, er sei schwanger, und das nicht nur einer, sondern viele? Demy hatte angeblich ein anderes Ende gedreht, in dem Marco das Kind kriegt, Babygeschrei war zu h&amp;ouml;ren, doch das fand man bei der Produktion angeblich zu radikal. Aber: Ist das Ende jetzt nicht ungleich radikaler, da der Film nicht von einer verschrobenen Begebenheit erzahlt, sondern von einem m&amp;ouml;glichen konkreten Sehnsucht wie deren Scheitern?&lt;br /&gt;&amp;#10;In Demys Kino geht es immer wieder um Fragen von Geschlechterrollen und sexuellen Identit&amp;auml;ten: darum, wie sie die Menschen einzwangen, in Entweder-Oder-Konstellationen zwingen, in Ketten des Verzichts, der Ablehnung, wo doch alles anders sein k&amp;ouml;nnte, summt's immer wieder im Subtext. (Es war denn im &amp;uuml;brigen auch kein Zufall, da&amp;szlig; man von japanischer Seite Demy die Regie von "Lady Oscar" anbot: da hatte man dieses Moment in seinem Schaffen namlich sehr genau erkannt.) Sexuelle Transgressionen, Perversionen, bis hin zum Inzest - allein, was da in "Peau d'ane" passiert! -, spielen immer wieder entscheidende Rollen in seinen Fabeln: thematisiert wird darin das Perverse der Ordnung, die sich auf eine Natur beruft, die doch blo&amp;szlig; menschendefiniert ist, zelebriert wird die Vielgestaltigkeit, da&amp;szlig; eine/r Verschiedenes sein kann zu verschiedenen Zeiten f&amp;uuml;r verschiedene Menschen, da&amp;szlig; sich Rollen tauschen lassen f&amp;uuml;r eine gewisse Zeit und dann wieder zur&amp;uuml;ck- oder mit wem anderes getauscht werden k&amp;ouml;nnen, oder da&amp;szlig; man zwei drei vier Rollen gleichzeitig spielt: da&amp;szlig; die Grenzen flie&amp;szlig;en, und da&amp;szlig; noch nicht einmal mehr manich&amp;auml;isch-dr&amp;uuml;ckend standig das eine und das andere gegenw&amp;auml;rtig sein m&amp;uuml;ssen, da&amp;szlig; es manchmal auch gut ist, wenn es nur von einem viele/s gibt.&lt;br /&gt;&amp;#10;In "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" wird es also Demy-Ernst, ernster als je zuvor, denn nie war Demy dem Realismus n&amp;auml;her als hier: f&amp;uuml;r einige Zeit siegt das Sehnen und das W&amp;uuml;nschen und die Vernunft, der M&amp;ouml;glichkeitssinn, gerade weil die Situation wie ihre Welt nicht der L&amp;auml;cherlichkeit preisgegeben, sondern dem Lacheln &amp;uuml;berantwortet werden. Die Subversion feiert Ausst&amp;auml;nde im Zusammenbrechen der Konventionen, des Genres: denn "L'&amp;Eacute;v&amp;eacute;nement le plus important depuis que l'homme a march&amp;eacute; sur la lune" ist nicht das Kind eines Genres, sondern vieler, ein Zwitter, wie sein Macher, so seine Gattin, die ihn in "Demy 2000" zum Geleit als Zypresse und Mimose beschrieb.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Fri, 06 Oct 2006 13:00:10 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>filmkritik</dc:creator>
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      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1463920/#1472123</link>
      <description>Nachtrag: Das Weblog Kino Slang brint Scans der handschriftlich verfassten Notizen des Regisseurs: &lt;a href="http://kinoslang.blogspot.com/2006/09/i-do-it-because-some-of-younger-people.html"&gt;hier&lt;/a&gt;.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Wed, 13 Sep 2006 22:46:18 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>thgroh</dc:creator>
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      <title>"Straub however sent a message, almost as cryptic as his work."</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1463920/#1469146</link>
      <description>&lt;i&gt;&lt;blockquote&gt; Then he added, apparently referring to the tight security on the Lido: "I would not be able to celebrate in a festival where there are so much public and private police looking for a terrorist. I am that terrorist. As long as American imperialistic capitalism exists, there won't be enough terrorists in the world. All the best, Jean-Marie."&lt;/blockquote&gt;&lt;/i&gt;[&lt;a href="http://www.gulfnews.com/world/Italy/10066150.html"&gt;q&lt;/a&gt;]&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 09 Sep 2006 08:55:54 GMT</pubDate>
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      <title>lest doch mal dieses Buch über Ford....</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/945381/#1429989</link>
      <description>....das ist, nach diesem recht interessanten Gespr&amp;auml;ch erschienen, und l&amp;ouml;st genau das ein, was ihr fordert: n&amp;auml;mlich Film  als gesellschaftliches Zeichen seiner Zeit zu betrachten. Und Fords Filme ungeachtet einer politischen Positionierung zu erforschen, zu analysieren, zu beziehen auf das soziale Umfeld ihrer Entstehungszeit. Und Ford ist ein grossartiger Teil der Geschichte der USA, und leider in Deutschland noch immer ein Unbekannter.&lt;br /&gt;&amp;#10;Titel: Versuch &amp;uuml;ber John Ford&lt;br /&gt;&amp;#10;Autor: Dirk C. Loew&amp;#10;</description>
      <pubDate>Mon, 10 Jul 2006 18:36:49 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>tendido9</dc:creator>
      <dc:date>2006-07-10T18:36:49Z</dc:date>
    </item>
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      <title>Reisen in die Utopie</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1372469/</link>
      <description>Godard im Museum&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf die April-Ausgabe der &lt;i&gt;Cahiers&lt;/i&gt; hatte ich schon l&amp;auml;nger gewartet; ich war gespannt, was &amp;uuml;ber die Godard-Ausstellung im Centre Pompidou, die Ende des Monats er&amp;ouml;ffnet wird, zu lesen sein w&amp;uuml;rde. Zumal das Projekt insgesamt, seit ich vor zwei Jahren zum ersten Mal davon h&amp;ouml;rte, immer mysteri&amp;ouml;s geblieben war und jede zus&amp;auml;tzliche Information die Unklarheit eher vergr&amp;ouml;&amp;szlig;erte.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Von vorne: "Collages de France" sollte der Titel sein, geplant war eine Kooperation zwischen Godard zuhause in Rolle vor einer Webcam, dem Ausstellungsort &lt;i&gt;Le Fresnoy, Studio National d&amp;#8217;Art Contemporain&lt;/i&gt; bei Tourcoing (ein Vorort von Lille, &amp;uuml;ber das F. neulich gesagt hatte, es sei die einzige franz&amp;ouml;sische Stadt, die etwas von Los Angeles habe), und dem Centre Pompidou. Ein Produzent in seinem Heimstudio, ein Distributionsmedium, zwei Ausstellungsorte. Puissance de la parole. Damals konnte man in einer kleinen Notiz lesen, Godard werde neun Monate lang jeden Monat - meist via Internet - ein Gespr&amp;auml;ch mit einem Philosophen, Literaten, Filmemacher, Wissenschaftler etc. f&amp;uuml;hren. Das Material wolle er dann mit Bildern und T&amp;ouml;nen montieren und &amp;uuml;berblenden, die aus Fernsehsendungen, aus Filmen, Zeitschriften, letztlich aus allen denkbaren Quellen stammen k&amp;ouml;nnten. Ich stellte mir das ganze als gegenwartsbezogene Fortsetzung der &lt;i&gt;Histoire(s) du cin&amp;eacute;ma&lt;/i&gt; vor, in denen ein Kapitel ja auch schon um l&amp;auml;ngeres Gespr&amp;auml;ch mit Serge Daney herumgebaut war.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Allerdings war schon das "Collages de France"-Projekt mit seiner Entscheidung f&amp;uuml;r das Centre Pompidou eine Modifikation von Godards urspr&amp;uuml;nglicher Idee. Eigentlich h&amp;auml;tte er sich am Typus der Vorlesung orientieren und diesen "cours expos&amp;eacute;" am Coll&amp;egrave;ge de France halten wollen. In einem Expos&amp;eacute; schrieb er: "Stellen wir uns die Vorlesung von Bergson, Sartre oder Deleuze am Coll&amp;egrave;ge de France vor. Ein Mann steht als einfacher Lehrer hinter einem Tisch, oder noch nicht einmal, auf einem Podium. Wie ein Politiker: Er spricht. Stellen wir uns jetzt Heisenberg oder Laurent Schwarz vor, die etwas &amp;uuml;ber Physik erz&amp;auml;hlen. Auch sie reden, aber zus&amp;auml;tzlich schreiben sie Hieroglyphen auf eine Tafel, die manchmal schwarz, manchmal wei&amp;szlig; ist, und zu der die Kreide oder der Stift die Erg&amp;auml;nzung darstellen. Wenn man nun die Erinnerung an diese denkw&amp;uuml;rdigen Augenblicke auf einem zeitgem&amp;auml;&amp;szlig;en Medium erhalten wollte, dann br&amp;auml;uchte man ein Aufnahmeger&amp;auml;t, etwas Film und vielleicht ein bisschen (k&amp;uuml;nstliches) Licht. Stellen wir uns jetzt Lavoisier oder Marie Curie vor, auch sie in einer Unterrichtssituation, aber diesmal zus&amp;auml;tzlich mit Beweisen f&amp;uuml;r das, was sie sagen, mit einer Versuchsanordnung und Stoffen, die es ihnen erlauben, Experimente durchzuf&amp;uuml;hren und nicht nur zu zeigen, wo der Schl&amp;uuml;ssel zu bestimmten Problemen ist, sondern auch, wo das Schloss sich befindet. [...] Stellen wir uns jetzt einen weiteren Mann vor, einen vom Kino, der dar&amp;uuml;ber eine Vorlesung h&amp;auml;lt, wie es sie heute haufenweise gibt. &amp;Uuml;blicherweise macht er nichts anderes als Bergson, er begn&amp;uuml;gt sich damit, Worte auf Worte zu stapeln, wie es der Autor von &lt;i&gt;Clio&lt;/i&gt; nannte. Er versucht immer nur &amp;uuml;ber das Kino zu sprechen, oder sogar an seiner Stelle. Er versucht nie, es zu zeigen oder anschaulich zu machen, au&amp;szlig;er vielleicht durch Filmausschnitte." Godards Antwort darauf sollte eine Art praktische Beweisf&amp;uuml;hrung dessen sein, wie die Bilder denken. Einem Untersuchungsrichter w&amp;uuml;rde man auch nicht glauben, wenn er sich nur auf die Aussagen verl&amp;auml;sst und die eigentlichen Beweise ignoriert, sagt er.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Ich wei&amp;szlig; bis heute nicht, ob die Veranstaltungen in &lt;i&gt;Le Fresnoy&lt;/i&gt;, die Konferenzschaltungen, die Montagearbeit, stattgefunden haben wie vorgesehen. Im Netz findet man Pressemitteilungen, Ank&amp;uuml;ndigungen, aber keine Berichte &amp;uuml;ber das, was tats&amp;auml;chlich geschah. Gibt es diese neun Filme, einen pro Monat? Wenn ja, wo werden sie zu sehen sein?&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Jetzt in den &lt;i&gt;Cahiers&lt;/i&gt; also ein Update, wenige Wochen vor der Er&amp;ouml;ffnung dessen, was aus den "Collages" geworden ist. Das Sch&amp;ouml;ne ist, dass auch weiterhin keiner so genau zu wissen scheint (oder es sagen will), was in zwei Wochen im Beaubourg zu sehen sein wird. Dominique Pa&amp;iuml;ni, Leiter der Cin&amp;eacute;math&amp;egrave;que Francaise von 1991 bis 2000, in den letzten f&amp;uuml;nf Jahren im Centre Pompidou f&amp;uuml;r alles zust&amp;auml;ndig, was nicht im engsten Sinne "Bildende Kunst" war, rekapituliert auf ein paar Seiten die verschiedenen Etappen der Planung. Mit Schere Klebstoff und Pappe bewaffnet habe Godard nach der Entscheidung f&amp;uuml;r das Centre Pompidou angefangen, Raummodelle zu bauen und sich zu &amp;uuml;berlegen, wie das Kino in den Kunstraum zu &amp;uuml;bertragen sein k&amp;ouml;nnte. Ihm schwebte, so fasst Paini es auf, eine Verr&amp;auml;umlichung dessen vor, was er in den &lt;i&gt;Histoire(s)&lt;/i&gt; in eine zeitliche Form gebracht hatte. In den &lt;i&gt;Histoire(s)&lt;/i&gt; liefen die Bilder vor dem Zuschauer entlang, jetzt soll sich der Zuschauer an den Bildern entlangbewegen (Pa&amp;iuml;ni scheint sich in den Kopf gesetzt zu haben, dass das etwas mit Benjamins Begriff des Flaneurs zu tun habe). &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Was f&amp;uuml;r Bilder das sein werden, die vom 24. April bis zum 14. August auf 1100 Quadratmetern ausgestellt werden, bleibt diffus. Es geht darum ein ziemliches Raunen durch die Seiten des Hefts. Neue Arbeiten von Godard werden beschrieben und besprochen, von denen man nicht wei&amp;szlig;, ob oder in welcher Form sie in der Ausstellung vorkommen. Von Schwierigkeiten des Budgets ist die Rede, deren Konsequenzen im Dunkeln bleiben. Von Godard selbst kein Wort dazu. Viel Text, insgesamt ein gro&amp;szlig;es Fragezeichen. Eine der Arbeiten, die laut sp&amp;auml;rlicher Informationen auf den Seiten des Centre Pompidou am 24.April Premiere haben wird, hei&amp;szlig;t &lt;i&gt;Vrai faux passeport&lt;/i&gt;, der Untertitel ist "Sur des occasions de porter un jugement &amp;agrave; propos de la fa&amp;ccedil;on de faire des films". Das Ganze hei&amp;szlig;t jetzt auch nicht mehr "Collages de France", sondern "Voyage(s) en Utopie". &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Godard hat einmal vom "gro&amp;szlig;en Kampf zwischen den Augen und den Sprachen" gesprochen. Die Augen seien die V&amp;ouml;lker, die Sprache die Regierung. Vielleicht haben die Texte, die jetzt zu lesen sind, deshalb wenig mit dem zu tun, was zu sehen sein wird. Was "die Regierung" tut, ist etwas anderes als das, was "das Volk" sagt.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Volker Pantenburg&amp;#10;</description>
      <pubDate>Fri, 14 Apr 2006 16:05:30 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>pburg</dc:creator>
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      <description>funktioniert nun auch in firefox wieder, danke.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Wed, 29 Mar 2006 22:16:50 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>thgroh</dc:creator>
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      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/#1360939</link>
      <description>jetzt m&amp;uuml;sste es aber wieder funktionieren. oder?&amp;#10;</description>
      <pubDate>Tue, 28 Mar 2006 14:44:49 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>mbaute</dc:creator>
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      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/#1360438</link>
      <description>das liest sich hier leider immer noch gar nicht gut, visuell, meine ich; in firefox muss man ganz lange nach rechts scrollen.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Mon, 27 Mar 2006 18:50:09 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>katatonik</dc:creator>
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      <title>Heide Schlüpmann, "Öffentliche Intimität. Die Theorie im Kino"</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1359219/</link>
      <description>Frankfurt am Main / Basel (Stroemfeld Verlag) 2002.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Von Johannes Beringer&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Der vielleicht 'zentralste Satz' in diesem Buch ist f&amp;uuml;r mich: "&amp;Uuml;ber der Hingabe der Theorie an die Filme kehrt ihm sein Erkenntnisverm&amp;ouml;gen in neuer Gestalt wieder." (&amp;Uuml;ber den 'Au&amp;szlig;enseiter der Theorie' Siegfried Kracauer.)&lt;br /&gt;&amp;#10;Es geht in "&amp;Ouml;ffentliche Intimit&amp;auml;t" zwar auch um Siegfried Kracauers "Theorie des Films" - und in einer Weise, wie man es noch nie geh&amp;ouml;rt hat -, aber Kracauer ist hier eher 'Mittler' (oder 'Passeur' in Serge Daneys Sinn): um sich von dem, was heute Philosophie und Theorie hei&amp;szlig;t, abzukehren und die Kinoerfahrung vom Dunkel ins Licht der Erkenntnis zu heben. "Das Dunkel ist das vielleicht am wenigsten beachtete Moment des Kinos ..." (S. 113) Die Verstrickung in die Philosophie bleibt nat&amp;uuml;rlich bestehen (die Autorin kann ihre Lebensgeschichte nicht einfach ablegen oder negieren) - aber es geht, bekenntnishaft und durch geschichtlichen Aufriss, vor allem auch darum, zu sehen, was durch sie verhindert worden ist. Schreibend 'zu sehen', am 'Leitfaden des Leibes' und am 'Leitfaden der Liebe' (in einem gegen&amp;uuml;ber fr&amp;uuml;her vielleicht gel&amp;auml;uterteren Schreiben). &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Tats&amp;auml;chlich ist bislang die 'Faszination des Kinos', die ja (trotz neuer Medien) bis heute anh&amp;auml;lt, zwar 'deklariert' worden und doch einigerma&amp;szlig;en unerkl&amp;auml;rt geblieben. Es gab und gibt diejenigen, die vom 'Virus' befallen sind, und die 'sich erkennen' (wie wenn sie einem losen Geheimbund angeh&amp;ouml;rten) - was nicht zuletzt daher r&amp;uuml;hren k&amp;ouml;nnte, dass ihre Leidenschaft einen unerkl&amp;auml;rten oder verschwiegenen Kern hat. In Heide Schl&amp;uuml;pmanns Buch wird dieser 'Kern' ber&amp;uuml;hrt und in einen geistes- und lebensgeschichtlichen Zusammenhang gestellt, den ich hier nur andeuten kann. Der Regress in die philosophische Intimit&amp;auml;t - die im 19. Jahrhundert angesichts von Positivismus und Zersplitterung in Einzelwissenschaften notwendig war, um Wahrnehmung, Verstand und Geist zu bewahren - ist heute verloren: Schl&amp;uuml;pmanns Rettungsversuch besteht eben darin, dieses 'Verlorene' (&amp;uuml;ber die "Theorie des Films" hinweg) in einer andern Art von Regress - in der "&amp;ouml;ffentlichen Intimit&amp;auml;t" des Kinos - wiederzufinden und zu behaupten. &lt;br /&gt;&amp;#10;Was mir das Buch sofort sympathisch machte, war der Affekt gegen die Macht der Wissenschaft und ihren Anteil am "Grauen der Fortschrittsgeschichte". Der Film selbst hat ja auch wissenschaftliche Urspr&amp;uuml;nge, aber, sagt Schl&amp;uuml;pmann, "das Kino entsteht aus der Entfernung des Films von den Wissenschaften." (S. 84) F&amp;uuml;r sie rettet das Kino - d.h. das Dunkel, in der die Projektion geschieht - das Affektive - also genau das, was von der wissenschaftlichen Haltung ausgeschlossen oder 'neutralisiert' wird. "... die Einheit des Subjekts des Wissenschaftlers ist durch die Affektion, die die aufgenommene Wirklichkeit in der Projektion hervorruft, bedroht." (S. 81) Das gilt ebenso f&amp;uuml;r eine philosophische und theoretische Haltung, die mit dem Kino auch die Wirklichkeit von sich fernh&amp;auml;lt, sich im Geh&amp;auml;use einer abstrakten, k&amp;ouml;rperlosen Begrifflichkeit einsperrt und verliert.&lt;br /&gt;&amp;#10;"Die Theorie mag ja mit dem Wissen um den Tod zu tun haben. Aber vielleicht doch so, dass es auf halbem Wege stehen bleibt, nicht einverleibt wird. Die Sterblichkeit denkt und f&amp;uuml;hlt dann nicht mit. Sie wird nicht zu einem Moment unserer Wahrnehmung der Welt. In die Welt wie ins Kino gehen: in das Dunkel der Verg&amp;auml;nglichkeit. Das uns erwischt im Weinen. Die dumme Theorie, dumm aus &amp;Uuml;berheblichkeit, die der Angst entstammt. Weisheit, in der wir uns der k&amp;ouml;rperlichen Reaktionen, des Lachens, des Weinens entheben, die allein uns doch retten." (S. 125)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Wie ein roter Faden zieht sich dann ein Begriff durch das Buch, der auch auf einer 'R&amp;uuml;ckf&amp;uuml;hrung' beruht: es geht nicht um die Theorie, sondern um die &lt;i&gt;Theoria&lt;/i&gt; - um das Schauen und die Schau im antiken Sinn. Davon hat ebenfalls der schweizer Schriftsteller Ludwig Hohl etwas gewusst, wenn er in 'Bild', dem zw&amp;ouml;lften Teil seiner "Notizen", schreibt: "&lt;i&gt;Schauen ist tats&amp;auml;chlich alles, Wissen geht immer fehl&lt;/i&gt; (das hei&amp;szlig;t das Wissen, das dauern will; das &lt;i&gt;h&amp;ouml;chste&lt;/i&gt; Wissen kann nur einen Moment bestehen, eben den Moment, da es entsteht, im Schauen enthalten ist)." Dieses Schauen meint also eine Bewegung, die nicht nur in einem rein &amp;auml;u&amp;szlig;erlichen (akkumulierenden) Sehen aufgeht, sondern sinnvolle und sinnhafte Verbindung von innen und au&amp;szlig;en ist - auch innere Schau sein kann.&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf die Kinematographie bezogen - das Licht der Projektion, das Dunkel des Kinos - ist dann im Hinblick auf das Aufgenommene und Wiedergegebene sinnvoll, von "einer immensen Dunkelzone der Wirklichkeit" zu reden. Das, was der Filmemacher in seinen Film aufnimmt, "f&amp;uuml;hrt .... einen Bruch in der Wirklichkeit herbei" - die Wirklichkeit des Films und die filmische Wirklichkeit ist "Fragment durch und durch" (S. 116). "Der Film, wie sehr er &amp;auml;u&amp;szlig;ere Wirklichkeit aufnimmt, hat seine Bedeutung f&amp;uuml;r das Leben der Menschheit darin, dass dieses Aufgenommene auf die Wirklichkeit im Dunklen, die sich nicht aufnehmen l&amp;auml;sst, verweist." (S. 117)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Interessant ist auch das Schlusskapitel, 'Kinematographie in der Wissenschaftsinstitution', dem nicht umsonst dieses Motto vorangestellt ist: "Kinema, griech.: Bewegung, Ersch&amp;uuml;tterung; &amp;uuml;bertr.: innere Aufregung, Aufruhr." Eine Setzung, die auch eine Entgegensetzung ist. &lt;br /&gt;&amp;#10;Es werden Weichenstellungen beschrieben: die Humboldtsche Universit&amp;auml;t, die das 20. Jahrhundert &amp;uuml;berdauerte, hat unter dem Signum der b&amp;uuml;rgerlichen Kultur die Auswirkungen der Massenkultur abgewehrt. ("Das Kino markiert wie kein anderes Kulturph&amp;auml;nomen den Anfang der Massenkultur." S. 143) Dazu hat auch die Kritische Theorie nach ihrer R&amp;uuml;ckkehr aus dem Exil beigetragen: Ihre Abwehr galt jedoch mehr der "kulturindustriellen Entm&amp;uuml;ndigung", also "einer in Kulturindustrie umgeschlagenen Massenkultur". (S. 145) Die heutige Verabschiedung der Humboldtschen Universit&amp;auml;t (und damit der Einheit von Forschung und Lehre) geschieht nicht im Kontext der Massenkultur (obwohl es ja die 'Massenuni' gibt), sondern eher kulturindustriell - die 'Medienwissenschaft' hat die zarten Versuche einer Filmlehre und -forschung schnell &amp;uuml;berholt. "Seit l&amp;auml;ngerem schon hat sich die Wissenschaft aus dem Verbund von Forschung und Lehre herausgel&amp;ouml;st, wird als Erwerb und Anh&amp;auml;ufung von Wissen verstanden und als oberstes Gebot jenen vorangesetzt. In dieser Dynamik bildet Wissenschaft jedoch eine Einheit mit dem Erwerb und der Akkumulation von Kapital, bevor sie &amp;uuml;berhaupt offiziell auf die Wirtschaft eingeschworen wird. Dieser Einheit sehen sich heute die Lehrenden und Studierenden subsumiert." (S. 145/6)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Kracauer selbst wird "errettet", weil er an einem "Naturrest" festgehalten hat - mit seiner Au&amp;szlig;enseiterposition Obdach im Kino fand. Dieser "Naturrest" wird bei Schl&amp;uuml;pmann, wenn ich recht verstanden habe, dem "Nicht-Menschlichen" zugeschlagen (was gewiss etwas anderes ist als das Un-Menschliche, das ja sehr viel mit geistiger Vermessenheit zu tun hat). Ich w&amp;uuml;rde an dieser Stelle (mit dem schweizer Philosophen Hans F. Geyer) lieber die Kategorien "Geschichtsnatur des Menschen" und "Naturgeschichte" einsetzen - auf letzterer, die sehr viel langsamer vor sich geht, gipfelt sich der menschliche Geist so auf, dass der R&amp;uuml;ckbezug (der schon physiologisch, &amp;uuml;ber den eigenen K&amp;ouml;rper gegeben ist) in Vergessenheit ger&amp;auml;t oder negiert wird.&lt;br /&gt;&amp;#10;Vor allem im hinteren Teil des Buches gibt es einige Begriffs-Oppositionen (oder Komplementarit&amp;auml;ten), die, glaube ich, Sinn machen. Schl&amp;uuml;pmann insistiert auf dem 'alten Affekt' der Liebe zur Wahrnehmung und zum Wahrgenommenen (den noch Adorno pflegte) - aber es gibt f&amp;uuml;r sie, "jenseits des Spiegels und der Spiegelungen", auch das Nicht-zu-Liebende am Kino. Dieses hervorzutreiben habe die Avantgarde als ihre Aufgabe angenommen - und darin habe sie einen (verstellten) Bezug zum fr&amp;uuml;hen Kino. Es gebe da eine Leerstelle, die produktiv zu machen sei, ein utopisches Potential, das nur &amp;uuml;ber die Kultur der Massen (die Vorstellung des Publikums von einem menschlichen Leben) zu aktivieren sei - und diese Leerstelle m&amp;uuml;sse offengehalten werden, d&amp;uuml;rfe nicht &amp;uuml;berspielt werden durch spektakul&amp;auml;ren Einsatz von Technik. (Von daher komme Kracauers Misstrauen gegen&amp;uuml;ber der 'Formtendenz', schon bei M&amp;eacute;li&amp;egrave;s.) &lt;br /&gt;&amp;#10;"Wer zur Menschheit dazugeh&amp;ouml;ren will, muss sich an der Reproduktion westlicher Kulturg&amp;uuml;ter, an ihrer Mediatisierung, beteiligen. Dieser Tendenz entzieht sich ein Umgang mit dem Film, indem er weder Kulturg&amp;uuml;ter vermittelt noch selber eines wird, sondern sich in der Schaulust des Kinos der &lt;i&gt;Theoria&lt;/i&gt; bewusst wird." (S. 154)&lt;br /&gt;&amp;#10;"Das Kino hat die Vereinzelten, der Leere Ausgesetzten, noch einmal im Zeichen einer Liebe zur Wahrnehmung versammelt. Es tritt darin durchaus die Nachfolge der Philosophie an, einer entsublimierten Philosophie ...." (S. 158)&lt;br /&gt;&amp;#10;"Erst wenn das Publikum sich eine andere Kultur vorstellen kann, gewinnt die Leerstelle f&amp;uuml;r es Bedeutung. Um diese Vorstellung bilden zu k&amp;ouml;nnen, setzen sie sich der Leere aus, verweilen sie bei ihr. Diese Bildung kommt aus den Kr&amp;auml;ften, die auch die Tr&amp;auml;ume hervorbringen, sie kommt nicht aus dem Bewusstsein. Das fr&amp;uuml;he Kino hat ein starkes utopisches Potential ..." (S. 161)&lt;br /&gt;&amp;#10;"Bei der Leere verweilen fordert wieder die M&amp;ouml;glichkeiten heraus, die im Unbewussten liegen. M&amp;ouml;glichkeiten, von deren Verwirklichung wir uns abgeschnitten f&amp;uuml;hlen ...." (S. 166)&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Man wird vielleicht bemerkt haben, wie schwierig es ist - &amp;uuml;ber '68 hinaus -, an etwas festzuhalten, was noch Z&amp;uuml;ge des Emanzipatorischen tr&amp;auml;gt. Die Hypostasierung des Kinos, die in Heide Schl&amp;uuml;pmanns Texten evident ist, ist wohl eine Auswirkung dieser Schwierigkeit - andrerseits ist eine solche Vereinseitigung v&amp;ouml;llig gerechtfertigt, weil gerade so und nicht anders eine Wahrheit aufscheinen kann. (Die Hypostase selbst - wie etwa auch bei der Musik - verweist ja darauf, dass an etwas Rettendem, Dahinter-, Darunterliegendem, festgehalten werden soll.) &lt;br /&gt;&amp;#10;Wirklicher Progress kann sich heute, scheint mir, nur noch in einem R&amp;uuml;ckgriff &amp;auml;u&amp;szlig;ern auf ein Davor - als Hinwendung zu dem Punkt oder Ort, wo noch etwas anderes m&amp;ouml;glich war und dann verstellt worden ist. (Allerdings k&amp;ouml;nnte man ja sagen, das utopische Potential des fr&amp;uuml;hen Films, von dem Schl&amp;uuml;pmann spricht, sei ausgesch&amp;ouml;pft worden - als &lt;i&gt;eine&lt;/i&gt; M&amp;ouml;glichkeit, die eben auch drin lag.) Es gibt jedoch, wie Bernd Nitzschke sagt, nicht nur die pathologische Regression, sondern auch die sch&amp;ouml;pferische - in Frankreich etwa hat der 'unterirdische' Bezug auf Charles P&amp;eacute;guy (der im 1. Weltkrieg gefallen ist) Kr&amp;auml;fte des Beharrens und Ausharrens freigesetzt, die weiterwirken. (Durch Huillet &amp;amp; Straub zum Beispiel, auch durch Rivette u.a.) Die Frage ist also, auf wie 'verlorenem Posten' der Regress steht - ob noch etwas auszurichten ist damit. Ob er nicht - in der Vergegenw&amp;auml;rtigung, Sondierung dessen, was ist - notwendigerweise in die 'leibliche Geste' eingeht, also ganz einfach lebensnotwendig ist.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 25 Mar 2006 16:47:49 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>pburg</dc:creator>
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      <description>Ja, gerade irgendwie dran erinnert wo die L&amp;ouml;sung steht:&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;a href="http://elektrosmog.antville.org/stories/1261853/" title="http://elektrosmog.antville.org/stories/1261853/"&gt;elektrosmog.antville.org&lt;/a&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Tue, 17 Jan 2006 22:56:58 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>Mama</dc:creator>
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      <description>just in case: unter safari funktiniert das hier einwandfrei.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sun, 08 Jan 2006 18:38:50 GMT</pubDate>
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      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/#1299215</link>
      <description>oh, danke f&amp;uuml;r den hinweis. &lt;br /&gt;&amp;#10;ich versuche, mich drum zu k&amp;uuml;mmern.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sun, 08 Jan 2006 17:31:23 GMT</pubDate>
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      <dc:date>2006-01-08T17:31:23Z</dc:date>
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    <item>
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      <description>OT: Das Layout scheint unter Firefox 1.5 (unter WinXP Home) v&amp;ouml;llig zerschossen. Bei mir zumindest. Im IE gehts.&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 07 Jan 2006 14:09:46 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/#1298564</guid>
      <dc:creator>Mama</dc:creator>
      <dc:date>2006-01-07T14:09:46Z</dc:date>
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    <item>
      <title>Zwangsverhalten: Zu Hong Sang-soos "Tale of Cinema" (Südkorea 2005)</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/</link>
      <description>&lt;p&gt;Hong Sang-soos Filme sind flach. An der Oberfl&amp;auml;che: Licht, Bildaufbau, Stellung der Figuren im Raum. Und in ihrer Tiefe, denn kaum glaubt man, hineingelangt zu sein, rutscht man ab und steht wieder da, wo man war: vor einer Oberfl&amp;auml;che, an der sich Gedanken und Geschichten zu R&amp;auml;tselkristallen formen, die fremd bleiben. Man wird nicht recht schlau aus alledem und treffender l&amp;auml;sst es sich nicht ausdr&amp;uuml;cken als Hong es seinen Ich-Erz&amp;auml;hler ganz am Ende von "Tale of Cinema" sagen l&amp;auml;sst: "Ich muss denken". Hongs Filme zwingen einen allerdings, da muss man genau sein, weniger dazu zu denken, als sie einen in diesen Gedanken hineindr&amp;auml;ngen, dieses "Ich muss denken", das nirgendwohin f&amp;uuml;hrt, jedenfalls nicht in eine Tiefe, die dann erkl&amp;auml;rte oder plausibel machte, was man an der Oberfl&amp;auml;che sieht. Die R&amp;auml;tselkristalle sind stets mehr Kristall als R&amp;auml;tsel, sie weisen den Blick ab, der sie umfassen m&amp;ouml;chte, sie erschlie&amp;szlig;en sich nicht einer L&amp;ouml;sung, aber sie haben eine merkw&amp;uuml;rdige Attraktivit&amp;auml;t, die Attraktivit&amp;auml;t des Sich-Entziehenden, die mit der Anziehungskraft der Figuren rein gar nichts zu tun hat. Denn unertr&amp;auml;glichere Protagonisten gibt es kaum im Kino der Gegenwart als die m&amp;auml;nnlichen Helden bei Hong mit ihrer latenten Aggressivit&amp;auml;t, der Kleinlichkeit ihres Scheiterns und der Unf&amp;auml;higkeit, in Frauen etwas anderes zu sehen als das, was sie projizieren. Genauer gesagt sehen sie noch nicht einmal ihre Projektionen: sie projizieren nur, aber ins Leere, sie bleiben im eigenen, unbegriffenen Narzissmus echolos befangen.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Hong Sang-soo ist ein Strukturalist, aber kein Formalist. Das strukturelle Prinzip seiner Filme ist eine Streuung und Ausstreuung von Motiven, Spiegelungen und Wiederholungen in der Fl&amp;auml;che. Man muss h&amp;ouml;llisch Acht geben aufs Detail, da Signale oft untermarkiert sind (wenn auch keineswegs immer); aber dass man sie erkennt, hei&amp;szlig;t nicht, dass man sie lesen kann. Sie entziehen sich vielmehr der Lesbarkeit ins Strukturelle. Und die Struktur selbst bleibt unlesbar, da sie nicht die Regularit&amp;auml;t einer Form gewinnt, sondern einer beliebigen Streuung gehorcht, eher dem Schein nach als prinzipiell geordnet durch die Zweiteilung und Spiegelung der Narration; was Grund-Struktur scheint, ist viel eher Form als&lt;i&gt; trompe-l'oeil&lt;/i&gt;, ein Anhalt, der einem unter dem Denken zerf&amp;auml;llt. Die Streuung der Motive auf der flachen Oberfl&amp;auml;che f&amp;uuml;hrt so zur Flucht nicht des Gedankens, sondern des Denkens: "Ich muss denken", aber ich wei&amp;szlig; nicht was. Es f&amp;uuml;hrt nirgendwohin, auf keinen Grund, immer nur weiter. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Es ist schwer, einem, der sie nicht kennt, einen Eindruck von Hongs Filmen zu vermitteln. Eine (seltsame) Vertracktheit und eine (seltsame) Kunstlosigkeit gehen hier in eins. Die entschiedene Verneinung realistischer Konzepte wird konsequent unterspielt; man k&amp;ouml;nnte auch Menschen sehen und nichts weiter, die an Tischen sitzen und sich betrinken, die auf Stra&amp;szlig;en spazieren und reden, die in Hotelzimmer gehen und miteinander schlafen. Und wenn Menschen sich umbringen wollen (wie im Film-im-Film in "Tale of Cinema") oder wenn sie im Sterben liegen (wie in der zweiten H&amp;auml;lfte der Regisseur des Films-im-Film in "Tale of Cinema"), dann &amp;auml;ndert Hong kein bisschen seine lakonische Art, die Kamera in den Raum zu stellen und die Szene als Plansequenz zu drehen und sie, einfach so, nicht mittendrin, aber auch nicht in einem besonderen Moment, zu beenden, mit einem Schnitt, aus dem geschlossenen Raum hinaus auf die Stra&amp;szlig;e, von der Stra&amp;szlig;e hinein in den geschlossenen Raum. (Von den Zooms wird noch zu sprechen sein.) An den Dialogen, sagt Hong, feilt er lange, aber auch hier geht es nicht um Pointierungen, eher um die subtile Verankerung der latenten Aggressivit&amp;auml;t, die alles durchzieht, im Wort. Die Worte, die gewechselt werden, sind durchzogen wie die so lakonisch gebauten Bilder von dieser latenten Aggressivit&amp;auml;t.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Dazu kommt eine gro&amp;szlig;e Armut der Motive, ein hoher Grad an Repetition. Es w&amp;auml;re nicht ganz verkehrt, auf dieser abstrakten Ebene eine Analogie zu den Filmen Ozus zu sehen, die sich freilich v&amp;ouml;llig anders anf&amp;uuml;hlen, die v&amp;ouml;llig anders gearbeitet sind. Aber sie sind &amp;auml;hnlich verschlossen und &amp;auml;hnlich oberfl&amp;auml;chlich. Bei Ozu geht es um V&amp;auml;ter (und M&amp;uuml;tter) und T&amp;ouml;chter (und S&amp;ouml;hne), um das Ungl&amp;uuml;ck, das darin besteht, dass sie sich trennen m&amp;uuml;ssen &amp;#8211; auch wenn sie nicht wollen, dass das Sich-Nicht-Trennen-Wollen keine Option ist -, dass die T&amp;ouml;chter (oder S&amp;ouml;hne) aus dem Haus gehen und dass daraus folgt &amp;#8211; und das ist die eigentliche Trag&amp;ouml;die -, dass die Eltern alleine zur&amp;uuml;ck bleiben im Haus. In Hongs Filmen gibt es kein Zuhause, auch keinen Wunsch, in ein Zuhause zur&amp;uuml;ckzukehren und die Familie im Film-im-Film in "Tale of Cinema" ist schlicht und einfach grotesk (aber ihr Auftreten allein macht die Frage schon virulent, ob der Film-im-Film ein Hong-Film ist). &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Bei Hong geht es um M&amp;auml;nner, die als K&amp;uuml;nstler scheitern und gegen die Frauen, die sie lieben wollen, sich aggressiv verhalten. M&amp;auml;nner, denen die Schlie&amp;szlig;ung ihrer Projektion nicht recht gelingt. Sie bewegen sich, ungelenk, aber st&amp;uuml;rmisch meist, hinein in die Projektion, sie wollen ein Werk, sie wollen eine Frau, aber sie bleiben stecken, sie tun das Falsche und dass sie sich betrinken und als Betrunkene noch unertr&amp;auml;glicher werden, ist nicht die Ursache, sondern nur der Ausdruck dieses Ungl&amp;uuml;cks. Die j&amp;auml;mmerlichen M&amp;auml;nner bei Hong wissen, dass sie wollen, aber wenn sie diesem Wollen erst einmal Ausdruck gegeben haben, merken sie (oder sp&amp;uuml;ren sie), dass sie nicht wissen, was sie wollen. Dann zaudern sie, dann k&amp;ouml;nnen sie nicht, dann verdr&amp;uuml;cken sie sich. Es ist im Grunde derselbe Impetus, der hinter dem "Ich muss denken" und dem "Ich muss wollen" steht. Der doppelte Impetus macht diese M&amp;auml;nner zu M&amp;ouml;chtegern-K&amp;uuml;nstlern und M&amp;ouml;chtegern-Liebenden. Aber dann wollen sie nicht, dann denken sie nicht, weil ihre F&amp;auml;higkeit, einen Gegenstand (ein Werk, eine Frau) zu wollen und zu denken, nicht hinreicht. Es ist nicht so sehr der Fall, dass sie zu intellektuell w&amp;auml;ren, dass ihrem Handeln das Denken als Skepsis oder handlungshemmende Reflexion in die Quere k&amp;auml;men. Vielmehr ist jedes m&amp;ouml;gliche Denken von etwas, jedes m&amp;ouml;gliche Wollen, das &amp;uuml;ber das schiere, leere Begehren hinausgeht, immer schon blockiert. (Das Ende von "Tale of Cinema" ist deshalb als totale Kapitulation zu begreifen, als ein Verharren im Elend. Das Wollen des Denkens f&amp;uuml;hrt nur in die Wiederholung des Missgl&amp;uuml;ckens.) &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Auf den ersten Blick passt "Tale of Cinema" in die Serie der bisherigen Filme. Das gewohnte Spiel mit den vermeintlich glatten Gang der Narration zerrei&amp;szlig;enden Irritationen findet statt. Das Theaterst&amp;uuml;ck, das man (im Film-im-Film) sieht, bekommt einen anderen Sinn als den diegetischen (der Held wartet, bevor er sich mit der Frau trifft, auf die er sein Lieben-Wollen gerichtet hat) in dem Moment, in dem der Held die Worte einer der Figuren wiederholt: Mutter, Mutter. Es wird hier der Eintrag einer kleinen, aber massiven Irritation erst verst&amp;auml;ndlich: Auf der B&amp;uuml;hne spricht die Figur der Mutter n&amp;auml;mlich von ihrem Sohn, obwohl es sich offensichtlich um ihre Tochter handelt. Vortr&amp;auml;glich &amp;#8211; und mit Mut zum Unverst&amp;auml;ndlichen - hat Hong den Konflikt des Sohnes mit der Mutter schon eingetragen. Zwischen unverst&amp;auml;ndlichem/unauff&amp;auml;lligem Vortrag und sinnver&amp;auml;nderndem Nachtrag inszeniert Hong sein Spiel um Aufsch&amp;uuml;be und Suspensionen. Die Momente, in denen Irritationen als Wiederholungen miteinander und aufeinander reagieren, haben freilich nichts Erl&amp;ouml;sendes und L&amp;ouml;sendes. Sie bleiben mehr oder minder blinder Verweis, der auf weitere Nachtr&amp;auml;ge wartet, die wiederum nichts l&amp;ouml;sen, selbst da, wo sie nicht ausbleiben.&lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Und wie oft bei Hong findet sich auch in "Tale of Cinema" die Installation einer Z&amp;auml;sur, die solche Spiegelungen und Verdopplungen nachdr&amp;uuml;cklich hervortreibt. Wieder finden sich Gegenst&amp;auml;nde, Orte, Personen des ersten Teils im zweiten aufgegriffen, gelegentlich mit genau dem Willen zur Untermarkierung, der das bisherige Werk pr&amp;auml;gt. Diesmal aber ist bei genauerer Betrachtung alles ganz anders. Zu tun hat es mit Markierungen. Erstmals n&amp;auml;mlich markiert Hong den Repetitionsscharakter, thematisiert ihn als Verh&amp;auml;ltnis von Kino und Leben und Kino. Der Film, den wir sehen, vierzig Minuten lang, ohne zu wissen, dass es (im Film) nur ein Film ist, wird als die gestohlene Geschichte des Mannes pr&amp;auml;sentiert - nachtr&amp;auml;glich, mit einer Nachtr&amp;auml;glichkeit, die alles (wom&amp;ouml;glich) in ein anderes Licht stellt. Vor allem aber setzt sie die Wiederholung ausdr&amp;uuml;cklich, wenngleich sanft ironisch, unters Vorzeichen eines thematisierten Wiederholungszwangs. Die typische Bewegung beim Sehen eines Hong-Films &amp;#8211; man liest, irritiert durch ein Detail, eine Wiederaufnahme, eine Wiederholung, den Film neu; man liest bestimmte Stellen, die man zuvor gesehen hat, anders, n&amp;auml;mlich als Antizipationen der Wiederholung -, diese typische Bewegung wird hier aktiv ausgestellt, etwa im Fetisch-Gegenstand "Marlboro Reds", den Zigaretten, die im Film-im-Film der Held in einem Laden kaufen will, die im Film dem Helden, der sie raucht, als Beleg daf&amp;uuml;r dienen, dass der Regisseur seine  Geschichte gestohlen hat. Fetischisiert werden diese Gegenst&amp;auml;nde nicht im &amp;uuml;blichen Sinne. Nicht sie selbst werden mit Begehren aufgeladen, sondern ein ungezieltes Begehren, das zwischen der Vor- und Nachtr&amp;auml;glichkeit ihres Auftauchens oszilliert, macht sich f&amp;uuml;r den Moment fest am nichtsdestoweniger beliebigen Gegenstand. Das Problem der Verschiebung und L&amp;ouml;sung des Begehrens vom eigentlichen Gegenstand, die Aufladung eines anderen an seiner Stelle, ist nicht die Struktur des Problems der Hongschen Helden. Sie sind zur Liebe (zum Wollen und Begehren von etwas, einem Begehren, das &amp;uuml;ber das blo&amp;szlig;e Wollen und Begehren hinausgeht), und damit eben auch zur verschobenen Bewegung der Aufladung unf&amp;auml;hig. &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Nun aber die Zooms. Mit "Tale of Cinema" bricht Hong den seriellen Charakter seines Werks &amp;#8211; oder vielmehr l&amp;auml;sst er ins stete Sich-Wiederholen des Vertrauten ein fremdes Element einbrechen. (Vielleicht nicht ganz un&amp;auml;hnlich der Art, wie Tsai Ming-liang in seinem letzten Film "The Wayward Cloud", Musicalbuntheit in seinen ganz anders gearteten Stil einbrechen l&amp;auml;sst.) Die unauff&amp;auml;llige Plansequenz mit tendenziell statischer Kamera wird v&amp;ouml;llig unerwartet irritiert durch Zooms, die durch den Raum fuhrwerken, ihn beschneiden, Gesichter aus ihrem Zusammenhang nehmen, um sie dann, im R&amp;uuml;ckzoom, wieder in einen (damit aber anderen, aufgebrochenen) Raum-Bild-Zusammenhang zur&amp;uuml;ckzuf&amp;uuml;hren. Die Zooms sind, wie die Markierung der Wiederholungen als Wiederholungszwang, ein Ausbruch aus der Unauff&amp;auml;lligkeit, der (seltsamen) Kunstlosigkeit von Hongs Kino. Sie scheinen, um das mindeste zu sagen, nicht notwendig, fungieren als Irritationen, sie f&amp;uuml;gen sich nicht zwanglos ein in den Stil, der vorherrscht. Sie sind nicht elegant, oft eher ungelenk &amp;#8211; und sie sind das ohne Zweifel mit Absicht. Sie sind Unterstreichungen in einem Stil, der bisher &amp;#8211; und im Grunde noch immer &amp;#8211; vom oft schockierenden Weglassen von Unterstreichungsgesten lebt, etwa im beinahe unvermerkten &amp;Uuml;bergang vom Film-im-Film zum eigentlichen Film. (Klar erkennbar nur im Wechsel der Musik von der Seite der Non-Diegese auf die Seite der Diegese.) &lt;br /&gt;&amp;#10;&lt;br /&gt;&amp;#10;Die Zooms sind aber Unterstreichungen, bei denen unklar bleibt, warum sie unterstreichen, was sie unterstreichen. Den Gesichtern, auf die gezoomt wird, ist wenig Expressives abzulesen. &amp;Uuml;ber die Figuren im Raum erh&amp;auml;lt man kaum zus&amp;auml;tzliche Informationen. Die fortw&amp;auml;hrende Zeigegeste des Zooms zeigt ins Leere wie das Wollen und Denken der Figuren. Dem "Ich muss wollen" und dem "Ich muss denken" gesellt sich ein "Ich muss zoomen". Ein Zwangsverhalten im Grunde. Damit w&amp;auml;re "Tale of Cinema" der pathologischste von Hongs Filmen. Die vermeintlichen Symmetrien, die sich der Mittelz&amp;auml;sur verdankten, waren bisher durchaus als Eindringen eines Wiederholungszwangs in die Struktur lesbar (und eher noch f&amp;uuml;hlbar) &amp;#8211; aber doch ins &lt;i&gt;trompe-l'oeil&lt;/i&gt;, den Schein einer Form hineingeb&amp;auml;ndigt. Der Zoom (und &amp;auml;hnlich der Voiceover-Kommentar) in "Tale of Cinema" sind von in keine Form mehr zu b&amp;auml;ndigender Zwanghaftigkeit. Sie f&amp;uuml;hren nirgendwohin, sie sind (falsche) Bewegung um der Bewegung willen. Was in ihnen sich Bahn zu brechen scheint, ist die Attacke auf die eigene Kunst, eine mutwillige Besch&amp;auml;digung der Bilder, als w&amp;auml;ren sie noch immer zu sch&amp;ouml;n gewesen. Diese Zooms sind nicht der Versuch einer Rehabilitation des Zoomens; sie sind absichtliche Zerst&amp;ouml;rung von Unauff&amp;auml;lligkeit. Bisher handelte Hongs Kino in zum Schein wenigstens "sch&amp;ouml;ner", symmetrischer, reizvoller Form von besch&amp;auml;digten Menschen. Mit "Tale of Cinema" ist es nun zum besch&amp;auml;digten Kino geworden, hat jener autoagressive Narzissmus auch strukturell die &amp;Uuml;berhand gewonnen, der bislang vor allem seine m&amp;auml;nnlichen Helden befiel.&lt;/p&gt;&amp;#10;</description>
      <pubDate>Sat, 07 Jan 2006 10:26:46 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1298428/</guid>
      <dc:creator>knoerer</dc:creator>
      <dc:date>2006-01-07T10:26:46Z</dc:date>
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