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    <title>new filmkritik für lange texte</title>
    <link>http://filmkritik.antville.org/</link>
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    <language>de-DE</language>
    <pubDate>Sat, 06 Sep 2008 06:01:34 GMT</pubDate>
    <dc:date>2008-09-06T06:01:34Z</dc:date>
    <dc:language>de-DE</dc:language>
    <item>
      <title>Danièle Huillet – Erinnerungen, Begegnungen</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1504543/</link>
      <description>&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-01.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;NICHT VERS&amp;Ouml;HNT (1965)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;

&lt;b&gt;Jean-Marie Straub&lt;/b&gt; &amp;#8211; Dani&amp;egrave;le und ich sind uns im November 1954 in Paris begegnet &amp;#8211; wir erinnern uns gut daran, weil das der Beginn der algerischen Revolution war. Ich war mehrmals per Autostop nach Paris gekommen, um Filme zu sehen, die es bei uns nicht gab, LOS OLVIDADOS von Bu&amp;ntilde;uel, THE QUIET MAN von Ford, THE RIVER von Renoir, LE JOURNAL D'UN CUR&amp;Eacute; DE CAMPAGNE von Bresson. [ ... ] In Strasbourg und in Nancy habe ich je ein Jahr Literatur studiert. Aber in Paris habe ich gar nichts gemacht, ich bin ein wenig an die Sorbonne und ins Lyc&amp;eacute;e Voltaire gegangen, in die Vorbereitungsklasse f&amp;uuml;r das IDHEC, wo ich Dani&amp;egrave;le begegnet bin. Ich kam vom Filmfestival in Venedig zur&amp;uuml;ck und berichtete dar&amp;uuml;ber f&amp;uuml;r Zeitungen, die es damals gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wie haben Sie die Leute der &lt;/i&gt;Cahiers du cin&amp;eacute;ma&lt;i&gt; kennengelernt?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Cin&amp;eacute;math&amp;egrave;que, Avenue de Messine. Ich habe sie in meinen Filmclub in Metz eingeladen: Truffaut, Doniol und Bazin, der zweimal gekommen ist, um FARREBIQUE und LE JOURNAL D'UN CUR&amp;Eacute; DE CAMPAGNE vorzustellen. Ich habe Godard, Rohmer und vor allem Rivette kennengelernt. Bei dessen erstem Kurzfilm, LE COUP DU BERGER, habe ich ein wenig mitgearbeitet &amp;#8211; ich habe einen Dolly die Treppen in Chabrols Haus hochgetragen, und mich im Abspann als &amp;#8222;Regieassistent&amp;#8220; wiedergefunden. Mit Chabrol habe ich mich &amp;uuml;ber Witzeleien gut verstanden. Einmal habe ich spa&amp;szlig;eshalber so dahingesagt: &amp;#8222;Die Zeit und der Raum &amp;#8211; das ist dasselbe f&amp;uuml;r jemanden, der Filme macht&amp;#8220; &amp;#8211; und Chabrol hat geantwortet: &amp;#8222;Voil&amp;agrave;, da ist einer, der eine gro&amp;szlig;e Zukunft hat!&amp;#8220; [&lt;i&gt;Lachen&lt;/i&gt;] ... Bevor ich mich zum Weggehen entschlossen habe, 1958, hatte ich einen Brief von Rivette in der Tasche, in dem er mich freundlich aufforderte, ihm bei PARIS NOUS APPARTIENT zu assistieren. Ich habe ihm geantwortet: &amp;#8222;Ich bin in Deutschland, wenn ich wiederk&amp;auml;me, w&amp;uuml;rde ich im Gef&amp;auml;ngnis landen. Ich werde nicht da sein.&amp;#8220; Ich bin weggegangen, weil ich algerische Freunde hatte, und als die erste Granate explodiert ist in Algerien 1954, dachte ich, da&amp;szlig; die Algerier recht h&amp;auml;tten. Und dann hatte ich franz&amp;ouml;sische Bekannte, die von dort mit h&amp;auml;ngenden K&amp;ouml;pfen wiederkehrten und schwiegen, und &amp;uuml;ber die man sechs Monate sp&amp;auml;ter erfuhr, da&amp;szlig; sie bei Folterungen mitmachen mu&amp;szlig;ten &amp;#8211; oder auch nicht mitmachten ... Au&amp;szlig;erdem, wenn ich nicht aus Frankreich weggegangen w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte Dani&amp;egrave;le sich von mir abgewandt. Ich hatte keine Wahl &amp;#8211; erstmal der &amp;Uuml;berzeugung wegen, dann der Liebe wegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Und f&amp;uuml;r Sie, wann ist f&amp;uuml;r Sie der Wunsch entstanden, Filme zu machen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Dani&amp;egrave;le Huillet&lt;/b&gt; &amp;#8211; Ich, ich wollte Dokumentarfilme in Afrika machen. Ich h&amp;auml;tte also nicht ihm begegnen sollen, sondern Jean Rouch [&lt;i&gt;Lachen&lt;/i&gt;] ... Also habe ich mich am IDHEC eingeschrieben, weil ich wu&amp;szlig;te, da&amp;szlig; man, wenn man nicht zu einer gewissen Kaste von Filmleuten geh&amp;ouml;rte, beim IDHEC Zeit gewinnen konnte. Die Periode, wo man einfach so beim Kinofilm einsteigen konnte, war vorbei. Aber bei der Bewerbung mu&amp;szlig;te man einen Film von Yves All&amp;eacute;gret, MAN&amp;Egrave;GES, analysieren: ich habe ein Blatt abgegeben, auf das ich ganz einfach geschrieben habe, ob man uns ver&amp;auml;ppeln wolle &amp;#8211; zu verlangen, &amp;uuml;ber einen solchen Film zu schreiben. Ich liebte Filme wie LOS OLVIDADOS oder DAS LEBEN DER FRAU OHARU. Das war doch etwas ganz anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Hat Dani&amp;egrave;le Sie zum Filmemachen bewogen &amp;#8211; wer war der Motor bei Ihnen als Paar?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jean-Marie Straub&lt;/b&gt; &amp;#8211; Ohne Dani&amp;egrave;le h&amp;auml;tte ich nie einen Film gemacht, ich bin zu faul dazu. Ich w&amp;auml;re auf der Strecke geblieben, weil man ganz allein einem derartigen System nicht widerstehen kann. Wie Leterrier in UN CONDAMN&amp;Eacute; &amp;Agrave; MORT S'EST &amp;Eacute;CHAPP&amp;Eacute; sagt: &amp;#8222;Zu zweit ist es leichter.&amp;#8220; [ ... ]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einem Interview mit Fr&amp;eacute;d&amp;eacute;ric Bonnaud, Serge Kaganski und Dominique Marchais.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Les Inrockuptibles&lt;/i&gt;, No 91, Paris, 12.-18.2.1997
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/umiliati_01.jpg" width="333" height="222" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Dreharbeiten zu UMILIATI (2003)&lt;br /&gt;
(c) Marion Befve &lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/jcoute_1.jpg" width="333" height="222" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Dreharbeiten zu QUEI LORO INCONTRI (2005)&lt;br /&gt;
(c) Giulio Bursi&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/huillet_libe.jpg" width="333" height="444" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Eine sonnenhafte Utopie&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FILMFESTIVAL BERLIN, 1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Saal ist voll. Die Mehrzahl der Leute, die sich da dr&amp;auml;ngen, haben den TOD DES EMPEDOKLES gar nicht bis zu seinem tragischen Ende verfolgt, sind aber dennoch gekommen - gewi&amp;szlig; deshalb, um ihre Ablehnung kundzutun: So ein Film wie dieser, ein &amp;#8222;Anti-Film&amp;#8220;, ein &amp;#8222;Feind des Kinos&amp;#8220;, hatte im offiziellen Wettbewerb nichts zu suchen; wir befinden uns in Berlin, und die Mauer trennt die Stadt noch in zwei Teile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit ist man gekommen, um zu schauen, wie die beiden so sind. Jean-Marie redet. Die wenigen Fragen, manchmal disqualifiziert durch ein nicht anzufechtendes &amp;#8222;Uninteressant&amp;#8220;, werden zur Abflugpiste f&amp;uuml;r seine Rede, die ebenso durchdringend ist. An seiner Seite, unglaublich sch&amp;ouml;n, majest&amp;auml;tisch, ist Dani&amp;egrave;le, die all diese neugierigen und gespannten, manchmal feindseligen Gesichter ohne Verachtung ins Auge fa&amp;szlig;t.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Lange habe ich gedacht, da&amp;szlig; die Kunst, das Kino, eine Angelegenheit der Einsamkeit seien. Lange habe ich von den Filmen von Straub gesprochen. Aber mit der Zeit, mit den Jahren der Arbeit, habe ich gesehen, da&amp;szlig; sie zu zweit waren und da&amp;szlig; das ihre St&amp;auml;rke war. Sie taten sich zusammen, um der Welt zu widerstehen. Diese absolute Autonomie, die mit jedem Film dichter und kompromi&amp;szlig;loser wurde, erschien mir allein unlebbar, ich beneidete sie darum, obschon ich wu&amp;szlig;te, welchen Preis sie daf&amp;uuml;r zahlten. Aber es trug mich, das Kino DER Straubs.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wei&amp;szlig;, da&amp;szlig; er im Begriff ist, zu weit zu gehen, genau dorthin geht, wo er hin will. Er denkt, also &amp;uuml;bertreibt er, sie hei&amp;szlig;t es gut, ohne etwas anderes beizuf&amp;uuml;gen als da und dort einen fehlenden Eigennamen, ein genaues Datum, einen Teil eines Zitats. Um die beiden herum die Darsteller, sich ihrer Sache sicher, &amp;uuml;berzeugt (zu Recht), an einem flammenden, erdhaften Werk teilgenommen zu haben, das sie alle &amp;uuml;bersteigt. Das ist der Krieg. Das massive Schweigen von D ist die conditio sine qua non f&amp;uuml;r das Abheben des Gedankens, die Entfaltung des Vortrags.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er redet immer, er&amp;ouml;ffnet, &amp;uuml;berbordet in seinem untadeligen Deutsch mit Pariser Akzent. Und auch wenn sie kein Wort sagt, so ist sie doch ganz da, h&amp;ouml;rbar, wie wenn sie mit ihrer Stummheit die notwendigen Exzesse des vorw&amp;auml;rtsdr&amp;auml;ngenden Wortes sch&amp;uuml;tzte. Dieses ges&amp;auml;ttigte Wissen &amp;uuml;ber den Film, das gesagt und nochmal gesagt werden mu&amp;szlig;, das ist in ihr, das unterst&amp;uuml;tzt und ermutigt sie mit ihrem sanften und ein wenig m&amp;uuml;den Blick &amp;#8211; m&amp;uuml;de deswegen, weil man sich immer noch herumschlagen mu&amp;szlig; (es ist so lang her, da&amp;szlig; ...).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Oft lieben sich K&amp;uuml;nstler, stehen Seite an Seite, bewundern und stimulieren sich; was aber einzigartig bleibt, ist das tolle Projekt, gemeinsame Sache zu machen. Das Kino, das doch ein so g&amp;uuml;nstiges Klima schafft f&amp;uuml;r die Aufreizung des Ego, f&amp;uuml;r die Beziehungen von Unterwerfung und Domination, liefert uns wohl Beispiele f&amp;uuml;r sch&amp;ouml;pferische Bruderschaften, welche die Konflikte und Rivalit&amp;auml;ten im Geheimnis der Blutsbande verd&amp;uuml;nnen - die Straubs aber er&amp;ouml;ffneten eine mehr sonnenhafte Utopie. Das Risiko, der Eigensinn, immer neu gesetzt und fester gebunden, wurden f&amp;uuml;r uns ein R&amp;uuml;ckhalt; und wir wu&amp;szlig;ten, wie es sich mit der duellierenden Wesensart dieses Sterns verhielt.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ber&amp;uuml;hrt er das Wesentliche, er greift an, er will an gewisse L&amp;ouml;sungen erinnern, die man ein bi&amp;szlig;chen zu schnell weggelegt hat: die Natur, die um Gnade bittet, die Utopie, die Diktatur des Proletariats. Und obschon jedermann wei&amp;szlig;, da&amp;szlig; das wunderbare Projekt, das er beschw&amp;ouml;rt, nicht das ist, was man, f&amp;uuml;r einige Monate noch, auf der anderen Seite der Mauer verrotten sieht, so emp&amp;ouml;rt man sich doch; alles ist recht, um nicht zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D wei&amp;szlig;, was die Leute so furchtbar aufbringt: es ist die Hypothese einer die Welt betreffenden &amp;Auml;nderung. Diejenige, die der Film uns, einen Augenblick lang, notwendig und w&amp;uuml;nschenswert hat erscheinen lassen. Sie schaut sich die erstarrten Professionellen an, die vom Geschehen, in dem sich Denken und Kino vereinigen, &amp;uuml;berfordert sind. Ihn blickt sie kaum an, das ist nicht n&amp;ouml;tig: sie sind ein Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Nicht um Komplizenschaft ging es, nicht um Solidarit&amp;auml;t. Nie werden die Jahre der Zusammenarbeit, des Kampfes in Gesten und &amp;Auml;u&amp;szlig;erungen von Gef&amp;uuml;hlen &amp;ouml;ffentlich inszeniert. Nein, die stetige Zwiesprache wird gen&amp;auml;hrt von gegenseitigem Respekt, auch von gewahrter Distanz. Man siezt sich. F&amp;uuml;hlbar existent ist die Verschmelzung nur in den Filmen, den Werken, die sich aneinanderreihen; sie ist die Urmaterie der Arbeit und hat nur mit dem Sozialen, dem Beweis zu tun.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LE FRESNOY, 2001&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel sp&amp;auml;ter, Jahre sp&amp;auml;ter, etliche Filme sp&amp;auml;ter. Keine Mauer mehr in Berlin, kein real existierender Sozialismus. Die beiden haben in Le Fresnoy Zuflucht gefunden. Sie beenden den Schnitt ihres Films OPERAI, CONTADINI. Kleine Gruppen von ver&amp;auml;ngstigt schweigenden Studenten sind gekommen, um die Arbeit zu beobachten, als w&amp;auml;re das ein Zeremoniell. Der Film ist fast beendet, und die beiden K&amp;uuml;nstler &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen ein letztes Mal das Ganze in seiner Kontinuit&amp;auml;t, Rolle nach Rolle, auf einem sch&amp;ouml;nen 35mm-Schneidetisch. Die Sch&amp;uuml;ler haben noch nie Objekte dieser Art gesehen. Sie &amp;#8211; so wie er &amp;#8211; will mit der AVID-Digitalapparatur nichts zu tun haben. Sie verweigert sich dem. Die Gewalt des Virtuellen wird weder auf sie noch auf ihr Kino Zugriff erhalten. Sie brauchen die Materie, das Gewicht der Dinge, den Filmstreifen, die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht nicht mehr. Jetzt ist sie der Mittelpunkt. Sie ist es, die handhabt, bef&amp;uuml;hlt, ber&amp;uuml;hrt; im Halbdunkel nimmt man ihre wei&amp;szlig;en, t&amp;auml;tigen Handschuhe und sein Profil wahr, das sich vom sanften Licht des Films, von den vorbeiziehenden Bildern abhebt. Das Publikum h&amp;auml;lt respektvolle Distanz und w&amp;uuml;rde aufh&amp;ouml;ren zu atmen, wenn das m&amp;ouml;glich w&amp;auml;re. Es ist noch n&amp;ouml;tig zu schleifen, zu feilen, das wei&amp;szlig; er; aber wenn ein Schnitt sich aufdr&amp;auml;ngt, wenn ein Bild noch im schwarzen Samtkorb des Galgens h&amp;auml;ngen sollte, zieht er vor, das nicht zu sehen. Sie ist es, die sich damit befa&amp;szlig;t, wie eine Parze es t&amp;auml;te, ohne Unsicherheit, w&amp;auml;hrend er rausgeht, um auf dem sonnenbeschienenen Gang eine Zigarette zu rauchen. &amp;#8222;Denken Sie wirklich, da&amp;szlig; ...&amp;#8220; Ja, sie glaubt es, sie wei&amp;szlig; es in der Dunkelheit: der Film mu&amp;szlig; gewetzt und gesch&amp;auml;rft werden wie ein Messer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wind. Fabrik. Kamera. Furche. Bewegung. K&amp;ouml;rper. Proletariat. Pflug. Landschaft. Widerstand. Schnitt. Strecke. Schwenk. Felsen. Wolken. Feld. Sonne. Akkord. Stra&amp;szlig;e. Kader. Zwei. Pflugschar. Bewegung 2. Trauer. Erde. Film.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Rolle &amp;uuml;berpr&amp;uuml;ft und perfekt, verschwindet sie f&amp;uuml;r einen Moment, verl&amp;auml;&amp;szlig;t die dunkle Fabrik. Auf dem Gang begegnen sie sich, sie beruhigt ihn. Dann kommt sie zur&amp;uuml;ck, tr&amp;auml;gt schwer am Gewicht der neuen Rolle und an den Jahren des Anspruchs, dem Gewicht der Kunst. Sie ist die Achse. Sie installiert sich wieder am Tisch, ordnet die Haare (die schon etwas grau sind), entschuldigt sich wegen der Langsamkeit des Vorgangs, obschon niemand etwas gesagt hat. Man w&amp;uuml;rde es nie wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige sind verschwunden. &amp;#8222;Sie k&amp;ouml;nnen zur&amp;uuml;ckkommen.&amp;#8220; Er kommt rein, kehrt in die Fabrik und zum Geruch der Arbeit zur&amp;uuml;ck, setzt sich, bis zur n&amp;auml;chsten Zigarette, an ihre Seite, gerade so lange, da&amp;szlig; einen Augenblick lang ein fl&amp;uuml;chtiges, aber sehr konkretes Bild des amour fou sich &amp;uuml;ber OPERAI, CONTADINI legt, und sich auf ewig all jenen einpr&amp;auml;gt, die anwesend waren, dort, ganz im Hintergrund, im Finstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vincent Dieutre &amp;#8211; &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Eure Worte, sch&amp;ouml;ne Worte&lt;/b&gt;

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/huillet_costa.jpg" width="333" height="317" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;

Dani&amp;egrave;le, Jean-Marie,&lt;br /&gt;
Unsere Begegnungen werden unser Leben f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chsten drei&amp;szlig;ig Jahre versch&amp;ouml;nern. Was uns betrifft, so nehmen wir einen gro&amp;szlig;en Schluck Jugend und kr&amp;auml;ftigen uns, um Euch wiederzubegegnen. Wir h&amp;ouml;ren hier nicht auf mit der Arbeit. Das ganze Viertel beteiligt sich daran, trotz der Schwierigkeiten, trotz des Zuviels an Polizei und Sozialarbeitern und des Zuwenigs an Geld. Tagt&amp;auml;glich, jede Minute lernen wir neue Worte, Eure Worte, sch&amp;ouml;ne Worte, nur f&amp;uuml;r uns, sie passen uns wie ein Pyjama aus feiner Seide. Wir h&amp;auml;tten Euch gerne hunderttausend Filme und ein Blumenbankett f&amp;uuml;r drei Groschen offeriert. Aber vor allem trinken wir ein kleines Glas Grog und denken an Euch. &lt;br /&gt;
Pedro, Vanda&lt;br /&gt;
P.S.: Schnall Deine Gurte an, Dani&amp;egrave;le !&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pedro Costa &amp;#8211; &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt;, 18. Oktober 2006

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/ondejaz_02.jpg" width="333" height="241" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/ondejaz_01.jpg" width="333" height="250" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;&lt;br /&gt;
Pedro Costa: O&amp;Ugrave; G&amp;Icirc;T VOTRE SOURIRE ENFOUI? (2001)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Nha cretcheu&lt;/i&gt;, my love,&lt;br /&gt;
being together again will make our lives beautiful&lt;br /&gt;
for another thirty years.&lt;br /&gt;
As for me, I will come back full of love and strength.&lt;br /&gt;
I wish I could give you a hundred thousand cigarettes,&lt;br /&gt;
a dozen of those fancy dresses,&lt;br /&gt;
a car, the little lava house you've always dreamed of,&lt;br /&gt;
a three-penny bouquet.&lt;br /&gt;
But above all else,&lt;br /&gt;
drink a good bottle of wine,&lt;br /&gt;
and think of me.&lt;br /&gt;
Here it's all work.&lt;br /&gt;
We're over a hundred now.&lt;br /&gt;
Did my letter arrive safely?&lt;br /&gt;
I still don't have anything from your hand.&lt;br /&gt;
Maybe I will soon ...&lt;br /&gt;
I&amp;#8217;m waiting.&lt;br /&gt;
Every day, every minute,&lt;br /&gt;
I learn beautiful new words for you and me alone,&lt;br /&gt;
made to fit us both, like fine silk pajamas.&lt;br /&gt;
Wouldn&amp;#8217;t you like that?&lt;br /&gt;
I can only send you one letter a month.&lt;br /&gt;
Still nothing from you.&lt;br /&gt;
Maybe some other time ...&lt;br /&gt;
Sometimes I'm afraid of building these walls.&lt;br /&gt;
Me, with a pick and cement,&lt;br /&gt;
and you, with your silence ...&lt;br /&gt;
A pit so deep, it swallows you up.&lt;br /&gt;
It hurts to see these horrors&lt;br /&gt;
that I don&amp;#8217;t want to see.&lt;br /&gt;
Your lovely hair skips through my fingers&lt;br /&gt;
like dry grass.&lt;br /&gt;
Often, I feel weak and think&lt;br /&gt;
I&amp;#8217;m going to forget you.&lt;br /&gt;
[ ... ]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Venturas Brief, gedacht f&amp;uuml;r Lento.&lt;/i&gt; F&amp;uuml;nfte Fassung

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/collossal_youth_01.jpg" width="333" height="250" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;Pedro Costa: JUVENTUDE EM MARCHA / COLOSSAL YOUTH (2006)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Mail from a friend (Jean-Pierre Gorin)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------- Original-Nachricht --------&lt;br /&gt;
Datum: Tue, 17 Oct 2006 23:34:06 -0700 (PDT)&lt;br /&gt;
Von: ***&lt;br /&gt;
An: discussion list regarding jean-luc godard's work &amp;lt;godard@lists.topfive.com&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betreff: [Godard] Danielle Huillet's Funeral...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dear all,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I got a striking e-mail today, which i read with tears in my eyes, from a friend of mine who had the opportunity to attend Huillet's funeral. It so aptly and delicately depicts the funeral (and Straub/Huillet) that i think you will be interested.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ ... ]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The first film she directed with Jean Marie Straub made me a filmmaker. This was 1965, I was twenty-two. I walked into a theater that played &lt;i&gt;Nicht vers&amp;ouml;hnt oder Es hilft nur Gewalt wo Gewalt herrscht.&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Not Reconciled or Only Violence Helps Where Violence Reigns&lt;/i&gt;). How could i resist then a title that encompassed so absolutely my music? I went through the film not understanding anything about it, but by the end of it something strange had happened: I who did not know a word of German was persuaded that somehow I now understood it with absolute clarity. I came out the theater wanting to be involved in a medium that could perform such close up magic. And still to this day what happened to me as I watched &lt;i&gt;Nicht Vers&amp;ouml;hnt&lt;/i&gt; is the best definition I know of what a political film is or should be. There are a few people in my life whose existence alone protects me somehow. Danielle was one of them.&lt;br /&gt;
The fact that such a raging love for craft, such a raging love for life was alive protected me ...&lt;br /&gt;
She made an extraordinary couple with Jean Marie, cantankerous, obsessed with work, opened every day more to the simplest beauties of the world because they never could stop being enraged at what fouled it ... you took one look at the way they moved in relation to each other and understood their choreography;you heard one of their exchange and caught the music of it: never two people spelled the word love with more clarity; never two people gave me more the sense that exigency could be joy ...&lt;br /&gt;
And now I am left fearing for Jean-Marie's life ... I could imagine her surviving him, but not him surviving her ...&lt;br /&gt;
Like all funerals It had of course this Proustian devastating feeling of Le Temps Retrouve. A hundred folks were there with "la gueule de circonstance." JLG and Anne Marie ... others you don't know that punctuated Danielle's life. A smattering of young faces pushed the day away from despair and into hope. It is the graceful duty of youth. Jean Marie was there (there had been rumors he wouldn't be) with his eternal cigar, dressed as non funeral as one could be. Her face was left visible, its stern, tender beauty framed by a small vista cut in the closed casket. A Byzantine icon. The wind and the sound of the traffic outside of the cemetery ate away at the words that were quoted before she got carried to the grave. I heard a text in German and the words "I will not name the name of the one whose name is stronger than love itself ..." We file by the grave, dropped roses in this shaft so deep and so dark that we measured for the first time how irremediably gone she was. Jean Marie seated on the next tombstone looked on. A funeral attendant handed him a bouquet of roses. He walked to the grave, threw it in. An amazing yell of rage at death and its works came out of him and he ran, ran away amidst the graves, howling in pain with friends in pursuit. They brought him back. He witnessed the closing of the grave, his body half bent as if he had been hit in the stomach by the force of a blow, and he raised his left fist in the proud hopeful salute of the Popular Front strikers of France, the Republican fighters of Spain and the Communists of Germany when the stone finally slided tight.&lt;br /&gt;
JLG, Anne Marie and I walked arms in arms in the shaded alley for awhile. I was left alone finally, walking for the rest of the afternoon and the night that followed before I grabbed a flight back to the States.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[ ... ]
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;&amp;#8222;H&amp;ouml;r auf zu husten!&amp;#8220;&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982/1983 wohnten die Straubs mehrfach f&amp;uuml;r ein paar Wochen bei mir in Berlin, West-Berlin, als sie ihren Film KLASSENVERH&amp;Auml;LTNISSE  vorbereiteten. Ich hatte gefragt, ob ich nicht auch mitspielen k&amp;ouml;nnte und durfte die Rolle des Delamarche &amp;uuml;bernehmen. Der Film sollte zun&amp;auml;chst in Berlin gedreht werden und ich sah mir mit den beiden ein paar Motive an, sp&amp;auml;ter wurden die Dreharbeiten nach Hamburg und Umgebung verlegt, in Berlin wurde aber geprobt. Viel auch in meiner Wohnung, und ich bekam einen Einblick in die Arbeitsweise der Straubs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Proben sa&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le fast immer auf dem Boden. Sie sah und h&amp;ouml;rte sehr aufmerksam zu und machte sich in ihrem Skript Notizen. Sie merkte sich und notierte Sprechpausen und Betonungen, Gesten und Blicke. Abends schrieb sie auf einer Reiseschreibmaschine die Seiten des Skripts ab und f&amp;uuml;gte hinzu, was bei der Probe festgehalten worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dani&amp;egrave;le leitete die gesamte Produktion, sie war f&amp;uuml;r die Drehplanung ebenso zust&amp;auml;ndig wie f&amp;uuml;r die Requisiten. Der Film kostete etwa eine Million Mark, aber es gab kein B&amp;uuml;ro, alles war in den Papieren von Dani&amp;egrave;le festgehalten. Sp&amp;auml;ter schrieb sie mir, ich solle die Pudelm&amp;uuml;tze nicht vergessen, wir hatten festgelegt, ich werde die bei einer bestimmten Szene tragen. Zweimal schrieb sie mir von dieser M&amp;uuml;tze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lag offensichtlich beiden nicht viel daran, eine Wahl zu treffen. Die Darsteller wurden nicht aufwendig ausgesucht und auch die Schaupl&amp;auml;tze und Requisiten nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kam ihnen nicht darauf an, die besonders geeigneten Darsteller zu finden, eher der Eignung der Darsteller zu entsprechen. Auch der Eignung eines Schauplatzes oder Gegenstandes. Das lange und sorgf&amp;auml;ltige Proben diente wohl dazu, diese Eignungen festzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dieser Arbeit wurde mir nochmals deutlich, da&amp;szlig; die Straubs stets einiges sehr genau festlegen und anderes &amp;uuml;berhaupt nicht. Einiges &amp;uuml;berlassen sie ganz dem Selbstlauf. Was aber beschlossen ist, das muss genau so durchgef&amp;uuml;hrt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es f&amp;auml;llt schon deshalb schwer, etwas &amp;uuml;ber die Straubs zu schreiben, weil beide die Genauigkeit so sehr liebten. Ein Zitat aus einem Film oder auch nur einem Zeitungs-Artikel vor 30 Jahren wurde immer bis aufs Wort wiedergegeben. Und Straub erz&amp;auml;hlte von einer Reise Anfang der Sechziger Jahre, die er ohne Dani&amp;egrave;le machen mu&amp;szlig;te, weil es nicht gen&amp;uuml;gend Geld gab. Dieses Ungl&amp;uuml;ck lag 20 Jahre zur&amp;uuml;ck, aber er wu&amp;szlig;te die Daten und auch die Reiseziele noch ganz genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe erlebt, da&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le Jean-Marie korrigiert hat, aber kaum je umgekehrt. Einmal hat sie &amp;#8222;auch&amp;#8220; statt &amp;#8222;Hauch&amp;#8220; gesagt, und Jean-Marie hat sie darauf hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir abends Musik h&amp;ouml;rten, setzte sich Dani&amp;egrave;le oft dazu, hatte aber dabei immer etwas zu tun. Sie machte eine Handarbeit, stopfte Socken oder ein Hemd. Ein paar Jahre zuvor, in Rom, hatte ich bemerkt da&amp;szlig; die Straubs nie au&amp;szlig;er Haus a&amp;szlig;en und auch gro&amp;szlig;e Strecken zu Fu&amp;szlig; gingen um das Fahrgeld zu sparen. Jetzt a&amp;szlig;en wir oft abends in der Pizzeria und Dani&amp;egrave;le bezahlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erlaubte Jean-Marie zehn Zigaretten am Tag, sie sagte, sie habe nichts dagegen, da&amp;szlig; er vom Rauchen sterbe. Da&amp;szlig; er aber im Kino huste, das st&amp;ouml;re sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sahen uns Godards PASSION an, in dem Michel Piccoli st&amp;auml;ndig h&amp;uuml;stelt, einen Lutscher im Mund, er hat wohl gerade das Rauchen aufgegeben. In diesem Film ist &amp;#8222;Polen&amp;#8220; ein neues Jerusalem. An dem Film hatte Dani&amp;egrave;le allerhand auszusetzen, meinte aber, es sei vielleicht doch Godards bester. Sp&amp;auml;ter, als wieder in der Wohnung waren, hustete Jean-Marie und Dani&amp;egrave;le schrie: &amp;#8222;H&amp;ouml;r auf zu husten&amp;#8220;. Das hatte sie schon oft gesagt. Jetzt f&amp;uuml;gte sie hinzu: &amp;#8222;Sonst gehe ich nach Polen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harun Farocki &amp;#8211; &lt;i&gt;Der Standard&lt;/i&gt;, 17. Oktober 2006&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Notiz&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Dienstag bekam ich ein kurzes Mail, Dani&amp;egrave;le Huillet sei gestorben. Vor etwa einem Jahr hatte ich mit Jean-Marie telefoniert, er sagte mir, Dani&amp;egrave;le sei k&amp;uuml;rzlich, ganz gegen ihre Grunds&amp;auml;tze, beim Arzt gewesen, der habe eine Herzschw&amp;auml;che bei ihr festgestellt.&lt;br /&gt;
Jetzt, nach der Todesnachricht, rief ich gemeinsame Freunde an und erfuhr, da&amp;szlig; Dani&amp;egrave;le in den letzten Monaten oft Schmerzen gehabt und wohl auch mit ihrem Tod gerechnet habe.&lt;br /&gt;
In der &lt;i&gt;Lib&amp;eacute;ration&lt;/i&gt; stand gestern, sie sei an Krebs gestorben, weil sie selbst aber offensichtlich ihre Krankengeschichte f&amp;uuml;r sich behalten wollte, will ich dem nicht nachgehen.&lt;br /&gt;
Es war Lara die mich darauf brachte, nach Paris zur Beerdigung zu fliegen. Sie sagte, ihr habe es viel bedeutet, dass auch entfernte Bekannte zur Beerdigung von Ursula gekommen seien, selbst wenn sie kein Wort mit denen habe sprechen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
Claus Philipp von der Zeitung &lt;i&gt;Der Standard&lt;/i&gt; bat mich um ein paar Zeilen. Und ich sagte zu, in der vagen Empfindung, ich m&amp;uuml;&amp;szlig;te mich zur Freundschaft mit Dani&amp;egrave;le &amp;ouml;ffentlich bekennen. In meinem kleinen Erinnerungstext schrieb ich, Dani&amp;egrave;le habe mir, als ich eine Rolle in dem Film KLASSENVERH&amp;Auml;LTNISSE spielte, zweimal geschrieben, ich solle zum Drehtermin die Pudelm&amp;uuml;tze, die ich in einer Szene tragen sollte, nicht vergessen.&lt;br /&gt;
In St. Ouen, einem Vorort von Paris, f&amp;uuml;hrt eine kleine Stra&amp;szlig;e von der Hauptstra&amp;szlig;e zum Friedhof. Darauf sind Autowerkst&amp;auml;tten und Grabsteinl&amp;auml;den, ich kaufte eine Rose. Damit ging ich in ein Caf&amp;eacute; um die Ecke. Eine tief dekolletierte Frau fragte, ob die Blume f&amp;uuml;r sie sei. Ich sagte nein, f&amp;uuml;r die Toten. Ich benutzte wohl den Plural um zu sagen: nicht f&amp;uuml;r das Diesseits, Toten-Blume.&lt;br /&gt;
Als ich auf die Toilette ging, fiel mir meine Pudelm&amp;uuml;tze &amp;#8211; die allerdings keine Bommel hat, im Gegensatz zu der damaligen Kost&amp;uuml;mm&amp;uuml;tze &amp;#8211; ins Waschbecken. Dani&amp;egrave;le hatte damals geschrieben &amp;#8222;Puddelm&amp;uuml;tze&amp;#8220;, beide Male, und ich kann mich an sonst keinen Fehler erinnern, den sie je gemacht h&amp;auml;tte. Das h&amp;auml;tte ich schreiben k&amp;ouml;nnen in dem Nachruftext und wohl auch wollen.&lt;br /&gt;
Am Eingang zum Friedhof sammelten wir uns, kleine Gruppen bildeten sich, viele, die einander lange nicht gesehen hatten, trafen sich nun wieder. Viele hatten ein verweintes Gesicht. Schlie&amp;szlig;lich waren wir etwa 200, die da warteten und sich in kleinen Gr&amp;uuml;ppchen unterhielten.&lt;br /&gt;
Jean-Marie war auf einmal da, er sah abwesend aus. Er trug eine Kordhose, ein Hemd, das nicht in die Hose gesteckt war und ein Sakko. Er hatte ein kaltes Zigarillo im Mundwinkel. Er benahm sich so, wie ich ihn oft auf Podien gesehen habe, er ging auf und ab, f&amp;uuml;r sich, benutzte den sozusagen &amp;ouml;ffentlichen Raum, als sei er dort f&amp;uuml;r sich. Er gr&amp;uuml;&amp;szlig;te gelegentlich abwesend.&lt;br /&gt;
Wir folgten &amp;uuml;ber eine Platanenallee dem Bestattungswagen. Der hielt, und der Sarg wurde herausgeholt und auf zwei B&amp;ouml;cke gestellt. Der Mann vom Bestattungs-Unternehmen bat uns, n&amp;auml;her zu treten,  Familien-Mitglieder w&amp;uuml;rden jetzt Texte verlesen.&lt;br /&gt;
Zun&amp;auml;chst kamen zwei Frauen, eine las franz&amp;ouml;sisch aus einem Buch einen sch&amp;ouml;nen Text &amp;uuml;ber die Fl&amp;uuml;chtigkeit des Ich. Von meinen Bekannten wu&amp;szlig;te keiner, um welchen Text es sich handelt, es scheint eine Tagebuch-Aufzeichnung aus dem Zweiten Weltkrieg zu sein.&lt;br /&gt;
Danach las Peter Kammerer ein St&amp;uuml;ck aus H&amp;ouml;lderlins &lt;i&gt;Hyperion&lt;/i&gt;. Und Adriano Apr&amp;agrave; hielt eine kleine Stegreifrede, in der er sagte, Italien habe sich den Straubs gegen&amp;uuml;ber  schlecht benommen, anders die vielen Freunde.&lt;br /&gt;
Eine Klappe im Sarg wurde ge&amp;ouml;ffnet, wir wurden aufgefordert am Sarg vorbei zu gehen. Dani&amp;egrave;le sah sehr fremd f&amp;uuml;r mich aus. W&amp;auml;chsern. Es war ersch&amp;uuml;tternd, jetzt wieder etwas von der wirklichen Person zu sehen und von ihrem Sterben.&lt;br /&gt;
Der Sarg wurde &amp;uuml;ber das steinerne Gr&amp;auml;berfeld zu der Gruft getragen, in der Dani&amp;egrave;les Mutter liegt. Der Sarg wurde hinab gelassen, die Trauerg&amp;auml;ste gingen vorbei und warfen Blumen darauf. Jean-Marie sa&amp;szlig; dabei auf einem Nebengrab, immer noch das Zigarillo im Mund. Der Bestatter gab schlie&amp;szlig;lich ihm einen Strau&amp;szlig;. Jean-Marie stand auf und lie&amp;szlig; die Blumen fallen. Er stie&amp;szlig; einen Klagelaut aus, ein lang gezogenes A. Dabei lief er fort. Ein paar Freunde folgten ihm. Sp&amp;auml;ter sah ich ihn wieder auf dem Grab sitzen, Godard sa&amp;szlig; neben ihm und redete tr&amp;ouml;stend auf ihn ein.&lt;br /&gt;
Wir fragten herum, niemand wu&amp;szlig;te, ob eine gemeinsame Feier irgendwo vorgesehen war.&lt;br /&gt;
Ich selbst habe Jean-Marie nicht angesprochen und auch nicht f&amp;ouml;rmlich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t. Es schien ihm nicht daran gelegen zu sein. Einmal haben wir uns stumm mit Blicken gegr&amp;uuml;&amp;szlig;t.&lt;br /&gt;
In dem Caf&amp;eacute; mit der Frau, die Dani&amp;egrave;les Blumen haben wollte, nahmen viele ein Glas zu sich, etwa 30, 40 sa&amp;szlig;en und standen auf dem B&amp;uuml;rgersteig. Es war ein warmer trockener 13. Oktober. In Gespr&amp;auml;chen h&amp;ouml;rte ich die verschiedensten Versionen. Dani&amp;egrave;le habe Straub die eigene Krankheit verschwiegen, um ihn nicht zu belasten. Oder, wenn man sie gefragt habe, warum sie sich nicht behandeln lassen wolle, habe sie gesagt: Dazu habe ich keine Zeit, ich habe Wichtigeres zu tun.&lt;br /&gt;
Jean-Marie kam auch in dieses Caf&amp;eacute;. Eine Freundin erz&amp;auml;hlte mir, er habe auf die Frage, ob er &amp;uuml;berhaupt kochen k&amp;ouml;nne, gesagt: sehr gut sogar, er habe als Pfadfinder sogar eine Koch-Auszeichnung gewonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harun Farocki &amp;#8211; 14.10.06 
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Wiener Erinnerungen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Viennale (wo QUEI LORO INCONTRI gezeigt wurde, und als &amp;#8222;&amp;Uuml;berraschungsfilm&amp;#8220; SICILIA!) hingen in den Festivalkinos Plakate mit diesen beiden Texten &amp;#8211;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet&lt;br /&gt;
Die Fr&amp;uuml;cht und auf der Erde gepr&amp;uuml;fet und ein Gesetz ist,&lt;br /&gt;
Da&amp;szlig; alles hineingeht, Schlangen gleich,&lt;br /&gt;
Prophetisch, tr&amp;auml;umend auf&lt;br /&gt;
Den H&amp;uuml;geln des Himmels. Und vieles&lt;br /&gt;
Wie auf den Schultern eine&lt;br /&gt;
Last von Scheitern ist&lt;br /&gt;
Zu behalten. Aber b&amp;ouml;s sind&lt;br /&gt;
Die Pfade. N&amp;auml;mlich unrecht&lt;br /&gt;
Wie Rosse, gehn die gefangenen&lt;br /&gt;
Element und alten&lt;br /&gt;
Gesetze der Erd. Und immer&lt;br /&gt;
Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht. Vieles aber ist&lt;br /&gt;
Zu behalten. Und Not die Treue.&lt;br /&gt;
Vorw&amp;auml;rts aber und r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts wollen wir&lt;br /&gt;
Nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie&lt;br /&gt;
Auf schwankem Kahne der See.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich H&amp;ouml;lderlin&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mnemosyne&lt;/i&gt;. Dritte Fassung, erste Strophe (1806)

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/bach_01.jpg" width="333" height="259" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;CHRONIK DER ANNA MAGDALENA BACH (1967)&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;

Gesetzt, wir h&amp;auml;tten als Menschen produziert: Jeder von uns h&amp;auml;tte in seiner Produktion sich selbst und den andren doppelt bejaht. Ich h&amp;auml;tte 1) in meiner Produktion meine Individualit&amp;auml;t, ihre Eigent&amp;uuml;mlichkeit vergegenst&amp;auml;ndlicht und daher sowohl w&amp;auml;hrend der T&amp;auml;tigkeit eine individuelle Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung genossen, als im Anschauen des Gegenstandes die individuelle Freude, meine Pers&amp;ouml;nlichkeit als gegenst&amp;auml;ndliche, sinnlich anschaubare und darum &amp;uuml;ber allen Zweifel erhabene Macht zu wissen. 2) In deinem Genu&amp;szlig; oder deinem Gebrauch meines Produkts h&amp;auml;tte ich unmittelbar den Genu&amp;szlig;, sowohl des Bewu&amp;szlig;tseins, in meiner Arbeit ein menschliches Bed&amp;uuml;rfnis befriedigt, als das menschliche Wesen vergegenst&amp;auml;ndlicht und daher dem Bed&amp;uuml;rfnis eines andren menschlichen Wesens seinen entsprechenden Gegenstand verschafft zu haben, 3) f&amp;uuml;r dich der Mittler zwischen dir und der Gattung gewesen zu sein, also von dir selbst als eine Erg&amp;auml;nzung deines eignen Wesens und als ein notwendiger Teil deiner selbst gewu&amp;szlig;t und empfunden zu werden, also sowohl in deinem Denken wie in deiner Liebe mich best&amp;auml;tigt zu wissen, 4) in meiner individuellen Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung unmittelbar deine Lebens&amp;auml;u&amp;szlig;erung geschaffen zu haben, also in meiner individuellen T&amp;auml;tigkeit unmittelbar mein wahres, mein menschliches, mein Gemeinwesen best&amp;auml;tigt und verwirklicht zu haben.&lt;br /&gt;
Unsere Produktionen w&amp;auml;ren ebensoviele Spiegel, woraus unser Wesen sich entgegen leuchtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Marx&lt;br /&gt;
Aus den &lt;i&gt;Kommentaren&lt;/i&gt; zu James Mills &amp;#8222;Elements of Political Economy&amp;#8220; [1821] (1844, &lt;i&gt;MEW&lt;/i&gt; EB I, S. 462)
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Kunst im Freien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dani&amp;egrave;le Huillet ist am 9. Oktober 2006 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Freund in der Schweiz hat die Empfindung zu beschreiben versucht, die diese Nachricht in ihm ausgel&amp;ouml;st hat: es sei, sagt er, eine Stelle in ihm ber&amp;uuml;hrt worden, die ihm unbekannt gewesen sei. Ein Ernst und eine Feierlichkeit h&amp;auml;tten sich, unmittelbar und im Nachhinein, mit dieser Nachricht verbunden, wie wenn es gelte, sich zu erheben und eine Pr&amp;auml;senz, ein Vor&amp;uuml;bergehen zu gr&amp;uuml;&amp;szlig;en und zu ehren &amp;#8211; jetzt oder nie, jetzt f&amp;uuml;r immer. Etwas, das tiefer gehe als Anerkennung, Sympathie oder Bewunderung sei angesprochen worden &amp;#8211; fast ein Instinkt. Er frage sich, welcher Ausdruck dieser seltsamen, weil seltenen und dennoch intimen Wahrnehmung angemessen sein k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht war es so, da&amp;szlig; es zu Dani&amp;egrave;le Huillet eine &amp;#8222;famili&amp;auml;re N&amp;auml;he&amp;#8220; im engeren Sinne kaum geben konnte. Es kam ja auf etwas anderes an &amp;#8211; auf einen anderen Zusammenhang, die gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere, sich erst bildende Familie ... Durch ihre lebenslange, symbiotische Zusammenarbeit mit Jean-Marie Straub war jede Kontaktnahme oder Begegnung auf das Werk, die Filme, oder vielmehr: auf die Auseinandersetzung, das Politisch-Sensuelle hingelenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;#8222;Politisch-Sensuelle&amp;#8220; &amp;#8211; das war f&amp;uuml;r sie doch der Alltag, das Leben selbst; vielleicht am sch&amp;ouml;nsten festgehalten in der letzten und l&amp;auml;ngsten &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=aGDbXcNtaRM"&gt;&amp;#8222;Bagatelle&amp;#8220;&lt;/a&gt; in Pedro Costas 6 BAGATELAS (2001), die drau&amp;szlig;en, im Freien, in h&amp;auml;uslicher Umgebung spielt ... W&amp;auml;hrend Jean-Marie Straub redet und argumentiert, h&amp;auml;ngt Dani&amp;egrave;le Huillet W&amp;auml;sche auf und macht N&amp;auml;harbeiten &amp;#8211; h&amp;ouml;rt aber &amp;auml;u&amp;szlig;erst aufmerksam zu, kommentiert und erg&amp;auml;nzt Straubs Rede, initiiert auch mal einen Disput. Reales Donnergrollen ist unter Straubs Ausf&amp;uuml;hrungen zu h&amp;ouml;ren und leitet &amp;uuml;ber zum wie leichthin nachgesetzten Wortegrollen, ob denn die W&amp;auml;sche nicht schon trocken sei und von der Leine genommen werden k&amp;ouml;nnte ... Doch die W&amp;auml;sche bleibt h&amp;auml;ngen, Wind und Wetter, also der Welt ausgesetzt.

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/bagatelas_02.jpg" width="333" height="252" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;

Dazu m&amp;ouml;chte ich eine Stelle aus einem Frieda Grafe-Text von 1997 in Beziehung setzen, in dem es um eigene Widerst&amp;auml;nde, dann jedoch vor allem um das &amp;#8222;subtile Spiel&amp;#8220; von Wort und Licht, die Kunst im Freien, das Huillet-Straubsche Naturtheater geht. &amp;#8222;Die Sprache l&amp;ouml;st sich vom Bedeuteten, vom Informieren, sie erhebt sich in die L&amp;uuml;fte, sagt Gilles Deleuze von H&amp;ouml;lderlins Versen im EMPEDOKLES der Straubs, w&amp;auml;hrend, wovon sie redet, unter der Erde verschwindet. In ihrem Licht scheint die Landschaft, die Natur Verborgenes preiszugeben und was die Vergangenheit in ihr abgelagert hat. Dabei ist nicht die Metrik entscheidend, sondern was in dem Klopfen und H&amp;auml;mmern der Sprache sich ausdr&amp;uuml;ckt. Es vereint sich mit den Elementen, mit den G&amp;ouml;ttern H&amp;ouml;lderlins und denen Paveses, die bes&amp;auml;nftigt werden wollen, und sie halten Einzug in die Bilder.&amp;#8220; (&amp;#8222;Patrioten im Niemandsland&amp;#8220;, in: Frieda Grafe, &lt;i&gt;Geraffte Zeit&lt;/i&gt;, Berlin 2005, S. 88/9.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sprache, die Arbeit mit ihr: das ist zweifellos Jean-Marie Straubs Zust&amp;auml;ndigkeit; der Ton, die T&amp;ouml;ne aber die von Dani&amp;egrave;le Huillet. Wie w&amp;auml;re denn &amp;#8211; in diesem Naturtheater &amp;#8211; das eine vom andern zu trennen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Beringer
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Nicht vers&amp;ouml;hnt &amp;#8211; Eine Befreiung&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dani&amp;egrave;le Huillets Tod ist f&amp;uuml;r mich ein sehr gro&amp;szlig;er Verlust. Auch wenn wir uns seit Ende der sechziger Jahre nur selten trafen, fand ich immer Kraft in der Gewi&amp;szlig;heit, da&amp;szlig; sie und Jean-Marie da waren, da&amp;szlig; beide unerm&amp;uuml;dlich, unbeirrbar, unbestechlich ihre einzigartigen Filme machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dani&amp;egrave;le hat mit Jean-Marie zusammengearbeitet, und das so sch&amp;ouml;pferisch, da&amp;szlig; man beim Zusehen gl&amp;uuml;cklich wurde. Harmonisch war die Zusammenarbeit nicht, Gott sei Dank, weil der Streit beim Schaffen die Sache viel weiter treibt. Sie waren sich einig, worauf sie hinauswollten. Ich traf Dani&amp;egrave;le und Jean-Marie zum ersten Mal, als die beiden in M&amp;uuml;nchen-Bogenhausen auf der Motivsuche f&amp;uuml;r NICHT VERS&amp;Ouml;HNT sich den Raum ansahen, in dem sp&amp;auml;ter beim Drehen Dani&amp;egrave;le als die junge Johanna F&amp;auml;hmel sagt: &amp;#8222;Der kaiserliche Narr.&amp;#8220;
&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-03.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
Damals haben wir &amp;uuml;ber das Filmemachen gesprochen und endlich waren da zwei, die verstanden was ich wollte und ich verstand was sie wollten. Eine Befreiung, 1964.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Nestler &amp;#8211; 03.11.06
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/nichtvershnt-04.jpg" width="333" height="242" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;small&gt;NICHT VERS&amp;Ouml;HNT (1965)&lt;/small&gt;
&lt;p&gt;
***&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Links zu weiteren Texten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram Sch&amp;uuml;tte &amp;#8211; &lt;a href="http://www.titel-forum.de/print.php?sid=5078"&gt;Straubs Alter Ego&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Titel-Magazin&lt;/i&gt;, 11. Oktober 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Kammerer &amp;#8211; &lt;a href="http://www.freitag.de/2006/42/06421302.php"&gt;Entschieden unzeitgem&amp;auml;&amp;szlig;&lt;/a&gt; (&lt;i&gt;Freitag&lt;/i&gt;, 20. Oktober 2006)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href="http://www.fipresci.org/undercurrent/issue_0306/huillet_intro.htm"&gt;Dani&amp;egrave;le Huillet 1936-2006. A Tribute &amp;#8211;&lt;/a&gt; Dossier des &lt;i&gt;Fipresci&lt;/i&gt;-Online-Magazins &lt;i&gt;Undercurrent&lt;/i&gt; mit Texten von Jonathan Rosenbaum, den Herausgebern der &lt;i&gt;Cahiers du cin&amp;eacute;ma&lt;/i&gt;, Adrian Martin, Chris Fujiwara und John Gianvito (3. November 2006)
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Die W&amp;uuml;rde des verg&amp;auml;nglichen Augenblicks&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der neue Film von Dani&amp;egrave;le Huillet und Jean-Marie Straub vor einigen Wochen im Wettbewerb von Venedig lief, schrieb die &lt;i&gt;FAZ&lt;/i&gt;: &amp;#8222;Das Kino verdankt den Straubs und ihrer Widerborstigkeit eine Menge, aber in einem Wettbewerb verfl&amp;uuml;chtigt sich jede Provokation ins St&amp;uuml;hleklappen derer, die das Kino vor der Zeit verlassen.&amp;#8220; Das ist ein Satz aus der Kulturbetriebsh&amp;ouml;lle, einer Welt, in der keine mehr Zeit ist, sich auf irgendetwas wirklich einzulassen. Hinzu kommt, da&amp;szlig; rund um das Kino ein seliges Vergessen seiner Geschichte herrscht. JENE IHRE BEGEGNUNGEN ist eine wunderbare Gelegenheit, Regisseure kennen zu lernen, die, tief verwurzelt in der Filmgeschichte, richtungweisende Konsequenzen aus ihr ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JENE IHRE BEGEGNUNGEN blickt weit zur&amp;uuml;ck, vor die Zeitrechnung, zu Ungeheuern, D&amp;auml;monen, G&amp;ouml;ttern, von denen die Welt erf&amp;uuml;llt war. Es liegt dem Film ein Buch &amp;uuml;ber Mythologie zugrunde: Cesare Paveses &lt;i&gt;Gespr&amp;auml;che mit Leuko&lt;/i&gt; aus dem Jahr 1947. Buch wie Film handeln von der Abl&amp;ouml;sung einer G&amp;ouml;ttergeneration durch eine andere. Soeben sind die archaischen, blutd&amp;uuml;rstigen Titanen von Zeus und seinen Olympiern besiegt worden, denen anthropomorphe Z&amp;uuml;ge eigen sind. So kommt im Mythos Zeitgeschichte zum Ausdruck, zivilisatorischer Fortschritt: Im antiken Griechenland wird der Mensch, wird die von ihm errichtete Ordnung m&amp;auml;chtiger gegen&amp;uuml;ber den Kr&amp;auml;ften des Chaos und der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlauf von JENE IHRE BEGEGNUNGEN macht deutlich, da&amp;szlig; schon in der Antike die gro&amp;szlig;e Zeit der G&amp;ouml;tter vor&amp;uuml;ber ist. Da&amp;szlig; diese erfunden sind, Darstellungen, haben Menschen l&amp;auml;ngst erkannt. Da&amp;szlig; sie trotzdem nicht vom Mythos lassen wollen, ist keine Glaubensfrage. Mythen sind Erz&amp;auml;hlungen, Bilder, in denen G&amp;ouml;tter &amp;auml;u&amp;szlig;ere und innere Naturkr&amp;auml;fte verk&amp;ouml;rpern; so erscheint Allt&amp;auml;gliches als au&amp;szlig;erordentlich, als verbunden mit dem Unsterblichen, Ewigen. Mit Aufkl&amp;auml;rung und Moderne ist eine Gefahr verbunden: Wo Wissenschaftssprache bestimmend wird, die aus hochget&amp;uuml;rmten Gedankengeb&amp;auml;uden kommt, verliert sich das menschliche Bewu&amp;szlig;tsein wom&amp;ouml;glich in logisch verallgemeinernden Formeln. Der Blick f&amp;uuml;r die F&amp;uuml;lle und den Wert der Einzelheiten kommt abhanden. Alle in JENE IHRE BEGEGNUNGEN auftretenden Figuren sind G&amp;ouml;tter, bis auf Hesiod, den Dichter. Er erz&amp;auml;hlt von seinen Verletzungen und Zweifeln: Die t&amp;auml;gliche Plackerei fresse einen auf, und alles sei dem Sterben und dem Vergessen ausgeliefert &amp;#8211; wie k&amp;ouml;nne ein Leben wertvoll sein, wenn nichts von ihm bleibt? Das ist eine Frage des Blickwinkels. Die G&amp;ouml;tter neiden den Menschen den Tod, weil durch ihn alles ein anderes Gesicht bekommt. Ewiges Leben ist eine endlose Wiederholung, Sterblichkeit macht jeden gelebten Augenblick einzigartig, unwiederholbar, kostbar. Der verzagende Hesiod tr&amp;auml;gt Jean-Marie Straubs Hut, der Regisseur ist im Bild. Der Filmemacher als Jedermann, der dringend der Erinnerung bedarf: Ist es nicht die eigent&amp;uuml;mliche Kraft der Kunst, Alltagsdingen jene Ernsthaftigkeit zu widmen, die ihnen angemessen ist, aber im t&amp;auml;glichen Umgang fast schon verboten?

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_h01.jpg" width="333" height="248" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;

Was der Schriftsteller Pavese in der Poetik des Mythos suchte, das ist f&amp;uuml;r die Straubs der Film: eine Form, die es in der Moderne erm&amp;ouml;glicht, das Au&amp;szlig;erordentliche des angeblich Profanen, das Eigengewicht der Dinge sichtbar zu machen. Ohne Metaphysik, ohne Erhabenheit, ohne Trost die W&amp;uuml;rde jedes verg&amp;auml;nglichen Augenblicks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DER GESCHICHTE DES H&amp;Ouml;RENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paveses &lt;i&gt;Gespr&amp;auml;che mit Leuko&lt;/i&gt; war, als das Buch 1947 erschien, eine literarische Innovation. Es erz&amp;auml;hlt nicht Handlung, sondern ist ausschlie&amp;szlig;lich in Dialogform gefa&amp;szlig;t. Das kommt den Straubs entgegen; f&amp;uuml;r sie sind Dialoge geschriebenes Kino, aus dem sie gesprochenes Kino machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo es bei Pavese einen wundersch&amp;ouml;nen Flie&amp;szlig;text zu lesen gibt, da machen die Straubs Z&amp;auml;suren, veranlassen die Darsteller ihres Films, an &amp;#8222;seltsamen&amp;#8220; Satzstellen innezuhalten, Pausen zu machen. Dies steht im Kontext der &amp;Auml;sthetik Brechts, die ein Protest ist gegen die Falschheit der b&amp;uuml;rgerlichen Kultur. Wo Kino bis heute mittels theatralischer Gesten dem Zuschauer suggeriert, er k&amp;ouml;nne ins Innere der Filmfiguren hineinsehen und sei mit ihrem Seelenleben vertraut, durchkreuzen die Straubs diese Illusion. Die Sprache flie&amp;szlig;t nicht, damit deutlich bleibt, da&amp;szlig; sie aus weiter Ferne kommt, da&amp;szlig; sie weder den Sprecher noch die Regisseure direkt ausdr&amp;uuml;ckt. Die Straubs geben alten Stoffen und Texten etwas zur&amp;uuml;ck, was ihnen der Unterhaltungsbetrieb mit barbarischer Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit enteignet: ihre Fremdheit. Diese ist das Normalste von der Welt. Begegnet man einem anderen Menschen und will mit ihm wirklich ins Gespr&amp;auml;ch kommen, mu&amp;szlig; dessen Sprache erst gesucht und durchdacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War das Sprechen in ihren ersten Filmen knochentrocken, so haben die Straubs durch die Arbeit an musikalischen Werken von Bach und Sch&amp;ouml;nberg dem Kino inzwischen einen neuen poetischen Ausdruck erschlossen. Durch die eingef&amp;uuml;gten Pausen wird Sprache rhythmisiert; S&amp;auml;tze bestehen nicht mehr aus Haupt- und Nebensachen, jedes Wort, jeder Sprachbaustein ist gleicherma&amp;szlig;en bedeutend. Zeilen sind choreografisch verkn&amp;uuml;pft, verhalten sich kontrapunktisch zueinander, so da&amp;szlig; man einen Straub-Film h&amp;ouml;ren kann, wie man einen Song h&amp;ouml;rt oder eine Symphonie. Durch diese Art des Zuh&amp;ouml;rens ist der Zuschauer umfassend in den Film einbezogen: eigene Erfahrungen, Konflikte, auch Lebensl&amp;uuml;gen sind angesprochen, in Aufruhr versetzt, sitzen deutend mit im Kino. Ganz anders als sonst, wenn keine Filmminute vergeht, ohne da&amp;szlig; Soundtrack und Effektdonner einem anordnen, wie man gef&amp;auml;lligst zu verstehen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Kamera gehen die Straubs zu den Quellen unserer Kultur, der Sprache auf ihren Grund. Bevor sie zu reiner Information und zu Wissenschaft wurde, war Geschichte gesprochene Erz&amp;auml;hlung, die den Eigenheiten und Umst&amp;auml;nden von Erz&amp;auml;hlern und H&amp;ouml;rern angemessen weitergegeben werden konnte. Auch die Bibel wurde m&amp;uuml;ndlich &amp;uuml;berliefert, bevor man den Inhalt durch Schrift festlegte, ihm ihre Autorit&amp;auml;t verlieh. Den Kampf der Straubs gegen die Macht des Geschriebenen, ihre Hinwendung zum m&amp;uuml;ndlichen Erz&amp;auml;hlen sollte man nicht als medientechnische Nostalgie mi&amp;szlig;verstehen. Er entspringt ihrer Auffassung von &amp;Ouml;ffentlichkeit. Sie begreifen Film als Mittel der pers&amp;ouml;nlichen Begegnung, des &amp;ouml;ffentlichen Mitredens, statt, wie die herrschende Kultur es will, als Privatangelegenheit, die f&amp;uuml;r die Verh&amp;auml;ltnisse folgenlos bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woraus das Kino seine Sensationswerte gewinnt, Action, Gewalt, das passiert bei den Straubs au&amp;szlig;erhalb des Bildes. In ihren Filmen sieht und h&amp;ouml;rt man, wie &amp;uuml;ber alles fortw&amp;auml;hrend geredet wird. Dieses Vorgehen entspringt einem z&amp;auml;rtlichen, optimistischen Glauben an die Menschen: Nicht die gro&amp;szlig;en Ideen, Ideale, sozialen Systementw&amp;uuml;rfe als solche sind wichtig; es z&amp;auml;hlt vielmehr, wie etwas durch Menschen hindurchgeht, wie sie ihm in kleinsten, unfertigen Handlungen und Worten physische Wirklichkeit verleihen. Wer hat behauptet, da&amp;szlig; endloses Sprechen unfilmisch sei? Es ist Action! Wie wenn man mit Freunden zusammensitzt und Erfahrungen zusammentr&amp;auml;gt, enthalten Dialoge im Straub-Kino die ganze Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AUS DER GESCHICHTE DES SEHENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war einmal. Als bei Dreharbeiten in den 1940er-Jahren ein Kameramann einen ihm unpassend scheinenden Stein beseitigen wollte, widersprach ihm der Regisseur des Films und fragte, mit welchem Recht der Mitarbeiter glaube, die Natur verbessern zu k&amp;ouml;nnen. Das Feld sei hundert, vielleicht tausend Jahre alt; solange hat die Natur gebraucht, es so zu gestalten, wie es jetzt ist, die Felsen zu verteilen und zu f&amp;auml;rben. Der Regisseur war Roberto Rossellini. Etwas von dessen hoher Achtung gegen&amp;uuml;ber der vorhandenen Wirklichkeit findet sich bei den Straubs bewahrt.

&lt;p&gt;&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/qli_h02.jpg" width="333" height="248" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;

JENE IHRE BEGEGNUNGEN wurde in einem Waldst&amp;uuml;ck nahe dem norditalienischen Ort Buti gedreht. W&amp;auml;hrend in der zweiten Episode Demeter mit Dionysos spricht, fallen Licht und Schatten von &amp;Auml;sten und B&amp;auml;umen auf die Figuren, Wind streicht durch das Blattwerk. Ein Schauspiel, dessen langsame und leise Intensit&amp;auml;t seinesgleichen im Kino sucht. Solche Bilder verdanken sich dem Materialismus der Straubs, der es nicht erlaubt, Hilfsmittel, k&amp;uuml;nstliches Licht, Blenden und Spiegel einzusetzen, um Wirkungen zu verst&amp;auml;rken; auch wird ausschlie&amp;szlig;lich Direktton verwendet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist der Wald, Natur, nicht als beliebig verf&amp;uuml;gbares Objekt, nicht als austauschbare Hintergrundkulisse, schon gar nicht als Symbol im Bild, sondern als er selbst. Die kaum bewegte Kamera macht empf&amp;auml;nglich f&amp;uuml;r Winzigkeiten, f&amp;uuml;r langsame und lange Prozesse, die sich zwischen Mensch und Natur, Mensch und Mensch entspinnen. Die eigent&amp;uuml;mliche Sch&amp;ouml;nheit von JENE IHRE BEGEGNUNGEN entsteht dadurch, da&amp;szlig; die Dinge zu sprechen beginnen. Ein Wald, ein Sonnenstrahl, ein Feld. Was das menschliche Auge als unwesentlich ansieht, sieht die Filmkamera als etwas, das als Stoff des Wirklichen so wesentlich ist wie Menschen. Die Direktheit der Straub-Filme koexistiert mit &amp;auml;u&amp;szlig;erst kunstvollen Kameraeinstellungen, in die der Blick der Filmemacher eingeht sowie ihre Auseinandersetzungen mit Filmern und Malern. W&amp;auml;hrend des Demeter-Dionysos-Dialogs sind das Oben (der himmlische Bereich, das traditionelle Jenseits) und das Unten (der irdische Bereich, das traditionelle Diesseits) durch St&amp;auml;mme und dichtestes Blattwerk miteinander verbunden: die g&amp;ouml;ttliche Sph&amp;auml;re als durch und durch irdisches Gel&amp;auml;nde. Wie Bilder gro&amp;szlig;er Stummfilmk&amp;uuml;nstler d&amp;uuml;rfte es m&amp;ouml;glich sein, die der Straubs ohne Text in vielen Sprachen der Welt sehend zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Denken zum Film, von Sprachtheorie gepr&amp;auml;gt, ist immer auf dem Sprung in die Abstraktion. Von dort aus l&amp;auml;&amp;szlig;t sich schlecht h&amp;ouml;ren und sehen, wie die Straubs Kinoelemente anders zusammensetzen. Auch ihre kunstvollsten Bilder sind keine Zeichen, keine Fiktionen, sondern Dokumente. JENE IHRE BEGEGNUNGEN macht nur im Wald von Buti einzufangendes Licht, nur dort zu sehende Farben, nur dort zu h&amp;ouml;rende Ger&amp;auml;usche physisch erfahrbar. Die Straubs nutzen die einzigartige M&amp;ouml;glichkeit des Kinematografen, physische Gegenwart, vergehende Zeit aufzuzeichnen und zu bewahren. Film ist die Kunst, Wirklichkeit durch sich selbst auszudr&amp;uuml;cken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenig die neuesten Bildwelten sich der konkreten Realit&amp;auml;t zuwenden, wie sehr sie eine R&amp;uuml;ckkehr zum Metaphysischen und Mythischen betreiben, kann man sich ganz einfach klar machen: JENE IHRE BEGEGNUNGEN erlaubt es, in eine Welt hineinzusehen, in der man wirklich leben kann, w&amp;auml;hrend es ein immer dominanterer Zug heutiger Bilder ist, in Welten hinein sehen zu lassen, die es allein im Virtuellen, im PC, in Fantasien gibt, wo niemand leben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleines Nachwort: Paveses Mythologie-Buch ist gegen die Idealisierung der Antike und gegen Herrschaftssprache gerichtet. In Alltagsitalienisch erz&amp;auml;hlt, arbeitet es realistisch den Anteil von Bauern, &amp;#8222;einfachen&amp;#8220; Menschen an der Geschichte heraus, der in offiziellen Darstellungen immer unter den Tisch f&amp;auml;llt. Jean-Marie Straub sagt &amp;uuml;ber die Gr&amp;uuml;nde seiner Verfilmung, ihn interessiere nicht so sehr der Mythos; sein Film sei eine Erinnerung an das utopische Potenzial, da&amp;szlig; im Vergangenen stecke, an das nicht-zerst&amp;ouml;rerische Naturverh&amp;auml;ltnis antiker Bauern. Von diesen Bauern hei&amp;szlig;t es in VON DER WOLKE ZUM WIDERSTAND (1978), dem Film, den JENE IHRE BEGEGNUNGEN fortsetzt, da&amp;szlig; sie ungeheuer grausam waren, Menschenopfer dargebracht haben. Die Straubs machen Filme, die realistischer sind als ihre Regisseure. Es gibt wirklich viele Gr&amp;uuml;nde, ihr Kino zu sch&amp;auml;tzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Girke &amp;#8211; &lt;i&gt;film-dienst&lt;/i&gt; 21/2006, 9. Oktober 2006
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center"&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;img src="http://filmkritik.antville.org/static/filmkritik/images/danile-2.jpg" width="333" height="235" align="left" hspace="2" vspace="2"&gt; &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;&lt;/p&gt;&lt;/center&gt;
&lt;p&gt;
&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;

____________________________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenstellung: Klaus Volkmer&lt;br /&gt;
&amp;Uuml;bersetzungen aus dem Franz&amp;ouml;sischen: Johannes Beringer&lt;br /&gt;
Photos aus den Filmkopien: Gerhard Ullmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank an: Johannes Beringer, Madeleine Bernstorff, Robert Bramkamp, Giulio Bursi, Pedro Costa, Vincent Dieutre, Helmut F&amp;auml;rber, Harun Farocki, J&amp;ouml;rg Frie&amp;szlig;, Enrico Ghezzi, Michael Girke, Hans Hurch, Peter Kammerer, Horst Peter Koll, Markus Nechleba, Astrid Johanna Ofner, Jean-Claude Rousseau, Wolfram Sch&amp;uuml;tte, Antonia Weisse &amp;#8211;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#8211; und an J.-M. Straub&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Sat, 04 Nov 2006 12:17:04 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1504543/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2006-11-04T12:17:04Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>UMZUG</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1627703/</link>
      <description>&lt;p&gt;
Nach knapp 2000 Tagen bei antville und blogger machen wir ab jetzt woanders weiter. Unter der neuen Adresse &lt;br /&gt;
&lt;a href="http://www.newfilmkritik.de" title="http://www.newfilmkritik.de"&gt;www.newfilmkritik.de&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;
sind alle Eintr&amp;auml;ge seit November 2001 zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gro&amp;szlig;er Dank an antville!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gro&amp;szlig;er Dank an Erik Stein f&amp;uuml;r die technische Unterst&amp;uuml;tzung!&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Tue, 08 May 2007 13:10:45 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1627703/</guid>
      <dc:creator>filmkritik</dc:creator>
      <dc:date>2007-05-08T13:10:45Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>comment</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/#1625309</link>
      <description>Ich finde Deinen Text in die richtige Richtung weisend. Ich habe nur st&amp;auml;rker noch den Eindruck, dass man sich diesem Vorwurf des "unpolitischen" ganz entziehen kann, denn unsere Filme sind nicht unpolitisch. Sie stehen im Zusammenhang wahrgenommener gesellschaftlicher "Realit&amp;auml;t", spiegeln Konstellationen von Menschen, die sich in einer bestimmten historischen Zeit verhalten. Die Probleme dieser Figuren sind i n erster Linie menschliche, die aber durch gesellschaftliche Vorstellungen und Konventionen mitbestimmt sind. &lt;br /&gt;
Ich denke,  dass man sich nicht die Auffassung der Kritik &amp;uuml;ber das was "politisch" ist, zu eigen machen sollte, sondern vielmehr dagegensetzen k&amp;ouml;nnte, dass diejenigen, die so was fordern von einem zu engen Politikbegriff ausgehen. Das wird in deinem Text nur angedeutet, wenn du Angelas Bildungsb&amp;uuml;rger gegen Dresens Kleinb&amp;uuml;rger stellst z.B. Darin liegt aber glaube ich ein Potential, mit dem man die Kritik selbst als reaktion&amp;auml;r entlarven kann, weil sie im Grunde der Unm&amp;uuml;ndigkeit der Zuschauer das Wort redet. &lt;br /&gt;
Unsere Filme sind in dem Ma&amp;szlig;e politisch, finde ich zumindest, indem sie dieser Unm&amp;uuml;ndigkeit ein Interesse und ein Verhalten zu dem, was wir zeigen, gegen&amp;uuml;berstellen, das uns nicht auf eine h&amp;ouml;here Stufe stellt als den, der sich das anschaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deine Ausf&amp;uuml;hrungen zu Wiseman und Loach haben mich an den Werturteilsstreit zwischen Max Weber und Gustav Schmoller erinnert. Max Weber hat damals methodisch in etwa die Position Wisemans vorweggenommen hat, n&amp;auml;mlich zu sagen, das was ich untersuchen will, ist von meinen Vorstellungen (also meinen pers&amp;ouml;nlich gefassten Werturteilen &amp;uuml;ber die Welt) abh&amp;auml;ngig, wie ich es dann aber untersuche, unterliegt der Methodik der Wissenschaften und kann nicht von vorneherein durch ein bestimmtes Untersuchungsergebnis vorher bestimmt werden, w&amp;auml;hrend Schmoller im Grunde Loach s These vertreten hat, in dem er sagte, dass es erlaubt sei, seine eigenen Vorstellungen in einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Ausdruck zu bringen. Da es im Film weder Methodik noch Objektivit&amp;auml;t (die ja &amp;uuml;brigens auch nicht in den Wissenschaften) gibt, ist das nicht so ganz &amp;uuml;bertragbar, aber auf der Basis deines Essays kann man vielleicht von einer gewissen "Ehrlichkeit" oder "Aufrichtigkeit" im Umgang mit den eigenen Sujets, Charakteren und Formen sprechen, was vielleicht auch wieder in eine gewisse "politische" Begrifflichkeit einm&amp;uuml;nden w&amp;uuml;rde, die eben formuliert, was man von Filmen erwartet und was sie lieber nicht zeigen sollten.&lt;br /&gt;
Stefan Kriekhaus</description>
      <pubDate>Fri, 04 May 2007 11:35:21 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/#1625309</guid>
      <dc:creator>stefan kriekhaus</dc:creator>
      <dc:date>2007-05-04T11:35:21Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Warum ich keine „politischen“ Filme mache.</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/</link>
      <description>&lt;p&gt;
von Ulrich K&amp;ouml;hler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ken Loachs &amp;#8222;Family Life&amp;#8220; handelt nicht nur von einer schizophrenen jungen Frau, der Film selbst ist schizophren. Grandios inszeniert zerrei&amp;szlig;t es den Film zwischen dem naturalistischen Genie seines Regisseurs und dem Diktat eines politisch motivierten Drehbuchs. &lt;br /&gt;
Viele Szenen sind an psychologischer Tiefe und Vielschichtigkeit kaum zu &amp;uuml;berbieten &amp;#8211; in den Beratungsgespr&amp;auml;chen zwischen dem Therapeuten und der Familie etwa entstehen aus der Freiheit und Spielfreude, die Loach seinen Darstellern l&amp;auml;sst, extrem glaubw&amp;uuml;rdige Szenen. Doch leider zerst&amp;ouml;rt das Drehbuch mit seiner politischen Zielsetzung alle innerszenische Sch&amp;ouml;nheit wieder. F&amp;uuml;r Offenheit, Ambivalenz und Komplexit&amp;auml;t l&amp;auml;sst es keinen Raum. Gut und B&amp;ouml;se m&amp;uuml;ssen am Ende eindeutig verteilt werden. Auf das Ganze betrachtet, interessiert sich der Film nicht f&amp;uuml;r das individuelle Schicksal seiner Figur. Sie ist f&amp;uuml;r den Autoren ein typischer Fall, ein Platzhalter der Dramaturgie. Der gute Gespr&amp;auml;chstherapeut verliert seinen Job und die Ger&amp;auml;temediziner mit ihren Elektroschocks zerst&amp;ouml;ren die zarten Erfolge einer fortschrittlichen Therapie, die nach den sozialen Ursachen der Krankheit fragt. Das M&amp;auml;dchen wird nach einem Ausbruchsversuch eingefangen und unter Zwang in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Das letzte Bild zeigt uns einen gebrochenen, willenlosen Menschen, der zwar seinen Eltern keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird, der aber alles verloren hat, was wir als seine W&amp;uuml;rde ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Problem des Films ist nicht die Glaubw&amp;uuml;rdigkeit der Geschichte - so etwas k&amp;ouml;nnte sich zugetragen haben -, es ist das schale Gef&amp;uuml;hl, einzig deshalb auf diese emotionale Butterfahrt geschickt worden zu sein, um eine Botschaft zu kaufen: Psychosen sind das Produkt repressiver Familienstrukturen und einer technokratischen Psychiatrie.&lt;br /&gt;
Hinter dem Naturalismus des Spiels versteckt sich vor allem diese These. Ich als Zuschauer sp&amp;uuml;re die politische Dramaturgie und f&amp;uuml;hle mich betrogen. Gerade Loachs Naturalismus verst&amp;auml;rkt dieses Gef&amp;uuml;hl noch. W&amp;auml;re der Film offen didaktisch wie ein Brechtsches Drama oder w&amp;uuml;rde er wie Bresson in &amp;#8222;L&amp;#8217;Argent&amp;#8220; seine dramaturgische Kausalkette nicht verstecken, h&amp;auml;tte ich dieses Gef&amp;uuml;hl nicht. &amp;#8222;L&amp;#8217;Argent&amp;#8220; ist sicher nicht Bressons bester Film. Die soziale Mechanik, mit der hier das kapitalistische System einen Mensch erst in die Armut und dann schrittweise von der Kleinkriminalit&amp;auml;t zum Mord treibt, ist mir zu einfach. Aber der Film versteckt seine monokausale Argumentationskette nicht hinter einer quasi dokumentarischen Fassade und t&amp;auml;uscht mich nie &amp;uuml;ber seine Absichten. Die Form ist eben auch politisch. Sie verr&amp;auml;t viel &amp;uuml;ber die Haltung des Filmemachers gegen&amp;uuml;ber Figuren und Zuschauern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Loach bin ich viel mehr mit der Frage nach der &amp;#8222;Wahrscheinlichkeit&amp;#8220;, nach dem Realit&amp;auml;tsgehalt des Dargestellten besch&amp;auml;ftigt als mit der Frage, wie psychische Krankheiten mit sozialen Verh&amp;auml;ltnissen zusammen h&amp;auml;ngen und was wir tun k&amp;ouml;nnen, um sie zu &amp;auml;ndern. Damit ist der Film nicht nur k&amp;uuml;nstlerisch sondern auch politisch gescheitert. Traurig zu sehen, wie der grandiose Schauspielregisseur Loach die Komplexit&amp;auml;t der Welt immer wieder einem politischen Programm opfert. Es sind die eigenen moralischen Anspr&amp;uuml;che, die ihn in diese Falle treiben. Das Schlussbild dieses Films soll die Zust&amp;auml;nde des Systems anprangern, es prangert aber vor allem den Film selbst an: die Hauptfigur ist nicht Opfer der Psychiatrie, sie ist Opfer der Instrumentalisierung durch den Film.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinen Augen schadet diesem Film die Vermischung politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Motive sehr, sie schadet ihm k&amp;uuml;nstlerisch und politisch. Das traurigste Konzert meines Lebens war ein Auftritt von Stefan Remmler im Cafe &amp;#8222;sch&amp;ouml;ne Aussichten&amp;#8220; in Hamburgs &amp;#8222;Planten und Blomen&amp;#8220;. 15 Jahre nachdem er mit Trio und &amp;#8222;Dadada&amp;#8220; den deutschen Schlager revolutioniert hatte, singt er &amp;#8222;Mein Freund ist Neger&amp;#8220; vor ein paar &amp;auml;lteren Damen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles ist politisch. Das stimmt vielleicht. Aber die Unterscheidung zwischen k&amp;uuml;nstlerischer und politischer Praxis ist sinnvoll. Politik gestaltet das Zusammenleben der Menschen. Politisches Handeln will die Gesellschaft ver&amp;auml;ndern oder vor Ver&amp;auml;nderungen bewahren. Kunst hat keine allgemeing&amp;uuml;ltig definierbare gesellschaftliche Funktion. Jeder K&amp;uuml;nstler muss die Frage f&amp;uuml;r sich selbst beantworten k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Politisches Handeln ist funktional. Ich verteile Handzettel, damit Menschen M&amp;uuml;ll trennen oder ich schmei&amp;szlig;e Bomben, um die Machtverh&amp;auml;ltnisse umzuwerfen. Instrumente politischen Handelns haben keinen Wert an sich, sie haben ihren Wert in Hinblick auf ihr Ziel. Ich kann Menschen mit Argumenten oder mit Faustschl&amp;auml;gen davon &amp;uuml;berzeugen, den Joghurtbecher in die gelbe Tonne zu werfen. Beides sind politische Instrumente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Funktionalit&amp;auml;t liegt der entscheidende Unterschied zwischen politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Praxis. Kunstwerke sind nicht Mittel zum Zweck. Kunst taugt nicht zur Beruhigung des politischen Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Gegenbeispiel zu &amp;#8222;Family Life&amp;#8220; ist &amp;#8222;Titicut Follies&amp;#8220; von Frederick Wiseman: ein Dokumentarfilm &amp;uuml;ber eine forensische Anstalt in den USA Ende der 60er Jahre. Wiseman schaut hin, verzichtet auf Offkommentare und eine Dramaturgie, die am Schicksal einer Figur aufgeh&amp;auml;ngt ist. Sein Portrait einer Institution braucht keine identifikatorische Erz&amp;auml;hlung mit Protagonisten und Antagonisten. Psychiater und Pfleger in seinem Film verhalten sich vielfach brutaler und unmenschlicher als das Personal der Anstalt in Loachs Film, und doch bleibt jeder der Protagonisten ein komplexer Mensch. Der Regisseur ist nicht mit einem vorgefertigten Erz&amp;auml;hlziel an die Arbeit gegangen - auch wenn er sicher eine Ahnung davon hatte, was ihn in dieser Anstalt erwarten w&amp;uuml;rde. Er untersucht seinen Gegenstand. Ich habe das Gef&amp;uuml;hl, diesen Ort zusammen mit dem Regisseur kennen zu lernen und nicht eine vorverdaute Lektion erteilt zu bekommen. Wiseman vertraut meiner Urteilsf&amp;auml;higkeit. Nat&amp;uuml;rlich ist auch dieser Film ein subjektiv gestaltetes Werk, in dem der Autor ausw&amp;auml;hlt, was er mir zeigt und was nicht. Aber er hat sich von dem leiten lassen, was er gefunden hat und nicht von dem, was er von vornherein beweisen wollte. Das ist die k&amp;uuml;nstlerische Logik und politische Ethik von Wisemans Film. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihm macht die Unterscheidung zwischen politischer und k&amp;uuml;nstlerischer Praxis vielleicht keinen Sinn mehr. Vielleicht aber doch: Aus der Konsequenz und Kompromisslosigkeit, mit der Wiseman gesellschaftliche Zust&amp;auml;nde dokumentiert, entsteht auch ein k&amp;uuml;nstlerischer Film. Seine Arbeit ist aber vor allem politisch motiviert. Sie gew&amp;auml;hrt der Gesellschaft Einblicke in Institutionen, die sie geschaffen hat und gibt ihr so die M&amp;ouml;glichkeit, &amp;uuml;ber sich selbst nachzudenken und sich zu ver&amp;auml;ndern. Wenn es ein politisches Kino geben soll, dann muss es so aussehen. Wisemans Film hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das beweist allein schon der gerichtlich erzwungene Hinweis im Abspann, dass sich die Zust&amp;auml;nde in dieser Institution seitdem ge&amp;auml;ndert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Vergleich beider Filme stelle ich mir die Frage, ob bestimmte Themen &amp;uuml;berhaupt mit der dramaturgischen Logik des Spielfilms vereinbar sind. Die Schwemme uns&amp;auml;glicher Filme zur deutschen Geschichte in den letzten Jahren verst&amp;auml;rkt diese Zweifel.&lt;a
name="back1"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN1"&gt;(1)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die staatliche Kulturf&amp;ouml;rderung liebt Filme, die politische Aufkl&amp;auml;rung in Geschichten &amp;#8222;verpacken&amp;#8220;. Der B&amp;uuml;rger soll schlie&amp;szlig;lich nicht &amp;uuml;berfordert werden. Auf der Verpackung steht dann zum Beispiel: die bewegende Liebesgeschichte zwischen einem t&amp;uuml;rkischen M&amp;auml;dchen und einem Skinhead. Filmemachen als Verpackungskunst. Das ist das &amp;auml;sthetische Programm sozialdemokratisierter Kulturpolitik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kulturproduzenten wissen, dass sie Geld nachgeworfen kriegen f&amp;uuml;r Projekte gegen Rassismus, Nationalsozialismus, die Unterdr&amp;uuml;ckung von Minderheiten oder die Armut in fernen L&amp;auml;ndern. Politische Bildung und Kultur aus einem Topf. Ich muss mir nur die Liste gef&amp;ouml;rderter deutscher Filme anschauen oder Hakenkreuze im zeitgen&amp;ouml;ssischen Kino und Fernsehen z&amp;auml;hlen. Diese Politik &amp;uuml;berfordert die Kunst und unterfordert die Intelligenz ihrer B&amp;uuml;rger. Sie macht den K&amp;uuml;nstler unfrei und den Zuschauer unm&amp;uuml;ndig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie produziert einen Berg k&amp;uuml;nstlerisch wertloser, klischeebeladener Filme, die politisch wirkungslos sind. Schlimmer noch: abgesehen davon, dass einige dieser Werke revanchistisch sind, f&amp;ouml;rdern sie gesellschaftlichen Stillstand, indem sie den sowieso schon einverstandenen B&amp;uuml;rgern das Gef&amp;uuml;hl geben Gutes zu tun, wenn sie &amp;#8222;politische&amp;#8220; Filme oder Theaterst&amp;uuml;cke konsumieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marlen Haushofer schreibt &amp;uuml;ber de Sicas &amp;#8222;Fahrraddiebe&amp;#8220;: &amp;#8222;Die Tr&amp;auml;ne in Frau M&amp;uuml;llers Auge bringt keinem armen Teufel sein Fahrrad zur&amp;uuml;ck und verschafft nur Frau M&amp;uuml;ller die Illusion, ein guter Mensch zu sein. Diese Illusion ist abzulehnen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesellschaftlichen Ressourcen, die in so genannten politischen Filmen stecken, lassen sich effizienter einsetzen. Meistens sind die Trailer politischer als die Filme selbst. Warum machen wir dann noch die Filme? Ein gezielter Farbbeutelwurf oder ein &amp;#8222;Bild&amp;#8220;-Schlagzeile richtet sowieso mehr aus. Die Qualit&amp;auml;t eines Films wird nicht an seiner politischen Wirkung gemessen, aber ein so genannter politischer Film m&amp;uuml;sste sich daran messen lassen. Das vordergr&amp;uuml;ndige Thematisieren politischer Inhalte beruhigt vielleicht das Gewissen, politisches Handeln ist das noch lange nicht. Was ist das Politische an einem Film, der die Welt nicht ver&amp;auml;ndern kann und will? Was ist das Politische an &amp;#8222;politischer&amp;#8220; Kunst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Zweifeln an der Wirksamkeit darf in vielen F&amp;auml;llen auch an der Integrit&amp;auml;t des Anliegens gezweifelt werden: &amp;#8222;Politische&amp;#8220; Werke f&amp;uuml;hren h&amp;auml;ufig ein Nischendasein und erreichen so wenige Menschen, dass sie wirkungslos bleiben m&amp;uuml;ssen. Nur der Kunstmarkt h&amp;auml;lt sie am Leben. Die politischen Ziele des K&amp;uuml;nstlers geraten schnell in Widerspruch zu den Mechanismen des Marktes. &lt;br /&gt;
Werke, die ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Publikum erreichen, f&amp;ouml;rdern ein anderes Dilemma zu Tage: Sie vermarkten sich als politisch und subversiv, aber Erfolg und Rezeptionskonsens beweisen eher das Gegenteil und sind ein ziemlich gutes Indiz f&amp;uuml;r ihren affirmativen Charakter. Ist die Akzeptanz so gro&amp;szlig;, darf am subversiven Potential gezweifelt werden. Kunst, die nur Kunst sein will, ist h&amp;auml;ufig subversiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Sammlungen schm&amp;uuml;cken sich mit Werken politischer K&amp;uuml;nstler wie Hans Haacke? Wie provozierend ist ein &amp;#8222;Provokationsk&amp;uuml;nstlers&amp;#8220; (Selbstbeschreibung auf seiner Website), der Wagner in Bayreuth inszenieren darf? Wie bei&amp;szlig;end kann die Kapitalismuskritik eines &amp;#8222;politischen Feelgoodmovies&amp;#8220; (Pressezitat aus der Filmwerbung) sein, wenn es den bayerischen Staatspreis, die Konsens-Lola und das Wohlwollen des gesamten politischen Spektrums gewinnt? Sind wir Oscar? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Logik des Politischen ist verschieden von der Logik des K&amp;uuml;nstlerischen. Politik verlangt verantwortungsvolle Kompromisse, Kunst darf kompromisslos und amoralisch sein. Wer dies nicht sieht, schafft in der Regel weder k&amp;uuml;nstlerisch noch politisch Interessantes. Kunst ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist nicht ergebnisorientiert. Das ist ein wichtiger Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst, die in meinem Leben eine Rolle gespielt hat, zeichnet sich durch ihre Offenheit, durch ihre Mehrdeutigkeit, durch ihre Amoralit&amp;auml;t und ihre Weigerung aus, sich instrumentalisieren und funktionalisieren zu lassen. Wenn Kunst politisch ist, dann ist sie genau darin politisch: Sie wehrt sich dagegen (tages)politisch und gesellschaftlich verwertbar zu sein. Ihre St&amp;auml;rke liegt in ihrer Autonomie. Auch wenn diese eine Illusion sein mag - jedes Kunstwerk ist auch Produkt eines Marktes - so ist sie doch eine notwendige Utopie f&amp;uuml;r den K&amp;uuml;nstler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht mir nicht darum ideologische Trennlinien zu ziehen: Hoch- vs. Trivialkultur, Kommerz vs. Kunst, U vs. E, politische Aufkl&amp;auml;rung vs. Filmkunst, Reportage vs. Literatur. Es gibt viele Beispiele im Pop, im Design, in der Architektur, im Film usw., die sich nicht am Ideal eines autonomen Kunstwerks orientieren und die dennoch wichtige Kulturg&amp;uuml;ter sind. Politische Aufkl&amp;auml;rung ist wichtig, aber die Unterscheidung verschiedener Formen kultureller Praxis ist es auch. Ein k&amp;uuml;nstlerischer Filmemacher ist kein Sozialp&amp;auml;dagoge oder Historiker (und ein kommerzieller Regisseur &amp;uuml;brigens auch nicht). Der Aufkl&amp;auml;rer muss sich fragen, ob Spielfilme, Romane und Theaterst&amp;uuml;cke wirklich geeignete Instrumente seiner Arbeit sind. W&amp;auml;hlt er diese Instrumente, ist die Politik der Formen entscheidend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ja, alles kann Kunst sein: politische Aufkl&amp;auml;rung kann Kunst sein, Funktionales kann Kunst sein, Pop kann Kunst und politisch sein und Kunst kann politisch sein - aber Kunst, die politisch sein will, ist meistens weder das eine noch das andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der einer bestimmten Praxis nachgeht, sollte den Zielen seines Handelns treu bleiben. Ist er darin konsequent und erfinderisch, schafft er etwas Neues, macht es vielleicht wieder Sinn von Kunst zu reden. So ist zumindest der Sprachgebrauch. Aber wer einen Stuhl entwirft, will zun&amp;auml;chst einmal eine Sitzgelegenheit schaffen und wer die Gesellschaft ver&amp;auml;ndern will, muss politisch handeln.&lt;a
name="back2"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN2"&gt;(2)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel aus der Filmgeschichte:&lt;br /&gt;
Mit &amp;#8222;Shoah&amp;#8220; wollte Lanzmann ein Kapitel der Geschichte vor dem Vergessen bewahren. Sein Motiv ist politisch, seine Arbeit journalistische und historische Recherche. Die Konsequenz dieser Arbeit, sein Vertrauen in die Kraft der Zeugnisse, der Verzicht auf P&amp;auml;dagogik, die Tatsache, dass er sich als Autor nicht versteckt, haben aus dieser politischen Dokumentation &amp;uuml;ber das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Verbrechen der Menschheitsgeschichte ein Kunstwerk gemacht, das das Bild des Menschen f&amp;uuml;r immer pr&amp;auml;gen wird.&lt;br /&gt;
Steven Spielberg hingegen hatte zu viele sich widerstreitende Absichten: k&amp;uuml;nstlerische, politp&amp;auml;dagogische und kommerzielle. Das Ergebnis ist ein Geschichtsporno, der politisch das Gegenteil von dem bewirkt, was er bewirken will. Anstatt aufzur&amp;uuml;tteln, schl&amp;auml;fert er ein, anstatt Rassismus zu bek&amp;auml;mpfen, verfestigt er Vorurteile (das Casting!). Spielberg verharmlost die Geschichte und hat wohl eine der widerw&amp;auml;rtigsten Szenen der Filmgeschichte geschaffen: eine Gaskammerszene, die gleichzeitig Porno und Betroffenheitsdokument sein will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K&amp;uuml;nstler sind Teil der Gesellschaft, in der sie leben. Kunst ist nicht politisch unschuldig. K&amp;uuml;nstler, die das ignorieren, sind entweder naiv oder reaktion&amp;auml;r. Aber es ist etwas anderes, von K&amp;uuml;nstlern politisches Bewusstsein zu erwarten, als zu fordern, dass sie "politische" Kunst machen. Wer sich seine k&amp;uuml;nstlerische Arbeit als eine politische sch&amp;ouml;nredet, ger&amp;auml;t leicht in unaufl&amp;ouml;sbare Widerspr&amp;uuml;che. Er bel&amp;uuml;gt sich und andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeitgen&amp;ouml;ssische Kino beutet die deutsche Geschichte aus und ist dabei bestenfalls unpolitisch, h&amp;auml;ufig reaktion&amp;auml;r. Exportweltmeister dank Hitler und der Stasi. Filbinger und S&amp;ouml;hne feiern unterst&amp;uuml;tzt von revisionistischen Eventmovies ein Revival. Und mit dem Oscar sind jetzt auch die ostdeutschen Volksmassen rehabilitiert. Der kleine Mann (der klein genug ist, den Konflikt mit seiner todkranken Exfrau f&amp;uuml;r die Promotion seines Films auszuschlachten) ist von aller Schuld rein gewaschen. Das vereinte Deutschland kann jetzt br&amp;uuml;llen: Wir waren es nicht, Hitler und Mielke sind es gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kino, das sich an der Ausschlachtung der Geschichte nicht beteiligen will, ist noch lange nicht politisch ignorant. &lt;a
name="back3"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="#FN3"&gt;(3)&lt;/a&gt; Ich frage mich, warum eine Filmkritik, die sich ein politischeres Kino w&amp;uuml;nscht, nicht politischere Texte schreibt. W&amp;uuml;rde sie genauer hinschauen, w&amp;uuml;rde sie vielleicht sehen, dass auch Filme, die sich nicht als Instrument politischer Bildung verstehen, politisch sein k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind Andreas Dresens lustige Kleinb&amp;uuml;rger politischer als Angela Schanelecs verunsicherte und verlorene Bildungsb&amp;uuml;rger, oder besch&amp;auml;ftigt sich der Bildungsb&amp;uuml;rger lieber mit &amp;#8222;den Anderen&amp;#8220;, als sich zu fragen, was er selbst eigentlich auf dieser Welt verloren hat? Bevor die Filmkritik gr&amp;uuml;ne Punkte an politische Filme verteilt, sollte sie ihre &amp;auml;sthetischen Kriterien &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Es ist schon eine Menge Arbeit, die innere Koh&amp;auml;renz von Filmen zu untersuchen. Ich vermute, dass dadurch mehr &amp;uuml;ber die &amp;#8222;Politik&amp;#8220; eines Films zu erfahren ist, als durch das vordergr&amp;uuml;ndige Abscannen nach politischen Inhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht steckt ja hinter der Kritik an uns &amp;#8222;unpolitischen&amp;#8220; Filmemachern der Vorwurf, wir entwickeln uns k&amp;uuml;nstlerisch nicht weiter, weil wir uns nicht genug in Frage stellen. Daf&amp;uuml;r h&amp;auml;tte ich mehr Verst&amp;auml;ndnis. Aber das ist eine Kritik, die konkrete Auseinandersetzung mit einzelnen Filmen verlangt. Sie ist sicher interessanter als das pauschale Reden &amp;uuml;ber Schulen, die es so nicht gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;#8222;Demoiselles d&amp;#8217;Avignon&amp;#8220; waren subversiv, &amp;#8222;Guernica&amp;#8220; ist ein schlechtes Bild. &lt;br /&gt;
&amp;#8222;Starship Troopers&amp;#8220; ist ein Antikriegsfilm, &amp;#8222;Saving Private Ryan&amp;#8220; reaktion&amp;auml;rer Dreck. &lt;br /&gt;
Madonna ist Feministin und Alice Schwarzer die Mutter der Nation. &lt;br /&gt;
Ein Fu&amp;szlig;ballstadion voller Skins, die &amp;#8222;Go West&amp;#8220; singen, ist schwuler als Rosa von Praunheim.&lt;br /&gt;
Das Victoryzeichen von Josef Ackermann ist demokratiefeindlicher als die Gru&amp;szlig;botschaft von Christian Klar an die Rosa-Luxemburg-Konferenz.&lt;br /&gt;
Claus Peymann ist eine arme Sau.&lt;br /&gt;
Die gelbe Tonne ist Kunst.&lt;br /&gt;
________&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a name="FN1"&gt;(1)&lt;/a&gt; War der reale Hitler nicht schlimm genug? Wof&amp;uuml;r brauchen wir seine fiktiven Doppelg&amp;auml;nger? Sein Regime hat Millionen Opfer gefordert, und trotzdem setzen sich Drehbuchautoren hin und denken sich neue aus. Jeder Autor ist dramaturgischer Folterknecht, das stimmt. Aber angesichts realen Schreckens dieses Ausma&amp;szlig;es kommt es mir komisch vor, am Schreibtisch zu sitzen und mir neues Leid f&amp;uuml;r meine fiktiven oder (schlimmer noch) semi-historischen Figuren auszudenken. Um mit Godard zu argumentieren: K&amp;ouml;nnen wir zulassen, dass Spielberg Auschwitz neu aufbaut? Ein dokumentarischer Ansatz &amp;uuml;berzeugt mich da mehr. Wie immer Ausnahmen: Sokurov, Pasolini, Lubitsch... &lt;a href="#back1"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a name="FN2"&gt;(2)&lt;/a&gt; Eine so pers&amp;ouml;nliche Filmemacherin wie Angela Schanelec zu fragen, warum sie keinen Film &amp;uuml;ber den Fall der Mauer macht, ist &amp;auml;hnlich ignorant, wie Frieda Grafe zu fragen, warum sie nicht Gerichtsreportagen statt Filmkritiken schreibt. &lt;a href="#back2"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a name="FN3"&gt;(3)&lt;/a&gt; Vielleicht hilft der Blick auf die politischen Biografien von &amp;#8222;unpolitischen&amp;#8220; Minimal-K&amp;uuml;nstlern wie Richard Serra oder einer Autorin von b&amp;uuml;rgerlichen Familienromanen wie Natalia Ginzburg. &lt;a href="#back3"&gt;(zur&amp;uuml;ck)&lt;/a&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Sun, 22 Apr 2007 11:36:03 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1617907/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2007-04-22T11:36:03Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Nach einem Film von Mikio Naruse</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1606340/</link>
      <description>&lt;p&gt;Man kann darauf wetten, dass in einem Text &amp;uuml;ber Mikio Naruse fr&amp;uuml;her oder sp&amp;auml;ter der Name Ozu zu lesen ist. Also vollziehe ich dieses Ritual gleich zu Beginn und schreibe, nicht ohne Unbehagen: Ozu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicher, beide arbeiteten f&amp;uuml;r dasselbe Studio. Sicher, in den Filmen Naruses kann man Schauspieler wiedersehen, mit denen man in den Ozu-Filmen Freundschaft geschlossen hat, in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; von 1951 etwa Setsuko Hara und Haruko Sugimura, die ihre Mutter spielt . Sicher, viele Filme Ozus und Naruses werden dem Shomingeki zugerechnet und interessieren sich f&amp;uuml;r den Alltag und die Normalit&amp;auml;t, nicht f&amp;uuml;r das Drama und den Ausnahmezustand. Aber auf &amp;auml;hnliche Weise k&amp;ouml;nnte man Filme von Hawks und Ford nebeneinander stellen und mit staunendem Zeigefinger sagen: Hier: John Wayne. Hier: Western. Insofern versperrt der Ozu-Vergleich vielleicht den Zugang zu dem, was an Naruse interessant ist und wor&amp;uuml;ber ich nach dem ersten Film der kleinen Naruse-Reihe nur mutma&amp;szlig;en kann. Jedenfalls kommt es mir vor, als m&amp;uuml;sste der Name Ozu im Zusammenhang mit Naruse in Form einer Frage formuliert werden, die etwas Ungekl&amp;auml;rtes markiert; nicht als Antwort, die seinen Filmen einen Platz zuweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die immer wieder benannte N&amp;auml;he zu Ozu ist nachvollziehbar, aber auch erstaunlich, denn die wenigsten Einstellungen in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; k&amp;ouml;nnte man sich in einem Film von Ozu vorstellen. Es ist eine andere, weniger rechtwinklige Geometrie, die hier am Werke ist, sowohl in den einzelnen Bildern als auch in der dramaturgischen Architektur des gesamten Films. Naruse scheint sich eher treiben zu lassen und im Verlauf eines Films st&amp;auml;rker auf die Bewegungen seiner Figuren zu reagieren. Wer Ozu im Hinterkopf hat, kann dies als nachl&amp;auml;ssig oder weniger konsistent empfinden; es zeigt aber mit gleichem Recht eine Offenheit f&amp;uuml;r all das, was trotz oder gegen einen vorher vielleicht gefassten Entschluss in die Kamera einstr&amp;ouml;men kann. So gibt es in &amp;#8222;Meshi&amp;#8220; zwei Einstellungen, die keiner der Figuren zuzuordnen sind, aber auch nicht unbedingt einem Erz&amp;auml;hler (Erz&amp;auml;hlerin des Films aus dem Off ist in drei wichtigen Phasen des Films Michiyo Okamoto, die ihren Mann verl&amp;auml;sst und eine Weile bei ihrer Mutter und den Geschwistern in Tokio lebt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In beiden Einstellungen ist jeweils eine belebte Stra&amp;szlig;e zu sehen, eine davon ist mit Sicherheit in Osaka, das die &amp;uuml;berraschend vor der Heirat zum verwandten Ehepaar geflohene Nichte mit ihrem Onkel Osaka besichtigt. Ob die andere Einstellung etwas Entsprechendes in Tokio zeigt, wei&amp;szlig; ich nicht mehr. Durch die starke Bindung der Kamera an Michiyo und die anderen Hauptfiguren ist man geneigt, auch diesen Blick einer dieser Figuren, dem Ehemann oder der Nichte zuzuschreiben. Die Kamera bewegt sich aber ganz autonom in den von der Stra&amp;szlig;e er&amp;ouml;ffneten Bildraum hinein, sie schwankt dabei sogar ein bisschen, so dass man denken k&amp;ouml;nnte, es sei eine Subjektive. In der Einstellung taucht allerdings keine der uns vertrauten Figuren auf; mein Gedanke war deshalb, dass es sich um Material aus dem Fundus des Studios handeln k&amp;ouml;nnte, um eine anonyme Stadtansicht. Aber dass diese Bilder in diesem Film sind, ver&amp;auml;ndert seine Erz&amp;auml;hlung. Ihre seltsame Unangebundenheit hebt die Erz&amp;auml;hlung aus dem Individuellen in eine jedenfalls angedeutete Allgemeinheit, die nicht die der anthropologischen Aussagen ist, sondern viel mit der japanischen Nachkriegsgesellschaft zu tun hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Einfache, Allt&amp;auml;gliche hindurch, an seinen R&amp;auml;ndern ist in Naruses Film ein erstaunliches Nachkriegsjapan erkennbar, das permanent in es hineinwirkt. Das ist kein &amp;#8222;gesellschaftlicher Hintergrund&amp;#8220;, das sind keine &amp;#8222;Ausfl&amp;uuml;ge ins Soziale&amp;#8220;; es scheint eher die Grundierung der gesamten Erz&amp;auml;hlung zu sein, etwas, das sie einf&amp;auml;rbt, nicht erkl&amp;auml;rt. Ich will nur ein paar Szenen beschreiben, die mir aufgefallen sind, weil sie auf die ambivalente Pr&amp;auml;senz der Amerikaner und &amp;uuml;berhaupt auf die Nachwirkung des gerade sechs Jahre zur&amp;uuml;ckliegenden Krieges hindeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Eine Freundin, die Michiyo zuf&amp;auml;llig in Tokio trifft, ist mit ihrem kleinen Kind unterwegs; ihr Mann ist, wie sie erz&amp;auml;hlt, immer noch verschollen. Vielleicht helfen die Berichte &amp;uuml;ber die Vermissten im Radio, sagt sie ohne rechte &amp;Uuml;berzeugung, um im n&amp;auml;chsten Satz nachzuschieben, dass sie ihr Radio leider habe verkaufen m&amp;uuml;ssen. Wir sehen diese Frau sp&amp;auml;ter noch einmal, jetzt verkauft sie Zeitungen, und das Kind sitzt schr&amp;auml;g hinter ihr mit dem R&amp;uuml;cken zu uns gewandt, auf einem Zaun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Mit einem Kollegen, der ihn zu einem wackligen B&amp;ouml;rsengesch&amp;auml;ft &amp;uuml;berreden will, geht Okamoto einmal nach der Arbeit in einer Kneipe trinken. (&amp;Uuml;berhaupt sind die B&amp;ouml;rsenspekulationen und die Schlangen vor dem Arbeitsamt ein &amp;ouml;konomischer Subtext, der den Film durchzieht; Geld haben - kein Geld haben.) Sp&amp;auml;ter ziehen sie zu dritt weiter in eine Art Cabaret, das in einer immens gro&amp;szlig;en Halle untergebracht ist. Es l&amp;auml;uft amerikanische Musik, und auf der B&amp;uuml;hne tanzen Frauen in einer Formation, die an 30er-Jahre US-Musicals erinnert. Auf einem runden Plateau wird eine kreisf&amp;ouml;rmig arrangierte Gruppe von T&amp;auml;nzerinnen von unter der B&amp;uuml;hne nach oben gehoben, als werde ein Stockwerk tiefer gerade ein Busby-Berkeley-Film gedreht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- In der Gasse vor den kleinen H&amp;auml;usern in Okamotos Nachbarschaft wirft sich ungelenke Junge von Gegen&amp;uuml;ber mit zwei anderen, kleineren Jungs, einen Baseball zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Einzelne amerikanische Worte durchsto&amp;szlig;en das Japanische: &amp;#8222;Handkerchief&amp;#8220;, sagt Okamoto, bevor er zur Arbeit geht und sein Einstecktuch sucht. &amp;#8222;Don&amp;#8217;t know&amp;#8220; sagt einmal irgendjemand. Die Worte sind aber so in die Melodie des Japanischen eingelassen, dass sie kaum zu bemerken sind. Man wird lediglich dadurch darauf aufmerksam, weil die englischen Untertitel an diesen Stellen fehlen.

&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;

Ich stelle mir die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg in Japan als eine ma&amp;szlig;los verwirrende Zeit vor. Man muss sich ja die Ungeheuerlichkeit ins Ged&amp;auml;chtnis rufen, dass der Abwurf der Atombomben gerade so lang zur&amp;uuml;cklag wie heute der &amp;Uuml;bergang von 1999 nach 2000. Michiyo sagt einmal, dass nach der Zerst&amp;ouml;rung Tokios nur flache Geb&amp;auml;ude gebaut worden seien. Das Geld, die Spekulationen, die Orientierung auf Wiederaufbau und Reichtum, sind dem Film allerorten anzumerken; Osakas Finanzstra&amp;szlig;e wird von der Stadtf&amp;uuml;hrerin nicht ohne Stolz als &amp;#8222;Gegenst&amp;uuml;ck zur Wall Street&amp;#8220; bezeichnet. Diese Zerrissenheit zwischen Zerst&amp;ouml;rung und Wiederaufbau, zwischen Armut und Spekulation scheint mir eine Struktur zu benennen.

&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;

Am Schluss, Okamotos Frau ist immer noch in Tokio, ihr Mann in Osaka und die Trennung dauert nun schon eine ganze Weile, bricht ein Sturm los. Die Leute bringen sich in den H&amp;auml;usern in Sicherheit, auf der Tonspur ist das Pfeifen des Windes zu h&amp;ouml;ren. Am n&amp;auml;chsten Morgen bessert jemand das Dach aus. Dieser Sturm, den man als Kinozuschauer liebend gern allegorisch verstehen w&amp;uuml;rde, als Aufruhr in Michiyos Herzen, als Zuspitzung des Konflikts zwischen beiden, ist all das genau nicht. Er ist einfach nur das: ein Wind, der vor&amp;uuml;berzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Volker Pantenburg&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Tue, 03 Apr 2007 20:53:52 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1606340/</guid>
      <dc:creator>pburg</dc:creator>
      <dc:date>2007-04-03T20:53:52Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Februar 07</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1592065/</link>
      <description>Anfang Februar, ich war zu einem Spaziergang am sp&amp;auml;ten Nachmittag aufgebrochen, es war kurz nach 5 und es wurde langsam dunkel, und beim Spazierengehen kam mir wieder das Verhalten gegen&amp;uuml;ber den Filmen in den Sinn. Das Verhalten von den vielen verschiedenen Leuten, das ganz von meinem verschiedene Verhalten und mein Verhalten dazu. Wie schwer es ist, sagte ich mir wieder, sich zu all dem stimmig zu verhalten und ob es noch richtig ist, all dies, was um die Filme herum als Verhalten geschieht, als Verhaltensaufforderungen zu durchschauen, als Verhaltensaufforderung aber, die man geradezu ignorieren sollte, um stimmig weitermachen zu k&amp;ouml;nnen; ob man aber von beabsichtigter Unaufmerksamkeit schlie&amp;szlig;lich doch, wie die anderen meinen, unbeabsichtigt unaufmerksam und daher unerheblich wird? Beim Lesen von Texten und beim H&amp;ouml;ren von Gespr&amp;auml;chen zu Filmen hatte ich in den letzten Tagen immer &amp;ouml;fter an die Sache mit dem Verhalten gedacht und die vielen Sachen, die das Verhalten ausmachen. Immer mehr Gedanken &amp;uuml;ber das stimmige und das unstimmige Verhalten und die Filme und was das mit den Leuten und mit mir macht kamen mir nun auch beim Spazierengehen in den Sinn. All dies zerrte nun schon seit Tagen in meinem Kopf herum und genervt brach ich das Spazierengehen und Nachdenken daraufhin ab. Ich ging zum Reichelt und kaufte mir ein halbes Brot. Es war Samstagnachmittag, weit nach 5 Uhr und eine Auszubildende mit einem Auszubildendenschild am Revers verkaufte mir da dieses Brot. Es war erstaunlich, wie viele Brote in den Brotregalen lagen am Samstagnachmittag weit nach 5. Das hatte ich nicht erwartet. Als ich mit dem Brot in der einen und dem Schl&amp;uuml;ssel in der anderen Hand die Treppen zu meiner Wohnung hinaufstieg, fiel mir der vor Jahren gesehene Film "Babes on Broadway" von Busby Berkeley ein, MGM 1941. In dem Film fragt Mickey Rooney July Garland, ob sie ein Lied f&amp;uuml;r ihn singen w&amp;uuml;rde. Gar nicht abgeneigt, ein Lied f&amp;uuml;r Mickey Rooney zu singen, h&amp;auml;lt sie ihn aber noch hin, die S&amp;uuml;&amp;szlig;e der Situation genie&amp;szlig;end: "How do you know I sing?", und er antwortet prompt: "You sing when you talk, and you dance when you walk, and when I look in your eyes, I see a song." Die Erinnerung an diese &amp;Uuml;berredung gefiel mir sehr und ich ging wieder hinaus auf die Stra&amp;szlig;e und machte doch einen Spaziergang und dachte weiter nach dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war die Berlinale.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fragte mich nachher, nach dem Text von DE, ob ich eine gute oder eine schlechte Berlinale hatte. Ich hatte keine Routine darin, diese Frage zu beantworten. Auf der Berlinale hatte ich nach einem Tag erst drei Filme gesehen und nach zehn hatte ich den Schnitt nicht gehalten. Hatte ich eine gute oder eine schlechte Berlinale? Zwischen den Filmen bin ich manchmal nach Hause&amp;nbsp;gefahren oder woanders hin, meist aber stand ich mit anderen herum und habe mich zwischen den Filmen unterhalten.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer Freundin hatte ich mit dem Akkreditierungstrick Zutritt verschafft zu dem SUBSTITUTE Film und sie hatte sich dar&amp;uuml;ber und sp&amp;auml;ter auch an dem Film gefreut. VP traute sich nachher nicht, ein Autogramm von Dorasso zu verlangen. Dorasso stand in unserer N&amp;auml;he und ich verlangte das Autogramm, f&amp;uuml;r SP; es war erst das zweite Mal in meinem Leben, dass ich ein Autogramm verlangte. Das erste Mal war vor ein paar Jahren im Winter im Bastard als Kimya Dawson dort spielte und ich HV gezogen hatte f&amp;uuml;r die Beschenkung in Bielefeld, HV, die Kimya Dawson Fan ist. Sp&amp;auml;ter musste ich oft an den SUBSTITUTE Film denken. Das Dispositiv des SUBSTITUTE Films ist eigentlich total fies, eine miese, marode K&amp;uuml;nstlerfantasie, eine Pygmalion-Anschafferei, ganz das Gegenteil zwar des Wortmanngemaches, aber darum ja nicht weniger fies. Doch schau mal, wie der Fu&amp;szlig;baller Dorasso sich in dem Film mittels Gegenschuss dem entgegenstellt. W&amp;auml;hrend der Berlinale machte die Nachricht die Runde, dass eine Vereinigung deutscher Filmkritiker den Wortmannfilm zum besten Dokumentarfilm des Jahres gew&amp;auml;hlt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Berlinale traf ich im Arsenalfoyer MG. Er sa&amp;szlig; mit einer gro&amp;szlig;en Kamera an dem runden Tresen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schlange zu LOVE 'EM OR LEAVE 'EM traf ich BS und AR und AR sagte ich da im Gespr&amp;auml;ch, dass ich mich eigentlich doch nicht so recht f&amp;uuml;r Kunst interessieren kann und danach kam mir das unversch&amp;auml;mt vor ihr gegen&amp;uuml;ber, die ja K&amp;uuml;nstlerin ist.&amp;nbsp;In der Schlange standen auch AH und RS. AH fragte nach unserem Buch und nachdem ich kurz von der zweiten Auflage erz&amp;auml;hlte, berichtete er sofort vom Erfolg seines Buchs. Auch er ist ja monoman, dachte ich dann sp&amp;auml;ter. Wie BS, der auch immerfort von seinen Sachen erz&amp;auml;hlt und ein bisschen versucht, mir ein Schuldgef&amp;uuml;hl zu geben, als er mich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t und sagt, wir haben uns lange nicht gesehen. Das hat mir nicht gefallen, weil ich nicht mehr einsehe, dass man sich immerzu sieht, nur weil man die gleichen Filme anschaut. Ich glaube auch nicht, dass er das denkt, aber er denkt, ich m&amp;uuml;sse seine Arbeit mehr achten.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
W&amp;auml;hrend der Berlinale musste ich auch oft an den Film THE TRACEY FRAGMENTS denken &amp;#8211; nicht, weil er etwas Besonderes ist, sondern weil sein Splitscreengemache g&amp;auml;nzlich unelektrisierend war. Vor dem Film THE TRACEY FRAGMENTS sa&amp;szlig; ich im Kino und telefonierte mit LB und auch mit CB, aber leise und dezent. Hinter mir sa&amp;szlig; ein englischsprechender Spanier und als ich noch nicht telefonierte, telefonierte er sehr laut und ich drehte mich zu ihm, mit der Drehung bedeuten machend, dass sein lautes Telefonieren mich st&amp;ouml;re. Als ich dann selber telefonieren musste, tat ich es leise und dezent.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Schlange vor dem Arsenal stand ich neben AE, HF und CH. CH trug eine Bluse in Orange und Braun und Beige, die wie Seide aussah, aber doch war sie aus Plastik, wie CH beteuerte. Jeder kann sich also diese Bluse kaufen, wenn er mag. In dem Film dann, X LOVE SCENES, f&amp;uuml;hlte ich mich nicht wohl, auch wenn ich im Abspann dieses Films genannt wurde, weil ich eine &amp;Uuml;bersetzungsarbeit f&amp;uuml;r den Film gemacht hatte. Ich stand mit AE vor dem Kino und begr&amp;uuml;ndete ihr meine Unlust an dem Film.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Cinemaxx-Cafe waren RK mit zwei Freunden aus Heidelberg und KW. Es war sch&amp;ouml;n, RK und KW zu sehen. KW und ich machten uns&amp;nbsp;auf, den Film PRINZESSINNENBAD von Bettina Bl&amp;uuml;mner anzuschauen. Lange Schlangen waren vor dem Kino und ich stellte mich ans Ende einer aussichtslos langen f&amp;uuml;r Leute mit schlechten Akkreditierungen. KW aber besorgte sich eine Karte bei einer Frau und schickte mich zu dieser und schon bald hatte auch ich eine. Von der ersten Reihe des gro&amp;szlig;en Kinos wirkte die Leinwand besonders gro&amp;szlig; auf uns, wir sa&amp;szlig;en ja fast unter ihr. Die eigentlich beil&amp;auml;ufig zu betrachtenden Knutschflecke der M&amp;auml;dchen wirkten von unserem Sitzen wie zu erratende Hieroglyphen. Einmal sagt eines der M&amp;auml;dchen, sie sei "jung, dynamisch und naiv". Man sieht sie in dem Film oft rauchen und durch Kreuzberg laufen. Dem Film war nicht viel dazu eingefallen, wie er von einer Sequenz zur n&amp;auml;chsten kommt und hatte Schnittbildintermezzi aus Kreuzberg, die mit moderner basslastiger Musik unterlegt waren, daf&amp;uuml;r herangezogen. KW, der erst neulich einen Herzinfarkt hatte, verlie&amp;szlig; deshalb nach einer Stunde das Kino. Sp&amp;auml;ter traf ich ihn wieder im Cinemaxxcafe und er berichtete von seinem Tischnachbarn und zeigte auf ihn, ein Musiker und Komponist, der dann erz&amp;auml;hlte, dass die Subwoofer aus der amerikanischen Kriegsforschung hervorgegangen seien. KW war gar nicht wegen der Berlinale in Berlin. Er war in der Stadt um einen Dichter zu treffen bei einem Abendessen mit einem anderen Dichter. Sp&amp;auml;ter. Vor dem Film sagte KW, dass aufgrund des Ekels die Menschen an bestimmten Wegkreuzungen ihres Lebenswegs ausweichen und der Lebensweg der Menschen, nimmt man ihn einmal als solchen, aus vielen solcher Ausweichman&amp;ouml;ver besteht; man k&amp;ouml;nne sich fragen, wie der Lebensweg der Menschen aussehen w&amp;uuml;rde, wichen sie nicht so h&amp;auml;ufig vor dem Weg aus, den der Ekel einem zu versperren scheint.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich versp&amp;uuml;rte Hunger und wollte mich aufmachen, etwas zu essen, schaute aber noch in das Programm und entdeckte den Film LES ANN&amp;Eacute;ES D&amp;Eacute;CLIC von Depardon. Depardons Vorderz&amp;auml;hne waren damals, als der Film gemacht wurde, Mitte der 1980er, noch nicht gemacht und er hatte auch wegen der nichtgemachten Z&amp;auml;hne noch etwas sehr Junges an sich. Depardon schaut w&amp;auml;hrend des Films auf die vor ihm liegenden Bilder hinunter und dann schaut er &amp;uuml;ber sie sprechend in die Kamera. Ich schrieb in mein Notizbuch: "Auf- und Niederschauen des Depardon". Magnum, sagte Depardon nach dem Film, sei da, daran zu erinnern, dass es Leute seien, die die Bilder machen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolverfeier war laut und voll. Wir fuhren zu viert mit dem Taxi nach Haus.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit UH schaute ich mir den Film von Dreyer an, der einen schwierigen d&amp;auml;nischen Namen hat, DU SKAL AERE DIN HUSTRU, was hei&amp;szlig;t: Ehret eure Frauen. UH hoffte, dass ein D&amp;auml;ne etwas zu dem Film sagen wird, weil sie das D&amp;auml;nische gerne h&amp;ouml;rt und schon bald kam ein D&amp;auml;ne vom D&amp;auml;nischen Filminstitut und f&amp;uuml;hrte den Film ein. Es gibt in dem Film eine seltsame Einstellung, etwas, was ich noch nie in einem Film von Dreyer gesehen habe. Das ist gegen Ende des Films, da hat sich der zuvor tyrannische Vater gebessert und jetzt schickt seine Tochter ihm eine Botschaft auf einem St&amp;uuml;ck Papier. Das St&amp;uuml;ck Papier hat sie in den Schnabel eines kleinen mechanischen Vogels gesteckt und jetzt hat sie den Vogel auf den Boden gesetzt und der Vogel legt nun die kurze Strecke zwischen der Tochter und dem Vater zur&amp;uuml;ck und die Kamera erfasst dieses Wegst&amp;uuml;ck in einer sehr nahen Einstellung und der Hintergrund verschwimmt dabei, denn die Kamera wird nicht langsam von der Anfangsposition zur Endposition geschwenkt, sondern die Kamera wird von der einen zur anderen Position gerissen. Wie immer ist es sch&amp;ouml;n, Ausz&amp;uuml;ge aus den zeitgen&amp;ouml;ssischen Filmkritiken auf den ausliegenden Din-A-4-Bl&amp;auml;ttern zu lesen. Ich las diese Filmkritiken in der U-Bahn und dachte an die Texte von Peter Nau. Ich hatte da den Eindruck, dass der Peter Nau mit seinem Filmkritikschreiben sich mit viel Respekt genau hineinschreibt in diese Tradition der Filmkritiken, die sp&amp;auml;ter auf den Bl&amp;auml;ttern wiederzufinden sind, die auf Retrospektiven ausliegen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich h&amp;auml;tte noch zu dem Film THE PATSY fahren k&amp;ouml;nnen. Der Film lief im Zeughaus Kino. Aber ich bin nicht mehr zu diesem Film gefahren. Ich hatte schon meine Jacke angezogen und den Schal um den Hals geschlagen und die Wohnungst&amp;uuml;r ge&amp;ouml;ffnet. Ich h&amp;auml;tte sofort los k&amp;ouml;nnen. Den Bus h&amp;auml;tte ich rechtzeitig bekommen um noch Zeit zu haben vor dem Film, um vor der gro&amp;szlig;en Eingangst&amp;uuml;r des Zeughauskinos eine Zigarette zu rauchen. Ich bin dann aber doch zuhause geblieben. Als das Telefon klingelte, wollte ich gerade etwas &amp;uuml;ber die M&amp;uuml;digkeit und die Unlust schreiben. MH war am Telefon. Ich sagte ihm, dass ich mir vor zehn Jahren auf der Berlinale gew&amp;uuml;nscht hatte, viele der Leute dort kennenzulernen und heute w&amp;uuml;nsche ich mir, so viele Leute zu kennen auf der Berlinale wie vor zehn Jahren, n&amp;auml;mlich wenige. Ich hatte &amp;uuml;berlegt, etwas in die "new filmkritik" zu schreiben oder etwas f&amp;uuml;r einen sp&amp;auml;teren Text aufzuschreiben.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RK war inzwischen eingetroffen, w&amp;auml;hrend der Berlinale wohnte er bei mir. Er war erfreut als er am folgenden Vormittag einen Hundertwortetext von VP zu seinem Film las. Ich lag da auf dem Bauch im Bett und schrieb in den Computer hinein und h&amp;ouml;rte RKs Freude aus dem Nebenraum. Mit ihm schaute ich sp&amp;auml;ter, von Minute zu Minute dem Erz&amp;auml;hlen dieses Films zugetaner, den Film SHOTGUN STORIES. Wie in dem Film die Mutter der drei Br&amp;uuml;der im Dunkel verschwindet und noch im Weggehen halb im Licht und halb schon im Dunkel sagt, sie gehe nicht auf die Beerdigung des Vaters. Nur die plotvorantreibende Nebenfigur gefiel uns nicht. Dies ist die einzige gedankenlose Figur in dem Film, was nicht am Filmemacher liegt, denn dessen Verh&amp;auml;ltnis zum Erz&amp;auml;hlen ist stimmig, sondern an einer fehlenden Idee des Filmemachers zu dieser Figur. Dem Filmemacher ist wenig eingefallen zu dieser Figur. Diese Figur ist daf&amp;uuml;r da, die Haupftiguren von den Aktionen der anderen zu informieren und sie damit zu Gegenhandlungen zu treiben. Dass RK und mir diese Figur als gedankenlose aufgefallen war, sprach aber trotzdem f&amp;uuml;r das Geschick des Regisseurs, denn sie ist die einzige missgl&amp;uuml;ckte Erfindung des Filmemachers.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie immer war ich auf der Berlinale von den Reaktionen des Publikums auf die Filme irritiert. Ich hatte verdr&amp;auml;ngt: Das Publikum auf Filmfestivals ist das schlimmste. Dass sich die Leute auf Filmfestivals nicht benehmen k&amp;ouml;nnen, kommt wegen der unpassenden Zusammensetzung der Leute und wegen ihrer gro&amp;szlig;tuerischen Haltung den Filmen gegen&amp;uuml;ber. Ich schaute den Film YELLA von einem Sitz ganz oben im Berlinale Palast und h&amp;ouml;rte irritiert die Lacher, als Yella sagt, sie wolle in die Stadt, sich ein paar neue Klamotten kaufen. Gerade das Publikum auf einem gro&amp;szlig;en Filmfestival ist darauf aus, bemerkt zu sein, deshalb kommen immerzu, egal in was f&amp;uuml;r einem Film, aufmerksamkeitserheischende Lacher. Dumm waren auch die Gespr&amp;auml;chsfetzen der Gruppe, die sich nachher &amp;uuml;ber den klugen Film THE HALFMOON FILES erhaben f&amp;uuml;hlte.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich an ein Gespr&amp;auml;ch vor der Berlinale mit einem, der sagte, ihm habe der Rohrbachartikel aus dem Spiegel aus dem Herzen gesprochen und dass er mir das schon sagen k&amp;ouml;nnen d&amp;uuml;rfe und ich erinnere mich an einen Text &amp;uuml;ber Formeln wie "aus dem Herzen sprechen" und "ich muss sagen" und "ich muss jetzt mal sagen". Mit RK sa&amp;szlig; ich in der Nacht noch zusammen und wir tranken Russian Standard und stellten uns vor, wie Rohrbach einmal ein paar N&amp;auml;chte nicht einschlafen konnte wegen der Wahrnehmung der anderen und er sich gepiesakt f&amp;uuml;hlte davon und unerheblich und dann seinem Herzen Befreiung verschaffte mit dem Schreiben des Rohrbachartikels, der einer dieser "ich muss sagen"-Texte ist. Nie ist sp&amp;auml;ter viel mehr an solchen Texten zu finden als die zu verortende Geste des Aufrufens und Sagenm&amp;uuml;ssens. Dann dachte ich wieder an die Sache mit dem Verhalten und an die Filmgeschichte. Manchmal kann man denken, die Filmgeschichte, so wie sie sich sp&amp;auml;ter darstellt, bestehe nur aus diesen Machtworten und Machttaten und nicht aus den gespeicherten Haltungen der Filme, die denen widerstreben. Sp&amp;auml;ter fielen mir die Leute ein, die in dem Film mit Mistinguette in Paris in den Zwischenhandlungen und Zwischenschnitten in die Kamera blicken. Die Filmgeschichte sind diese Leute, die in dem Mistinguettefilm in die Kamera blicken.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem sch&amp;ouml;nen T&amp;eacute;chin&amp;eacute;film staunte ich, wieder eine ganz unmotivierte Nacktaufnahme der Emanuelle B&amp;eacute;art zu sehen. Beim Betrachten der Bilder der sch&amp;ouml;nen Emanuelle B&amp;eacute;art wurde ich ganz gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig. Ihr K&amp;ouml;rper ist ja auch Teil der Filmgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href="http://youtube.com/watch?v=qMYLV3cqLKc" title="http://youtube.com/watch?v=qMYLV3cqLKc"&gt;youtube.com&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das rauhe Serielle des Hong Sang Soo.&lt;br /&gt;
Der l&amp;auml;ssige Freejazz des Charles Burnett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Berlinalebeginn diesmal war nicht hysterisch. Beim Beginn einer Berlinale hatte ich mich seit ein paar Jahren immer gefragt, was das Kino mir noch ist. Tats&amp;auml;chlich war es auch diesmal so. Dann traf ich ein paar Leute, die ich lange nicht gesehen habe und freundete mich an mit der wiederholten Situation. Nachmittags kam ich zum Lesen und Einkaufen und Saubermachen, Vormittags bisweilen zum Schreiben, RK bl&amp;auml;tterte durch die Programme, an den Abenden besprachen wir die Vorkommnisse des Tages. So und mit den Alltagssachen aus dem Normalleben und den Ereignissachen vom Potsdamerplatzleben im Kopf, kamen wir auf die Idee mit dem Mount Rushmore der Filmkunst, den wir uns im Riesengebirge vorstellen konnten oder in einem noch zu schleifenden Wienerwald. W&amp;auml;re HH wirklich Kultusminister seines Landes geworden, h&amp;auml;tten wir, an diesem Abend jedenfalls, diese Idee ihm vorgetragen. Wir konnten uns aber nicht auf die vier eingemei&amp;szlig;elten Regisseure einigen. RK hatte dann aber schlie&amp;szlig;lich die Idee, das bei einem noch zu drehenden Hitchcockremake Brad Pitt am Zigarrenstummel des Jean Marie Straubs h&amp;auml;ngen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der  Berlinale sp&amp;uuml;rte ich Hautunreinheiten im Gesicht, rote Flecken, die sachte brannten. Schlie&amp;szlig;lich war ich doch &amp;uuml;berrascht, viele Filme auf der Berlinale gesehen zu haben. W&amp;auml;hrend der Berlinale war ich entt&amp;auml;uscht &amp;uuml;ber die Texte, die w&amp;auml;hrend der Berlinale zu den Filmen der Berlinale ver&amp;ouml;ffentlicht wurden. Vor allem das Agitatorische vieler Texte war mir zuwider. Zuwider war mir auch das guinessbuchrekordhaft Eilfertige der vielen Weblogs. In den ersten Tagen der Berlinale hatte ich auch oft mit Leuten herumgestanden, die Meinungen vor oder nach dem Film verlangten, was mir von da an zuwider war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Berlinale gab es ein Essen in Kreuzberg. Es war endlich Geld gekommen von der Jungle World f&amp;uuml;r die Filmgespr&amp;auml;che. Wir sprachen &amp;uuml;ber das Vergangene. SR erw&amp;auml;hnte ein Buch &amp;uuml;ber Remediationen. VP machte einen Vorschlag zum Weblog, einen Monat, in dem jeden Tag jeder ein Posting machen muss. Ich wurde w&amp;auml;hrend all dem merklich still. Meinungslos sa&amp;szlig; ich da und sp&amp;uuml;rte den Impuls, mich mit der schriftlichen Formulierung von Stimmungen abzugeben. Hier sa&amp;szlig; ich mit Freunden und dachte stattdessen an den &amp;Uuml;berzeugungsterror und den Thesenkitsch und die Stimmungssache. Beim Nachlesen der Goetzblogeintr&amp;auml;ge erinnerte ich das Theorieschreiben von fr&amp;uuml;her. Doch im Begriffsbem&amp;uuml;hen ist das Narrativ dann ja doch versteckt. Hier in 2007 fing alles besser an und anders und ich frage mich, ob ich die paar Berlinaletage und deren Nachwehen so auffassen soll, dass das Weitermachen wie bisher nicht mehr geht. RK erz&amp;auml;hlte von seinen letzten Berlinaleerlebnissen und dem Wiederschauen des Guitarrenfilms von Martin Rit. Ich hatte den Film nicht noch einmal geschaut. Ich h&amp;auml;tte den Film nocheinmal schauen wollen, aber es war zu kompliziert. Ich h&amp;auml;tte mir auch die anderen Kurzfilme des Programms anschauen m&amp;uuml;ssen, um den Film mit der Guitarre wiederzusehen. Das w&amp;auml;re professionell gewesen. W&amp;auml;re ich ein professioneller Filmgucker, m&amp;uuml;sste ich mir nun sagen lassen, mein Handeln sei unprofessionell. Ich wurde krank und schlief bis in den Nachmittag. Im Traum meinte ich in der Realit&amp;auml;t in eine d&amp;eacute;j&amp;agrave;-vu-Situation hineinzugeraten. Die Situation handelte von der Wohnung von TA. In dieser Traumrealit&amp;auml;t, die ich durchlebte, schien es mir, in der leerger&amp;auml;umten Wohnung von TA stehend, dies stehend ein zweites Mal zu erleben. Es war im Traum so, als habe ich das Stehen in der Wohnung vor dem dort Stehen bereits an anderem Ort getr&amp;auml;umt; getr&amp;auml;umt, ohne zu glauben und zu verstehen, was es war. Erst durch das Erleben, welches zwar immer noch getr&amp;auml;umt war, konnte ich das zuvor vor langer unbestimmter Zeit Getr&amp;auml;umte in einen sinnhaften Bezug bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Michael Baute -</description>
      <pubDate>Tue, 13 Mar 2007 18:08:24 GMT</pubDate>
      <guid>http://filmkritik.antville.org/stories/1592065/</guid>
      <dc:creator>mbaute</dc:creator>
      <dc:date>2007-03-13T18:08:24Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Berlinale 2007 – Nachträgliche Notizen</title>
      <link>http://filmkritik.antville.org/stories/1579802/</link>
      <description>9.-19. Februar 2007&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Hinfahrt, am Freitag, schneite es, auf der R&amp;uuml;ckfahrt, am Montag, waren die Stra&amp;szlig;en frei und nicht &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig befahren. Letzteres erscheint mir angemessen, ersteres weit weg. Dazwischen lagen 27 Filme, zwei davon, der deutsche Film &lt;i&gt;Jagdhunde&lt;/i&gt;, der armenische Film &lt;i&gt;Stone Time Touch&lt;/i&gt;, waren unertr&amp;auml;glich, aber sie lagen am Anfang des Festivals, der Zeitplan war unumst&amp;ouml;&amp;szlig;lich, mit der durch ein Rausgehen gewonnenen Zeit h&amp;auml;tte man nichts anzufangen gewusst. Der Zeitverlust mit diesen Filmen erschien nicht schlimmer als jener in einem unangenehmen Caf&amp;eacute;. Alle anderen Filme waren mehr als annehmbar, wie man so sagt, also: nicht entt&amp;auml;uschend oder solide oder gut oder sch&amp;ouml;n oder toll. Daf&amp;uuml;r sch&amp;auml;me ich mich ein wenig, denn viele Leute haben ja keine gute Berlinale. Weil sie in die falschen Filme gehen, gehen m&amp;uuml;ssen, weil sie zu viele andere sch&amp;ouml;ne Filme im Jahr sehen, weil sie die Betriebsamkeit, die Urteilspenetranz, die Fl&amp;uuml;chtigkeit, die Warterei, die R&amp;auml;ume nerven, weil ihnen die Vorstellung, man k&amp;ouml;nnte eine Berlinale haben, eine gute zumal, unter den obwaltenden Umst&amp;auml;nden oder prinzipiell verst&amp;auml;ndlicherweise nicht behagt. Ich war noch nicht oft da; ich sehe sonst zumeist nur in Hamburg Filme; ich hatte eine gute Berlinale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hong Sang-soos &lt;i&gt;Woman on the Beach&lt;/i&gt; wiederholt sich fast alles, und das l&amp;ouml;st nichts als die ohnehin losen Bindungen, und ein Hund am Strand wechselt den Besitzer. In Yau Nai Hois &lt;i&gt;Eye in the Sky&lt;/i&gt; wiederholt sich fast alles, und das l&amp;ouml;st fast alles, und die &amp;Uuml;berwacherin mit dem Codenamen Piggy wird am Ende zum Hund nobilitiert. In Angela Schanelecs &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt; wird die anf&amp;auml;nglich vor leeren R&amp;auml;ngen angespielte Theaterszene mit einem Hund sp&amp;auml;ter von der Freundin des Sohnes dem Freund der schauspielernden Mutter nacherz&amp;auml;hlt, in G&amp;auml;nze. Die Erz&amp;auml;hlungen der m&amp;auml;nnlichen Protagonisten in &lt;i&gt;Woman on the Beach&lt;/i&gt; sind unzuverl&amp;auml;ssig, aber der Zuschauer wei&amp;szlig; zumeist um ihre L&amp;uuml;gen. Die Erz&amp;auml;hlungen der Protagonistin in Maria Speths &lt;i&gt;Madonnen&lt;/i&gt; sind unzuverl&amp;auml;ssig, und der Zuschauer erf&amp;auml;hrt oft erst sp&amp;auml;ter, dass sie L&amp;uuml;gen waren. In Arthur Penns &lt;i&gt;Night Moves&lt;/i&gt; ist vieles unzuverl&amp;auml;ssig, aber wenig gelogen, der Detektiv Harry Moseby stellt einfach nur keine oder die falschen Fragen. Der Film enth&amp;auml;lt einige ber&amp;uuml;hmte S&amp;auml;tze, &amp;uuml;ber Rohmer und Farbe und andere Noir-Detektive und tote Kennedys usw. Und einen pessimistischen &amp;uuml;ber ein Footballspiel, der nat&amp;uuml;rlich immer allegorisch verstanden wird. In der vierten Staffel der gro&amp;szlig;artigen amerikanischen institutionsanalytischen Baltimore-Polizei-Politik-Community-Drogenhandel-Fernsehserie &lt;i&gt;The Wire&lt;/i&gt; sagt der fr&amp;uuml;here Polizist Roland Pryzbylewski, der nun als Lehrer an einer Public Middle School arbeitet, diesen Satz, nur geringf&amp;uuml;gig modifiziert, nachdem ihm von seiner Frau, von der er gerade keineswegs herausgefunden hat, dass sie ihn betr&amp;uuml;gt, die Frage von Harry Mosebys Frau, die Frage nach dem siegenden Team gestellt wurde. Es liegt wenig Zitathaftes in diesem Dialog , der damit endet, dass sie, auf den Bildschirm schauend, sagt: "See, somebody is winning." In Kazuhiro Sodas &lt;i&gt;Campaign&lt;/i&gt; gewinnt der Kandidat Yamauchi Kazuhiko seine Wahl, aber wie ein Sieg will einem das nicht erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Fredrick Wisemans &lt;i&gt;State Legislature&lt;/i&gt; wird in einem Ausschuss einmal ein Mann geh&amp;ouml;rt, der sich gegen die staatliche Pr&amp;uuml;fung und Anerkennung von Bauunternehmern ausspricht. Einem Mitglied des Ausschusses scheint dieses Engagement verd&amp;auml;chtig oder unlauter oder zumindest fragw&amp;uuml;rdig motiviert zu sein. Er fragt den Mann, der ein kleines rundes Pflaster im Gesicht tr&amp;auml;gt, wie er zur staatlichen Pr&amp;uuml;fung bei anderen Berufen stehe, der Mann soll auf die Nennung des Berufes nur mit "yes" (f&amp;uuml;r eine staatliche Pr&amp;uuml;fung) oder "no" (dagegen) antworten. Er nennt dem Mann Berufe, dutzende, in einer willk&amp;uuml;rlichen Reihenfolge. Der Mann will manchmal antworten, da kenne er sich nicht aus, das k&amp;ouml;nne er nicht beurteilen. Der Abgeordnete aber l&amp;auml;sst nur "yes" &amp;amp; "no" gelten. Der Befragte erfindet sich eine Ausweichkategorie, "U. L.", ich habe leider verpasst, was dieses K&amp;uuml;rzel bedeuten sollte. "I count that as a no," sagt der Abgeordnete, wenn der Mann "U. L." sagt. Meistens sagt der Mann ohnehin "no", manchmal z&amp;ouml;gert er; bei Anw&amp;auml;lten z. B. sagt er "yes" und wird deshalb nach der Aufz&amp;auml;hlung ungef&amp;auml;hr drei&amp;szlig;ig weiterer Berufe eines Widerspruchs &amp;uuml;berf&amp;uuml;hrt, da er bei einer Profession, die er mit dem Anwaltsstand vergleicht, "no" antwortet. Es gibt immer einen richtigen und einen falschen Liberalismus. Die Auseinandersetzung darum zeigt dieser phantastische Film. Was "referentialisieren" hei&amp;szlig;en mag, kann man in ihm lernen. Und vieles andere mehr. Im Nachhinein h&amp;auml;tte ich die Liste, die Befragung gerne mitgeschrieben. In &lt;i&gt;Campaign&lt;/i&gt; verf&amp;auml;ngt sich jede M&amp;ouml;glichkeit, jede Notwendigkeit einer solchen Referentialisierung in der Taktung des Wahlkampfes. Der Kandidat soll schreien, seinen Namen zumeist, soll sich verbeugen, soll alle H&amp;auml;nde sch&amp;uuml;tteln, Ma&amp;szlig;regelung, Ersch&amp;ouml;pfung. Es ist nicht direkt eine &amp;#8211; oder eben direkt keine &amp;#8211; Politik, die der Film zeigt. Vielleicht eine Politikvermeidung auf dem Weg zur Politik und an ihr vorbei. Vielleicht das Revers der Politik, die Wiseman zeigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist Pascale Ferrans &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; das Revers von Jacques Rivettes &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt;. In &lt;i&gt;Lady Chatterley&lt;/i&gt; ist die sanfte Entkleidung, die der Film bis zu den Schuhen langsam an &amp;amp; mit seinem Paar vornimmt, auch eine filmische Entkleidung der literarischen Vorlage, die Neugier der beiden aufeinander ist auch die Neugier auf die M&amp;ouml;glichkeit dieser filmischen Entkleidung, die recht eigentlich eine Bekleidung ist &amp;#8211; mit Blumen z. B., mit gestes justes. In Jacques Rivettes &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt; ist filmischer Materialismus Literarizit&amp;auml;t oder andersherum, und der Vorhang, der die erste Szene so heftig schlie&amp;szlig;t wie sp&amp;auml;ter manches Wort, manche Geste, geste &amp;amp; mot juste, ist diesmal kein Theatervorhang. In beiden Filmen gibt es eine dezente Determination durch die Zwischentitel, die zugleich eine sch&amp;ouml;ne Diskretion ist. In &lt;i&gt;Ne touchez pas la hache&lt;/i&gt; schneiden sie ein Zeitma&amp;szlig; in den Film, mit &amp;amp; in dem man mitunter jedes Zeitma&amp;szlig; verliert (was in dem Film selbst am Ende eine nicht unwesentliche Rolle spielt). Man glaubt mitunter, dass die Interpunktion der Zwischentitel, ihre schlie&amp;szlig;enden Gedankenstriche in die Szenen als &amp;Ouml;ffnung hineinragen, im Film sicht- &amp;amp; h&amp;ouml;rbar werden. (Das erinnerte mich daran, dass meine deutsche Rowohlt-Ausgabe der &lt;i&gt;Com&amp;eacute;die humaine&lt;/i&gt; dieses alte s hat, das aussieht wie ein umgedrehtes J; der Text liest sich dadurch f&amp;uuml;r mich immer, als lispele er.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Nanouk Leopolds &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; setzt die Musikanlage des alten Mannes, der in einem Brief seiner Familie ank&amp;uuml;ndigt, sterben zu wollen, immer f&amp;uuml;r einen Moment aus, aber er st&amp;ouml;rt sich nicht daran. Er kenne die Musik schlie&amp;szlig;lich, sagt er. Der alte oder alternde Mann in Angela Schanelecs &lt;i&gt;Nachmittag&lt;/i&gt;, Alex, sagt, er m&amp;ouml;chte im Alter nur noch mit Menschen zu tun haben, die er kennt. In &lt;i&gt;Shotgun Stories&lt;/i&gt; funktioniert in dem Van, in dem einer der drei Br&amp;uuml;der Son, Boy und Kid, Boy, lebt, der Kassettenrekorder nicht richtig, die Kassette geht nur gelegentlich an. Boy versucht den Rekorder vergeblich zu reparieren. Die Kassette nimmt er nicht raus. Sonst habe er ja gar keine Musik mehr, sagt er. F&amp;uuml;r den Film geht sie mitunter im richtigen Moment an. Ein Haus in &lt;i&gt;Shotgun Stories&lt;/i&gt; hat die Nummer 11802. Eines der von Rudolph Schindler entworfenen H&amp;auml;user in Heinz Emigholz&amp;#8217; &lt;i&gt;Schindlers H&amp;auml;user&lt;/i&gt; hat die Nummer 11832, was ich mir wegen der Telefonauskunft und der entsprechenden Werbung merken musste. Das Haus mit der Nummer 11802 steht in Arkansas, Schindlers H&amp;auml;user in und bei Los Angeles. Die Anlage in &lt;i&gt;Wolfsberge&lt;/i&gt;n funktioniert nach einem Schlag mit der Handfl&amp;auml;che wieder, ihr Besitzer ist da schon tot oder fast tot. In &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt; bringt der von Devid Striesow gespielte Risikokapitalist Yella ein Repertoire an &amp;ouml;konomisierbaren Codes und Gesten bei und stellt im Auto fest, dass sie nicht liest, nur vorgibt zu lesen, stattdessen lauscht, weil sich ihre Augen nicht entsprechend bewegen. Einer der Anw&amp;auml;lte einer Gegenseite in &lt;i&gt;Yella&lt;/i&gt;, sein Schauspieler, ist in Hal Hartleys &lt;i&gt;Fay Grim&lt;/i&gt; ein franz&amp;ouml;sischer Agent &amp;#8211; oder &amp;auml;hnliches. In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; sieht man die Tochter des sich trennenden Paares den Brief ihres sterben wollenden Gro&amp;szlig;vaters lesen, in Gro&amp;szlig;aufnahme. Den Augenbewegungen zu Folge wird sie bis zum Schnitt das erste Drittel gelesen haben. An welcher Stelle des Briefes, der recht kunstvoll l&amp;auml;ngst gefaltet und dementsprechend in einem langen schmalen Umschlag geschickt wurde, der Gro&amp;szlig;vater seine Ank&amp;uuml;ndigung macht, wei&amp;szlig; ich nicht. In &lt;i&gt;Wolfsbergen&lt;/i&gt; scheint die nun ohne St&amp;ouml;rung laufende Bildtonmusik im Haus des Gro&amp;szlig;vaters einmal extradiegeti